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Nederlands
Informationen zur niederländischen Sprache und Kultur
Stand der Bearbeitung: 3.3.2004
Zuletzt aktualisiert am 12.12.2007
Anders als wir Deutschen kennt jeder Niederländer die Fakten unserer jüngsten gemeinsamen Geschichte. Wer sich mit Niederländisch und den Niederländern beschäftigt, begegnet früher oder später den gräßlichen Fakten aus dem Zweiten Weltkrieg; denn diese sind in den Niederlanden noch längst nicht vergessen, auch wenn sich nun die Wogen glätten. Die Berliner Zeitung hat eine informative Chronik der Beziehungen veröffentlicht, aus der ich hier Auszüge aus der jüngsten Geschichte zitiere:
Quelle:
N.N.: Chronik einer Beziehung.
Aus der Beilage in der Berliner Zeitung Nr. 52 vom 2.3.2004: Botschaft der Niederlande, erschienen anläßlich der Eröffnung der neuen Botschaft des Königreichs der Niederlande in Berlin am Dienstag, dem 2. März 2004.
Berlin und Brandenburg verbindet mit den Niederländern eine lange und ereignisreiche Geschichte. Philosophen, Baumeister und Ingenieure aus Holland prägten hier entscheidend die Kultur von mehreren Epochen. Kaufleute brachten Waren aus der ganzen Welt, jahrhundertelang waren die Niederländer wichtige Handelspartner. Dann vernichteten die Deutschen im Zweiten Weltkrieg ihr Land. Heute, nach einem schwierigen Prozeß der Wiederannäherung, haben die beiden Nationen in der Europäischen Gemeinschaft wieder ein gemeinsames Ziel vor Augen.
GESCHICHTE
Den Beginn der Geschichte der Niederlande markiert die Gründung der Republik im Jahr 1588. Sieben selbständige Provinzen, unter ihnen auch das reiche Holland, hattten sich gegen das absolutistische Spanien zusammengeschlossen.
In dieser Zeit rückten die Niederlande zur europäischen Zentral- und Handelsmacht auf. Deutschland, Frankreich und England spielten politisch, kulturell und militärisch nur eine untergeordnete Rolle. Das tolerante Geistesklima in den Niederlanden, das nicht zuletzt aus dem Nebeneinander zahlreicher Konfessionen zu erklären ist, war von entscheidender Bedeutung für die damalige Vormachtstellung. Viele Gelehrte, aber auch Menschen, die andernorts verfolgt wurden, fanden in den Niederlanden eine zweite Heimat. Vor allem die Handelsbeziehungen, die die Niederländer unterhielten, führten auch zu einer engen Verbindung niederländischer und deutscher Kultur. Im 17. Jahrhundert holten Brandenburg und Preußen niederländische Spezialisten ins Land, um ihre wirtschaftliche Entwicklung zu befördern. Ohne Niederländer wäre der Aufstieg Preußens im 18. Jahrhundert kaum möglich gewesen.
1605 /1613 / 1634 / 1647 / 1648 / 1650 / Bis 1654 / 1676 / 1670-1700 / 1701 / 1713-1740 / 1747 / 1786 / 1787 / 1795 / 1815 / 1815-1870 / 1871 / 1914-1918 / 1920 / 1920-1930 / 1930-1940 / 1940 / 1945 / 1945-1946 / 1947 / 1949 / 1950 / 1951 / Bis 1955 / 1955 / 1959 / 1960 / 1961 / 1965 / 1966 / 1969 / 1971 / 1973 / 1974 / 1980 / 1987 / 1988 / 1991 / 1995 / 2002 / 2003 / 2004
1914-1918
Im ersten Weltkrieg bleiben die Niederlande neutral.
