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Stand der Bearbeitung: 25.1.2005
Zuletzt bearbeitet: 23.11.2011
Voor een alarmsysteem is geen extra geld nodig
Aceh, die nördlichste Provinz Indonesiens, war am schwersten betroffen
Opferzahlen steigen stetig
Provinz des Mißtrauens
In der Bürgerkriegsregion schweigen nach dem Seebeben die Waffen
Indonesiens Flutopfer
Meer dan 10 miljard euro schade
Rebellen leggen wapens neer
Die Stadt Aceh nach der Flut
Hilfe von den Amerikanern
Hilfsprojekt mit Partnerstadt Djakarta vom Berliner Senat geplant
Berliner Generalstaatsanwalt will Fluthilfe vermitteln
Gläubigerländer erwägen Schuldenerlaß vor allem für Indonesien
Entlastung
Nutzen und Schaden eines Schuldenerlasses
Anfrage für konkretes Hilfsprojekt
Hilfe stockt
Psychologische Spätfolgen
Im Katastrophengebiet Aceh lief die Hilfe nur schleppend an
Unterstützung aus aller Welt
Indonesien und die Fluthelfer
Wird die Hilfe mit Schulden verrechnet?
Kritik an Indonesien
Das Monster Schlamm
Annan: Vorbeugen...
Eine Marke für die Flut
Neuanfang
Kahlschlag in der Provinz Aceh
Anzahl der Toten und Vermißten
Hilfe für die Fluten
120 Rebellen in Aceh getötet
Indonesien will mit Rebellen verhandeln
Hanum mist vier kinderen uit haar klaas
Christina Rau wird Schröders Flutbeauftragte
Die Hilfe kommt teuer
Indonesien will das deutsche Flutwarnsystem
Bojen gegen den falschen Alarm
In Helsinki neue Gespräche über Aceh?
Schiff für "Ärzte ohne Grenzen" im Einsatz vor Sumatra
Rotes Kreuz und Bundeswehr streiten über Hilfe
Fischer (deutscher Außenminister) sagt Indonesien mehr Hilfe zu
174.000 Flutopfer auf Sumatra
Indonesien siedelt Flutopfer um
Internationaler Hilfsfonds für Indonesien
Land Berlin hilft Flutopfern auf Sumatra
Friedensgespräche für Aceh
Aceh-Rebellen in Indonesien verhandlungsbereit
Die Hilfe reicht bis auf die Andamanen
In drei Jahren gibt es das Warnsystem
Warnsystem für den Tsunami kann starten
Abzug der Bundeswehr
Panik nach Seebeben
Überlebende in Not
Rotes Kreuz kritisiert Asien-Hilfe
Interview zur Verwendung der Spendengelder
Hilfswerke warnen vor Korruption in Tsunami-Region
59 Millionen für Wiederaufbau in Indonesien
Deutschland hilft
Friedensabkommen mit der Provinz Aceh
Tsunami-Alarm auf Art der Delfine
Die Küste verschiebt sich täglich
Satellit für Indonesien
Hoffen auf Unterstützung nach dem Tsunami
Tsunami-Boje in Jakarta
Mangroven mildern Tsunami-Folgen
Hilfeleistungen
Drei Jahre nach der Katastrophe
Mit GPS gegen die Riesenwellen (Tsp Nr. 21149, 7.11.2011, S. 19)
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Michael Persson: Voor een alarmsysteem is geen extra geld nodig. de Volkskrant, dinsdag 28 december2004, blz. 5
Om 00.14 uur Nederlandse tijd, een kwartier na de beving bij Sumatra, stuurt de computer van het Pacific Tsunami Warning Center op Hawaii zondag een bulletin naar de meteorologische diensten rond de Stille Oceaan. 'Dit bericht is slechts ter informatie. Er heeft zich een aardbeving voorgedaan voor de westkust van Noord-Sumatra. De aardbeving is gesitueerd buiten de Pacific. Er dreigt geen vernietigende tsunami.'
Daar niet, nee. Wél in andere gebieden, rond de Indische Oceaan. Maar die landen zijn geen lid van het netwerk. En hebben zelf geen systeem dat volautomatisch voor mogelijke tsunami's waarschuwt.
...
Belangrijkste is de locatie van een aardbeving. Elk epicentrum in zee betekent potentieel gevaar. Het localiseren kost hooguit een kwartier. Volgens Haak (van het KNMI) zijn de seismoligische centra van landen als Indonesië, Thailand en India daar goed genoeg voor uitgerust.
Een half uur na de beving zijn niet alleen de kracht en locatie van de beving bekend, maar is ook de manier gerecontrueerd waarop de aardschollen tegen elkaar zijn gebotst…
Wanneer de aardplaten parallel langs elkaar zijn geschoven, zullen er nauwelijks golven van het oceaanoppervlak ontstaan. Alleen als een van de bodemplaten omhoog is gekomen, na een min of meer frontale botsing, kan een tsunami optreden. Informatie over de beweging van de aardschollen wordt door gespecialiseerde seismologische instituten verspreid.
Om de bevolking te waarschuwen zijn volgens Haak dan ook geen dure meetboeien of satelliten nodig. Maandag voerden Indiase en Thaise woordvoerders das gemis aan als reden voor het uitgebleven alarm. Met zulke boeien, die de zeespiegel meten, is wel te zien of een voorspelde tsunami inderdaad is ontstaan...
In Thailand zat er zondag ongeveer een uur tussen de beving en de tsunami, in India en Sri Lanka twee uur en een kwartier. Vooral India en Sri Lanka hadden volgens Haak dus tijd genoeg om actie te ondernemen.
'De vraag is echter hoe je de mensen bereikt. Er is geen systeem zoals in Amerika, waar de televisie als snel en wijdverspreid communicatiemiddel fungeert.'
Aceh, die nördlichste Provinz Indonesiens, war am schwersten betroffen
Moritz Kleine-Brockhoff, Djakarta und Christine Möllhoff, Neu-Delhi (mit dpa): Erst zitterte die Erde, dann ging sie unter: Um die Region, die dem Beben am nächsten lag, war es am stillsten. Aceh, die nördlichste Provinz Indonesiens, war abgeschnitten von der Welt. In der Gewalt der Natur. Der Tagesspiegel Nr. 18700, 28.12.2004, S. 3
...
Aceh, Nordsumatra, Indonesien.
… spät kommen Bilder aus Aceh, der nördlichsten Provinz Indonesiens. 55.000 Quadratkilometer, dreieinhalb Millionen Einwohner. 150 Kilometer westlich lag das Epizentrum des gewaltigen Seebebens, das die Flutwellen auslöste, die die Ränder des Indischen Ozeans überschwemmten. Weil Aceh dem Ursprungsort der Katastrophe so nahe ist, wurde die Gegend als einzige von zwei Naturgewaltengepeinigt: dem Beben und der Flut.
Am Sonntagmorgen, kurz nach dem ersten Zittern der Erde und der ersten überschwemmung, ist Aceh von der Außenwelt abgeschnitten. Die Flughäfen stehen unter Wasser, Straßen sind aufgebrochen und voller aus der Erde gerissener Baumstämme, es gibt keinen Strom, die Telefone funktionieren nicht, auch das Mobilfunknetz ist zusammengebrochen. Die Welt erfährt vom Tod und der Zerstörung in Sri Lanka, Indien und in anderen Ländern, die tausende Kilometer entfernt sind. Von den Küsten in der Nähe des Epizentrums, aus Indonesien, ist wenig zu hören. Am Sonntagabend dann ist von vielen Opfern auf Sumatra die Rede. Und am Montag wird das Ausmaß der Katastrophe deutlich: Indonesiens Vizepräsident Jusuf Kalla sagt, daß er mit 10.000 Toten rechnet. Die meisten Menschen starben - höchstwahrscheinlich - in einer Stadt, in Banda Aceh.
Die Provinzhauptstadt liegt an der Nordspitze Sumatras. In Banda Aceh standen viele einfache Häuser, und es steht hier eine prachtvolle, schneeweiße Moschee. Sie ist das wichtigste Bauwerk der Stadt, fast alle 200.000 Einwohner sind Moslems. 3000 von ihnen sollen tot sein. Weil unter Trümmern vermutlich noch viele Leichen liegen, schätzt ein Beamter, daß es 5000 Tote gab. Die meisten davon sind Frauen und Kinder, wahrscheinlich ging ihnen beim Kampf um das Leben früher die Kraft aus als den Männern.
Zwei indische Reporter erreichen die Stadt am Montagmittag und geben Augenzeugenberichte wieder. Sie erzählen, daß schon das erste Beben - das größte - innerhalb von Sekunden viele Häuser zerstörte. Noch während die Erde zitterte, kam die erste Flut, an der Küste mit einer zehn Meter hohen Welle. Das Wasser schwappte mehrere Kilometer landeinwärts, in den Straßen von Banda Aceh stand es bis zu drei Metern hoch. In den folgenden Stunden wechselten sich Nachbeben und neue Wassermassen ab. "In Küstennähe steht nichts mehr, und es gibt kein Zeichen von Leben. In der Innenstadt von Banda Aceh ist die Hälfte aller Gebäude zerstört", berichten die beiden Journalisten, "Leichen liegen überall, manche noch auf den Straßen, manche schon in Schulen, in Moscheen, in Krankenhäusern und beim Roten Kreuz." Viele Menschen werden vermißt, auch hunderte Fischer und fast 1000 Sportler, die an einem Dauerlauf teilnahmen.
Die stolze Moschee im Stadtzentrum steht noch, ihre dicken Wände haben gehalten. Um sie herum liegen Trümmer auf dem Boden, von all den anderen Gebäuden. Autos stehen darin wie in einem Meer aus Müll. Man kann nur ihre Dächer sehen.
Natürlich brauchen die Überlebenden schnell Medikamente, Essen, Trinken und Betreuung. Doch den Menschen in Banda Aceh zu helfen, ist kompliziert. Das Beben hat den Kontrollturm des Flughafens beschädigt, die Landebahn war lange überschwemmt. Mittlerweile sollen die ersten Maschinen angekommen sein. Aber die Straße, über die Güter und Helfer vom Flughafen zur Stadt gebracht werden könnten, scheint immer noch unpassierbar zu sein.
In Medan, der nächstgelegenen, unversehrten Großstadt, ein paar 100 Kilometer im Süden, soll eine Hilfsaktion koordiniert werden. Aber das ist schwierig, weil es in Banda Aceh keinen Strom und nur wenige intakte Telefonleitungen gibt. Die staatliche Telekom-Firma kann nur ganz langsam reparieren, es kamen am Montag kaum Angestellte zur Arbeit.
Weil Kommunikation fast unmöglich ist, weiß niemand genau, wie schlimm die Lage außerhalb der Provinzhauptstadt ist. Von Acehs dünn besiedelter Südküste gibt es keine Nachrichten. An der Nordküste, wo mehrere kleine Städte und viele Dörfer am Meer liegen, sollen auch tausende gestorben sein. Auf beiden Seiten von Sumatras Nordspitze liegt hinter dem Strand viel flaches Land, erst nach ein paar Kilometern geht es hoch in die Berge. In allen Dörfern standen Häuser aus Holz oder Bambusstangen mit Dächern aus Wellblech oder Palmenblättern.
Die Menschen in Aceh haben nicht viel. Kaum jemand kann sich an Frieden erinnern. Seit Mitte der 70er Jahre herrscht fast ununterbrochen Krieg. Auf der einen Seite stehen die acehnesischen Separatisten der "Bewegung Freies Aceh". Auf der anderen Seite ist Indonesiens Militär; es will die Rebellen "ausrotten". Dazwischen sind die Zivilisten gefangen. Von ihnen erpressen die Separatisten Steuern oder die Söhne, und die indonesischen Soldaten erzwingen brutal Informationen, die helfen könnten, Rebellen zu finden.
Aber, wer weiß, vielleicht wird sich wenigstens das nun ändern. Das indonesische Militär hat den Rebellen einen Waffenstillstand angeboten; gemeinsam könne man ja jetzt versuchen, den Menschen zu helfen.
... Thailand ... Malaysia ... Myanmar, dem ehemaligen Burma ...
Indien ...
... ... ...
In Indien verwüsteten die Fluten die Küste über 2000 Kilometer Länge... "... Dieses Rumpeln, dieser Lärm, das steigende Wasser." ...
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In Indonesien, in Nordsumatra, dort, wo seit Jahrzehnten Krieg ist und nun auch noch die Natur sich gegen die Menschen wandte, dort heben jetzt Bulldozer Erde für Massengräber aus. Deren Fläche: drei Hektar.
Opferzahlen steigen stetig
N.N.: NATURKATASTROPHE IN ASIEN. Die Opferzahlen steigen stetig. Tödliche Wellen. Der Tagesspiegel Nr. 18701, 29.12.2004, S. 4
Mehr als 55.000 Opfer sind bislang bestätigt. Noch sind längst nicht alle Toten gezählt- und jetzt drohen Seuchen.
Malediven
...
Indien
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Thailand
...
Malaysia
...
Somalia
. ..
Tansania, Kenia, Seychellen
...
Sri Lanka
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Andamanen und Nicobaren
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Indonesien
Tote: 25.000
Besonders in Mitleidenschaft gezogen wurde die Unruheprovinz Aceh auf der Insel Sumatra, die dem Epizentrum des Seebebens am nächsten lag. 17 Küstendörfer wurden nach Angaben der örtlichen Behörden einfach weggespült. Soldaten und freiwillige Helfer drangen in abgelegene Ortschaften der Provinz Aceh vor und suchten in den Trümmern von Häusern nach Toten und Überlebenden. In Moscheen und Schulen drängten sich tausende Obdachlose.
Provinz des Mißtrauens
Moritz Kleine-Brockhoff, Djakarta: Provinz des Mißtrauens. Der Tagesspiegel Nr. 18702, 30.12.2004, S. 3
Auf Nordsumatra hat die Flut Rebellen und Militär zu einer Kampfpause gezwungen. Sie wird nur von kurzer Dauer sein
An den Kreuzungen der Stadt Lhokseumawe stehen Soldaten mit Maschinengewehren. An der Hauptstraße in Richtung Norden, kurz nach dem Stadtrand, beginnt auf beiden Seiten ein langer Stacheldrahtzaun. Dahinter liegt auf der linken Seite ein Golfplatz, auf der rechten ... eine Industrieanlage. "PT Arun" steht auf einem Schild vor der Einfahrt. Sechs Soldaten mit Maschinengewehren bewachen sie. Weiter Richtung Norden, vorbei an ausgebrannten Häusern, vor denen Menschen mit zerrissener Kleidung stehen. Nach ein paar Kilometern geht es rechts ab zum Hafen. Zwei Kriegsschiffe der indonesischen Marine haben festgemacht. 300 Soldaten sind schon ausgestiegen, jetzt rollen Panzer aus dem Maul der "Gilimanuk", eines riesigen Militärfrachtschiffs.
Das sind Eindrücke aus Indonesiens Provinz Aceh im Jahr vor der Katastrophe... Nach Lhokseumawe und in die Nachbarorte kommen seit Jahrzehnten Soldaten aus der Hauptstadt Djakarta. Sie kontrollieren alles und jeden. Die Firma "PT Arun", ihr Hauptsitz ist in Djakarta, fördert in Aceh Flüssiggas und exportiert es. Von den Milliarden-Einnahmen haben die Acehnesen nichts gesehen, sie sind arm. Sie tragen Golfschläger, wenn Generäle des indonesischen Militärs eine Runde spielen.
Aceh war vor Jahrhunderten ein Sultanat. 1873 erklärten die Holländer Aceh den Krieg; sie kontrollierten damals bereits den Rest des heutigen Indonesiens. Nach 30 blutigen Jahren war Acehs Sultan besiegt; sein Reich wurde Teil der großen holländischen Kolonie Indonesien. Als das Land nach dem Zweiten Weltkrieg unabhängig wurde, blieben die alten Kolonialgrenzen. Staatsgründer Sukarno hatte Aceh und mehreren anderen Provinzen das Recht auf Selbstbestimmung in Aussicht gestellt. Später wollte er davon nichts mehr wissen. Präsident Sukarno und sein Nachfolger Suharto schlugen Unabhängigkeitsbewegungen in vier Provinzen nieder. In Aceh trägt der Kampf für die Rückkehr des unabhängigen Sultanats sein 1976 den Namen GAM, "Bewegung Freies Aceh". Seitdem sind 20.000 Menschen bei Kämpfen gestorben.
Jetzt, in den Tagen nach der Flut, wird in Aceh nicht mehr gekämpft. Das Kriegsrecht war schon vor sieben Monaten einem zivilen Notrecht gewichen; allerdings hatten GAM und Indonesiens Militär weiter aufeinander geschossen. Erst nach dem Beben vom vergangenen Sonntag vereinbarten beide Seiten einen Waffenstillstand. In der großen Not helfen die indonesischen Soldaten, vor denen die Acehnesen normalerweise zittern. Ob die GAM-Rebellen aus ihren Verstecken in den Bergen herunterkommen und auch anpacken, ist noch nicht klar. Vor ihnen haben in normalen Zeiten auch manche Acehnesen Angst. GAM treibt Steuern oder Söhne ein, wenn es sein muß, mit Gewalt. Auf allen Seiten herrscht, Katastrophe hin oder her, Mißtrauen. Alle glauben, daß es nur eine Frage der Zeit sei, bis wieder gekämpft wird.
Indonesien hat internationale Hilfe nur zögerlich angenommen. Obwohl die Provinz für Helfer aus dem Ausland jetzt offen sein soll, scheint es immer noch hohe bürokratische Hürden zu geben, die wichtige Zeit kosten. Aceh war seit Mai 2004 für Ausländer gesperrt. Der Konflikt soll international kein großes Thema sein, GAM so wenig Aufmerksamkeit erhalten wie möglich. Und schon gar keine Hilfe. Die Rebellen brauchen internationale Kontakte. Sie brauchen Geld und Waffen, beides muß geschmuggelt werden. Indonesiens Militär will das verhindern und mißtraut jedem Ausländer, der nach Aceh will.
Eine Lösung des Konflikts ist nicht in Sicht. GAM rückt nicht vom unrealistischen Unabhängigkeitsziel ab, will mindestens ein Referendum darüber. Indonesiens Regierung kann das nicht gewähren. Wegen Aceh ist Indonesien der weltgrößte Flüssiggasexporteur. Im riesigen Archipel gibt es auch viele andere Bodenschätze, zum Beispiel öl; Indonesien ist Asiens einziges OPEC-Mitglied. Im Osten des Landes, in der Provinz Papua, liegt die größte Goldmine der Welt. Auch dort kämpft eine Unabhängigkeitsbewegung. Wenn Djakarta irgendwo im Land ein Rütteln an den alten, holländischen Kolonialgrenzen zuläßt, könnte, so die Sorge der Regierung, der Staat auseinanderbrechen. In Djakarta findet man, den Acehnesen schon sehr viel gegeben zu haben. Die Provinz Aceh bekam einen "speziellen Autonomiestatus". In ganz Indonesien sind 90 Prozent der Bevölkerung Moslems, aber die Acehnesen praktizieren eine strengere Form des Islams. Wegen der Autonomie darf hier die Scharia gelten, islamisches Recht. Nur in Aceh gibt es eine strenge Kleiderordnung für Frauen und Religionsgerichte. Die Autonomie sieht auch vor, daß Rohstoffeinnahmen aus Aceh in Zukunft zum großen Teil in der Provinz bleiben. Umgesetzt ist das noch nicht...
In der Bürgerkriegsregion schweigen nach dem Seebeben die Waffen
Ruth Ciesinger und Ulrike Scheffer: Ruhe nach der Flut. In den Bürgerkriegsregionen in Sri Lanka und Indonesien schweigen nach dem Beben die Waffen - die Frage ist, wie lange. Der Tagesspiegel Nr. 18703, 31.12.2004, S. 4
Politische Konflikte behindern die Einsätze der Retter
In Aceh helfen vor allem Indonesiens Soldaten
INDIEN
Bevölkerung: 1,1 Milliarden
Flutopfer: 13.000
...
BANGLADESCH
Bevölkerung: 140 Millionen
Flutopfer: 2
...
BURMA
Bevölkerung: 52 Millionen
Flutopfer: 36
...
THAILAND
Bevölkerung: 63,8 Millionen
Flutopfer: 2.400
...
MALEDIVEN
Bevölkerung: 290.000
Flutopfer: 67
...
SRI LANKA
Bevölkerung: 19,3 Millionen
Flutopfer: 27.000
...
INDONESIEN
Bevölkerung: 210 Millionen
Flutopfer: 80.000
Staatsform: Präsidialrepublik
Politische Stabilität: Das Zusammenleben der mehr als 30 ethnischen Bevölkerungsgruppen des Inselreichs ist nicht spannungsfrei. Mehrere Gruppen streben Unabhängigkeit an. Es gibt zudem Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Christen.
MALAYSIA
Bevölkerung: 23,3 Millionen
Flutopfer: 64
...
Indonesiens Flutopfer
| Datum (Quelle) |
Anzahl der Toten |
| 29.12.2004 (Der Tagesspiegel) |
25.000 |
| 29.12.2004 (De Standaard) |
27.174 |
| 30.12.2004 (Der Tagesspiegel) |
80.000 |
| 29.12.2004 (De Standaard) |
45.268 alleen in Meulaboh *
|
| 8.1.2005 (Der Tagesspiegel) |
114.000 |
| 29.3.2005 (Der Tagesspiegel) |
127.000 Leichen in Banda Aceh |
| 24.1.2005 (Der Tagesspiegel) |
174.000 Flutopfer auf Sumatra |
| 12.2.2005 (Der Tagesspiegel) |
231.000 Menschen ums Leben gekommen oder werden noch vermißt |
| 29.3.2005 (Der Tagesspiegel) |
mindestens 273.000 Menschen ums Leben gekommen (gesamte Tsunami-Region) |
*Verdere informaties:
-
Atjeh, op het eiland Sumatra, zwaarst getroffen
-
100.000 gewonden
-
Kritieke zones nog moelijk bereikbaar voor hulp
-
In stad Meulaboh is een kwart van inwoners dood. Doden: 45.268
Bron: De Standaard: Na de vloedgolf. Donderdag 30 december 2004, blz. 2:
Doden - vermisten onder Europeanen :
Zweden:
54-1.500
Noren:
13-440
Duitsers:
26-1.000
Britten:
26
Fransen:
20-36
Italianen:
14-600
Belgen
4-30
Nederlanders:
5
Meer dan 10 miljard euro schade
reuters/bloomberg/ap: ECONOMISCHE IMPACT VLOEDGOLF KLEINER DAN MENSELIJKE TRAGEDIE. Meer dan 10 miljard euro schade. De Standaard, woensdag, 29 december 2004, blz. 6
De economische weerschlag van de aardbeving en de vloedgolven die de kusten van Zuid-Azië hebben getroffen, ligt aanzienlijk lager dan de menselijke schade. Economen verwachten niet dat de impact van de ramp grote gevolgen heeft voor de economiën in de regio. Toch rekent de Duitse verzekeraar Munich Re op in totaal meer dan 10 miljard euro schade.
... ... ...
Indonesië zal ook weinig economische gevolgen van de ramp ondervinden. De provincie Atjeh, die het zwaarst getroffen werd, vertegenwoordigt maar 3,3 procent van het bbp van het land. De economische productie in de provincie komt voor een groot deel van de olie- en gasproductie en die zou voor het grootste deel normaal werken…
... ...
Rebellen leggen wapens neer
reuters/bloomberg/ap: Rebellen leggen wapens neer in dubbel getroffen Atjeh. De Standaard, woensdag, 29 december 2004, blz. 6
De indonesische provincie Atjeh is een van de weinige plekken die behalve door vloedgolven ook zijn getroffen door de zeebeving die daar de oorzaak van was. Er zijn duizenden doden gevallen en de schade is enorm. De rebellen die al tientallen jaren voor onafhankelijkheid vechten, hebben een staakt-het-vuren afgekondigd om hulpverlening mogelijk te maken.
...
Afgelegen kustdorpen in de provincie, waar drieduizend van de vijfduizend doden zijn gevallen die in Indonesië zijn geteld, zijn volledig weggespoeld. De autoriteiten vrezen dat het dodental tot tienduizend kann stijgen, als de volle omvang van de schade in Atjeh duidelijk is geworden.
De beweging voor een Vrij Atjeh (GAM) maakte maandag bekend dat ze een bestand in acht zal nehmen om hulporganisaties in staat te stellen zonder gevaar hun werk te doen.
Ongeveer de helft van de tienduizend Indonesische militairen die Atjeh zijn om de rebellen te bestrijden is ingezet bij de hulpverlening en president Susilo Bambang Yudhoyono heeft de strijdende partijen maandag bij een bezoek aan Atjeh opgeroepen op de handen ineen te slaan.