1920
Der letzte deutsche Kaiser Wilhelm II. geht ins Exil in das niederländische Doorn und bleibt dort bis zu seinem Tod. (s. auch Schlösser und Beginenhöfe (begijnhoftjes) in den Niederlanden und Flandern)
1930-1940
Die 30er Jahre sind gleichermaßen für die Niederlande und Deutschland Krisenjahre. Die niederländische Gesellschaft ist in verschieden gesellschaftliche Segmente zergliedert. Es gibt vier große Bevölkerungsgruppen: Katholiken, strenggläubige Protestanten, Sozialdemokraten und eine liberale Gruppierung. Jede dieser Gruppen verfügt über ein eigenes Organisationsprinzip, hat eigene Kirche, Parteien, Schulen, Rundfunkanstalten. (s. auch Vom niederländischen Rundfunk und mehr über die Versäulung der Niederlande: http://www.stollenweb.de/bachelor/Publiek__media_en_politiek_-_Ueber_das_Verhaeltnis_zwischen_politischer_Kultur_und_politischer_Kommunikation_in_den_Niederlanden.pdf)
1940
Im Mai werden die neutralen Niederlande innerhalb von 5 Tagen ohne Kriegserklärung von Deutschland besetzt. Die Königin und die Minister fliehen ins Londoner Exil. Am 14. Mai wird Rotterdam durch deutsche Bombardierung stark zerstört. Im Laufe des Krieges sterben 250.000 Niederländer. Bis zu 700.000 Niederländer müssen Zwangsarbeit leisten (s. hierzu auch ein Kunstprojekt "Der Löffel meines Vaters" von 2002). Der Überfall der deutschen Armee beendet die über ein Jahrhundert währende kriegsfreie Epoche der Niederlande und bedeutet einen heftigen Schock für die niederländische Bevölkerung. Es kommt zwar zu keinen weiteren Kampfhandlungen mehr, die Niederlande werden als "germanisches Bruderland" in ein Reichskommissariat verwandelt, aber das am Anfang gemäßigte Vorgehen der Deutschen Besatzung gegenüber der nichtjüdischen Bevölkerung wird im Laufe des Krieges immer repressiver. Die Judenverfolgung dagegen wird von Beginn an mit einer fürchterlichen Präzision betrieben. 100.000 von 140.000 Juden in den Niederlanden werden Opfer der grausamen Vernichtungsmaschinerie der Deutschen. (s. auch Prins der Nederlanden, prins Bernhard)
1945
Am 5. Mai kapitulieren die deutschen Truppen in den Niederlanden. Zuvor haben sie die meisten Brücken und Häfen des Landes zerstört, komplette Industrieanlagen von Betrieben wie Philipps und Shell demontiert und große Poldergebiete geflutet. Die Niederlande befinden sich in der desolatesten Situation seit ihrem Bestehen.
1945-1946
Nach dem Krieg ist der Weg zur Normalisierung lang und schwierig. Wirtschaftlich und politisch kommt es zwar rasch wieder zu engen Verbindungen zwischen Deutschland und den Niederlanden, die subjektve Stimmung dagegen bessert sich kaum. Der führende niederländische Sozialdemokrat Willem Drees plädiert für eine gemäßigte alliierte Politik gegenüber Deutschland. Es dürfe nicht derselbe Fehler wie nach dem Ersten Weltkrieg gemacht werden, und dies bedeute: keine astronomisch hohen Reparationszahlungen, keine umfänglichen territorialen Veränderungen, sondern Aufnahme Deutschlands in die Beziehungen der internationalen Gemeinschaft und nach einer Übergangszeit auch wieder Zuerkennung einer gleichberechtigten Stellung.
1947
In einer Volksbefragung sprechen sich 72 Prozent der Niederländr dafür aus, die wirtschftliche Zusammenarbeit mit Deutschland wieder aufzunehmen. Der Prozentsatz der Menschen, die eine grundsätzlich negative Haltung einnehmen, liegt allerdings bei 53 Prozent. Hier zeigt sich die Diskrepanz zwischen wirtschaftlichen Interessen und dem grundsätzlichen gefühl, das die Niederländer den Deutschen gegenüber hegen.
Im März werden die ersten zehn VW-Käfer von dem Niederländer Ben Pon nach Holland importiert. Er ist es auch, der im selben Jahr die ersten Skizzen für die Grundform des VW-Transporters anfertigt und somit den Anstoß für dessen Entwicklung gibt. Der Käfer und der VW-Bus werden zu einem Verkaufsschlager in den Niederlanden. 1952 gibt es in den Niederlanden schon mehr Käfer als Autos jeder anderen Marke.
1949
Am 23. April annektieren die Niederländer ein 69 Quadratkilometer großes Areal am Niederrhein, in dem 10.000 Deutsch leben. Grund dafür sind allgemeine wirtschaftliche Vorteile für die Niederlande sowie die strategische Überlegung, für spätere Forderungen aus Deutschland ein Tauschpfand zu besitzen. Am 27. Dezember entlassen die Niederlande nach dem Unabhängigkeitskrieg ihre ehemalige Kolonie Indonesien in die Souveränität. Gründung der Bundesrepublik Deutschland und der DDR.
1950
Die Westdeutschen sind wieder wichtigster Handelspartner der Niederlande.
1951
Der Kriegszustand zwischen Deutschland und den Niederlanden wird beendet.