... Buitenlandse journalisten mogen van de regering vrijuit door het anders vrijwel volledig van de buitenwereld afgesloten Atjeh reizen en hulporganisaties mogen medicijnen, voedsel en andere hulpgoederen brengen.
"De regering heeft internationale hulp gevraagd, wat ze sinds ik hier ben nog nooit heeft gedaan", zegt Michael Elmquist, die al vier jaar aan het hoofd staat van het Kantoor voor Coördinatie van Humanitaire Aangelegenheden van de Verenigde Naties in de Indonesische hoofdstad Jakarta.
Volgens Elmquist heeft de luchtmacht opdracht gekregen hulpvluchten op Atjeh zonder voorbehoud toe te staan.
De rebellen vechten al sinds 1976 voor onafhankelijkheid van het op de noordpunt van Sumatra gelegen Atjeh. Bij de strijd zijn al dertienduizend doden gevallen, van wie 2.300 sinds mei vorig jaar, toen het leger na een mislukt vredesakkoord een nieuw offensief begon in de provincie.
In mei van dit jaar versoepeld de regering de geldende staat van beleg en Yudhoyono heeft de rebellen amnestie aangeboden en de provincie economische hulp in het vooruitzicht gesteld, maar nieuwe vredesonderhandelingen lijken vooralsnog niet in zicht. Elke week vallen er bij gevechten nog tientallen doden.
De plaatselijke dochtermaatschappij van het Amerikaanse olieconcern Exxon Mobil heeft laten weten dat de productie van vloeibaar aardgas in Atjeh 'tijdelijke hinder' ondervindt van de ramp van zondag. Indonesië is de grootste exporteur ter wereld van vloeibaar aardgas.
Die Stadt Aceh nach der Flut
Moritz Kleine-Brockhoff: Die Kinder schreien nicht, sie spielen nicht, sie sitzen einfach nur da. Wenige Orte sind von der Flut betroffen wie der Norden Indonesiens. Bericht aus einer Stadt in Fetzen. Aceh oder der Zorn Gottes. Der Tagesspiegel Nr. 18705, 3.1.2005, S. 3
Noch zwei Kilometer sind es bis zum Strand. Kein Helfer war bisher da.
"Ich habe nie gehört, daß Vermißte auftauchen. Die sind doch alle tot."
... ... ...
... Basri heißt der 40jährige, wie viele Indonesier hat er nur einen Namen. Vor der Katastrophe führte er mit seiner Familie ein kleines Geschäft; sie verkauften Früchte und frisch gepreßte Fruchtsäfte- "Mein Haus steht noch. Nur im Erdgeschoß ist Schlamm, oben ist alles o.k. Wissen Sie, warum so viele von uns gestorben sind? Weil wir alle auf die Straße rannten, als es bebte. Es kommt bei einem Erdbeben niemand auf die Idee, in den zweiten Stock oder auf das Dach zu steigen. Da hätten viele die Flut überlebt. Aber das Wasser kam, als die Erde noch wackelte."
An der Sultan-Iskandar-Muda-Straße stehen im Zentrum die Häuser noch, aber ein paar hundert Meter weiter stadtauswärts sind nur noch Ruinen. Da wird die Straße zu einem Steg im Todesstreifen. Was von weitem aussieht wie eine schwarze, kahle Wüste, ist ein flacher, von dunklem Matsch durchtränkter Wirrwarr aus Baumstämmen, Hemden, Holzplanken, Schuhen, Stahldrähten, Teppichen, Türklinken, Kotflügeln, Plastikkanistern, Leichen und Reifen. Da liegt auf etwa vier mal sechs Kilometern ein in Stücke zerfetzter Stadtteil. Nur zu Fuß und ganz langsam geht es voran in Richtung Küste, über hügelige Stadtreste. Der Verwesungsgestank wird immer beißender, immer mehr Leichen liegen rechts und links der Straße, manchmal auch darauf. Schließlich ist kein Weiterkommen mehr, auf der Sultan-Iskandar-Muda-Straße liegen zu viele Trümmer. Zwei Kilometer sind es noch bis nach Ulee, so heißt die Gegend am Strand. Kein Bergungstrupp kam bislang dahin.
...
Das prunkvollste Gebäude von Banda Aceh steht noch, die stolze Raya-Beliturrahman-Moschee. über dem schneeweißen Gotteshaus thronen sieben dunkle Zwiebeltürme und fünf schlanke Minarette, nur eines von ihnen hat Risse. An der Vorderfront der Moschee hängt eine große Uhr; am 26. Dezember (2004) um 8.30 Uhr blieben die Zeiger stehen. Schlamm überspülte das ganze Gelände, aber die Moschee hielt stand...
Hätte die Moschee nur 400 Meter näher an der Küste gestanden, wäre sie bestimmt zerstört worden. 400 Meter entfernt liegen die Stadtteile Plenggahan Kedah und Kampung Baru. Dorthin geht kaum jemand ohne Atemmaske. An der Penayung-Brücke ist es am schlimmsten. Die Flut hatte viele Schiffe den Fluß heruntergetrieben und gegen die Brücke gespült. Ein paar Boote liegen jetzt an Land, andere kleben zertrümmert unter der Brücke. Sie halten die Leichen auf, die auf dem Fluß langsam zum Meer treiben. Soldaten stehen seit vier Tagen am Ufer und ziehen einen Toten nach dem anderen heraus...
...
5000 Menschen leben im Flüchtlingslager Mata Ie, zwei große Rasenflächen auf dem Gelände des staatlichen Fernsehsenders TVRI. Indonesiens Militär und das Sozialministerium halfen schnell; sie brachten Zelte, Essen, Decken und sauberes Trinkwasser. In Banda Aceh hungerte niemand. Und jetzt, da schon viele internationale Hilfsorganisationen angekommen sind, ist die Versorgung der Stadt ohnehin gesichert... Egal, mit wem man in Mata Ie spricht, alle, ja alle haben Familienmitglieder verloren...
Zurück zur Stadtmitte, entlang einer unversehrten Straße parken Dutzende Lkws. In einem Vorgarten stehen Generatoren, Benzinfässer und Pappkartons mit Wasserflaschen. "Unser Konvoi ist gerade angekommen", sagt Patrick Sweeting. Er koordiniert die UN-Hilfe in Aceh. Das ist nicht einfach, auch weil die Verwaltung nicht funktioniert. Zu viele Beamte sind tot oder kommen nicht zur Arbeit; sie müssen Familienmitgliedern helfen, die in Not sind. "Wir stehen vor einem Berg", sagt Sweeting, "um Banda Aceh mache ich mir keine Sorgen. Aber der Rest der Provinz ist nur mit Schiffen oder Helikoptern zu erreichen. An den Küsten brauchen zehntausende Hilfe; wir werden sie nur langsam erreichen.
Zehn Autominuten vom UN-Büro liegt das Kesdam-Militärkrankenhaus. Hinter dem Flachbau laufen im Garten Männer mit Sprühkanonen auf und ab. Sie nebeln das Krankenhaus mit Insektenspray ein. Die Mücken sollen bloß keine Malaria und kein Degue-Fieber bringen... Seit der Flut ist das Grundwasser von Banda Aceh salzig und dreckig, in vielen Häusern sind Brunnen. Wer davon trinkt, könnte krank werden.
... Normalerweise gebe es bei Katastrophen pro einem Toten bis zu zehn Verletzte. Nicht in Banda Aceh. "Es gab wenig Verletzte, ein grausames Zeichen. Die Wucht der Flut muß unfaßbar heftig gewesen sein. Wer erwischt wurde, hatte keine Chance; er mußte sterben."...
Hilfe von den Amerikanern
Moritz Kleine-Brockhoff: Rettung von Feindes Hand. Unterwegs in einem US-Hubschrauber über Aceh. Der Tagesspiegel Nr. 18707, 5.1.2005, S. 3
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Teunom, ein Dorf an der von Beben und Flut zerstörten Westküste Acehs: Wo Häuser standen, sind nur noch Fundamente, wo Markt, Moschee und Schule waren, Trümmer. Wo 5000 Menschen lebten, sind es noch ein paar hundert. Wie alle Orte an der Westküste ist Teunom nur von der See oder aus der Luft zu erreichen, weil die Küstenstraße an vielen Stellen weggespült ist. Tagelang hatten die Menschen nichts zu essen, dann kamen die grauen Retter, die "MH 605 Knighthawk"-Helikopter der US-Marine. Sie brachten Kekse, Milchpulver, Wasser, Nudeln und Medikamente. "Manchmal sind wir mit dem Hubschrauber eingesunken, weil der Boden so matschig war" sagt Jason Schapp, ein US-Soldat. "Da haben wir alles abgeworfen. Die Leute haben sich um das Essen geschlagen. An einem anderen Ort haben 40 Männer unseren Helikopter gestürmt, als wir landeten."
Im Dorf Teunom läuft die Lieferung reibungslos, weil die indonesischen Soldaten schon vorher gekommen sind. Sie helfen beim Entladen und sorgen dafür, daß niemand stört. "Wenn der Helikopter aus den USA nicht gekommen wäre, wären wir verhungert", sagt ein alter Mann. Um ihn herum stehen ein paar Männer; sie nicken müde, mit leeren Blicken.
Nach zehn Minuten sind alle Kartons entladen. Wenig später rattert der graue Retter los, eine halbe Stunde lang fliegt er in Richtung Nordosten, entlang der Küste, die in ganz Asien am schwersten von der Katastrophe getroffen wurde. An einer Klippe ist ein Stück Felsen herausgebrochen. Wo die Küste flach ist, liegt vor dem Meer ein breiter, hellbrauner Streifen - dort gibt es nichts mehr, was repariert werden könnte. Betonstücke liegen wie Krümel herum, dazwischen Bäume, übereinandergestapelt wie Mikado-Stäbchen. Brücken gibt es nicht mehr. Selten sieht man Menschen, wenige haben überlebt. In Gruppen laufen sie nach Nordosten, zur Provinzhauptstadt Banda Aceh, mehrere Tagesmärsche entfernt.
Der Helikopter fliegt jetzt über das offene Meer. In der Ferne werden die Konturen eines riesigen Schiffs deutlich, das 30 Kilometer vor Aceh liegt: der Flugzeugträger USS Abnraham Lincoln. Hier landet ein Hubschrauber nach dem anderen. Soldaten rennen, schleppen, winken, Helikopter werden geparkt, aufgetankt, neue Hilfsgüter geladen. Auf der Lincoln sind 4500 Soldaten im Einsatz, auf drei Begleitschiffen 2000 weitere. Seit dem Wochenende fliegen 17 Helikopter ohne Pause, 40 Tonnen Lebensmittel haben die Amerikaner schon an die Westküste gebracht. Ohne sie hätten Überlebende dort kaum Hilfe erhalten. Indonesiens Streitkräfte haben nur wenige Schiffe und Hubschrauber in Aceh...
Als die USA in Afghanistan und den Irak einmarschierten, wollten Demonstranten im islamischen Indonesien die US-Botschaft stürmen. Indonesiens damaliger Vizepräsident Hamzah Haz nannte US.Präsident George W. Bush einen "Terroristen". Nun sind die USA als Helfer hier und willkommen...
Der "Knighthawk" ist aufgetankt. Schnell geht es in die Höhe. Diesmal hat der Hubschrauber Reis an Bord. Das Ziel, das Dorf Lhoong, ist durch die Zerstörung der Küstenstraße von der Außenwelt abgeschnitten. Der Helikopter landet auf einem Fußballfeld. Sechs Männer und ein Junge humpeln herbei. Alle haben Wunden und darüber blutdurchtränkte Verbände. Doch sie dürfen nicht mit. Der Junge weint, die Männer können es nicht fassen. "Wir sollen nur Schwerverletzte mitnehmen", sagt ein US-Soldat, "sonst sind in Banda Aceh bald die Krankenhäuser überfüllt."...
Hilfsprojekt mit Partnerstadt Djakarta vom Berliner Senat geplant
Tsp: Berlin tut Gutes und schweigt. Senat ruft zu drei Gedenkminuten für Flutopfer auf. Hilfsprojekt mit Partnerstadt Djakarta geplant. Der Tagesspiegel Nr. 18707, 5.1.2005, S. 9
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... Senatssprecher Donnermeyer kündigte an, daß Berlin sich über seine Städtepartnerschaft mit der indonesischen Hauptstadt Djakarta mit einem eigenen Projekt engagieren könnte. Das hänge davon ab, welche Rolle die Bundesregierung Städten und Bundesländern bei der Hilfe zuteilt. Dies soll am heutigen Mittwoch entschieden werden. Sollte es spezielle Berliner Hilfsprojekte geben, bietet sich der Indonesien-Experte Generalstaatsanwalt Dieter Neumann als Koordinator an...
Im Katastrophengebiet werden aus Berlin inzwischen mindestens 60 Menschen vermißt, darunter drei Kinder. Die Polizei bittet Rückkehrer und Angehörige weiterhin, sich unter der Telefonnummer (030) 695 799 199 zwischen 8 und 16 Uhr zu melden. Alleine am Montag meldeten sich 50 Berliner, die aus Thailand oder Sri Lanka heimkehrten. Den Tod von Berlinern in der Katastrophen-Region konnte die Polizei bislang nicht bestätigen.
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Berliner Generalstaatsanwalt will Fluthilfe vermitteln
lvt: Direkter Draht nach Djakarta. Generalstaatsanwalt Neumann will Fluthilfe vermitteln. Der Tagesspiegel Nr. 18707, 5.1.2005, S. 9
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Der 63jährige hat eine besondere Beziehung zu der Region. Fon Nie Neuman, mit der er seit 35 Jahren verheiratet ist, stammt aus der indonesischen Hauptstadt Djakarta. Anfang der 90er Jahre gehörte Dieter Neumann zu den Mitbegründern der deutsch-indonesischen Gesellschaft. Und er ist Beauftragter des Senats für die Städtepartnerschaft, die Berlin und Djakarta seit zehn Jahren verbindet. Erst vor drei Wochen kehrten die Neumanns vom Familienbesuch zurück.
Jetzt will der Generalstaatsanwalt dabei helfen, daß die Hilfe aus Deutschland in Südasien sinnvoll eingesetzt wird. Sollte der Senat beschließen, im Rahmen der Städtepartnerschaft spezielle Angebote zu machen, bietet sich Neumann als Koordinator an. "Ich könnte die Kontakte vermitteln und dafür sorgen, daß die Hilfe ankommt", sagt er und erzählt von seinen Freunden, dem stellvertretenden Gouverneur in Djakarta und dem Polizeichef. "Notfalls würde ich selbst hinfahren." Sinnvolle Hilfe dürfe sich allerdings nicht in einmaligen Aktionen erschöpfen: "Dafür muß man einen langen Atem haben."
Gläubigerländer erwägen Schuldenerlaß vor allem für Indonesien
Henrik Mortsiefer: Südasien kann auf Schuldenerlaß hoffen. Gläubigerländer erwägen Erleichterungen vor allem für Indonesien / Experten warnen vor Bilanzkosmetik. Der Tagesspiegel Nr. 18707, 5.1.2005, S. 16
Die von der Flutkatastrophe betroffenen Länder Südasiens können auf Schuldenerleichterungen hoffen. Die Gläubigerstaaten des sogenannten Pariser Clubs ... werden in der kommenden Woche über eine Streckung oder den Erlaß von Schulden vor allem in Indonesien und Sri Lanka beraten. Bundeskanzler Gerhard Schröder, die Regierungen von Italien, Frankreich und Belgien sowie US-Außenminister Colin Powell hatten ein Entgegenkommen in der Schuldenpolitik schon signalisiert. Kanada gewährte zahlreichen Katastophenländern bereits einen unbegrenzten Aufschub der Schuldenzahlungen.
Entwicklungshilfe-Experten warnten allerdings vor Kosmetik in der Schuldenbilanz... Jürgen Kaiser, Sprecher der Kampagne Erlassjahr.de. "Wenn die angekündigte Hilfsbereitschaft ernst gemeint ist, müssen die Schulden komplett gestrichen werden", forderte auch Werner Rätz vom globalisierungskritischen Netzwerk Attac Deutschland.
Besonders Indonesien leidet unter einer enormen Schuldenlast von rund 135 Milliarden Dollar. Etwa 80 Milliarden Dollar davon sind Auslandsschulden, gut die Hälfte entfällt auf den Pariser Club. Deutschland hat Forderungen in Höhe von 2,1 Milliarden Dollar (1,56 Milliarden Euro)...
"Die Schuldenbilanz wird jetzt kurzfristig verkürzt, aber langfristig verlängert", fürchtet Jürgen Stetten von der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES). Zwar würden sich auch der Internationale Währungsfonds und die Weltbank wohl in Kürze an Initiativen beteiligen, "weil der politische Druck zu groß ist, um sich zu weigern". Indonesien zum Beispiel würden aber nicht aus Mitgefühl Schulden erlassen. Im Gegenteil: Das Land erhalte lediglich "Luft für den Wiederaufbau", brauche aber zusätzlich frisches Geld. "Auf lange Sicht verschärft sich das Schuldenproblem", glaubt Steffen.
Indonesiens Schulden entsprechen fast 60 Prozent der Wirtschaftsleistung. Zinsen und Tilgungsraten fräßen 30 Prozent der Exporteinnahmen auf, sagte Erlassjahr-Sprecher Kaiser. Er fordere eine internationale Schuldenkonferenz und ein transparentes Schiedsverfahren. Die Weltbank dürfe nicht allein entscheiden, welche Schuldenlast für ein Land noch tragfähig sei...
Entlastung?
mot: SCHULDENPOLITIK. Entlastung mit Auflagen. Der Tagesspiegel Nr. 18707, 5.1.2005, S. 16
PARISER CLUB
Im 1956 gegründeten Pariser Club sind die 19 wichtigsten Gläubigerstaaten versammelt, um Schuldnerländern bei Zahlungsschwierigkeiten zu unterstützen. Dabei handelt es sich vorwiegend um die in der OECD zusammengeschlossenen Industrieländer...
SCHULDENERLASS
Seit 1988 kann das Gremium auch Schulden erlassen - vor allem den ärmsten Ländern. Für sie wurde die Erlaßquote 1997 auf 67 Prozent der Handelsforderungen erhöht.
HIPC-INITIATIVE
Voraussetzung für die Umschuldung sind (umstrittene) Anpassungsprogramme des IWF in den jeweiligen Ländern. Der Währungsfonds gründete 1996 mit der Weltbank die HIPC-Initiative für 41 hoch verschuldete Länder, deren Schuldenlast auf ein tragfähiges Niveau reduziert werden soll.
Nutzen und Schaden eines Schuldenerlasses
Harald Schumann: Frei handeln. Ein Schuldenerlaß kann den Ländern helfen - oder sie teuer zu stehen kommen. Der Tagesspiegel Nr. 18709, 7.1.2005, S. 2
? Über die Details der Hilfe für Südasien wird verhandelt. Wäre ein Schuldenerlaß die beste Möglichkeit zu helfen?
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... Auch Thailand ist wirtschaftlich vergleichsweise stark. Anders ist das in Sri Lanka oder Indonesien, wo die Ausgaben in den Schuldendienst Investitionen in dringend benötigte Infrastruktur verhindern. Gleichwohl steht hinter der ablehnenden Haltung in Djakarta und Colombo gegenüber einer formalen Entschuldung kein Hochmut, sondern die Furcht vor unerwünschten Konsequenzen. Denn die Gläubigerstaaten, die im sogenannten Pariser Club organisiert sind, stellen fragwürdige Bedingungen.
So müssen die Regierungen bei einem Schuldenerlaß diesen stets auch im gleichen Umfang von ihren privaten Gläubigern fordern. Das aber würde ihre Kreditwürdigkeit auf dem privaten Kapitalmarkt beschädigen - ein Status, von dem Indonesien sich gerade erst befreit hat, nachdem das Land im Zuge der Asienkrise 1997 vorübergehend zahlungsunfähig war. Sri Lanka... Private Investitionen seien aber für beide Staaten weit wichtiger als Entwicklungshilfe.
Noch schwerer wiegt, daß die Regierungen ihre Haushaltsführung von Experten des Internationalen Währungsfonds prüfen lassen und deren Sanierungsauflagen befolgen müssen. Damit hat Indonesien schlechte Erfahrungen gemacht. Die Auflagen entsprachen weitgehend der Forderung der US-Handelskammer nach freiem Zugriff auf Indonesiens Ressourcen. Viele indonesische Unternehmen und Immobilien gingen zum Schnäppchenpreis ins Ausland. Gleichzeitig wurden der Regierung für die Förderung nationaler Industrien nach dem Vorbild China oder Vietnam die Hände gebunden.
... dreijähriges Moratorium für ihren (der Gläubigerstaaten) Schuldendienst... Offen ist allerdings, ob während dieser Zeit weiter Zinsen berechnet werden. Falls ja, stünden die beiden Staaten anschließend schlechter da als zuvor...
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Konferenz in Djakarta
Moritz Kleine-Brockhoff: Aus Worten soll Bargeld werden. Konferenz in Djakarta bereitet den Aufbau nach der Flut vor: Fünf Millionen Menschen brauchen Hilfe. Der Tagesspiegel Nr. 18709, 7.1.2005, S. 4
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Kofi Anan kam sichtlich angespannt, aber gut vorbereitet nach Djakarta. 86 Seiten dick ist seine UN-Mappe, in der steht, wie und wo die Nothilfe geleistet werden könnte und was sie kostet: "Dieser Blitzappell konzentriert sich auf die Unterstützung der Menschen in Indonesien, Malediven, Birma, Seychellen, Somalia und Sri Lanka von Januar bis Ende Juni 2005 und ruft nach 977 Millionen US-Dollar, um die wichtige Arbeit von etwa 40 UN-Agenturen und Nichtregierungsorganisationen zu finanzieren." Fünf Millionen Menschen bräuchten gerade Hilfe. Weil die meisten davon in Indonesien und Sri Lanka leben, sollen diese beiden Länder am intensivsten unterstützt werden. 372 Millionen US-Dollar sind für Leistungen in Indonesien vorgesehen. 167 Millionen für Hilfe in Sri Lanka.
... Selbst Regierungschefs haben den Überblick über die weltweiten staatlichen Zusagen und über die Privatspenden verloren. "Vier Milliarden US-Dollar", sagt Indonesiens Präsident Susilo Bambang Yudhoyono. "Fast fünf Milliarden US-Dollar", sagt Singapurs Premier Lee Hsien Loong...
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Anfrage für konkretes Hilfsprojekt
hema: Berlin schreibt Partnerstadt Djakarta. Der Tagesspiegel Nr. 18709, 7.1.2005, S. 9
Der Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit hat dem Gouverneur von Berlins Partnerstadt Djakarta, Jenderal Sutiyoso, schriftlich um einen Vorschlag gebeten, wo man genau Hilfe leisten könnte... konkretes Projekt des Wiederaufbaus...
Hilfe stockt
mkb/dpa/AFP/rtr: Die Hilfe in Indonesien stockt. Flugzeuge des THW abgewiesen / Vorwürfe gegen UN / Zahl der deutschen Vermißten sinkt. Der Tagesspiegel Nr. 18710, 8.1.2005, S. 1
Bei der Hilfe für die Flutopfer in Indonesien gibt es erhebliche organisatorische Schwierigkeiten. Indonesien wies am Freitag sogar Flugzeuge mit deutschen Hilfsgütern für die Provinz Aceh ab. Von westlichen Hilfsorganisationen wurde zudem Kritik an der Koordination der UN in der indonesischen Katastrophenregion geübt.
Zwei Chartermaschinen vom Typ Iljuschin mit Material des Technischen Hilfswerkes (THW) erhielten am Freitag auf dem Flughafen Medan in Nordsumatra keine Landeerlaubnis. Medan ist Zwischenstopp auf dem Weg nach Aceh, wo das THW beim Wiederaufbau der Wasserversorgung helfen will. In Medan wird das Material bislang auf LKW umgeladen.
"Die Flugzeuge konnten nicht landen, weil der Flughafen Medan überlastet war", sagte Yuri Thamrin, ein Sprecher des indonesischen Außenministeriums, dem Tagesspiegel. Ein deutscher Experte in Medan bestätigte die Überlastung, sagte allerdings, daß lokale Behörden als Grund für die Abweisung der THW-Flugzeuge einen nicht nachvollziehbaren technischen Grund genannt hätten. "Angeblich fehlten Stangen, die notwendig sind, um die Iljuschin am Boden zu bewegen. Dabei sind diese Stangen an Bord. Drei Flugzeuge mit THW-Material landeten reibungslos, dann war plötzlich Schluß." Nach Tagesspiegel-Informationen schaltete sich Indonesiens Außenminister Hasan Wirayuda noch am Freitag persönlich in den Vorfall ein. Am Samstag sollen demnach wieder THW-Maschinen in Medan und auch in Banda Aceh landen können.
Nach einem Bericht der "Financial Times" werfen Helfer der UN vor, mit der Verteilung von Hilfsgütern aus aller Welt überfordert zu sein. Kritisiert wird auch, daß die UN am Flughafen von Banda Aceh nicht präsent ist. Die Zahl der Toten in Aceh wurde noch einmal nach oben korrigiert. Wie ein Militärsprecher sagte, wurden auf Sumatra mehrere tausend Leichen aus Schutt und Geröll geborgen, die meisten davon rund um die Küstenstadt Meulaboh. Die Zahl der registrierten Toten liege nun bei 101.318.
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Psychologische Spätfolgen
dpa: WICHTIGE HILFE: Auch die Seelenqualen lindern. Der Tagesspiegel Nr. 18710, 8.1.2005, S. 4
... Die Überlebenden benötigten nicht nur Unterstützung beim Wiederaufbau ihrer Häuser. Auch müsse ihnen geholfen werden, damit es nicht zu psychologischen Spätfolgen durch die Katastrophe komme. Annan (UN-Generalsekretär Kofi Annan) zeigte sich erschüttert über das Ausmaß der Verwüstungen vor allem im Nordwesten Sumatras. "Noch nie zuvor habe ich eine derartige, vollständige Zerstörung gesehen", sagte der UN-Chef. Er glaube aber, daß die Menschen mit Hilfe der indonesischen Regierung und der internationalen Gemeinschaft mit der Zeit in der Lage sein werden, den Folgen der Flutkatastrophe Herr zu werden. Indonesien rechnet inzwischen mit fast 114.000 Toten...
Im Katastrophengebiet Aceh lief die Hilfe nur schleppend an
Ulrike Scheffer: Kurze Pause für den Bürgerkrieg. In Indonesiens Katastrophengebiet Aceh lief die Hilfe nur schleppend an - Menschenrechtler machen der Regierung Vorwürfe. Der Tagesspiegel Nr. 18712, 10.1.2005, S. 4
Erst die Amerikaner brachten die Hilfe in Aceh in Gang. In der Provinz auf der ... Insel Sumatra starben zwei Drittel aller Flutopfer. Ganze Städte sind hier von der Landkarte verschwunden - und mit ihnen die Menschen... Nun sind fast 50 US-Hubschrauber im Dauereinsatz, starten im Minutentakt, um Lebensmittel und Medikamente in die Dörfer zu fliegen, zu denen noch immer kein Helfer durchgedrungen ist. Und auch die Bundeswehr und ausländische Helfer sind im Einsatz.
Menschenrechtler machen die Regierung Indonesiens für die Not der Überlebenden mitverantwortlich. "Aceh war Sperrgebiet, Ausländer durften hier nicht hinein. Deshalb gab es keine Strukturen, auf denen Hilfsorganisationen aufbauen konnten", sagt Brad Adams van Human Rights Watch... Als Indonesien nach Sturz des Diktators Suharto 1998 demokratisch wurde, keimte kurzzeitig Hoffnung auf, der Konflikt (mit den bewaffneten Rebellen der "Bewegung freies Aceh") könnte politisch gelöst werden. Doch die Kämpfe gingen weiter. Um die Rebellen zu isolieren, riegelte die Regierung Aceh ab. Auch staatliche Investitionen machten in den vergangenen Jahren an der Grenze der Provinz halt. Die Folge: Schon vor der Flut gab es wenig gut ausgebaute Straßen und Krankenhäuser, waren viele Dörfer ohne Strom und Wasser...
Indonesiens Präsident, der ehemalige General Susilo Bambang Yudhoyono, versuchte zunächst, die Lage selbst in den Griff zu bekommen. Er ließ das Militär Hilfsgüter an die Überlebenden verteilen und bot den Rebellen einen Waffenstillstand an. Im Fernsehen rief er die Bevölkerung zur Versöhnung auf. Doch als das ganze Ausmaß der Zerstörung deutlich wurde, konnte sich der General nicht länger gegen Hilfe aus dem Ausland sperren.
Am Wochenende kam es sogar wieder vereinzelt zu Scharmützeln zwischen Rebellen und Regierungstruppen. Beide Seiten werfen sich vor, die Versorgung der Opfer zu behindern. Die Militärs behaupteten, die Unabhängigkeitskämpfer hätten Hilfskonvois unter Beschuß genommen; von der anderen Seite heißt es, die Soldaten verlangten von der hungernden Bevölkerung Geld für gespendete Lebensmittel...
Unterstützung aus aller Welt
AFP/AP/KNA:
NACH DEM BEBEN IN SÜDASIEN: Die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft.
Militär behindert Hilfe in Aceh. Indonesische Soldaten sollen Transporte beleiten / Helfer: Regierung will Region unter Kontrolle bringen. Der Tagesspiegel Nr. 18714, 12.1.2005, S. 7
Die indonesische Armee will die Bewegungsfreiheit für ausländische Hilfsorganisationen in der von der Flutkatastrophe heimgesuchten Provinz Aceh strikt einschränken. Begründet wurde dies am Dienstag mit dem notwendigen Schutz vor den Rebellen der islamistischen Bewegung freies Aceh (GAM), die seit 1976 für die Unabhängigkeit kämpfen. Der indonesische Generalstabschef Endriartono Sutarto sagte, künftig würden Soldaten die Einsätze der Hilfsorganisationen außerhalb der Provinzhauptstadt Banda Aceh begleiten und überwachen.
Flugzeuge und Schiffe mit Hilfsgütern benötigen künftig eine besondere Erlaubnis und dürfen maximal zwei Wochen im Einsatz sein. Außerdem müssen sie einen indonesischen Militärangehörigen mit an Bord nehmen. Wie der Generalstabschef in Banda Aceh weiter mitteilte, nahmen die GAM-Rebellen einen Arzt vorübergehend als Geisel und blockierten auch sonst die Hilfsmaßnahmen.
Die GAM wies die Anschuldigungen über einen Sprecher in Schweden zurück. Es gebe keine Angriffe auf Hilfsorganisationen. Auch die eigenen Mitglieder gehörten zu den Flutopfern, die auf ausländische Unterstützung angewiesen seien. Der Sprecher warf der indonesischen Armee vor, die Rebellen zu Sündenböcken machen zu wollen. Zugleich bekräftigte die GAM ihre Bereitschaft, die Hilfsoperationen in Aceh nicht zu behindern. Die Rebellen blieben dem "einseitigen Waffenstillstand verpflichtet", den sie am 27. Dezember (2004) verkündet hätten, erklärte GAM-Chef Muzakir Manaf...
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Die in Aceh tätige Hilfsorganisation Oxfam bestritt, daß die Hilfsmaßnahmen durch Rebellen bedroht seien. Sidney Jones, ein Experte der International Crisis Group in Sachen indonesisches Militär und Sicherheitsfragen, sagte, das wirkliche Motiv der Regierung sei der Wunsch, die Aufständischen niederzuschlagen und die vollständige Kontrolle über Aceh zurückzugewinnen. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) warf der Armee vor, die Nothilfe in Aceh zu behindern. Dem Militär sei der Kampf gegen die GAM wichtiger als die Versorgung der Bevölkerung mit Hilfsgütern, kritisierte der GfbV-Asienreferent Ulrich Delius.
Das indonesische Militär hatte im Mai 2003 das Kriegsrecht über Aceh verhängt und die meisten Mitglieder von Hilfsorganisationen aus der Region verbannt. Die Provinz im Norden der Insel Sumatra ist das am schlimmsten von der Naturgewalt betroffene Gebiet Asiens. Laut jüngsten Angaben der indonesischen Regierung stieg die Zahl der registrierten Todesopfer auf mehr als 105.000.
nan/Ap/dpa/ddp: Indonesien stellt Helfern Frist für Abzug. Der Tagesspiegel Nr. 18715, 13.1.2005, S. 1
Indonesiens Regierung hat ausländische Soldaten im Einsatz für die Flutopfer eine Frist von drei Monaten für den Abzug gesetzt. "Drei Monate sind genug, aber je eher sie gehen, desto besser", sagte Vizepräsident Jusuf Kalla... Der Einsatz ausländischer Truppen war dort von Beginn an auf Widerstand gestoßen. Am Donnerstag wird in Aceh das Versorgungsschiff "Berlin" der Bundeswehr erwartet. Zudem müssen Mitarbeiter von Hilfsorganisationen den Behörden künftig Rechenschaft über ihren Aufenthaltsort ablegen. Andernfalls könnten sie ausgewiesen werden, erklärte die Regierung.
Die Gläubigerstaaten des Pariser Clubs planen ein Schuldenmoratorium für die von der Flut betroffenen Länder... In Berlin brachte das Kabinett die von Kanzler Gerhard Schröder angekündigte Initiative für Hilfspartnerschaften für die Flutregionen auf den Weg...
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Indonesien und die Fluthelfer
clw: Indonesien und die Fluthelfer. Hilflose Arroganz. Der Tagesspiegel Nr. 18715, 13.1.2005, S. 10, Meinungsseite
... Das Verhalten Djakartas zeigt die Arroganz der Regierenden. Wie man mit der Bevölkerung und den Rebellen in der Unruheregion Aceh umgeht, hat ihrer Meinung nach niemanden zu interessieren. Und offenbar sind die Machthaber in Armee und Politik verärgert darüber, daß Staaten und Organisationen selbst vor Ort helfen wollen und ihre Spenden nicht direkt an die indonesische Regierung überweisen, weil sie die notorische Korruption fürchten...
Wird die Hilfe mit Schulden verrechnet?
NACH DEM BEBEN IN SÜDASIEN: Die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft.
ce/AP: Verrechnet Eichel Hilfe mit Schulden?. Der Tagesspiegel Nr. 18716, 14.1.2005, S. 5
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Indonesien reagierte bereits zurückhaltend auf das Angebot des Schuldenmoratoriums. Eichel sagte nach einem Treffen mit dem indonesischen Außenminister Hassan Wiraduja, das Land präferiere Zuschüsse zum Wiederaufbau. Ein Erlaß oder eine Stundung der Schulden könne Zweifel an der Kreditwürdigkeit Indonesiens auslösen. Nach französischen Angaben müßte Indonesien in diesem Jahr 2,27 Milliarden Euro an internationale Gläubiger zahlen.
Robert Birnbaum: Operation nachhaltige Hilfe. Die Bundeswehr baut in Banda Aceh ein Krankenhaus wieder auf - Indonesien verhält sich reserviert. Der Tagesspiegel Nr. 18716, 14.1.2005, S. 5
... (Jürgen) Canders, Chef der Schnellen Eingreiftruppe Sanitätsdienst, hat eine Woche lang in Banda Aceh erkundet, wie die Bundeswehr den Flutopfern von Sumatra helfen kann. Die erste Fahrt über Land hat sich dem Mediziner tief eingeprägt: Erst scheinbar normale Dörfer, dann die Trümmerzone - dann das Land auf dem diese Trümmer einst Häuser, Autos, Bäume waren. "Das ist ein Bereich der so platt ist wie das Wattenmeer", sagt Canders.
Canders und seine siebenköpfige Erkundungstruppe haben den Einsatz vorbereitet, seit Mitte vergangener Woche läuft er an. 50 Sanitäter aus dem ostfriesischen Leer sind schon mit einem mobilen Lazarett in Banda Aceh, seit Donnerstag liegt das größte Schiff der Bundeswehr vor der Stadt auf Reede: der Einsatzgruppenversorger "Berlin", ein Vielzweckschiff mit voll ausgerüstetem 45-Betten-Krankenhaus, zwei Bordhubschraubern und leistungsfähigen Wasseraufbereitungsanlagen. Am nächsten Montag sollen 70 weitere Sanitäter das deutsche Team komplettieren.
Auftrag der Einheit ist der Wiederaufbau des stark zerstörten Zentralkrankenhauses von Banda Aceh. Der Auftrag kommt von den indonesischen Behörden, seine Beschränkung auf diesen Zweck auch. Die Bundeswehr könnte durchaus auch im Umland tätig werden, aber Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) macht deutlich, daß die Deutschen sich an die Vorgaben der Indonesier halten werden - inklusive Abzug, wenn die Zentralregierung in Djakarta keine fremden Militärs mehr in der Region sehen will, in der sich die heimische Armee seit Jahren mit der Unabhängigkeitsbewegung GAM Gefechte liefert. Außenminister Hassan Wirajuda relativierte aber am Donnerstag auf Besuch in Berlin die Forderung seines Vizepräsidenten, alle fremden Soldaten müßten Ende März gehen: Das hänge "vom Fortschritt der Hilfsmaßnahmen ab".
Die dürften länger dauern. Drei, vielleicht vier Monate kalkuliert Canders, bis das Krankenhaus wieder ohne fremde Hilfe arbeiten kann. Derzeit geht es nicht nur darum, den Schlamm der Flut aus dem Hospital zu schaufeln und das Gebäude wieder instand zu setzen. Auch ein großer Teil des Personals vom Haustechniker bis zum Arzt ist den Wassermassen zum Opfer gefallen. Man werde Ausbildung machen müssen, sagt Canders. Auch deshalb betonen Militärs und Bundesregierung, daß sie "nachhaltige" Hilfe leisten wollten... Landtransporte werden von Polizei oder indonesischen Militärs eskortiert. Für Sorgen um die Sicherheit der deutschen Soldaten gebe es bisher keinen Anlaß. Sollte sich das ändern - nun, die "Berlin", sagt ein Offizier, "ist ein Kriegsschiff".
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Kritik an Indonesien
AFP/AP/rtr/epd: "Naturkatastrophen schlimmer als Terror". UN-Koordinator Egeland sieht jährlich 250 Millionen Menschen direkt betroffen / Kritik an Indonesien. Der Tagesspiegel Nr. 18717, 15.1.2005, S. 6
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Die UN fordern Indoesien auf, seine Einschränkungen für ausländische Soldaten bei den Hilfsaktionen in der Bürgerkriegsprovinz Aceh aufzuheben. Egeland äußerte sich auch besorgt über Sicherheit und Bewegungsfreiheit ausländischer Helfer in Aceh. Derzeit bringt vor allem die US-Armee Hilfsgüter mit Hubschraubern und Flugzeugen in das Gebiet. Indonesiens Vizepräsident Jussuf Kalla bekräftigte indes, daß die Regierung ausländische Truppen nur bis Ende März im Land dulden will. Zivile Helfer könnten länger bleiben. Kalla kündigte eine Aufstockung indonesischer Truppen von 35.000 auf 50.000 an. Die Soldaten sollten beim Wiederaufbau helfen, sagte er.
Deutsche Hilfsorganisationen kritisierten das Vorgehen Indonesiens. Das Militär nutze die Wiederaufbauhilfe, um sich die Gewalt über die Menschen in Aceh zu sichern, hieß es in einer vom Bündnis "Gemeinsam für Menschen in Not - Entwicklung hilft" veröffentlichten Erklärung. Die Organisationen appellierten an die Bundesregierung, gegenüber Djakarta darauf zu drängen, die Flutopfer in Aceh nicht in großen, zentralen Auffanglagern unterzubringen. Nach Informationen der Hilfsorganisation plant Djakarta für Aceh drei große Camps für 100.000 Menschen, die dort bis zum Wiederaufbau der zerstörten Städte und Dörfer untergebracht werden sollen.
Das Monster Schlamm
Moritz Kleine-Brockhoff: Das Monster Schlamm. Das größte Krankenhaus in Banda Aceh versank in einer Welle aus Matsch. Wie die Bundeswehr hilft, die medizinische Versorgung wieder in Gang zu bringen.. Der Tagesspiegel Nr. 18719, 17.1.2005, S. 3
Die Welle aus Matsch und Schrott kam von der Hauptstraße. Sie riß den Betonzaun ein, nahm sch den Vorplatz, drückte die Türen ein und spülte in alle ebenerdigen Räume, in den großen Pavillon, in die Krankenhausmoschee. Erst am Zaun hinter der Leichenhalle hatte das schwarzbraune Monster genug, doch sein Rückzug brachte nochmals Zerstörung. Banda Aceh hat drei große Krankenhäuser, aber ausgerechnet das wichtigste, das Abidin-Krankenhaus, hat es getroffen. Es war mit 400 Betten und 16 Fachrichtungen das größte in der Provinz. Niemand weiß genau, wieviele Angestellte und Patienten dabei starben. Von 911 Mitarbeitern sind 400 wieder aufgetaucht.
Zum Glück hielt der Beton, alle Häuser stehen. Aber immer noch liegt über allem der stinkende Matsch. Jedes Röntgengerät, jeder Bettbezug, jede Medikamentenpackung, jeder Aktenschrank ist naß und klebrig. Auf dem Vorplatz hängt die indonesische Flagge immer noch auf Halbmast, während das KSES, das Kommando Schnelle Einsatzkräfte Sanität, in Zelten ein Minikrankenhaus aufbaut. Deutschland hat 130 Soldatinnen und Soldaten entsandt...
Hupsignale, Rufe - die Deutschen laufen los, über den Parkplatz zur Einfahrt des Krankenhauses. Ein großer Laster der Bundeswehr rollt heran. Schnell werden die Klappen heruntergelassen, dann holt ein Gabelstapler die Paletten mit Mineralwasserflaschen, Holzkisten und dunkelgrünen Metallkästen. Der Gabelstapler setzt sie am Rande des Parkplatzes ab. Dort stehen schon Feldbetten, Generatoren, Benzinkanister, Stromkabel, Werkzeugkästen, Leitern und viele grüne Metallkästen. "Mikrobiologisches Wasseruntersuchungsset", "Sauggerät Chirurgisch" oder "Handwaschanlage" steht in weißer Druckschrift auf den Kästen.
Insgesamt sollen 250 Tonnen Material nach Aceh geliefert werden. Die Bundeswehr hat dafür zehn Frachtflugzeuge gemietet - sieben Iljuschin und drei Antonow. Sie sind so groß, daß sogar die LKW mit Anhängern hineinpassen. Doch leider erhalten die Maschinen nicht immer Landeerlaubnis, die Flughäfen in der Krisenregion sind überlastet. Das Material aus Deutschland trudelt daher nur nach und nach ein. Erst an diesem Wochenende, knapp drei Wochen nach der Katastrophe, konnten die Bundeswehrärzte Patienten empfangen.
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In einem Gang des Krankenhauses liegen drei Dutzend Maschinengewehre auf Tischen. Indonesische Soldaten haben sie abgelegt, eine Sensation, das tun sie in Aceh sonst nie. Nun haben die Männer vom Bataillon 412 Spaten in den Händen.
Sie schaufeln Matsch in rote Schubkarren. In den Behandlungsräumen und Pflegestationen arbeitet eine andere Armee, das Heer der indonesischen Freiwilligen, die zum Anpacken aus vielen Landesteilen gekommen sind. Sie verteilen Kleidung und Essen. Und sie packen den Müll, also alles, was früher Krankenhauseinrichtung war, auf Krankenbetten und rollen sie zum Vorplatz. Dort drückt ein Schaufelbagger den Schrott zusammen und schafft ihn auf die Ladefläche eines LKW.
Ein kleiner Teil des Krankenhauses ist schon gesäubert. Dort behandeln Ärzte aus Indonesien, Neuseeland, Singapur, Vietnam, Kambodscha und Belgien schon wieder Patienten. Rund 150 Patienten kommen täglich in die Ambulanz, zwei Dutzend liegen stationär. Die meisten haben infizierte Fleischwunden oder Atemwegserkrankungen, manche auch Wundstarrkrampf. Auch die Australier .. sind mit 150 Soldaten da und operieren schon. Auf dem Vorplatz haben sie Planen gelegt und vier Armeezelte aufgestellt. Der OP-Tisch ist ein Metallgestell, auf Tragen werden die Patienten herbeigebracht. Gerade wird ein Junge mit einer großen, infizierten Oberschenkelwunde unter Vollnarkose behandelt...
Die Deutschen haben acht weiße Krankenzelte aufgebaut. Stabile Metallgestelle, doppelwandige Zeltplanen, auf dem Boden liegen Laminatplatten mit rutschfester Beschichtung. Wer rein will, muß die Schuhe ausziehen. "Unsere Station wird voll klimatisiert und in den beiden OP-Sälen ziemlich steril sein", sagt Oberstarzt Christoph Wachter, der Kommandant des Aceh-Einsatzes. "Natürlich kommen wir für direkte Nothilfe zu spät. Aber wir können besser operieren und hinbekommen, was zuvor nur provisorisch oder gar nicht zu machen war. " Wachter glaubt, daß es auch lange nach der Katastophe noch großen Bedarf an Operationen geben werde. "Und jetzt, da unser großes Marineschiff 'Berlin' da ist, sind wir noch besser aufgestellt. Da haben wir an Bord die aseptischsten Operationssäle weit und breit. "
Die "Berlin " liegt seit Donnerstag vor Banda Aceh. 18000 Tonnen schwer, 24 Meter breit, 230 Mann Besatzung - Deutschlands größtes Marineschiff kommt mit eigenem Krankenhaus, Hilfsgütern und zwei Helikoptern. An Bord kann Trinkwasser und Sauerstoff produziert werden. Die "Berlin " ist vier Jahre alt, aber Linoleum- und Teppichböden sind fleckenfrei, in Aufzügen blitzen Metallverkleidungen. Ins MERZ, in das Marine-Eisatz-Rettungs-Zentrum, so heißt das Minikrankenhaus, dürfen verschlammte Besucher aus Banda Aceh nur, wenn sie blaue Plastiktütchen über die Schuhe stülpen, in den OP-Bereich dürfen sie gar nicht. Auf den Pflegebetten strahlen schneeweiße Laken. "Wir sind hier, um Doktor Wachter und das Bundeswehr-Kontingent an Land mit allen Kräften zu unterstützen ", sagt Martin Klüver, Kapitän zur See, der das Kommando über das Schiff hat.
... "Am 30. Dezember (2004) kam der Befehl, nach Aceh zu fahren. Unterwegs haben wir in Indien noch 140 Tonnen Hilfsgüter eingeladen. " Zelte, Bastdecken zum Schlafen, 2000 Mahlzeiten ohne Schweinefleisch und Reissäcke. Ein Teil liegt in Containern an Deck, der Rest im riesigen Bauch des Schiffes.
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Annan: Vorbeugen...
AFP/AP: Annan: Vorbeugen statt nur Trümmer aufheben. UN fordern mehr Einsatz, um Katastrophen zu verhindern / Berlin stellt deutsches Frühwarnsystem vor. Der Tagesspiegel Nr. 18721, 19.1.2005, S. 6
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Der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono ordnete indes an, die Zählung der Toten der Flutkatastrophe einzustellen. Das teilte eine Sprecherin des Sozialministeriums am Dienstag in Jakarta mit. Das indonesische Gesundheitsministerium hatte bereits vor mehreren Tagen erklärt, daß es die Opferbilanzen nicht mehr fortführe. Nach jüngsten Angaben kamen in Indonesien fast 115.000 Menschen ums Leben.
Eine Marke für die Flut
Jörg Ziegler: Eine Marke für die Flut. Der Berliner Postkonkurrent Pin AG bringt eine Sonderbriefmarke zugunsten der Katastrophenopfer in Südasien heraus. Der Tagesspiegel Nr. 18722, 20.1.2005, S. 32
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Die Marke ist vor allem für Sammler interessant sowie für Firmen und Behörden, die auf dem Weg der Massensendung spenden wollen...
Begeistert von der öffentlichen Resonanz zeigte sich ... der Geschäftsführer der "Brandenburgs Werbeagentur" Olaf Bandenburg. Dessen Firma hatte die Sondermarke kostenlos entworfen...
Die Sondermarke ist den interessierten Philatelisten und Pin-Kunden weltweit zugänglich, vornehmlich allerdings in den Regionen Berlin-Brandenburg, im nördlichen Sachsen und seit neuestem auch in Köln. Nur hier ist der Postkonkurrent derzeit tätig. Weil der Postmarkt in Deutschland weiter stark reguliert und die Briefdienstleistungen nur im geringen Maße liberalisiert sind, ist eine bundesweite Ausdehnung der Aktion nicht möglich...
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- Informationstelefon: 030 / 36 40 98 75,
im Internet:
http://www.interphil.com
Neuanfang
N.N.: Voller Kraft für einen Neuanfang. Umweltschützer helfen Frauen und Kindern in Aceh. Regenwald Report 1/2005, S. 4
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Die Menschen in der Provinz Aceh im äußersten Norden der Insel Sumatra sind besonders schlimm von der Katastrophe betroffen. Seit Jahren tobt hier der Bürgerkrieg, gleichzeitig werden die Regenwälder geplündert...