Bis 1955
Schon Anfang der 50er Jahre unterstützen die Niederländer aus sicherheitspolitischen Erwägungen die volle und gleichberechtigte Aufnahme der Bundesrepublik in das westliche Bündnis. Das Intersse an einer starken westlichen vErteidigung überwiegt das Unbehagen und Mißtrauen, das die Niederländer Westdeutschland gegenüber hegen. Der Tourismus zwischen den Niederlanden und Deutschland entwickelt sich schnell mit der Verbesserung der wirtschaftlichen Lage... 1954 gibt die deutsche Tourismusbranche ein Merkblatt heraus, um das oftmals unsensible Auftreten der Deutschen gegenüber den Niederländern einzudämmen.
1955
Die Bundesrepublik Deutschland wird mit niederländischer Unterstützung in die NATO aufgenommen. Es werden eine Million Übernachtungen von Niederländern in Deutschland gezählt. (S. auch Het Nederlandse Duitslandbeeld (o.a. Bevrijdingsdag en Dodenherdenking) - das Deutschlandbild der Niederländer (u.a. Befreiungstag und Gedenken an die Toten))
1959
Die Zahl der Übernachtungen von Deutschen in den Niederlanden erreicht die Millionenmarke.
1960
Nachdem die Bundesrepublik den Vertrag zur sogenannten Generalbereinigung unterschrieben hat, beginnen sich die bilateralen Beziehungen zu normalisieren. Am 1. August 1963 tritt der Ausgleichsvertrag in Kraft. Die Bundesrepublik zahlt 280 Millionen DM als Schadensersatz für die Besatzungszeit. Die Niederlande geben im Gegenzug die von ihnen 1949 besetzten Gebiete am Niederrhein zurück. Das bisher nur als Logo existierende "kaasmeisje" wird auf der Grünen Woche in West-Berlin als "Frau Antje" lebendig. Seither steht die in einer Mischung verschiedener regionaler Trachten gekleidete "Frau Antje" als Symbol für den "Käse aus Holland".
1966
Kronprinzessin Beatrix heiratet den deutschen Diplomaten Claus von Amsberg in Amsterdam. In den Niederlanden wird das Ereignis von Protesten begleitet.
1969
Der deutsche Bundespräsident Gustav Heinemann besucht die Niederlande. Es handlet sich um den ersten Besuch eines deutschen Staatsoberhauptes nach dem Krieg. Heinemann verkörpert, wie auch der eben zum Bundeskanzler gewählte Willy Brandt, eine neue Richtung in der deutschen Politik. Viele Politiker vor ihnen hatten an ein schnelles Vergessen geglaubt und sich auch so verhalten. So schreibt der bundesdeutsche Botschaftsrat Werner von Holleben großspurig in einem Bericht: "Ob sie Journalisten, Beamte oder Kaufleute sind, im Grunde bleiben die Niederländer Bauern. Sie vergessen ebenso langsam, wie sie denken."
1971
Die niederländische Königin Juliana stattet der Bundesrepublik einen Staatsbesuch ab. Sie kommt nicht nach West-Berlin.
1973
Die DDR und die Niederlande vereinbaren gegenseitige diplomatische Anerkennung.
1974
Bei der Fußballweltmeisterschaft verlieren die Niederländer im Finale gegen die Elf der Bundesrepublik 1:2.
1980
Beatrix wird Königin der Niederlande.
1987
Der Staatsratvorsitzende Erich Honecker besucht die Niederlande.
1988
Bei der Fußball-Europameisterschaft treffen die Bundesrepublik und die Niederlande im Endspiel aufeinander. Die Niederländer gewinnen 2:1. Der niederländische Historiker Hermann von der Dunk spricht "von der zweiten Befreiung". Die militärische Niederlage von 1940 und die sportliche Niederlage von 1974 seien "die zwei entscheidenden Niederlagen gegen Deutschland in unserem Jahrhundert" gewesen.
(s. auch André Hazes)
1991
Im April 1991 besucht Königin Beatrix als erstes ausländisches Staatsoberhaupt die neuen Bundesländer. Bundespräsident von Weizsäcker erhält die Ehrendotorwürde der Erasmus-Universität Rotterdam.
1995
Im Mai hält Bundeskanzler Kohl eine Rede in Rotterdam, die von einem Großteil der Niederländer sehr positiv aufgenommen wird.
2002
Prinz Claus stirbt am 6. Oktober.
2003
Die Botschaft der Niederlande zieht aus dem Handelszentrum an der Friedrichstraße in das neue repräsentative Gebäude in die Klosterstraße.
2004
Am 2. März eröffnet Königin Beatrix offiziell die neue Botschaft. (s. auch Koningin Beatrix opend nieuwe ambassade in Berlijn)
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