Unsere Partnerorganisation Walhi, das größte indonesische Netzwerk von Umweltgruppen, hat inzwischen fast 60 Leute aus der Hauptstadt Djakarta und anderen Landesteilen nach Aceh geschickt. Walhi-Mitarbeiter Rivani Noor hat per SMS berichtet, in vielen Dörfern an der Küste habe niemand überlebt.
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Inzwischen ist die TV-Journalistin und Indonesienexpertin, Inge Altemeier, ... in Aceh eingetroffen und setzt gemeinsam mit Walhi-Mitarbeitern die Gelder direkt dort ein, wo sie am dringensten gebraucht werden.
... Das größte Problem sind die horrenden Automieten und das Vorgehen des Militärs, die die Hilfsgüter nur an ihre eigenen Leute verteilen...
Inge Altemeier wird sich auf den Weg nach Nord-Aceh machen, wo wegen des Bürgerkriegs bisher fast keine Hilfe angekommen ist...
Die Umwelt- und Menschenrechtsorganisation Walhi hat sich in der Vergangenheit vehement für Menschenrechte und Naturschutz eingesetzt. Sie hat kriminelle Holzhändler vor Gericht gebracht und den Opfern der Zellstoffmaffia geholfen, die für ihre Papierproduktion rücksichtslos die letzten Regenwälder vernichtet. Das Büro von Walhi wurde durch die Flutwelle komplett zerstört. Mohamed Ibrahim, ihr Direktor, ist tot; seine Leiche wurde bereits identifiziert...
Nach der Phase der akuten Nothilfe will Walhi dafür kämpfen, daß ökologisch und sozial verträgliche Wiederaufbauprojekte gefördert werden. In Aceh sind hundertausende Menschen auf die Regenwälder, saubere Flüsse und intakte Fischfanggebiete zum Überleben angewiesen.
Kahlschlag in der Provinz Aceh
N.N.: Kahlschlag im Krisengebiet. Die indonesische Provinz Aceh war schon vor der Flutwelle gebeutelt. Langfristig brauchen die Überlebenden einen nachhaltigen Schutz der Naturresourcen. Regenwald Report 1/2005, S. 6
"Eines Tages trafen wir zufällig auf Soldaten, die gerade ein paar Männern befahlen, Bäume zu fällen. Ich hatte Angst und zog meinen Freund weg, aber er wollte bleiben. Er protestierte bei den Militärs und sagte ihnen, sie sollten die Bäume stehen lassen. Die Soldaten wurden böse. Zwei Monate später ist mein Freund spurlos verschwunden."
Die Aussage stammt von einem Indonesier, der aus Angst vor Repressalien anonym bleiben möchte. Die Szene ereignete scih in Aceh ganz im Norden von Sumatra. Aceh, das ist gleichbedeutend mit Bürgerkrieg, bitterer Armut, Menschenrechtsverletzung und Regenwaldvernichtung.
Die Provinz Aceh ist eine Schatzkammer voll mit natürlichen Reichtümern, die in rasantem Tempo geplündert wird. Für den schnellen Profit beuten Holz- und Papierkonzerne die Regenwälder aus - im Namen des wirtschaftlichen "Fortschritts". Aceh ist gleichzeitig Schauplatz eines blutigen Krieges zwischen der indonesischen Armee und der Rebellenbewegung Free Aceh Movement. Als hätten Naturzerstörung und Krieg nicht schon genug Leid über die Bevölkerung gebracht, schlug jetzt auch noch die Flutwelle so heftig zu wie sonst nirgendwo.
Schon lange vor der Tsunami-Katastrophe waren viele Menschen in Aceh von Erdrutschen und Überschwemmungen bedroht, Folge des Raubbaus an den Wäldern, mit dem das Militär seinen Krieg finanziert... Umweltzerstörung, Bürgerkrieg und Korruption haben gemeinsam dazu geführt, daß der Großteil von Acehs Bevölkerung in bitterer Armut lebt, obwohl die Region reich an Ressourcen ist. Nach UN-Angaben verdoppelte sich die Zahl der Menschen, die unterhalb der Armutsgrenze leben, seit 1999.
Die seit Jahren fortschreitende Umweltzerstörung hat Indonesien in eine tiefe ökologische Krise gestürzt. Mit 3,8 Millionen Hektar ist die jährliche Entwaldungsrate weltweit die höchste. Die Weltbank warnte bereits, Sumatras Flachland-Regenwälder würden außerhalb geschützter Gebiete 2006 verschwunden sein.
Millionen brauchen den Wald
Bis heute fallen Indonesiens Regenwälder der Produktion von Holz, Zellstoff und Palmöl zum Opfer, Produkte, die überwiegend in die Industrieländer exportiert werden. Dazu kommt die Zerstörung durch Öl- und Gasausbeutung, Straßenbau und Industrieansiedlungen. Die Profite wandern zu den Investoren, die sozialen und ökologischen Schäden müssen die einfachen Menschen tragen.
Schätzungsweise 40 bis 65 Millionen Indigene sind auf die artenreichen Regenwälder direkt als Lebensgrundlage angewiesen. Insgesamt rund 100 Millionen Menschen in Indonesien brauchen die Wälder zur Trinkwassergewinnung, als Schutz vor Überschwemmungen und Erosion.
In Aceh waren von den knapp 5,7 Hektar ursprünglich 4,1 Millionen Hektar bewaldet. Seit Anfang der 90er Jahre wurden etwa 1,5 Millionen Hektar zerstört. Mittlerweile beträgt die jährliche Entwaldungsrate in der Provinz rund 270.000 Hektar. Illegalen Holzeinschlag gibt es vor allem in den Distrikten Southeast Aceh, Singkil, South Aceh und Central Aceh - fast alles Gebiete, die zum Leuse Nationalpark gehören. Die Stämme und das geschnittene Holz werden nach Malaysia, Indien oder China geschmuggelt. Die indonesische Umweltorganisation SKEPHI schätzt, daß dem Staat durch illegalen Holzeinschlag zwischen 1999 und 2004 4,25 Milliarden Dollar an Einnahmen entgingen.
Geschäfte mit den Regenwaldvernichtern auf Sumatra machen auch deutsche Unternehmen und Banken. Der indonesische Konzern APRIL hat für seine Zellstoffproduktion bereits mindestens 300.000 Hektar Regenwald auf Sumatra zerstört und dabei viele Menschen von ihrem angestammten Land vertrieben.... Seit 1997 kooperiert APRIL eng mit dem finnischen Papierriesen UPM-Kymmene, zu dem auch die emsländische Nordland Papier GmbH gehört, größte Feinpapierfabrik Europas.
Trotz anhaltender Kritik an APRIL macht auch das Hamburger Großhandelsunternehmen Papier Union weiter Geschäfte mit dem Raubbau-Konzern, statt auf Produkte aus Regenwaldzerstörung zu verzichten...
... Die beiden indonesischen Boombranchen (Papier- und Palmölindustrie) wurden mit millionenschweren Krediten auch von deutschen Geldinstituten gepusht. Und selbst die rot-grüne Regierung förderte die Entwicklung mit sogenannten Hermes-Bürgschaften.
Die Kanzler-Millionen
Die Tsunami-Katastrophe hat die Lage in Aceh dramatisch verschärft... Die von Kanzler Schröder zugesagten 500 Millionen Euro für den Wiederaufbau sind zu einem großen Teil für Aceh bestimmt. Wir fordern, die Mittel ausschließlich für ökologisch, sozial und ökonomisch nachhaltige Projekte vor allem in den Bereichen Bildung, Umweltschutz, Arbeit, Menschen- und Frauenrechte und Demokratie einzusetzen. Parallel muß die Bundesregierung Indonesien Schulden erlassen gegen die Auflage, die eingesparten Mittel in der Landeswährung zum Schutz der natürlichen Ressourcen einzusetzen. Dazu gehört auch die Finanzierung eines effektiven Kontrollsystems zur Rettung des Leuser-Ökosystems über die Bezahlung von Parkrangern mit einer funktionierenden Ausrüstung.
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Leuser Nationalpark im Spinnennetz
"Ladia Galaska" heißt ein neues Projekt der Provinzregierung, mit dem 1500 Kilometer Asphaltpisten gebaut werden sollen. Das umfangreiche Straßennetz soll den Pazifischen Ozean mit der Straße von Malakka und den Norden Acehs mit dem unzugänglichen Süden verbinden. Im Volksmund ... "Spinnennetz" .. Die Straßen würden kreuz und quer durch Aceh führen und den Leuser Nationalpark durchschneiden.
Das 2,6 Millionen Hektar große Leuser-Ökosystem erstreckt sich vom südöstlichen Aceh (80 Prozent der Gesamtfläche) bis in die Provinz Nord-Sumatra. Herzstück ist der 800.000 Hektar große Gunung Leuser Nationalpark, der im Juli 2004 zum Weltkulturerbe erklärt wurde.
Der Park gehört zu den artenreichsten Gebieten der Welt. Seine ökologischen "Dienstleistungen" wie der Schutz von Wassereinzugsgebieten oder die Lieferung von Süßwasserfischen haben einen jährlichen Wert von 200 Millionen Dollar. Leuser ist auch die Heimat der von Ausrottung bedrohten Orang Utans und der Sumatra-Tiger und letzter Lebensraum für Pflanzen mit den größten Blüten der Welt, die Rafflesia.
N.N.: Nach dem Tsunami der Kahlschlag. Regenwald Report 3/2005, S. 10-12
Aceh benötigt dringend nachhaltige Hilfsprojekte wie Mangrovenaufforstung. Ein paar mutige Menschen stellen sich mit Unterstützung von Rettet den Regenwald der Holzmafia in den Weg.
In Teneum an der Westküste von Aceh kreischen die Kettensägen. Arbeiter, teilweise in Armeeuniformen, haben eine Straße in den Regenwald geschlagen und fällen dicke Baumstämme. Raupen ziehen das Tropenholz aus dem Wald und laden es auf Lastwagen der Firma Waskita, die vom indonesischen Militär kontrolliert wird. Finanziert hat die Holzfällerstaße die staatliche, amerikanische Entwicklungshilfeorganisation US AID im Rahmen ihrer Tsunami-"Hilfe", ohne den Schutzstatus der Wälder zu berücksichtigen.
... Spenden ...
Das Geld wird bitter nötig gebraucht, denn seit der Flutkatastrophe werden die Regenwälder der Provinz rücksichtslos geplündert, die weltweit zu den artenreichsten zählen. Die Holzfällerstraße bei Teneum ist nach Recherchen von Walhi nur ein Beispiel. Inzwischen konnten Walhi-Aktivisten per Fotos beweisen, daß die Holzmafia sogar von internationalen Hilfsorganisationen profitiert, die ihre Lastwagen für den Holzklau zur Verfügung stellen, so etwa der kuwaitische Rote Halbmond. Häufig kaufen die internationalen Organisationen das gestohlene Holz anschließend zu horrenden Preisen, um es für ihre Hilfsprojekte zu nutzen.
Selbst im Leuser-Nationalpark kommt es zu massiven illegalen Einschlägen. Die EU hat seit 1996 mehr als 30 Millionen Euro in den Schutz des Nationalparks investiert, der im Juli 2004 zum Weltkulturerbe erklärt wurde...
Inzwischen kursieren Zahlen, wonach für die von der Flutkatastrophe am stärksten betroffene Region fünf bis neun Millionen Kubikmeter Holz benötigt werden. Nach Recherchen von Walhi stammen die Zahlen von der Holzmafia, die eng mit der Armee zusammenarbeitet...
Weil die Regenwaldzerstörung in Aceh dramatische Folgen hat, sind langfristige Hilfsprojekte für die Tropenwälder dringend nötig. Seit den 80er Jahren gibt es in Aceh keine regelmäßigen Regenzeiten mehr. Der Grund ist nach Studien von Wissenschaftlern die fortschreitende Abholzung - mit verheerenden Auswirkungen für die Bauern der Region und ganz Indonesien. SKEPHI, ein Netzwerk von indonesischen Waldschutzgruppen, schätzt zudem, daß dem Staat durch illegalen Holzeinschlag in Aceh zwischen 1999 und 2004 4,25 Milliarden Dollar an Einnahmen entgingen.
Walhi hat mit Unterstützung von Rettet den Regenwald sozial und ökologisch verträgliche und langfristige Wiederaufbaumaßnahmen entwickelt. Zu dem Konzept gehören Aufforstung und Schutz von Mangrovenwäldern an der Küste, nachhaltiger Aufbau von Aceh und gleichzeitiger Schutz der Regenwälder, der Kampf gegen illegalen Holzeinschlag und ein journalistisches Trainingsprogramm für eine freie Berichterstattung.
Das Leuser-Ökosystem, dessen Schutz im Walhi-Projekt eine zentrale Rolle spielt, hat eine Fläche von 2,6 Millionen Hektar. Es ist eine der weltweit artenreichsten Regionen, deren ökologischer Wert auf jährlich 200 Millionen Dollar geschätzt wird, weil sie unter anderem Millionen Menschen sauberes Trinkwasser und reichlich Süßwasserfische liefert. Leuser ist zudem die Heimat der von Ausrottung bedrohten Orang-Utans, der Sumatra-Tiger und der Rafflesia, mit über zwei Metern Blütendurchmesser die größte Pflanze der Welt.
Aceh auf dem Holzweg
Indonesien ist Weltspitze in der Zerstörung der Regenwälder, wobei der Anteil des illegalen Holzeinschlags in einigen Regionen 90 Prozent erreicht. Das indonesische Forstministerium selbst spricht von transnationalen Verbrechen und sucht internationale Unterstützung...
Von der Weltöffentlichkeit abgeschlossen, hat die Provinz (Aceh) in den letzten Jahren unwiederbringlich Wald verloren. Nach vorsichtigen Daten des indonesischen Forstministeriums von 2002 sind 825.000 von 3,3 Millionen Hektar Wald in Aceh degradiert oder nicht mehr vorhanden. Auch in dieser Saison wird nicht nur der deutsche Markt wieder mit Tropenholzmöbeln überschwemmt. Die Hälfte des in der EU importierten Tropenholzes soll zuverlässigen Schätzungen zufolge aus illegalem Holzeinschlag stammen.
Auswirkungen der immensen Abholzung in Aceh sind Klimaveränderungen und Störungen des Wasserhaushalts. Die Folgen sind sowohl Dürreperioden als auch Überschwemmungen und Erdrutsche. Leidtragende ist vor allem die in der Landwirtschaft tätige Bevölkerung, die zunehmend über Ernteeinbußen klagt... Wald-Schutzprojekte lassen sich nicht sofort fotografisch festhalten, wie etwa der Neubau einer Schule. Bis beispielsweise ein Mangrovenwald seine sämtlichen ökologischen Funktionen erreicht, vergehen 20 bis 30 Jahre. Wie wichtig trotzdem solche nachhaltigen Hilfsprojekte sind, ist bei dem Tsunami selbst dramatisch klar geworden.
Macht es endlich, sage ich der Welt!. Regenwald Report 3/2005, S. 13
Interview mit Feri Irawan von der indonesichen Umweltorganisation Walhi zum Wiederaufbau in Aceh auf Sumatra.
Feri Irawan (31) ist studierter Bauingenieur und führt seit sieben Jahren das Büro von Walhi in der Provinz Jambi auf Sumatra. Er wird Leiter des Projektes "MANDELA" (Nachhaltige Zukunft für die Umwelt in Aceh). Feri ist verheiratet und hat eine Tochter, die sechs Tage nach dem Tsunami geboren wurde.
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RdR: Die deutsche Regierung hat Ende Mai ein Millionen schweres Hilfspaket für Indonesien unterzeichnet. Was soll mit dem Geld passiern?
Feri: Es nützt den Flutopfern wenig, wenn der deutsche Bundeskanzler mit unserem Präsidenten redet. Es gibt ja Zusagen von über 500 Millionen Euro, die darauf warten, sinnvoll investiert zu werden. Ein traditionelles Wohnhaus hat sechs mal sechs Meter Grundfläche und kostet 3000 Euro inklusive Arbeitslohn. Bei dem Preis und der vorhandenen Spendensumme können wir nur lachen, daß noch nicht angefangen wurde, solche Häuser zu bauen. Macht es endlich, sage ich der Welt!
RdR: In Aceh gilt seit 2003 ein Abholz-Moratorium bis auf kleine, 100 Hektar große Konzessionen. Was ist mit dem Moratorium?
Feri: Das gab es, damals wurden sogar Betriebe geschlossen. Durch den Tsunami ist es de facto abgeschafft worden. Eigentlich gibt es kein legales Holz aus Aceh, aber den Opfern der Flut ist das egal und der Holzmafia sowieso. Trotzdem sollte die internationale Hilfsgemeinschaft das wissen.
Das Holz aus Aceh ist momentan nicht für den Export bestimmt, außer besonders teure Edelhölzer wie Ramin. Der Binnenmarkt ist dermaßen lukrativ, daß die Holzmafia sich nicht mehr die Mühe machen muß, das Holz außer Landes zu schmuggeln, sondern Millionen direkt vor der Haustür kassiert. In Aceh ist die Armee immer noch stark in den illegalen Holzhandel verstrickt. Sie verkauft Holz zu horrenden Preisen. Die Leute haben Angst, die Armee deswegen zu kritisieren, weil sie dann sofort als Staatsfeinde gelten.
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RdR: Wäre es sinnvoll, daß Rettet den Regenwald mit anderen Organisationen in Aceh ein Modelldorf aufbaut? In traditioneller Bauweise, mit erneuerbarer Energie, Regenwassernutzung, biologischer Kläranlage, einem Mangrovengürtel und Umwelterziehung?
Feri: Auf jeden Fall. Für mindestens 500 Familien. Mangrovenaufforstung muß integriert sein. So etwas würde sicher von den Menschen hier angenommen. Wenn ein solches Modelldorf als Pilotprojekt entsteht und es ein professionelles Monitoring gibt, können Schwächen schnell ausgeglichen werden, und es würde bestimmt viele Nachahmer finden.
RdR: Was kann die deutsche Umweltorganisation Rettet den Regenwald gegen illegalen Holzeinschlag in Indonesiens Regenwäldern tun?
Feri: Macht eure Kampagne weiter: Kauft nicht einen Kubikmeter Tropenholz, weil es garantiert illegal geschlagen ist. Und unterstützt uns hier im Land, daß wir die Menschen weiter informieren und aufklären können, damit sie die Wahrheit erfahren über die Folgen der Abholzung.
Palmölplantagen sind auf Sumatra mit das größte Problem. Informiert die Menschen in Deutschland, wo überall Palmöl von uns drin ist. Durch die gestiegene Nachfrage werden bei uns Regenwälder vernichtet und in Palmöl-Plantagen umgewandelt. Kämpft dafür, daß deutsche Banken keine Kredite mehr an indonesische Konzerne vergeben, die für Regenwaldzerstörung und Menschenrechtsverletzungen verantwortlich sind. Es darf auch nicht sein, daß die Weltbank Ölmühlen bei uns finanziert. Auch in dieser Hinsicht könnt ihr auf die deutsche Regierung weiterhin Druck ausüben. Das alles könnt ihr für uns tun.
Indonesiens Regenwald und seine wirtschaftliche Nutzung
Hilfe für die Fluten
N.N.: Der Mensch hilft den Fluten. Die Zerstörung der Mangrovenwälder hatte zur Folge, daß sich die Naturkatastrophe noch verherender auswirkte. Experten ziehen eine bittere Bilanz. Regenwald Report 1/2005, S. 8-9
Wer vor einem halben Jahrhundert entlang der Küsten des Indischen Ozeans gesegelt ist, der hat vor allem eins gesehen: Mangroven. Sumpfige Regenwälder an der Schnittstelle von Wasser und Land. Frühmorgens am 2. Weihnachtstag 2004 bot sich ein ganz anderes Bild: Eine Mischung aus industriellen Shrims-Farmen, Touristenhotels, Städten und Dörfern. Dazwischen nur Fragmente der einstigen Mangrovengürtel. Das war vor der Welle. Wenige Stunden später waren die Strände des Indischen Ozeans verwüstet.
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Natürlicher Schutzgürtel zerstört
In den vergangenen 50 Jahren sind mehr als die Hälfte der weltweit einst 22 Millionen Hektar Mangroven zerstört worden - durch Urbanisierung der Küsten, Bau von Touristenunterkünften, Ölausbeutung, Luft- und Wasserverschmutzung und industriellen Shrimpsfarmen. Diese wurden jahrelang von der internationalen Finanzwelt wie der Weltbank gefördert und als "blaue Revolution" gefeiert... In Indonesien verloren die Insel Java 70 Prozent, Sulawesi etwa 50 Prozent und Sumatra 36 Prozent ihrer einstigen Mangrovenwälder...
Jeff McNeely, Chef-Wissenschaftler der "World Conservation Union for Nature" (IUCN) mit Sitz in der Schweiz, macht ebenfalls das Verschwinden der Mangrovenwälder mit dafür verantwortlich, daß die Tsunam-Katastrophe ein solches Ausmaß annehmen konnte. "Wenn ein Tsunami heranrast, trifft er zunächst auf Korallenriffe und dann auf die Mangrovenwälder, die ihn beide abbremsen können. Selbst wenn die Wellen durchbrechen und die Mangroven schwer schädigen, haben sie einen Teil ihrer Energie verloren."
Eine Studie der indischen Swaminathan Forschungsstiftung untermauert McNeely's Einschätzung. Die dortigen Wissenschaftler hatten vor 14 Jahren mit einem Projekt begonnen, bei dem an der indischen Ostküste noch intakte Mangrovenwälder geschützt und geschädigte stabilisiert wurden. "Wir haben jetzt festgestellt, daß dort, wo sich die Mangrovenwälder erholen konnten, die Schäden durch den Tsunami geringer waren als an den Küstenabschnitten ohen Mangroven", sagt Monkombu Sambasivan Swaminathan (Projektleiter)...
N.N.: Salz auf meiner Rinde. Im Lebensraum Mangroven haben sich die Arten extremen Bedingungen angepaßt. Regenwald Report 1/2005, S. 10
Als Mangroven bezeichnen Wissenschaftler Bäume, die im Gezeitenbereich tropischer Meeresküsten vorkommen und bei hohen Salzkonzentrationen besser wachsen als bei niedrigen. Das sensible Ökosystem ist auf ruhiges, warmes Wasser angewiesen und ist deshalb vor allem in Meeresbuchten oder hinter Korallenriffen an den Küsten Südamerikas, Afrikas und Südostasiens zu finden. Die Mangrovenwälder setzen sich aus immergrünen Sträuchern und Bäumen zusammen, die zu unterschiedlichen Pflanzenfamilien gehören. Allen Arten ist jedoch gemeinsam, daß sie an die extremen Lebensbedingungen im Gezeitenbereich durch die Entwicklung spezieller Strukturen und physiologischer Prozesse angepaßt sich.
Überlebenskünstler
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Bunte Salzwelt
Mangrovenwälder gehören zu den artenreichsten und produktivsten Feuchtgebieten. Sie beherbergen ein Fülle von Baum- und Pflanzenarten, die sich dem Salzwasser angepaßt haben. Hunderte Vogelarten sind auf Mangroven als Lebensraum angewiesen. In den sumpfigen Wäldern tummeln sich Krokodile, Affen, Wildkatzen, Amphibien und Meeresschildkröten.
Mangroven stellen zudem eine wichtige Ressourcehquelle für die Bevölkerung dar. Sie versorgen die Menschen mit Bau- und Brennholz, Früchten, Gerbstoffen und pflanzlichen Heilmitteln. Als Brutstätte für viele Krebstiere und Fische sichern sie die Ernährung der Bevölkerung. Werden die Küstenwälder zerstört, fehlt vielen Meerestieren der Lebensraum für eine ungestörte Entwicklung, was sich negativ auf die Fisch- und Krebsbestände auswirkt. Auch Garnelen sind im Larbenstadium auf den Schutz der Mangroven angewiesen.
N.N.: Wir pflanzen Zukunft. Auf der kleinen Insel Samal / Philippinen geht das erste Mangroven-Projekt von "Rettet den Regenwald" in dritte Jahr. Der Erfolg läßt uns hoffen.... Regenwald Report 1/2005, S. 11
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... Mangrovenwälder sind nicht nur die Kinderstube für Küstenfische, Krebse und Würmer, sie sind auch das Schutzschild der Küsten. Große Wellen verlieren in ihnen ihre Energie und das Wurzelwerk schütz vor Erosion.
Aber Mangroven haben ein Problem. Mit ihnen ist kein Geld zu verdienen. Deswegen wurden sie hektarweise abgeholzt.
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Anzahl der Toten und Vermißten
AFP: NACH DEM BEBEN. Kaum noch Hoffnung für Vermißte. Der Tagesspiegel Nr. 18728, 26.1.2005, S. 6
Einen Monat nach der Flutkatastrophe in Südasien gehen die Behörden in der Region inzwischen von mehr als 280.000 Todesopfern aus.
Mit 228.429 Toten und Vermißten zählt Indonesien mittlerweile die meisten Opfer...
dpa: INDONESIEN. 120 Rebellen in Aceh getötet. Der Tagesspiegel Nr. 18723, 21.1.2005, S. 6
Indonesiens Armee hat trotz Flutkatastrophe und laufender Hilfsmaßnahmen in der Provinz Aceh während der vergangenen Wochen nach eigenen Angaben mindestens 120 muslimische Rebellen getötet... General Ryamizard Ryacudu... Er warf der Bewegung Freies Aceh auch vor, in der Krisenregion für Überlebende bestimmte Hilfsgüter zu stehlen.
AP / AFP / rtr: Indonesien will mit Rebellen verhandeln. Friedensgespräche für Aceh noch diese Woche in Finnland / 174.000 Flutopfer auf Sumatra. Der Tagesspiegel Nr. 18726, 24.1.2005, S. 5
... Die erste Verhandlungsrunde soll schon Ende dieser Woche in Finnland beginnen. Die indonesische Regierung strebt einen Waffenstillstand und daran anschließend eine dauerhafte Autonomieregelung an. Im Gegenzug will die Regierung erreichen, daß die Bewegung Freies Aceh (GAM) ihre Forderung nach einem Unabhängigkeitsreferendum fallen läßt. Ein solches Referendum hatte 1999 zur Gründung des Staates Osttimor geführt. Die Gespräche in Helsinki hat der frühere finnische Präsident Martti Ahtisaari vermittelt.
Die Bewegung Freies Aceh kämpft seit 1976 für die Unabhängigkeit der Provinz im äußersten Nordwesten von Indonesien. Im Dezember 2002 vereinbarten beide Seiten einen Waffenstillstand, der aber im Mai 2003 von der Regierung gebrochen wurde...
Nach dem Seebeben vom 26. Dezember (2004) erklärten die Streitkräfte ihre Offensive gegen die Rebellen für ausgesetzt. Dennoch wurden seitdem nach Angaben von Generalstabschef Ryumizard Ryacudu 208 Rebellen erschossen...
Am Sonntag versprach die Armee erneut, ihre Offensive gegen die Rebellen in Aceh einzustellen, um die geplanten Friedensgespräche zu ermöglichen... Bei Friedensverhandlungen könne über alles verhandelt werden, außer über die Unabhängigkeit von Aceh, sagte Sutarto.
Die Zahl der Todesopfer der Flutkatastrophe in Indonesien ist unterdessen weiter gestiegen. 173.981 Menschen seien ums Leben gekommen, erklärte das indonesische Gesundheitsministerium am Sonntag in Djakarta. Zivile Helfer und Soldaten finden in der am schwersten betroffenen Provinz Aceh noch immer mehr als hundert Leichen am Tag. Die Phase der unmittelbaren Nothilfe in Aceh ist nach Darstellung der Regierung in Djakarta allerdings nahezu abgeschlossen; der Einsatz ausländischer Truppen sei daher nicht mehr erforderlich. Die indonesische Regierung hat die Arbeit der Helfer in Aceh bereits schon mehrfach behindert.
Über den Fortgang der Angelegenheit s. Friedensvertrag für Aceh unterzeichnet.
Michel Maas: Reportage. Hanum mist vier kinderen uit haar klaas. De scholen in Atjeh gaan weer beginnen - dus moeten de vluchtelingen een beter heenkomen zoeken. de Volkskrant, woensdag 26 januari 2005, blz. 4
Kinderen in Atjeh moeten weer naar school. Dat is belangrijk. Niet alleen omdat zij moeten leren, maar vooral omdat zij weer een gevoel moeten krijgen voor het normale.
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Die school, in de wijk Lampeuneurut in Banda Atjeh, is een van de eerste die weer begint sinds de Indonesische provincie een maand geleden werd getroffen door de tsunami. Zara zit in de eerste klas van de middelbare school...
In de school zijn nu nog vluchtelingen uit Kampung Baru ondergebracht. Ze hebben bezit genomen van de lokalen en de terreinen. Het schoolplein is bezaaid met vuilnis, wasgoed, huisraad, koffers, dozen, tapijten en afgedankte kleding...
‚Wij hebben geen drinkwater meer. Heeft u iets te drinken?' vraagt Ridwan, een van de vluchtelingen. Hij ligt met een groep mannen in een koel klaslokaal tussen dozen en paketten. Gisteren hebben zij te horen gekregen dat zij vandag weg moeten uit de school. Een eindje verderop is een tentenkampje voor ze ingericht. ‚Daar is nog geen water en er zijn ook geen wc's, zegt Ridwan...
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De Indonesische overheid en Unicef, het kinderfonds van de Verenigde Naties, hebben dinsdag een gezamelijk programma gepresenteerd: alle nog beschikbare scholen moeten vanaf morgen weer opengaan, en waar geen school meer staat (volgens de regering zijn er zeker 765, maar misschien wel 1100 vernield) wil Unicef tenten neerzetten. Pakketten vol leesmateriaal zullen worden verspreid, genoeg voor een half miljoen kinderen - zoveel als er waren voor de ramp.
Want lang niet al die kinderen zijn er meer. Tienduizenden zijn er verdwenen, meer dan honderduizend zijn uit hun huizen verdwenen. Eenderde van de onderwijzers van Banda Atjeh is niet meer; in de provincie Atjeh zijn 1747 leerkrachten dood of vermist. Tweeduizend tijdelijke leerkrachten worden met spoed opgeleid.
... Waar het water wel is geweest, moeten er bulldozers en militairen aan te pas komen. Dertig centimeter hoog stond de modder in de middelbare school nummer 3. Uit de modder moesten eerst nog lijken worden geruimd voordat de bulldozer het moeras van de schoolplein kon schrapen. De klaslokalen zijn leeggeschept en opnieuw geschilderd.
Als dinsdag de journalisten komen, zijn de eerste lokalen weer als nieuw. Soldaten poetsen de ruiten nog wat op met afgedankte T-shirts, en de eerste leerlingen in uniform worden voorgeleid. School nummer 3 is de modelschool voor het scholenproject. Er is alles aan gedaan om goed voor de dag te komen. De blijdschap van de leerlingen hoeft echter niet te worden gesimuleerd. Herhaaldelijk komen er jongens en meisjes binnen om te vragen waar zij zich kunnen inschrijven.
70 procent heeft zich gemeld, zegt administrateur Makmun Daud, 70 procent van vijftienhonderd kinderen...
Het zal maanden duren voordat de Atjese kinderen weer regulier onderwijs krijgen. In de meeste scholen moet het schoonmaken nog beginnen. De herbouw van scholen is nog lang niet in zicht. In de zwaarst getroffen gebieden, waar bijna niets meer overeind staat, zal het een tijd duren eer de overlevenden zijn teruggekeerd.
De districtambtenaar heeft aan dat alles geen boodschap. Hij heeft zijn opdracht: het terug-naar-school-programma moet voortvarend worden aangepakt. En dat doet hij dus. Hij heeft de 673 vluchtelingen in de school van Lampeuneurut twee dagen gegeven om hun boeltje te pakken. Hij moet de school opruimen en de lokalen weer geschikt maken voor de kinderen. Dat is zijn opdracht.
Transport voor de vluchtelingen is er niet. Ze moeten zelf maar zien hoe zij hun spullen bij de tenten krijgen, een kilometer verderop. De opgerolde grote tent die nog ligt nog te wachten, moeten ze zelf maar opzetten. Ridwan en en mannen wachten tot iemand ue het sein geeft te vertrekken. Dan zullen ze gaan. Eerder niet.
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Het slappe zeildoek biet onder dak aan 53 mensen - twaalf families, of wat daarvan over is… ‘Als ons hier nog maar iemand eten komt brengen', oppert Rachmat. Maar klagen zal hij niet. Een jarenlange levenservaring in Atjeh heeft hem daar te angstig voor gemaakt: ‚Als je protesteert krijg je straks helemaal geen hulp meer.'
ce/AFP: Christina Rau wird Schröders Flutbeauftragte. Der Tagesspiegel Nr. 18730, 28.1.2005, S. 6
... Die Ehefrau des früheren Bundespräsidenten Johannes Rau soll das "persönliche Gesicht" der von Schröder ins Leben gerufenen Patenschafts-Initiative werden. Rau solle Ansprechpartnerin für alle sein, die sich zur Hilfe bereit erklären...
Über die Initiative können sich Kommunen und Schulen sowie Verbände und Organisationen an konkreten Hilfsprojekten im Katastrophengebiet Südasien beteiligen... 738 Hilfsangebote... Aus den betroffenen Regionen seine bisher aber erst 50 Anfragen gekommen...
Einen Monat nach der Flutkatastrophe laufen die internationalen Hilfsmaßnahmen in der am schwersten betroffenen indonesischen Provinz Aceh weiterhin teilweise chaotisch ab. An der Westküste von Aceh würden medizinische Versorgung und Hilfe noch immer "auf chaotische Weise" geleistet, heißt es in einem von internationalen Experten, UN-Behörden, dem US-Militär und der indonesischen Regierung erstellten Bericht. Dort fehle es noch immer an einer abgestimmten Antwort auf die Bedürfnisse der notleidenden Bevölkerung. Die Gesundheitsversorgung sei unkoordiniert, Informationen gebe es nur bruchstückhaft. Die sanitäre Versorgung sei äußerst schlecht. Die Versorgung mit Nahrungsmitteln sei dagegen zufriedenstellend. Große Teile der Bevölkerung von Aceh würden durch zivile Organisationen oder das indonesische Militär versorgt.
Michael M. Philipps: Die Hilfe kommt teuer. Im indonesischen Katastrophengebiet bringen ausländische Organisationen die Wirtschaft durcheinander. Der Tagesspiegel Nr. 18732, 30.1.2005, S. 23
Kleine Hilfsorganisationen klagen: Die Löhne für Arbeitskräfte explodierern
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Weil ein großes Bewässerungsprojekt der Firma wegen des Arbeitskräftemangels kurz vor dem Aus steht, fuhr Halcrows Abteilungsleiter Nigel Landon vor einigen Tagen die Hilfsagenturen ab, um Näheres über die Einstiegsgehälter zu erfahren. Die Antworten waren entmutigend. "Wir können unsere Löhne nicht über Nacht verdoppeln", sagte Landon im Anschluß an seine Erkundungstour. "Die privaten Hilfsorganisationen sind nach einem solchen Unglück und den großzügigen Spenden finanziell viel freier als wir."
Die Wirtschaft van Banda Aceh steht Kopf - verzerrt von Not, Großzügigkeit und günstigen Gelegenheiten. Tausende von Hilfskräften brachten Nahrungsmittel und Geld in die vom Tsunami verwüstete Stadt an der Nordspitze der Insel Sumatra. Preise, Löhne und Mieten folgen seither eigenen Gesetzen. Salz kostet doppelt so viel wie vor dem Desaster, weil die Flutwelle die Salzproduktion an der Küste auslöschte. Dagegen sind Rindfleischpreise im Keller, weil man sich vor Krankheitserregern fürchtet.
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Schätzungsweise die Hälfte aller Häuser in Banda Aceh wurde in der Naturkatastrophe zerstört. Neben den 125.000 Menschen, die nach Angaben der UNO ihre Bleibe verloren haben, suchen nun auch die ausländischen Hilfskräfte eine Unterkunft... Von den acht Bewerbern bot die Agentur am meisten: 1400 Dollar für das Haus, das unter normalen Umständen für gerade einmal 300 Dollar zu vermieten war. Doch Rahman hätte noch eine Woche warten sollen. Dann mußte Mercy Corps einem anderen Vermieter für ein zweites Haus sogar 4000 Dollar zahlen... Letztendlich werden die Indonesier die Schäden beheben, und der Immobilienmarkt wird sich entspannen. Schließlich haben ausländische Spender 1,7 Milliarden Dollar Wiederaufbauhilfe für die Aceh-Provinz versprochen.
Vorerst dreht sich alles ums Aufräumen, nicht ums Aufbauen. Deshalb hat Said Firdaus, Eigentümer einer Tischlerwerkstatt, derzeit keine Kunden für seine polierten Möbel. Sein einziger Auftraggeber ist eine schwedische Hilfsorganisation. Für eines der Flüchtlingslager hat sie 20 gezimmerte Toilettenhäuschen bestellt. Trotz eines Stückpreises von 390 Dollar ist der monatliche Gewinn von Firdaus um 75 Prozent auf rund 400 Dollar zurückgegangen. Wenn die Bauarbeiten erst einmal anfangen, so glaubt er, wird sich sein Umsatz im Vergleich zum Normalgeschäft vervierfachen - und seine Preise werden um 25 Prozent steigen.
Besonders schlecht geht es den Fischhändlern. Viele Fischer wurden getötet oder ihrer Boote beraubt, als die Küstendörfer überschwemmt wurden. Fischhändler Ismail Hussein, der seine Frau und fünf Kinder beim Tsunami verloren hat, kann nur noch Fische verkaufen, die aus anderen Orten aus Sumatra angeliefert werden. Der Bedarf ist aus Furcht vor Krankheiten ohnehin drastisch zurückgegangen: Viele Menschen glauben, die Fische hätten sich in der letzten Zeit von den Leichen ernährt, die von den Wellen in das Meer geschwemmt wurden. In der Folge schrumpfte Husseins täglicher Gewinn um 80 Prozent.
Ähnliches gilt für die Fischer. Abgestoßen werden ihre Kunden vor allem von den Fliegen, die sich auf den Produkten der offenen Verkaufsstände ebenso niederlassen wie auf den Leichen, die immer noch in der Landschaft verstreut liegen. Insgesamt sind die Preise für Lebensmittel gestiegen, nicht zuletzt, weil viele Fuhrunternehmer ihre Frachttarife erhöht haben. Die Fuhrunternehmer werden mit lukrativen Aufträgen für den Transport von Hilfsgütern nach Banda Aceh überhäuft und verlangen nun auch von den Händlern höhere Preise.
Hilfsorganisationen treiben zudem die Preise für Autos hoch, nachdem tausende von Fahrzeugen in den Fluten zerstört worden sind. Irfan Julian war vor der Katastrophe ein Alleinunterhalter, der mit Klassikern wie "My Way" oder "Yesterday" in einem Hotelrestaurant auftrat. Seitdem das Hotel von der Flut weggespült wurde, vermietet er seinen chicken Daihatsu-Jeep an ein katholische Hilfsorganisation und ließ sich selbst als Kraftfahrer anstellen. Als Musiker verdiente er umgerechnet 540 Dollar im Monat. Mit seinem Jeep kommt er dagegen auf 1800 Dollar. Dies ist ein sagenhafter Betrag - nicht zuletzt angesichts des niedrigen indonesischen Pro-Kopf-Einkommens, das laut Weltbank im Jahr 2002 gerade einmal 710 Dollar betragen hat.
Neben den Hilfsorganisationen machen auch die immer neuen Geschichten suchenden Medienunternehmen Jagd auf Übersetzer und Fachleute vor Ort. Oft werden dabei Mitarbeiter von anderen Einrichtungen abgeworben, darunter von Fachschulen, Regierungsbehörden und Unternehmen. Die Berater von Halcrow & Associates haben bereits drei Angestellte an die neuen Arbeitgeber verloren.
Bei früheren Krisen, zum Beispiel in Somalia oder Afghanistan, begegneten die Hilfsorganisationen dem Problem durch direkte Preisabsprachen. Die Chefs der Agenturen verständigten sich über die üblichen Löhne und versprachen, daß man den anderen Einrichtungen keine Mitarbeiter durch höhere Angebote abwerben würde. Bislang fehlt ein solcher Nichtangriffspakt in Aceh...
dpa: Indonesien will das deutsche Flutwarnsystem. Der Tagesspiegel Nr. 18732, 30.1.2005, S. 1
... Das bestätigte das Bundesforschungsministerium am Samstag (29.1.2005)... Bereits von Oktober (2005) an solle ein deutsches Forschungsschiff Meeresbojen vor Indonesien auslegen, die Wellenbewegungen per Funk übertragen sollen. Das Modell wurde vom Potsdamer Geoforschungszentrum entwickelt.
Bojen gegen den falschen Alarm
Roland Knauer/dpa: Bojen gegen den falschen Alarm. Indonesien hat sich für das deutsche Flutwarnsystem entschieden - es soll zuverlässiger sein als das Pazifik-Netz. Der Tagesspiegel Nr. 18733, 31.1.2005, S. 25
... Erste Anlagen können dann nach Auskunft des Geoforschungszentrums Potsdam (GFZ) womöglich schon in anderthalb Jahren in Betrieb genommen werden.
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... Jörn Lauterjung vom GFZ. "Deutschland hatte ein konkretes Angebot für ein System vorgelegt, das besser als das bereits existierende Tsunami-Warnsystem im Pazifik ist." Grundlage dafür ist das "Geofon"-Netz des GFZ, in dem über den Globus verteilte Meß-Stationen Erdbebenwellen aufzeichnen:Erschütterungen werden automatisch lokalisiert, sofort ins Internet und per E-Mail an verschiedene Nutzer wie Katastrophenbeauftragte und Medien weitergeleitet.
Knapp zwölf Minuten nach dem Beben der Stärke 9 am zweiten Weihnachtsfeiertag (2004) lieferte das GFZ auf diesem Weg eine erste Warnung. Ausgerechnet um den Indischen Ozean aber hat das "Geofon"-Netz eine große Lücke. Das gewaltige Erdbeben wurde daher erst ein paar Minuten später von entfernteren Stationen registriert, als die Wellen dort eintrafen. Wertvolle Zeit ging verloren.
Zwar messen auch in Südasien nationale Stationen Erschütterungen im Erdinnern. Viele Länder jedoch veröffentlichen ihre Ergebnisse nicht online, da man mit solchen Messungen auch Atomwaffentests der Nachbarnationen erkennen und analysieren kann. Mit 40 neuen Breitbandseismometern rund um den Indischen Ozean soll diese Lücke daher zunächst geschlossen und so die Vorwarnzeit verkürzt werden.
Ein ähnliches Beobachtungswerk existiert bereits rund um den Pazifik. Für sich genommen löst es allerdings sehr viele Fehlalarme aus, wie das Beispiel Japan zeigt: Obwohl die Japaner Erdbebenspezialisten sind, donnert dort nicht einmal nach jeder fünften Tsunami-Warnung eine Riesenwelle an Land. Eine so hohe Fehlalarmquote kann fatal enden. Rollt tatsächlich ein Tsunami heran, nimmt niemand die Warnung ernst...
Mit diesen Daten kann ein Rechenzentrum im Prinzip auch vorhersagen, wann ein einmal entstandener Tsunami an einem bestimmten Küstenabschnitt eintreffen wird und wie hoch die Wellen sein werden. Im Pazifik funktioniert dieses System recht gut, weil die Wellen meist einige Stunden unterwegs sind und dabei auch einige Inseln passieren. Dort registrieren Pegelmesser die Wellen, und die Warnzentren können ihre Rechnungen noch einmal verfeinern.
... Nötig wären also Warnsysteme, deren Tsunami-Prognosen von vornherein besser sind.
Das funktioniert aber nur mit zusätzlichen Daten - und damit können die GFZ-Forscher dienen: Sie haben Bojen entwickelt, die mit Hilfe des Satellitenortungssystems GPS - in Zukunft auch mit "Galileo" - die Höhe der Wellen ziemlich genau bestimmen können, die eine solche Boje auf und ab schaukeln lassen.
Zwar sind Tsunamis im offenen Meer nur 20 bis 30 Zentimeter hoch. Man kann sie aber auf Grund ihrer extrem großen Wellenlänge sehr gut erkennen. Die Bojen für solche Messungen müssen nicht einmal zusätzlich angeschafft werden: Die Drucksensoren am Meeresgrund liefern ihre Daten ohnehin über ein Kabel an eine Boje auf der Oberfläche, die alle Messungen an einen Satelliten funkt.
...
S. auch: Roland Knauer: Restrisiko Mensch. Wie ein komplexes Warnsystem Tsunami-Katastrophen vorhersieht - aber nicht immer verhindern kann. Der Tagesspiegel Nr. 19256, 21.7.2006, S. 28
dpa: In Helsinki neue Gespräche über Aceh?. Der Tagesspiegel Nr. 18733, 31.1.2005, S. 6
Die indonesische Regierung und die Rebellen aus der Unruheprovinz Aceh haben sich auf weitere Friedensgespräche verständigt. Das erklärten beide Seiten nach einem ersten Treffen im finnischen Helsinki am Wochenende. Dort waren Vertreter von Regierung und Rebellen erstmals seit 20 Monaten zusammengekommen, um über eine Beilegung des seit 1976 andauernden Bürgerkrieges zu beraten. Der frühere finnische Präsident Martti Ahtisaari, der das informelle Treffen vermittelt hatte, lud beide Seiten zu einer neuen Verhandlungsrunde nach Helsinki ein...
Ahtisaari warnte davor, durch eine Verzögerung die humanitären Hilfe und den Wiederaufbau in der von der Flutkatastrophe besonders schwer betroffenen Provinz aufzuhalten. Die Rebellen in Aceh fordern die Unabhängigkeit, eine von der Regierung in Aussicht gestellte Autonomie lehnen sie ab.
Mehr Informationen zu den Friedensverhandlungen, s.
Friedensabkommen mit der Provinz Aceh
N.N.: FLUTKATASTROPHE - Schiff für "Ärzte ohne Grenzen" im Einsatz vor Sumatra. . Greenpeace-Nachrichten, 1/2005, S. 8
Seit Anfang Februar ist das Flaggschiff von Greenpeace, die "Rainbow Warrior", vor der Küste Sumatras im Einsatz und bringt Lebensmittel, Medikamente, Treibstoff und andere dringend benötigte Güter in die von der Flutwelle zerstörten Gebiete...
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... Es ist ein Wettlauf mit der Zeit, noch unversorgte Flutopfer medizinisch zu betreuen und ihnen sauberes Trinkwasser, proteinreiche Kekse, aber auch Generatoren und Moskitonetze zu liefern. Ärzte ohne Grenzen versorgen in der Provinz Aceh insgesamt rund 100.000 Menschen.
Rotes Kreuz und Bundeswehr streiten über Hilfe
babs: Rotes Kreuz und Bundeswehr streiten über Hilfe. Der Tagesspiegel Nr. 18734, 1.2.2005, S. 1
Barbara Junge: Bundeswehrhilfe "überhastet und unkoordiniert"?. Deutsches Rotes Kreuz kritisiert Vorgehen in Indonesien / Einsatzkommando weist Vorwürfe zurück. Der Tagesspiegel Nr. 18734, 1.2.2005, S. 5
... Viele sicher gut gemeinte Einsätze in den Bebengebieten, konstatierte am Montag der aus Indonesien zurückgekehrte DRK-Teamleiter Richard Munz, "schaden mehr als sie nützen, weil sie die dort vorhandenen Ressourcen zerstören, statt beim Aufbau zu helfen". Auch der Einsatz der Bundeswehr in Indonesien schneidet beim DRK nicht gut ab...
Das mobile Lazarett der Bundeswehr in Banda Aceh konkurriere mit 16 anderen Lazaretten und sei nicht einmal zur Hälfte ausgelastet. Das nach Sumatra entsandte Versorgungsschiff "Berlin" könne wegen der zerstörten Hafenanlagen in Banda Aceh nicht direkt anlegen. Zudem warte das DRK noch immer auf Teile der Hilfsgüter, die die "Berlin" am 8. Januar (2005) für das DRK für den Transport nach Sumatra aufgenommen hat. Diese (Decken, Kerosinlampen und Bambusmatten) könnten mit den kleinen Hubschraubern der "Berlin" nicht entladen werden, sondern müßten erst nach und nach mit fremder Hilfe an Land gebracht werden. Inzwischen aber, sagt Müller, habe sich die Bundeswehr "an die konkreten Bedingungen vor Ort angepaßt" und helfe beim Aufbau des Central Hospital.
Die Bundeswehr weist die Vorwürfe scharf zurück. Hilfsmittel lagerten zum Teil noch auf der "Berlin", weil das DRK sie nicht abgerufen habe, sagte ein Sprecher das Einsatzführungskommandos in Potsdam. Zudem habe man die Hilfe, die gut mit den Behörden vor Ort koordiniert sei, auf Banda Aceh konzentriert, da andere Regionen nicht per Flugplatz erreichbar sind. "Deshalb bringen wir die Patienten nach Banda Aceh". Das Lazarett sei auf dem Gelände des Krankenhauses errichtet worden, und von Anfang an sei es das Ziel gewesen, dieses wieder aufzubauen. Insgesamt seien im Lazarett bisher 840 Patienten ambulant, 91 stationär behandelt worden. Es gab 53 Operationen und über 1100 Impfungen. Auf der "Berlin" waren es 130 ambulante und 76 stationäre Patienten, 14 Operationen und 80 Impfungen. In Auslastung könne man das zwar nicht umrechnen, "wir haben aber keinerlei Anlaß über die Auslastung zu klagen". Der Einsatz indes sei "zwingend notwendig", und man bleibe solange, wie Indonesien das wünsche.
Fischer (deutscher Außenminister) sagt Indonesien mehr Hilfe zu
AFP: Fischer (deutscher Außenminister) sagt Indonesien mehr Hilfe zu. Der Tagesspiegel Nr. 18745, 12.2.2005, S. 6
Außenminister Fischer (Grüne) hat Indonesiens Regierung sowie die Rebellen in der Bürgerkriegsregion Aceh zu einer friedlichen Lösung ihres seit Jahrzehnten dauernden Konflikts aufgerufen. Für einen erfolgreichen Wiederaufbau der am schwersten von der Flutkatastrophe betroffenen Provinz sei es notwendig, daß Aceh für internationale Hilfsorganisationen weiter zugänglich bleibe...
... Die Bundesregierung sei bereit, sich für die kommenden fünf Jahre in Aceh zu engagieren. Der Außenminister betonte, er habe zwar bereits die Katastrophengebiete in Thailand und auf Sri Lanka besucht, doch die Zerstörungen in Aceh seien "schon eine andere Dimension". Dort kamen 231.000 Menschen bei der Flutkatastrophe am 26. Dezember (2004) ums Leben oder werden noch vermißt.
174.000 Flutopfer auf Sumatra. Der Tagesspiegel Nr. 18726, 24.1.2005, S. 5
AFP: Indonesien siedelt Flutopfer um. Der Tagesspiegel Nr. 18749, 16.2.2005, S. 7
Indonesiens Behörden haben in der Provinz Aceh mit der Umsiedlung von 150.000 Überlebenden der Tsunamikatastrophe begonnen. Soldaten brachten am Dienstag hunderte Menschen aus Notunterkünften in die von der Regierung errichteten Gebäude. Die Menschen hatten bisher in Zelten oder öffentlichen Gebäuden gelebt...
Cut Meutia, eine 40jährige Mutter von vier Kindern, sagte, die neue Wohnung sei besser als die Notunterkunft, allerdings wäre sie lieber in ihr Dorf zurückgekehrt. Auch andere Betroffene sagten, sie wollten lieber ihre eigenen zerstörten Häuser wieder aufbauen. Das Regierungsprojekt sieht vor, daß die Menschen bis zu zwei Jahre in den neuen Unterkünften bleiben. Bis Mitte März soll die Umsiedlung abgeschlossen sein.
Menschenrechtler... , die neuen Unterkünfte und die Rolle des Militärs bei der Umsiedlung könnten dazu mißbraucht werden, die Menschen in Aceh zu kontrollieren. "Im Kontext des Krieges in Aceh kann eine militärische Präsenz in den Lagern eine Form der Einschüchterung und der mißbräuchlichen Machtausübung sein", hieß es in einer Erklärung. Der Bürgermeister... der Umzug in die neue Behausungen sei "nur eine Option". In der Provinz kämpfen Rebellen seit 1976 für eine Unabhängigkeit. Seitdem wurden mehr als 12.000 Menschen getötet.
Moritz Kleine-Brockhoff: Internationaler Hilfsfonds für Indonesien. Der Tagesspiegel Nr. 18752, 19.2.2005, S. 7
In Djakarta zeichnet sich ein Weg ab, der Indonesiens Wunsch, die Milliarden aus der Tsunami-Hilfe selbst zu verwalten sowie den Sorgen vor Korruption auf Seiten der Geber Rechnung tragen soll. Nach Tagesspiegel-Informationen soll der Wiederaufbau der Provinz Aceh mit Hilfe eines multilateralen Fonds finanziert werden. Internationale Geber sollen einzahlen, die Weltbank wird die erwarteten Milliarden verwalten.
Planung und Abwicklung von Projekten in Aceh soll ein Komitee kontrollieren, dem Vertreter der Geberländer, Indonesiens Regierung, die Provinzregierung von Aceh und indonesische Nichtregierungsorganisationen angehören...
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Offenbar sind Deutschland und die EU offen für diese Idee. Die USA und Japan prüfen eine Beteiligung, ebenso offenbar die UN. Die Asiatische Entwicklungsbank gründete am Donnerstag einen eigenen Hilfsfonds mit 600 Millionen Dollar Startkapital. Er soll außer Indonesien Indien, Sri Lanka, Thailand und die Malediven unterstützen.
kög: Land Berlin hilft Flutopfern auf Sumatra. Der Tagesspiegel Nr. 18755, 22.2.2005, S. 6
Das Land Berlin will nach der Flutkatastrophe in der Provinz Aceh im Nordwesten Sumatras beim Wiederaufbau helfen. Für das Projekt "Hilfebrücke Berlin-Südasien" in Indonesien unter Federführung des Deutschen Roten Kreuzes Berlin (DRK) werden 5,7 Millionen Euro gebraucht... Zum treffen der Berliner Fluthilfe waren aus der Medienbranche der RBB sowie der Tagesspiegel geladen. Im Fluthilfebeirat sitzt unter anderem Landesbranddirektor Albrecht Brömme.
Berlin hatte, wie berichtet, die Partnerstadt Djakarta um die Nennung konkreter Hilfsprojekte gebeten. Wowereit: "Die Antwort lautete, wir mögen Geld aufs Konto überweisen." Man wolle jedoch die Verwendung der Spenden überprüfen und entschied sich daher für das DRK-Projekt gemeinsam mit einheimischen Rotkreuz-Partnerorganisationen und dem Roten Halbmond. Allein in der Region Teunom werden 4,5 Millionen Euro benötigt, um Schulen, Gesundheitsstationen und Häuser aufzubauen sowie Ausbildungsprojekte zu fördern, sagte DRK-Landesgeschäftsführer Friedrich Führ... Einige der über 40 Anwesenden wie etwa Indonesien-Experte Generalstaatsanwalt Dieter Neumann plädierten dafür, psychologische Hilfe zu finanzieren, behindertengerecht zu bauen und landeskundliche Senior-Experten einzubeziehen.
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AP: INDONESIEN: Friedensgespräche für Aceh. Der Tagesspiegel Nr. 18755, 22.2.2005, S. 6
... haben am Montag (21. Februar 2005) in Finnland Friedensgespräche aufgenommen. Vermitteln will der ehemalige finnische Staatspräsident Ahtisaari.
rtr: Aceh-Rebellen in Indonesien verhandlungsbereit. Der Tagesspiegel Nr. 18756, 23.2.2005, S. 6
Die Rebellen ... haben sich bereit erklärt, ihre 30 Jahre alte Forderung nach Unabhängigkeit im Gegenzug für eine Teilautonomie fallen zu lassen...
dpa: Zehntausende feiern Jahrestag von Aceh-Friedensabkommen. Der Tagesspiegel Nr. 19282, 16.8.2006, S. 4
Zum ersten Jahrestag des Friedensabkommens für die indonesische Provinz Aceh haben Regierung und Rebellen ihre Hoffnung auf eine friedvolle Entwicklung der Region bekräftigt...
Zehntausende von Menschen waren aus Anlaß des Jahrestages nach Banda Aceh geströmt und hatten sich vor Moscheen versammelt, um dort zu beten, für den Frieden zu danken und traditionelle Lieder zu singen.
Mehr zum Friedenprozess in Aceh:
Friedensabkommen mit der Provinz Aceh
Annette Kögel: Die Hilfe reicht bis auf die Andamanen. In der ganzen Stadt haben sich Projekte für die Flutgebiete etabliert. / Bezirke begründen Partnerschaften, Experten beraten, Kitas sammeln. Der Tagesspiegel Nr. 18756, 23.2.2005, S. 10
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... Reinickendorf ... mit dem Malteser Hilfsdienst...
... Lichtenberg ... mit dem Verein Solidaritätsdienst, um Boote und Netze für Fischer in Südindien zu finanzieren...
Unternehmer Wijerathna Storz-Vidanage von der Deutsch-Sri Lankanischen Partnerschaft ... Container mit Sachspenden zu Waisenheimen nach Galle.
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Fluthilfe für Südasien.
Koordinierte Hilfe
Alle Hilfsaktionen sollten zur Koordination gemeldet werden:
Kommunale Servicestelle, Gesellschaft Inwent, Tel.: 0228 / 243 46 00, E-Mail: partnerschaften@inwent.org sowie
bei der (Berliner) Senatskanzlei: klaus-peter.schmidt@skzl.verwalt.berlin.de
In drei Jahren gibt es das Warnsystem
Interview von Moritz Kleine-Brockhoff: "In drei Jahren gibt es das Warnsystem"
? Am Montag (14.3.2005) wird das deutsche Tsunami-Frühwarnsystem unterschrieben. Was leistet das System und was kostet es, Herr Kadiman*?
Der Tagesspiegel Nr. 18773, 12.3.2005, S. 2
Das deutsche System wird den Westen Indonesiens abdecken: Sumatra und vielleicht einen Teil der Südküste Javas. Allerdings können wir nicht ausschließlich mit Deutschland kooperieren. Wir sprechen auch mit Ausstralien, Japan, den USA und Fränkreich über unsere Inseln im Osten.
Deutschland gibt 45 Millionen Euro für den Aufbau der Technik. Kann Indonesien sich den Unterhalt leisten?
Wir wollen uns die Unterhaltskosten teilen und diskutieren noch darüber, ob die Kooperation über fünf oder zehn Jahre läuft. Das Frühwarnsystem soll auch gemeinsamer Meeresforschung dienen. Und ich wünsche mir wahren Technologietransfer, also auch die wissenschaftliche Ausbildung von Indonesiern.
Wann funktioniert das System?
Im Oktober schwimmt die erste Meßboje, 2006 empfängt die erste Sammelstation Daten. Komplett steht das deutsche System in drei Jahren, dann ist Westindonesien versorgt. Das ganze Land abzudecken, braucht mehr als zehn Jahre.
Wie werden die Informationen gewonnen und weitergeleiten?
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Wie werden im Ernstfall Menschen gewarnt?
... Die größte Herausforderung ist, Menschen mit großem Zeitaufwand auszubilden, die sehr damit beschäftigt sind, ihr tägliches Brot zu sichern.
*Kusmayanto Kadiman ist Forschungsminister von Indonesien.
Moritz Kleine-Brockhoff: Warnsystem für den Tsunami kann starten. Der Tagesspiegel Nr. 18776, 15.3.2005, S. 7
Deutschland will noch in diesem Jahr in Indonesien mit dem Aufbau eines Tsunami-Frühwarnsystems beginnen, das in drei Jahren funktionieren soll. Außer der Lieferung moderner Technik ist die Ausbildung von indonesischen Wissenschaftlern und Verwaltungskräften vorgesehen. Mit Küstenbewohnern soll geübt werden, wie auf eine Tsunam-Warnung zu reagieren ist. Eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichneten in Djakarta die Forschungsminister von Deutschland und Indonesien, Edelgard Bulmann und Kusmayanto Kadiman. Technik und Ausbildung kosten insgesamt 45 Millionen Euro, der Haushaltsausschuß des Bundestages muß noch zustimmen. Das Geld soll Teil der 500 Millionen Euro sein, die die Bundesregierung als Tsunami-Hilfe zur Verfügung stellen will.
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... Ursprünglich war vorgesehen, daß außer Indonesien auch Sri Lanka ein deutsches Frühwarnsystem bekommt. Die Anrainer des Indischen Ozeans konnten sich jedoch nicht auf ein einheitliches Frühwarnsystem verständigen. Die in Deutschland zur Verfügung stehenden Mittel fließen nun ausschließlich nach Indonesien...
Abzug der Bundeswehr
Moritz Kleine-Brockhoff: Abschied von Aceh. Drei Monate nach dem Tsunami verläßt die Bundeswehr Indonesien. Der Tagesspiegel Nr. 18779, 18.3.2005, S. 6
... Der Indonesier verbeugt sich und nimmt das Geschenk an, ein elektrochirurgisches Gerät zur Gefäßverschließung...
Die beiden Männer (Oberstarzt Dr. Wachter und Dr. Rus) hatten sich Anfang Januar kennengelernt. Dr. Rus Munander, Leiter des Zainoel-Abidin-Krankenhauses in Banda Aceh, stapfte damals verwirrt durch Schlamm und Trümmer. Beides war wie eine Lawine mit dem Tsunami gekommen. Die Bauten hielten Stand, doch medizinisches Gerät und Einrichtung waren dahin. Dr. Christoph Wachter, Kommandant der Aceh-Truppe der Bundeswehr, sagte damals, das deutsche Soldaten das Krankenhaus wieder in Ordnung bringen werden.
Zusammen mit Helfern aus Indonesien und einem Dutzend anderer Soldaten klappte das. Bundeswehr-Ärzte haben 2400 Patienten behandelt und 204 operiert, haben zwei Operationssäle sowie eine Intensivstation eingerichtet und dabei 1,4 Millionen Euro teueres Material verschenkt... Dr. Rus arbeitet 16 Stunden am Tag. Und er schläft im Büro, der Tsunami hat sein Haus beschädigt.
... Am heutigen Freitag fliegen die letzten der 630 Soldaten ab, die "Berlin" läuft aus, nach zwei Stopps wird sie am 22. April in Wilhelmshaven erwartet.
Im Zainoel-Abidin-Krankenhaus hat sich einiges getan, aber es bleibt noch viel zu erledigen. Helfer aus Jemen haben Rasen gelegt. Australiens Armee machte die Apotheke randvoll, die Amerikaner ließen 8000 Brillen da. OP, Radiologie, Kinderklinik - in vielen Bereichen ist wieder medizinisches Gerät, weil so viele Spenden kommen. "Doch jetzt gehen meine Freunde, die Soldaten", meint Dr. Rus, "uns fehlt Personal." Der Tsunami hat 140 von 900 Mitarbeitern getötet.
Panik nach Seebeben
AFP/AP/dpa/mue: Panik nach Seebeben. Epizentrum wieder vor Sumatra / Dutzende Tote / Behörden geben nach Stunden teilweise Entwarnung. Der Tagesspiegel Nr. 18788, 29.3.2005, S. 1
Drei Monate nach der Tsunami-Katastrophe hat ein neues gewaltiges Erdbeben im Indischen Ozean die Menschen in der Region in Panik versetzt. Nach Angaben des US-Erdbebeninstituts (USGS) erreichten die Erdstöße vor der indonesischen Insel Sumatra die Stärke von 8,2 auf der Richterskala; andere Institute gaben die Stärke bis 8,7 an. Rund zwei Stunden nach dem Beben gab der meteorologische Dienst Indonesiens aber teilweise Entwarnung: Es sei wenig wahrscheinlich, daß es ohne Anzeichen für Tsunamis noch zu einer Flutwelle kommen werde...
... Indonesien war von der Flutkatastrophe am 26. Dezember (2004) am schwersten betroffen. Das Beben am 26. Dezember hatte die Stärke 9,0; in den Flutwellen starben in den insgesamt elf betroffenen Staaten mindestens 273.000 Menschen.
Auf der Insel Nias südlich von Sumatra kamen nach Angaben des Vize-Behördenchefs Agus Mendrofa "dutzende Menschen" ums Leben. Die Erdstöße hätten zudem schwere Sachschäden verursacht, sagte er. In der Inselhauptstadt Gumung Sitoli seien hunderte Häuser eingestürzt. Unter den Trümmern lägen viele Menschen. Tausende Einwohner seien auf umliegende Anhöhen geflohen. Straßen seien unpassierbar und öffentliche Gebäude schwer beschädigt.
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Moritz Kleine-Brockhoff: Drei Monate nach dem Tsunami ist im indonesischen Aceh noch nichts aufgebaut. Ein neues Beben sorgt für neuen Schrecken. Wir leben noch. Der Tagesspiegel Nr. 18788, 29.3.2005, S. 3
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Unvorstellbare 127.000 Leichen... Drei Monate lang im Schnitt 1400 Leichen pro Tag. Im Moment sind es täglich noch zwei Dutzend.
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Nursinah lebt in Lampulo, früher ein Stadtteil (von Banda Aceh), heute eine Fläche. "Der Besitzer ist Herr Hashyim, 258 qu", steht auf einem Holzschild, das an einen Pfahl genagelt ist. "Wir leben noch und kommen zurück. Bitte nicht alles platt machen. Familie Rhasid", steht auf einer Wand, die stehen blieb...
Der Tsunami, so Indonesiens Regierung, zerstörte 1,3 Millionen Gebäude. Bislang wurde mit wenigen Ausnahmen nichts wieder aufgebaut... Erst jetzt, da Indonesien und die UN die Versorgung im Griff haben, ist mehr Zeit für Bauplanung... "Erst sagen uns die meisten, sie wollten nicht zurück ans Meer. Dann wollten sie doch. Und jetzt überlegen es sich viele wieder anders. Das ist verständlich, die Menschen sind traumatisiert."
Drei Kilometer vom IOM-Büro entfernt atmet Birgit Zeitler von der Welthungerhilfe tief ein. Auch sie hört die gleiche Frage. "Der Wiederaufbau startet langsam, weil wir in einem souveränen Staat arbeiten. Wir können nicht ohne Genehmigung eine Haus hinstellen. Vielleicht wird es dann später abgerissen. Dokumente gingen verloren, Landrechte sind unsicher." Nächste Station: UNDP, das Entwicklungsprogramm der UN. "Wir müssen vor Vergabe von Bauaufträgen drei Angebote einholen, das braucht Zeit", sagt Imogen Wall. Und ein Entwicklungshelfer, der anonym bleiben möchte: "Es können keine Entscheidungen getroffen werden, weil die Richtlinie der indonesischen Regierung fehlt."
Offen ist auch der Aufenthaltsstatus von Ausländern. Indonesiens Regierung möchte, daß nur bleibt, wer sich am Wiederaufbau beteiligt. Für eine Überprüfung aller Hilfsorganisationen wurde erst der 26. März angesetzt,, dann wurde die Aufenthaltserlaubnis plötzlich verlängert, jetzt heißt es, die Entscheidung falle Ende April. "So kann doch niemand einen Aufbau planen", stöhnt ein Deutscher in Banda Aceh. Das UN-Flüchtlingshilfswerk hatte genug vom Hickhack und zog ab. Andere möchten und müssen bleiben, ihr Spendengeld ist längst nicht ausgegeben. Menschenrechtler von Terre des hommes, Mediziner des Malteser Hilfsdienstes und Caritas - alle haben Hausprojekte. Und so schwirren hunderte Experten und Nichtexperten durch die Provinz, um Bedarf und Wünsche zu ermitteln, viele parallel und ohne später Informationen zu teilen. Größter Aufbauer wird wohl die Weltbank. Geber wollen ihr mehr als 400 Millionen Euro für einen Indonesien-Fonds zur Verfügung stellen. Aber noch ist das Geld nicht geflossen. Ein Entwicklungshelfer faßt die Lage in Aceh kurz und hart zusammen: "Selbst wenn fortan alles glatt läuft, beginnt der Wiederaufbau frühestens 2006." Aber niemand sagt das den Acehnesen. Sie wissen um Milliardenspenden und hoffen, daß jeden Moment eine Baggerkolonne um die Ecke geknattert komme.
Überlebende in Not
Moritz Kleine-Brockhoff: Überlebende in Not. Nach dem Beben läuft die Hilfe nur zögernd an. Der Tagesspiegel Nr. 18790, 31.3.2005, S. 5
... Nach jüngsten Meldungen sollen auch die Banyak-Inseln getroffen worden sein. Die kleine Inselgruppe liegt zwischen Nias und Semeulue und war dem Epizentrum des Bebens am nächsten. Indonesische Beamte sprachen von 100 bis 300 Toten auf den Banyank-Inseln.
Die Gesamtzahl der Todesopfer wird auf bis zu 2000 geschätzt...
In den neuen Krisengebieten vor der Küste Sumatras sind Zehntausende obdachlos, viele von ihnen schlafen in Moscheen und Schulen. Mit Abstand am schlimmsten scheint die Lage auf Nias zu sein, wo Menschen mit offenen Wunden auf der Suche nach Hilfe herumirren sollen...
Am Mittwochmorgen konnte die Insel wegen starken Regens zunächst nicht angeflogen werden. Was ankommt - Essen, Wasser, Zelte, Medikamente - kann zudem nur langsam weitertransportiert werden. Zahlreiche Straßen sind kaputt... Überall fehlt schweres Gerät, um Trümmer zu beseitigen.
Auf der Insel Simeulue gibt es ähnliche Probleme. Der Distriktchef gab an, daß allein hier in der Stadt Sinabang 50.000 Menschen im Freien schliefen und versorgt werden müssen...
Mehrere Transportschiffe der indonesischen Marine sind unterwegs nach Sumatra. Außer Hilfsgütern haben sie Werkzeug, Bagger und LKW an Bord. Obwohl noch keine offizielle Erklärung der Regierung bekannt ist, scheint Indonesien jetzt auch wieder ausländische Militärhilfe anzunehmen. Soldaten aus Singapur sind bereits mit Helikoptern auf Nias gelandet, zwei australische Transportflugzeuge, ein Marineschiff und auch zwei US-Marineschiffe werden in Sumatra erwartet. Das jüngste Beben kam zwei Tage nach dem Abzug der letzten ausländischen Soldaten aus Indonesien. Davor hatten Militärs aus 30 Staaten Nothilfe für Tsunamiopfer in Aceh geleistet.
Nachbeben und Logistikprobleme behindern Helfer
AFP: Nachbeben und Logistikprobleme behindern Helfer. Der Tagesspiegel Nr. 18791, 1.4.2005, S. 8
700 Nachbeben und schleppendes Eintreffen von Hilfsgerät haben die Rettungsarbeit im indonesichen Bebengebiet... behindert. Nach UN-Angaben liegt die Zahl der Opfer jetzt bei mehr als 620 Menschen, davon allein 600 auf der Insel Nias...
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Rotes Kreuz kritisiert Asien-Hilfe
André Görke: Rotes Kreuz kritisiert Asien-Hilfe. Der Tagesspiegel Nr. 18792, 2.4.2005, S. 6
... eine bessere Koordinierung...
Seit dem Tsunami vom 26. Dezember (2004)... in Südostasien hat das DRK nach eigenen Angaben knapp 24 Millionen Euro ausgegeben. Zudem wurden Wiederaufbauprojekte im Volumen von 60 bis 80 Millionen Euro bekundet. Das DRK hatte von deutschen Spendern 107 Millionen Euro erhalten...
Das DRK engagiert scih auch in der Soforthilfe auf der indonesischen Insel Nias, die vor fünf Tagen laut Seiters durch das Nachbeben "zu 60 bis 65 Prozent zerstört" wurde. Rund 300 Verletzte wurden ausgeflogen und tausende Obdachlose mit Zelten, Trinkwasser und Strom versorgt. Bis Freitag konnten dort etwa 450 Leichen geborgen werden. UN-Vertreter rechnen jedoch insgesamt mit 1300 Toten.
Hilfswerke warnen vor Korruption in Tsunami-Region
Anette Kögel: Hilfswerke warnen vor Korruption in Tsunami-Region. Der Tagesspiegel Nr. 18795, 5.4.2005, S. 5
Deutsche Hilfswerke haben die Bundesregierung aufgefordert, die Fluthilfe-Gelder nicht nur den Regierungen der vom Tsunami betroffenen Länder zur Verfügung zu stellen. Das Risiko, daß Teile der zugesagten 500 Millionen Euro in Regierungsapparaten versickern, sei groß...
... Bei diesem Ranking zu Effizienz und Verläßlichkeit schneide etwa Indonesien wegen der Korruption, aber auch wegen des hohen Einflusses der Militärs sehr schlecht ab. "Die Regierung erweist sich in Verhandlungen teils unwillig und blendet Oppositionelle bei Hilfsmaßnahmen aus", sagte Preuß (Generalsekretär der Deutschen Welthungerhilfe, DWHH)...
Interview zur Verwendung der Spendengelder
Moritz Klein führt ein Gespräch mit Kuntoro Mangkusubroto (58), der den Wiederaufbau in der indonesischen Provinz Aceh koordiniert. Er hat weitreichende Vollmachten und Ministerrang und untersteht direkt dem Präsidenten: "2007 ist hoffentlich alles erledigt". Jakartas Wiederaufbau-Koordinator glaubt, daß die Tsunami-Hilfe bald wirkt. Der Tagesspiegel Nr. 18872, 23.6.2005, S. 7
Sechs Monate nach der Tsunami-Hilfe: Was ist positiv, was negatif?
Gut ist, daß mittlerweile 2,6 der versprochenen sieben Milliarden US-Dollar zur Verfügung stehen. 1,8 Milliarden kamen aus aller Welt. zusätzlich hat Indonesiens Parlament 538 Millionen Dollar bewilligt, die hoffentlich kommenden Monat fließen werden. Lange fehlte das Geld, aber jetzt können viele Projekte realisiert werden. Schlecht war, daß wir vor sechs Wochen, als die Wiederaufbaubehörde gegründet worden ist, erst bei null anfangen mußten...
Wer war schuld daran?
...
Was konnten Sie in diesen sechs Wochen leisten?
178 Projekte von Nicht-Regierungsorganisationen laufen an. Singapur baut einen Hafen, die USA an der Westküste bald eine Straße. Manche Dörfer haben mit dem Häuserbau begonnen. Es tut sich was.
Aber hunderttausende warten auf Häuser und erst 1000 sind gebaut.
Das stimmt. Eine halbe Million Menschen leben nach wie vor in Zelten oder Übergangsbaracken. Ich schätze, daß wir 160.000 Häuser bauen müssen.
Die Acehnesen warten seit Monaten darauf. Verlieren die Menschen nicht langsam die Geduld?
Die Frustration steigt. Aber die Menschen wissen, daß der Wiederaufbau Zeit braucht, daß wir unser Bestes tun und daß Häuser kommen werden. In ein oder zwei Monaten wird es einen Bauboom geben. Bis Jahresende werden viele Häuser stehen, in zwei Jahren ist hoffentlich alles erledigt.
Die Zeitung "Jakarta Post" berichtet, daß in Aceh zwei unterernährte Kinder gestorben seien. Wie kann das angesichts der großen internationalen Hilfe passieren?
...
Sie gehen mit sehr viel Geld um, mit Spendengeld. Sie sagen, daß Sie Korruption verhindern und gleichzeitig schnell arbeiten wollen. Wie kann das gehen?
In Sachen Korruption mache ich keine Kompromisse. Meine Toleranzgrenze liegt bei null. Wenn ich deshalb langsamer arbeiten muß, dann arbeite ich eben langsamer. Beim Schaffen von Strukturen und Regularien beeile ich mich, so schnell es geht. Bei der Freigabe von Mitteln aber bin ich vorsichtig.
Wie gut helfen UN und Weltbank?
Die UN arbeiten sehr gut. Wir freuen uns auch, daß das UN-Flüchtlingshilfswerk zurückgekommen ist.Es will 35.000 Häuser bauen, das ist riesig. Die Weltbank verwaltet ihren Geberfonds gemeinsam mit Indonesiens Regierung und hat sich damit Jakartas Bürokratie angeschlossen...
Sind Sie zufrieden mit der deutschen Hilfe?
Ja. Wir arbeiten gut mit der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit zusammen...
... ... ...
59 Millionen für Wiederaufbau in Indonesien
Moritz Kleine-Brockhoff: 59 Millionen für Wiederaufbau in Indonesien. Der Tagesspiegel Nr. 18838, 20.5.2005, S. 7
Knapp fünf Monate nach der Tsunami-Katastrophe in Südasien haben Deutschland und Indonesien sich über Wiederaufbau-Projekte in der Provinz Aceh und auf der Insel Nias geeinigt. Regierungsverhandlungen in Jakarta ergaben eine Zusage Deutschlands für Hilfsmaßnahmen im Wert von 59 Millionen Euro. Darüber hinaus wurde offenbar entschieden, daß sich die Bundesregierung am Aceh-Fonds der Weltbank beteiligen wird, und zwar voraussichtlich mit acht Millionen Euro. Die meisten bilateralen Projekte sollen der vom Tsunami am schwersten betroffenen Provinz Aceh in den Bereichen Gesundheit und Bildung helfen.
... Weil auch mit der in Jakarta getroffenen Vereinbarung die von der Bundesregierung versprochenen 500 Millionen Euro für die vom Tsunami betroffenen Gebiete längst nicht ausgegeben sind, sollen weitere Aceh-Projekte für die kommenden Jahre vereinbart werden. Bislang hat Deutschland durch Nothilfe und durch den jetzt verabredeten Aceh-Wiederaufbaubeitrag etwa 123 Millionen Euro Hilfe für Indonesien ausgegeben oder verplant... Entwicklungsorganisationen gefällt nicht, wie die Bundesregierung die Tsunami-Mittel verteilt. Es sei nicht hinzunehmen, daß die Nichtregierungsorganisationen nur 25 Millionen Euro von den insgesamt 500 Millionen Euro erhalten sollten, meint der Vorsitzende des Verbandes entwicklungspolitischer Nichtregierungsorganisationen (Venro), Reinhard Hermle.
... Ein deutscher Schwerpunkt bleibt die Arbeit in Banda Acehs Zainol Abidin Krankenhaus. Dort war bis zum März (2005) die Bundeswehr im Einsatz gewesen.
Deutschland hilft
Tsp: FLUTFOLGEN. Deutschland hilft. Der Tagesspiegel Nr. 18872, 22.6.2005, S. 7
... Inzwischen hat Deutschland Indonesien für Wiederaufbau-Projekte in Aceh und auf der Insel Nias Hilfe im Wert van 59 Millionen Euro zugesagt. Darüber hinaus beteiligt sich die Bundesregierung am Aceh-Fonds der Weltbank voraussichtlich mit acht Millionen Euro.
Friedensabkommen mit der Provinz Aceh
AFP: EUROPÄISCHE UNION. Brüssel will Beobachter nach Aceh entsenden. Der Tagesspiegel Nr. 18898, 19.7.2005, S. 5
... ein Friedensabkommen für die Provinz Aceh mit einer Beobachterkommission überwachen... Nach drei Jahrzehnten Gewalt hatten sich die Rebellen am Sonntag mit der indonesichen Regierung auf ein Friedensabkommen verständigt.
s. auch Weiteres zum Friedensabkommen mit der Provinz Aceh
Tsunami-Alarm auf Art der Delfine
Heiko Schwarzburger: Tsunami-Alarm auf Art der Delfine. Berliner Forscher entwickeln Technik, um große Datenmengen drahtlos vom Meeresboden zu übertragen. Ein industrieller Prototyp existiert bereits. Der Tagesspiegel Nr. 18900, 21.7.2005, S. 29
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Die intelligenten Tiere verständigen sich in einem Frequenzbereich von vier bis 80 Kilohertz. Am empfindlichsten hören sie zwischen 40 und 80 Kilohertz. In diesem Ultraschallbereich können sie zwei bis 2,5 Kilometer überbrücken. Bei tieferen, für Menschen hörbaren Frequenzen zwischen vier und 16 Kilohertz schaffen sie sogar bis zu zehn Kilometer.
Aufbauend auf diesen Erkenntnissen entwickeln die Forscher ein Übertragungsmodem, mit dem sich elektronische Daten bis zu zwei Kilometer weit im Meer verbreiten lassen...
So lag das Epizentrum des Seebebens vom Dezember (2004) rund 30 Kilometer tief in der Erdkruste, weit unter dem Meeresgrund. Die Wucht war so gewaltig, daß sich der Meeresboden auf rund 1000 Kilometern Länge um bis zu 30 Meter hob. Sogar an den weit entfernten Küsten von Ostafrika waren Opfer zu beklagen.
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Das neue Unterwassermodem der TU Berlin, das in einen handlichen Metallzylinder paßt, macht diese Art der Vernetzung überflüssig. Um die Technik zu entwickeln, gründeten die Wissenschaftler vor fünf Jahren die Firma Evologics, die bereits neun Mitarbeiter hat. Sie wurde mit damals 1,5 Millionen Mark (767.000 Euro) aus dem Futour-Programm des Bundesforschungsministeriums (BMBF) unterstützt. Die zweite und deutlich leistungsfähigere Generation des Ultraschallmodems wird das BMBF mit 200.000 Euro fördern.
Die Küste verschiebt sich täglich
Matthias Petermann: Der ewige Tsunami. Auf Sumatra kämpfen die Menschen weiter mit den Folgen der Flut - die Küste verschiebt sich täglich. Der Tagesspiegel Nr. 18931, 21.8.2005, S. 23
Die meisten Überlebenden wohnen in Zelten auf den Fundamenten der Häuser. / Oft ist unklar, wem ein Grundstück gehört - die Papiere sind verloren gegangen
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Drei Monate später (nach dem Tsunami im Dezember 2004) verschlang das Meer einen Teil ihres Landes, als nochmals ein schweres Erdbeben die Insel erschütterte. Die Vollmond-Gezeiten im Juli (2005) taten dann ein übriges, und von ihrem Besitz im Dorf Lhok Bubon blieb nur noch salziger Schlamm. "Die Flut kam herein und zog sich nicht wieder zurück", erzählt ihr Cousin...
Mehr als ein halbes Jahr, nachdem der Tsunami die Provinz Aceh verwüstete und dabei 150.000 Indonesiern den Tod brachte, wird Sumatra immer noch durch drastische topografische Verschiebungen umgeformt. Die Bemühungen, die enorme Aufgabe des Wiederaufbaus zu bewältigen, werden dadurch erheblich erschwert.
Neben der Herkulesarbeit, Millionen Tonnen von Tsunami-Schutt wegzukarren, und der anfänglichen Konfusion der indonesischen Regierung bei der Bereitstellung und Zuteilung von Geldmitteln hat das mühevolle Unterfangen, Dörfer zu planen und Landbesitz zuzuordnen, den Bau neuer Häuser behindert. Nach Schätzungen offizieller Stellen sind in Aceh infolge des Tsunami immer noch mehr als 500.000 Menschen obdachlos.
Zwar hat sich das Tempo der Aktivitäten in den vergangenen drei Monaten beschleunigt, nachdem die Regierung eine Behörde zur Koordinierung des Wiederaufbaus einrichtete. Doch keine der wesentlichen Anstrengungen - wie etwa die Wiederherstellung der Hauptverkehrsstraßen, Häfen und Kraftwerke - ist auch nur annähernd abgeschlossen. Und kleinere Projekte kommen nur vereinzelt voran, der Bau von Häusern und Schulen eingeschlossen. Von den mehr als 200.000 neuen Behausungen, die in der Provinz benötigt werden, sind nach Angaben offizieller indonesischer Stellen bisher nur knapp 3000 fertig geworden.
Die meisten Ü,;berlebenden fanden in abgenutzten, verblichenen Zelten Unterschlupf. Oder sie leben in Baracken, die aus Holzresten, Abdeckplanen und Wellblechen zusammengeflickt wurden...
Im Dorf Lhok Bubon sind bisher kaum Fortschritte erkennbar. Die deutlichsten Veränderungen zeigen sich in der Topografie selbst. Fischer, die vor der Küste einst Barsch und Thunfisch fingen, beklagen, daß sie nicht mehr wissen, wo sie mit ihren wenigen verbliebenen Booten anlegen sollen, da der Verlauf der Küstenlinie sich offenbar von Tag zu Tag ändert. Der Friedhof, aus dem einige der 120 Opfer des Tsunami aus Lhok Bubon begraben liegen, steht jetzt unter Wasser. Die Verschiebung der Küstenlinie wirkt sich auf den Wiederaufbau überall entlang der gesamten Westküste aus. Betroffen davon ist unter anderem auch eine von den USA finanzierte Initiative, die 250 Kilometer lange Autobahn zwischen Meulaboh und der Provinzhauptstadt Banda Aceh wieder neu zu bauen.
Ende dieses Monats (August 2005) sollte mit den Arbeiten begonnen werden. UN-Vertreter warnen, daß das einzige größere Infrastruktur-Projekt, das bereits gestartet wurde - die von Singapur finanzierte Wiedererrichtung des Hafens von Meulaboh - durch die topografischen Veränderungen ebenfalls gefährdet sein könnte.
Verloren gegangene Dokumente über den Grundbesitz stellen ein weiteres Problem dar. Internationale Helfer versuchen, Besitzverhältnisse nachzuvollziehen und festzustellen. Nur sehr wenigen Dorfbewohnern ist es gelungen, ihre ursprünglichen Besitztümer zu retten...
Satellit für Indonesien
pja: Satellit aus Berlin für Indonesien. Der Tagesspiegel Nr. 18940, 30.8.2005, S. 20
Ein Forschungssatellit der TU Berlin soll Indonesien bei der Aufklärung von Umweltphänomenen helfen. So sollen Überschwemmungen und Tsunamis per Video früher erkannt und effektiver überwacht werden können. Der vom Institut für Luft- und Raumfahrt zum Festpreis von einer Million Euro entwickelte Satellit soll am 7. September (2005) in Berlin übergeben und später mit einer indischen Rakete ins All geschossen werden...
Hoffen auf Unterstützung nach dem Tsunami
Ruth Ciesinger: Viel ist nicht genug.Indonesien und Sri Lanke hoffen auf langfristige Unterstützung nach dem Tsunami. Der Tagesspiegel Nr. 18940, 30.8.2005, S. 20
Die internationale Hilfe war gut, aber es braucht noch mehr - so die vorläufige Bilanz der zwei Staaten, die der Tsunami im vergangenen Dezember in Südasien am schlimmsten getroffen hat... In Indonesien zerstörte das Wasser einen Landstrich von rund 600 Kilometern Länge, vermutlich 150.000 Menschen haben die Katastrophe nicht überlebt.
Neun Monate nach dem Unglück sind auf Einladung des Bundesentwicklungsministeriums unter anderem Mano Tittawella, Chef der Einsatzgruppe für den Wiederaufbau in Sri Lanka (Tafren), sowie Heru Prasetyo, Direktor der Wiederaufbauagentur für die indonesische Provinz Aceh, nach Berlin gekommen, um über die Folgen der Katastrophe zu berichten und vom Wiederaufbau...
... Die Hilfsorganisationen treibt vor allem eines um: Der Wiederaufbau braucht Zeit, drei bis fünf Jahre, und das muß den vielen Deutschen vermittelt werden, die rund 600 Millionen Euro für die Opfer gespendet haben und sich jetzt fragen, was eigentlich mit ihrem Geld passiert, wenn in Aceh bisher erst 6000 Häuser gebaut worden sind, und noch 300.000 Menschen in Zeltlagern leben.
Zwar gibt es auch innenpolitische Gründe dafür, aber es muß eben geplant und abgestimmt werden. Denn wenn die eine NGO Häuser mit 36 Quadratmetern Grundfläche bauen will, die andere mit 70 Quadratmetern, "dann bringt das den Krieg ins Dorf", sagt Prasetyo. Er bittet um langfristige Unterstützung. Der Indonesier sowie sein Kollege aus Sri Lanka sehen nicht nur den Wiederaufbau an sich, sondern die Chance, die Situation ihres Landes insgesamt zu verbessern, wirtschaftlich und sozial.
Prasetyo dankt dabei besonders den Deutschen, die durch ihre Hilfe nicht nur an Acehs West- sondern auch der Ostküste "den Friedensprozeß mit stützen". In Indonesien hat der Tsunami dazu geführt, daß Rebellen und Regierung nach Jahrzehnten des Bürgerkriegs einen Friedensvertrag geschlossen haben...
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Anette Kögel: Luftbrücke für Südasien. Berlin unterstützt Wiederaufbau in Indonesien. Tsunami-Hilfe des Tagesspiegels für Sri Lanka geht weiter. Der Tagesspiegel Nr. 18969, 29.9.2005, S. 14
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Ein Dreivierteljahr nach dem Seebeben und den Flutwellen vom 26. Dezember 2004 ist das Leid in den Katastrophengebieten Südasiens weiter groß. Noch immer sind Millionen Menschen obdachlos, noch immer leiden Überlebende unter den körperlichen und seelischen Folgen der Flutwellen am 26. Dezember 2004.
Das Land Berlin leiset gemeinsam mit dem Deutschen Roten Kreuz Hilfe in Indonesien, und zwar in der Krisenregion Teunom südlich von Banda Aceh im Nordwesten der Insel Sumatra. Die Betriebe der IHK, der Handwerkskammer sowie der Berlin-Brandenburgischen Unternehmervereinigung haben nach einem Spendenaufruf insgesamt 57.000 Euro überwiesen, sagt Hilfsaktionskoordinator Rainer Otto vom Deutschen Roten Kreuz in Berlin. Und Hertha BSC hat 215.000 Euro für die Luftbrücke gespendet.
"Mit einem Teil des Geldes haben wir eine Grundschule mit Sportplatz für 283 Kinder in Teunom aufgebaut", sagt Otto. Die übrigen Spenden sollen unter anderem in den Wiederaufbau von acht Schulen in der vom Bürgerkrieg gezeichneten Region Teunom miet 13.000 überlebenden Einwohnern fließen, kündigte der DRK-Chef an. Aber auch Sportplätze werden finanziert. Das freue die Indonesier, sagte Otto: Ihm habe der dort für den Wiederaufbau zuständige Direktor Heru Prasetyo gestern erzählt, "daß die Menschen gern Fußball spielen und solche Projekte für das gesellschaftliche Zusammenleben sehr wichtig seien." Im Berliner Rathaus fand am Dienstag (27.9.2005) eine internationale Tsunami-Konferenz mit Vertretern der betroffenen Länder, des Entwicklungsministeriums und Hilfsorganisationen statt.
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kog: HILFE NACH DEM TSUNAMI. Fotos und Infos. Der Tagesspiegel Nr. 18969, 29.9.2005, S. 14
... im Berliner Rathaus..., dort zeigen Entwicklungsministerium und GTZ eine Ausstellung mit konkreten Beispielen. Mitarbeiter von Hilfsorganisationen stehen Rede und Antwort, es gibt ein Bühnenprogramm und Führungen im Wappensaal bis zum 29.9.(2005) von 10 bis 17 Uhr.
Das Goethe-Institut zeigt bis 20.12.(2005) die Fotoschau "Gesichter des Überlebens" - die Portraits aus der indonesischen Provinz Aceh sind Montag bis Donnerstag von 8.30 - 19 Uhr zu sehen. Neue Schönhauser Straße 20, Eintritt frei.
Tsunami-Boje in Jakarta
tiw: Potsdamer Tsunami-Boje in Jakarta.Der Tagesspiegel Nr. 18981, 11.10.2005, S. 26
Deutsche Wissenschaftler beginnen jetzt unter Leitung des Geoforschungszentrums Potsdam mit dem Aufbau des Tsunami-Frühwarnsystems für den Indischen Ozean. Die erste Meßboje wurde in Jakarta von Frieder Meyer-Krahmer, Staatssekretär im Bundesforschungsministerium, offiziell an die Regierung Indonesiens übergeben. In der indonesischen Hauptstadt startete gleichzeitig das deutsche Forschungsschiff "Sonne", um den Ozeanboden neu zu vermessen und die ersten Bojen und Ozeanboden-Drucksensoren zu positionieren. Die Bojen und Sensoren sollen Erdbeben am Meeresboden registrieren und bestimmen, welches Ausmaß dadurch ausgelöste Wellen haben. Mit Küstenbewohnern soll außerdem eingeübt werden, wie sie am besten auf Tsunami-Warnungen reagieren. Der Aufbau des Frühwarnsystems soll bis 2008 dauern. Die 45 Millionen Euro Kosten trägt die Bundesregierung im Rahmen ihrer Wiederaufbauhilfe...
Bas Kast: Schneller als die Monsterwelle. Deutschland überreicht Indonesien die ersten Tsunami-Warnbojen - doch die Zukunft des Systems ist ungewiß. Der Tagesspiegel Nr. 18983, 13.10.2005, S. 28
Im Hafen von Jakarta, an Deck des deutschen Forschungsschiffes "Sonne"...
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Frieder Meyer-Krahmer, Staatssekretär im Bundesforschungsministerium,... wird nur wenige Minuten brauchen für die offizielle Übergabe der beiden ersten deutschen Tsunami-Warnbojen an Indonesien.
Ein kurzer Auftritt für ein großes Unterfangen. Es geht um das Leben zehntausender von Menschen. Geplant ist ein Tsunami-Warnsystem für den indonesischen Archipel bis Mitte 2008 - ein Vorhaben, von dessen Gelingen lange nicht jeder überzeugt ist.
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... Indonesien schlug die Offerten der Amerikaner und Japaner aus und entschied sich für eine Zusammenarbeit mit Deutschland, nicht zuletzt wegen des großzügigen Angebots: Die Kosten für die 45 Millionen Euro teure Operation übernimmt die Bundesregierung.
... Der indonesische Forschungsminister Kusmayanto Kadiman... erklärt..., worauf es bei dem Tsunami-Warnsystem ankommt.
Sobald die Erde im Ozean bebt und einen Tsunami auslöst, beginnt ein Wettlauf mit der Zeit. In vier Schritten versuchen Geophysiker diesen Kampf zu gewinnen.
Stufe eins. An vorderster Front steht die Messung von Erdbeben, den Auslösern von Tsunamis. Auf diesem Feld hat Deutschland durchaus Erfahrung: Unter dem Namen "Geofon" betreibt das Geoforschungszentrum in Potsdam GFZ ein weltweites Netz von Seismometern - Meßgeräten, die jedes Zittern der Erdkruste registrieren. Auch um Indonesien herum sollen nun für das Warnsystem 40 Land-Seismometer installiert werden.
Stufe zwei. Bebt der Meeresboden, führt das nicht automatisch zu einer Monsterwelle. Im Sundagraben vor Sumatra, wo zwei Erdplatten aufeinander treffen, vibriert es alle paar Tage - harmlose Zuckungen. Damit also nicht ständig falscher Alarm ausgelöst wird, muß man zusätzlich beobachten, was nach dem Beben mit dem Wasser passiert.
Un da kommen die Bojen, ebenfalls am GFZ entwickelt, ins Spiel. Hinten am Heck der "Sonne" hängt eine der sechs Meter langen Bojen. Davor schrauben junge Wissenschaftler... an den Auftriebskörpern für die Drucksensoren. Sie werden an den Meeresboden heruntergelassen und stehen im Kontakt mit den Bojen. Die Sensoren messen den Wasserdruck: Je höher der Druck, desto höher das Wasser. Damit läßt sich messen, ob gerade ein Tsunami darüber hinwegfegt. Über ein akustisches Signal melden die Fühler ständig den Druck, den sie messen, an ihre Boje. Diese funkt die Daten an einen Satelliten, von dem aus sie dann an ein Datenzentrum, etwa das GFZ, weitergeleitet werden...
Doch Daten allein reichen nicht. Man muß die Daten zu deuten wissen. Wenn da ein Tsunami unterwegs ist, wie gefährlich ist er? Wo wird er mit welcher Höhe einschlagen?
Das führt zu Stufe drei. Für derartige Vorhersagen braucht man Simulationsmodelle. Und damit man nicht erst mit den zeitraubenden Kalkulationen anfängt, wenn die Daten vorliegen, sollte man schon vorher für tausende von Erdbebenstärken und Epizentren die Auswirkungen durchrechnen. Wenn es ein Seebeben gibt, muß man nur noch zu dem Datenmodell greifen, das mit den gemessenen Daten am besten übereinstimmt - nun weiß man, welche Küstenregionen in Gefahr sind. Diese Berechnungen übernehmen Geophysiker des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven.
... Wie tief aber das Meer vor der Küste Indonesiens ist, ist weitgehend unbekannt. Die Crew der "Sonne" macht sich deshalb auf den Weg, "um tausende von Quadratkilometern der Meeresbodenmorphologie vor Sumatra zu kartographieren", wie Barckhausen sagt. Per Echolot. Insgesamt wird man für die Erstellung einer Karte der gesamten Küstenregion Indonesiens noch Monate brauchen.
Und doch, all diese Daten retten noch kein einziges Menschenleben. Das ist erst möglich, wenn auch Stufe vier des Systems funktioniert: Wenn am Ende eine Warnung ausgesprochen wird, die die Menschen an den Stränden bis hin zum letzten Fischerdorf erreicht...
... Klar ist nur, daß diese letzte kritische Stufe in der Hand der Indonesier liegen wird.
Und es müßte Fluchtwege geben, Hügel, auf die man sich retten könnte. So überlegt man sich, ob man das Trümmermaterial der zerstörten Stadt Banda Aceh im Norden Sumatras nicht zusammenschaufeln sollte, um Rettungsberge daraus zu schaffen. Müßte, könnte, sollte. Konkret umgesetzt ist davon noch wenig...
So ist das langfristige Schicksal der Warnanlage, obwohl technisch durchführbar, alles andere als sicher. Schon macht man sich in Indonesien Sorgen über die Betriebskosten des Systems, die auf 300.000 US-Dollar geschätzt werden - pro Monat.
Was ist, wenn die nächste Welle erst in 50 oder 100 oder 150 oder 400 Jahren zuschlägt? Ist man da noch auf Warnungen eingestellt? Wird man so lange jedes Jahr wieder die Bojen und Drucksensoren warten? Keiner weiß es.
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Mangroven mildern Tsunami-Folgen
pja: Mangroven mildern Tsunami-Folgen.Der Tagesspiegel Nr. 19001, 31.10.2005, S. 27
... Das berichtete jetzt ein Forscherteam aus Kopenhagen um Finn Danielsen im Fachmagazin "Science" (Band 310, S. 643). Bei der Untersuchung von Küstenstreifen in Südostasien stellten die Forscher fest, daß Dörfer hinter bewachsenen Küsten weniger zerstört waren. Anscheinend absorbieren die Bäume einen Teil der von der Flutwelle freigesetzten Energie.
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Hilfeleistungen
N.N.: Bilanz der Erfolge. Rettet den Regenwald 1/2006, S. 10-15
Rettet den Regenwald war im Jahr 2005 so aktiv wie nie zuvor. Dank Ihrer Unterstützung konnten wir weltweit helfen. Bitte lesen Sie, wofür wir Ihre Spendengelder eingesetzt haben
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Nachhaltiger Wiederaufbau in Aceh
Mit fast 110.000 Euro haben wir 2005 das "Mandela"-Projekt unserer Partnerorganisationen auf Sumatra unterstützt. Mandela ist ein Zusammenschluss der verschiedenen "Walhi"-Büros auf der Insel. Die Menschen in der Provinz Aceh im äußersten Norden waren besonders schlimm von der Tsunami-Katastrophe betroffen. Gleich nach dem Tsunami unterstützten wir die überlebenden der Katastrophe und sorgten mit Ihren Spendengeldern dafür, dass das Walhi-Büro in Banda Aceh bereits am 15. Januar 2005 wieder funktionstüchtig war.
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Um die Arbeit besser zu koordinieren und sich professioneller auf den ökologischen Wiederaufbau in Aceh konzentrieren zu können, haben unsere Freunde das Netzwerk Mandela gegründet. Vorrangig geht es darum, die illegale Abholzung, die im Namen des Wiederaufbau Aceh erheblich zugenommen hat, zu bekämpfen und Mandela kann stolz auf seine Erfolge sein. An zwei Plätzen im Leuser Nationalpark konnten illegal abholzende Firmen gestellt werden. In den nächsten Wochen beginnen die Prozesse gegen die Täter.
In Teunom, an der Westküste Acehs konnten mehr als 200 Menschen in aus Kokosnussholz und Ziegeln erbauten Häusern untergebracht werden. Mehrere internationale Hilfsorganisationen wurden darauf aufmerksam gemacht, dass ihre Fahrzeuge für den Abtransport illegaler Tropenhölzer missbraucht wurden. Aber nicht nur in Aceh war die Arbeit erfolgreich, sondern auch in anderen Teilen Sumatras, etwa in Jambi. Hier wurden zehn LKW mit illegalem Holz beschlagnahmt.
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Eberhard Schade: Ein Jahr nach der Welle. Der Tagesspiegel Nr. 19042, 11.12.2005, S. S5
Weihnachten 2004 ging Banda Aceh unter. Im Norden Sumatras starben 130.000 Menschen. Wie sieht es heute in der Provinzhauptstadt aus? Ein indonesischer Stadtplaner führt durch die größte Baustelle seines Landes.
Der 16 Jahre alte Jeep der deutschen Welthungerhilfe fährt im Schritttempo durch den Jalan Fatahillah, der im Volksmund nur noch "RotKreuz-Weg" genannt wird. Türkischer Halbmond, Canadian Red Cross, Deutsches Rotes Kreuz. Vor fast jedem Haus weht die Fahne einer internationalen Hilfsorganisation. Als die Einheimischen merkten, dass sich diese in Banda Aceh länger einrichten, sind viele zu ihren Verwandten gezogen. Haben ihre schmucken Bungalows schnell an eine der Hilfsorganisationen vermietet. Die wohlhabenderen Einwohner hatten so gleich zweimal Glück in der Katastrophe. Ihre Häuser, weit genug weg vom Meer gelegen, blieben stehen. Und jetzt bekommen sie dafür im Monat so viel Miete, wie sie früher im ganzen Jahr selbst gezahlt hätten.
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Die Wassermassen, so hoch wie Kokospalmen, töten mindestens 130.000 Menschen. 120 000 Wohnhäuser werden zerstört, über 1100 Moscheen, 1662 Schulen und 693 Krankenstationen verwüstet, 800 Kilometer Straße und 2260 Brücken weggespült.
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In rund einem Drittel der Stadt wird aber nicht nur jegliche Infrastruktur weggeschwemmt, auch das soziale Gefüge gerät durcheinander. Unter den zusammenstürzenden Häusern sterben wesentlich mehr Frauen als Männer – die waren meist nicht zu Hause, als die Welle kam. Schule, Haushalt, Gesundheit – in all diesen Bereichen fehlen jetzt Frauen. "Es gibt unzählige Witwer mit Kindern, die kommen überhaupt nicht mit der Situation klar", sagt Ralph Dickerhof. Bis wieder ein Gleichgewicht hergestellt ist, können Jahre, wenn nicht Jahrzehnte vergehen...
... Die Welle hat tausende einfach verschluckt, Kilometer weiter wieder ausgespuckt. Die Wracks stehen noch immer vor Werkstätten, werden dort ausgeschlachtet, sehen aus wie in die Luft gesprengt.
Der Jalan Hasan Saleh, Banda Acehs neue Hauptgeschäftsstraße. Aus den für Indonesien typischen Tante-Emma-Läden plärrt Radiolärm. Drinnen türmen sich die Dinge des täglichen Bedarfs. Draußen bauen Händler ihre Buden auf, verkaufen Fleisch, Fisch, Gemüse. In den ersten Tagen nach der Katastrophe haben sie die Preise hoch getrieben, verkauften sie das Kilo Tomaten für das Fünffache, Fleisch für das Doppelte. Relativ schnell aber funktionierte die Versorgung aus dem fruchtbaren Hinterland. Heute kostet das Kilo Tomaten wieder 25 Cent. "Im Gegensatz zu Dörfern an der Küste", sagt Ferdian Sya, "herrschte in der Stadt nie Hungersnot."
Nebenan, im historischen Stadtzentrum rund um die große Moschee, stand das Wasser zwei Meter hoch in den Läden, die Besitzer verloren alles. Vor dem Tsunami haben die Gemüse- und Fischhändler hier ihre Stände aufgebaut, in unmittelbarer Nähe zur alten Fischereigenossenschaft. Flussufer, Moschee, Basar – ein Ensemble, so reizvoll, dass ein Investor mittendrin ein Hotel hochziehen wollte. Die Fundamente stehen noch. Der Investor ist längst weg.
Weg ist auch das Militär. Am runden Tisch hat man sich mit den Rebellen verständigt. Früher gehörten bewaffnete Soldaten zum Stadtbild, jetzt sind keine Patrouillen mehr zu sehen. "Das tut dem Klima in der Stadt sehr gut", findet Syah. Fast in jeder Großfamilie gab es Sympathisanten oder Angehörige der Rebellen. "Diese lebten in ständiger Angst, festgenommen zu werden." 30 Jahre lang hatten sich die "Bewegung freies Aceh" (GAM) und Indonesiens Regierung erbittert bekämpft. Die GAM wollte einen eigenen Staat. Jakarta wollte, dass Aceh eine Provinz Indonesiens bleibt. Der Tsunami und die anschließende öffnung haben dem Konflikt neue Friedensdynamik verliehen. Jetzt sitzt die Stadt auf dem Erbe der Militärliegenschaften. Die Baracken neben der Moschee sind verwaist, gammeln vor sich hin.
Weiter Richtung Norden, Richtung Küste. Im zweiten Kreisverkehr geht plötzlich nichts mehr. Dickerhof legt beide Ellenbogen auf das Steuer, stöhnt. "Früher hat es in Banda Aceh nie Stau gegeben", sagt sein Beifahrer. Jetzt schlängelt sich alles vorbei an den Ständen fliegender Straßenhändler. Fußgänger, Mopeds, Laster. Und natürlich: die Jeeps der Hilfsorganisationen. Hier, noch immer im verschonten Teil der Stadt, ist so viel Leben, der Tod von Tausenden scheint weit weg.
Nur ein paar Straßen weiter aber ist er allgegenwärtig. Im Stadtteil Punge, wo die Welle ein 20 Tonnen schweres Tankschiff drei Kilometer weit und mitten in eine Wohnsiedlung drückte. Der Koloss aus Eisen und Stahl, der als schwimmendes Notstromaggregat einmal ganze Stadtviertel mit Energie versorgt hat, begrub Menschen, Häuser, Autos unter sich, spaltet eine gewachsene Siedlung. Und mittlerweile auch die Acehnesen. Die einen wollen, dass er so schnell wie möglich wieder ins Meer geschleppt wird. Jetzt, wo er sowieso nichts mehr nutzt, weshalb auch das Stromnetz der Stadt immer wieder zusammenbricht. "Weg damit", sagt auch der Ingenieur und Stadtplaner.
Andere haben sich offenbar mit dem Tanker arrangiert, schlagen Kapital aus der einzigen echten Besucherattraktion Banda Acehs direkt vor ihrer Haustür. Sie bieten Nüsse und Getränke an, haben Holzkisten für Spenden aufgestellt. "Hello Mister", rufen Kinder den Fremden, die kommen, ein Foto machen und wieder gehen, hinterher. "I am a Tsunami child."
Inzwischen ist es Mittag. Die Schatten dunkler Wolken legen sich genau über die Stadtteile, die der Tsunami weggewischt hat. Lamthe, Meuraxa – vor allem aber Ulele. Der Zipfel, in dem nur 20 Prozent der Bevölkerung überlebten.
Die Straße dorthin ist zum Teil ausgebessert, von den Häusern kaum eine Spur. Hier ist ein Klinkerboden übrig, da ein Betonsockel. Vereinzelt ragen Zelte, Holzbaracken aus dem Nichts. Doch dann, endlich: erste Rohbauten neuer Häuser. 40, 50 auf einem Fleck, mehr nicht. Viel ist dort, wo es die Stadt am schlimmsten getroffen hat, nicht zu sehen von Wiederaufbau. Das untermauern auch die Zahlen. Bis jetzt wurden 10.000 Häuser in der Region Aceh fertig gestellt. Ein Drittel dessen, was bis zum Jahresende versprochen wurde.
"Es gibt Grundstücke, da muss identifiziert werden, wo der Besitzer ist", sagt Syah. "Ist er verstorben? Wenn ja, gibt es Erben? Dann müssen neue Besitzurkunden ausgestellt, die Grundstücke vom Katasteramt zertifiziert werden. Dieser ganze Prozess braucht einfach seine Zeit."
... Immerhin seien mittlerweile sechs von neun geplanten Krankenhäusern gebaut, 75 Altersheime, zwölf Kindergärten, 74 Grundschulen und 43 Moscheen. Insgesamt 392 Objekte wurden im Jahr 2005 fertig gestellt. 1232 sind insgesamt geplant.
Der Masterplan legt auch die Grundflächen und Kosten der neuen Häuser fest. 36 Quadratmeter groß und nicht teurer als 2400 Euro sollen sie sein. Mehr als 75.000 Häuser haben allein die Hilfsorganisationen zugesagt. "Alle kamen anfangs rein, jetzt wurschteln viele nur so vor sich hin, weil sie irgendwie das Geld unter die Leute bringen müssen", sagt Syah, dessen Behörde eigentlich die Zusammenarbeit koordinieren soll. Kein Wunder, dass die Betroffenen, die zum großen Teil noch immer in Zelten und Baracken hausen, unzufrieden sind, allmählich unruhig werden. "Es gab sogar schon erste Demonstrationen."
Die meisten der großen Hilfsorganisationen haben auch Hausprojekte, die Helfer stehen unter ständigem Konkurrenzdruck. Den bekam auch schon die Welthungerhilfe zu spüren. "Unser Musterhaus ist aus Lehm, Bambus und Kokosfasern", erzählt Dickerhof, "steht auf Stelzen, ist flutresistent und erdbebensicher." Ursprünglich sollten 700 dieser Ökohäuser am Stadtrand von Aceh errichtet werden. Doch dann war eine türkische Hilfsorganisation schneller. Sie hatte mehr Geld, setzte bei den lokalen Behörden ein Standardwohnhaus durch. "Die haben uns total überrumpelt", sagt Dickerhof. Er und seine Kollegen suchten sich danach ein ruhigeres Pflaster für zukünftige Projekte für Banda Aceh.
In diesem konkreten Fall hatten die Tsunami-Opfer Glück, die Türken bauten ihre Häuser schnell. "Manchmal aber zieht sich der Streit zwischen zwei Organisationen um ein Stück Land über Monate hin", erklärt Ferdian Syah. Wertvolle Zeit, in der längst gebaut werden könnte.
2006 plant seine Behörde den Bau von 40 000 neuen Häusern. Eine Zahl, die, wenn er sie sagt, ihm noch immer eine Gänsehaut verpasst. "Vor dieser Aufgabe habe ich schon gehörigen Respekt", sagt der 28-Jährige. Noch fehlt es an allem. An Ziegeln, an Zement. "Das wird eng im nächsten Jahr", gibt Syah zu.
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Vier Jahre lang, schätzt Syah, dauert es noch, bis in Banda Aceh alles repariert ist...
... Auf den ersten Blick ist Ulele noch immer Niemandsland.
"Eine Zeit lang haben wir tatsächlich überlegt, ob wir das Viertel brachliegen lassen, als eine Art Mahnmal", sagt Syah. Doch dann, Ende Juli, unterzeichnete Indonesien einen Vertrag mit der australischen Regierung, Australien sagte einen Großteil der Mittel für den Wiederaufbau zu. Die meterhohe Schicht von Schlamm, Schutt und Leichen ist abgetragen. Überall hört man das Geräusch von Sägen, Hämmern, Schleifmaschinen. Verkaufsstände für kleine Fischmärkte werden gebaut, Boote gezimmert...
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Im April bekam Uzman 200 Dollar Starthilfe. "Von der einen Hälfte habe ich mir eine neue Kühlbox gekauft, von der anderen die ersten frischen Fische." An einem guten Tag verdient er heute die Hälfte dessen, was er vor dem Tsunami verdient hat. Ein Jahr, nachdem er sein Haus, ein Kind und seine ganze Ausrüstung verloren hat, kann er Frau und Baby ernähren.
"Die Bürgerinitiative unterstützt mittlerweile 140 solcher Projekte in Banda Aceh", sagt Syah. Fischverkäufer, Bootsbauer, Rikschafahrer. Einkommen schaffende Maßnahmen nennen die Hilfsorganisationen diese Programme...
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Moritz Kleine-Brockschmidt: Ein Jahr Tsunami-Hilfe. Es kann noch besser werden. Der Tagesspiegel Nr. 19054, 23.12.2005, S. 1
Seit einem Jahr läuft die größte Hilfsaktion der Menschheitsgeschichte. Tsunami-Überlebende versorgen und bauen wieder auf - mehr als zehn Milliarden US-Dollar stehen zur Verfügung. Trotzdem hocken nach zwölf Monaten immer noch zehntausende von Menschen in Zelten.
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Doch versinken derweil internationale Tsunami-Helfer in Bürokratie, und die Obdachlosen leiden darunter. Selbst in Desastergebieten verbringen Mitarbeiter großer Hilfsorganisationen oder von UN und Weltbank den größten Teil ihrer Arbeitszeit vor dem Laptop. Sie schreiben Anträge und Berichte, oder sie sitzen in Koordinierungstreffen. Diese sind natürlich wichtig. Wie konnte es aber trotz der vielen Gespräche dazu kommen, dass Bereiche brach liegen? Kaum jemand kümmert sich zum Beispiel um den zerstörten Teil der Stadt Banda Aceh. In allen Tsunami-Ländern können viele Bauprojekte - nun endlich verabredet, beantragt und genehmigt - nicht umgesetzt werden. Materialtransport ist schwierig, Sah niemand voraus, dass der Bau von mehr als 100.000 Häusern nur zügig vorangeht, wenn Straßen und Häfen brauchbar sind? Vielleicht lautet die Wahrheit so: Ein Hafenprojekt ist teuer und zählt wenig in der Öffentlichkeit. Also sollen das lieber andere machen.
In Indonesien dauerte es vier Monate, bis die Regierung eine Aufbaubehörde mit Autorität ins Leben rief... Den Vereinten Nationen fiel zur Jahresmitte auf, dass sie in Aceh einen Koordinator für die vielen UN-Agenturen benötigen, die dort arbeiten, erst seit Ende November wird effektiv zusammengearbeitet. Und die Weltbank, mit ihrem Fonds größter Wiederaufbau-Akteur, kann in Aceh außer Studien und Plänen bisher kaum etwas vorweisen. Die meisten mittleren und kleinen Hilfsorganisationen reagierten zunächst schnell. Sie waren zu Jahresbeginn monatelang mit Nothilfe beschäftigt, die überlebenswichtig und fantastisch war. Doch in dieser Phase versäumten viele NGOs, ihre mittel- und langfristigen Projekte auf den Weg zu bringen. Das Geld war da, es fehlten Mitarbeiter. Wer im Einsatz war oder ist, ist überlastet. Noch mehr Personal hätte zusätzlich eingestellt werden müssen, vor allem Logistik- und Baufachleute.
Beobachterschelte darf nicht ausblenden, wie human, wie wunderbar der weltweite Beistand für die Tsunami-Opfer war und nach wie vor ist. Eine so große Hilfsaktion gab es noch nie, da sind Mängel unvermeidbar...
Roland Knauer: Mit Bojen Leben retten. Der Tagesspiegel Nr. 19408, 21.12.2007, S. 29
Lernen aus der Katastrophe: Der Aufbau des deutschen Tsunami-Warnsystems in Südostasien geht voran
"Alles im Zeitplan, bis 2008 sollte das Tsunami-Warnsystem für Indonesien fertig sein." Jörn Lauterjung vom GeoForschungsZentrum (GFZ) in Potsdam leitet den deutschen Teil dieses Mammutprojekts...
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Etwa zwölf Minuten nach dem Beben von 2004 in Südostasien lieferte das Potsdamer GFZ auf diesem Weg auch damals schon eine erste Warnung. Diese Zeit hätte ausgereicht, um die Menschen in Indien, Sri Lanka und Thailand zu warnen, doch Pannen bei der Kommunikation und eine unzureichende Katastrophenplanung vor Ort ließen die Meldungen versickern. In Indonesien wäre der Alarm in jedem Fall zu spät ausgelöst worden; dort hatten die Flutwellen bereits 20 Minuten nach dem Beben die Provinzhauptstadt Banda Aceh nahezu völlig zerstört.
Um Indonesien schneller vor Tsunamis warnen zu können, sollte daher die Lücke geschlossen werden, die das weltweite Erdbebenmessnetz ausgerechnet im Indischen Ozean hat. Das GFZ hat daher inzwischen acht neue Erdbeben-Messstationen auf der Insel Nias vor Sumatra, auf Sumatra selbst, auf Java und auf Kalimantan installiert. Japanische Forscher haben fünf weitere Stationen aufgebaut, ...
Allerdings lösen Seebeben nur dann Riesenwellen aus, wenn sich dabei Erdplatten am Meeresgrund ruckartig nach oben oder unten verschieben. Bisher brauchten die Forscher anderthalb Stunden, um die Bewegungsrichtung der Platten zu messen. Deshalb überwachen die deutschen Forscher mit Bojen auf dem Meer und dem Satellitenortungssystem GPS die Wellenbewegung jetzt direkt und übermitteln sie mit Funksignalen per Satellit an eine Zentrale. Unter der Boje wird ein Sensor am Meeresgrund verankert, der den Druck registriert, den Riesenwellen bis dort hinunter auslösen. Zwei solcher Systeme aus Bojen und Drucksensoren am Meeresgrund hatten die deutschen Forscher bereits Ende 2005 vor der Insel Sumatra im Indischen Ozean verankert, bis 2008 sollen es insgesamt zehn sein.
Allerdings gab es auch schon Probleme: die beiden bisher ausgesetzten Bojen haben sich von ihrer Verankerung gelöst und mussten an Land geholt werden. Mit verbesserter Verankerung wurde eine davon inzwischen wieder zu Wasser gelassen, die andere soll im Januar folgen.
Eine weitere technische Herausforderung ist die Kommunikation zwischen den Druckmess-Sensoren am Meeresgrund und der Boje. Die Daten müssen in Form von Schallwellen zur Boje gesendet werden, die sie über Satellit an eine Warnzentrale in der indonesischen Haptstadt Jakarta weiterleitet. Ein erprobtes System - mit Tücken: Denn zwischen dem warmen Oberflächenwasser und der deutliche kühleren Tiefsee gibt es eine Grenzschicht, die Schallwellen nur dann problemlos überwinden, wenn sie senkrecht darauf treffen. Bei flacheren Auftreffwinkeln wird der Strahl gebrochen und abgelenkt. Da die Boje sich im Wasser bewegt, steht sie aber nicht immer senkrecht über dem Drucksensor. Daher wollen die Techniker jetzt mit einiger Tüftelarbeit die Schallwelle so verändern, dass bei allen Positionen der Boje ein ausreichendes Signal empfangen wird.
Ein Computersystem in der Warnzentrale in Jakarta soll in Zukunft ermitteln, wie sich Wellen an den verschiedenen Abschnitten der Küste verhalten, wo sie von Gebirgen unter Wasser abgelenkt werden und wo sie sich zusammenballen. Im Ernstfall muss der Computer dann nur noch errechnen, zu welchen dieser Szenarien die aktuelle Situation am besten passt, und kann auch so gezielt die Küstenabschnitte warnen, die bald von den Fluten getroffen werden.
Für eine solche Modellierung müssen die Forscher allerdings wissen, wie der Meeresboden vor der Küste aussieht. Deshalb hat das Leibniz-Institut für Meeresforschung IfM in Kiel inzwischen das indonesische Forschungsschiff "Baruna Jaya 4" mit einem Fächerecholot ausgerüstet, das den Meeresboden auf drei ausgewählten Küstenabschnitten - vor der Stadt Padang, vor der Insel Bali und vor Zentraljava - vermessen soll. Auch das deutsche Forschungsschiff "Sonne" hat bereits einen Teil des Meeresbodens in der Region unter die Lupe genommen.
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Mehr Infos: Friedensabkommen mit der Provinz Aceh - Der Friede aus dem Wasser
Zie ook: Erbeben und andere Naturereignisse in Indonesien
Drei Jahre nach der Katastrophe
dpa: Der Tag, an dem das Wasser kam. Drei Jahre nach der Tsunami-Katastrophe in Asien kehren viele Überlebende an ihre Urlaubsorte zurück. Der Tagesspiegel Nr. 19763, 22.12.2007, S. 32
In den Straßen von Phuket bummeln die Touristen, Händler preisen ihre bunten Waren an. Am Strand und im Wasser tummeln sich Badende... Nichts erinnert mehr an die Tsunami-Katastrophe, die am 26. Dezember vor drei Jahren Südostasien überraschte und mehr als 230.000 Menschen das Leben kostete. Eine größere Gedenkfeier wird es in dem Ort nicht geben...
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... Die meisten Hilfsprogramme in Indien, Indonesien, Sri Lanka und Somalia seien abgeschlossen. Insgesamt seien in dieser Zeit 100 Projekte in sieben Ländern mit einem Umfang von knapp 42 Millionen Euro gefördert worden.
Der Tsunami vom 26. Dezember 2004 gilt als schlimmste Naturkatastrophe seit Menschengedenken. Auslöser war ein Erdbeben der Stärke 9,0 am Meeresboden vor der indonesischen Insel Sumatra. Die genaue Zahl der Toten wird voraussichtlich nie genau zu ermitteln sein. Mindestens 1,5 Millionen Menschen verloren ihr Obdach. Die Schäden werden auf etwa 10 Milliarden US-Dollar geschätzt.
Mit GPS gegen die Riesenwellen (Tsp Nr. 21149, 7.11.2011, S. 19)
Roland Knauer: Mit GPS gegen die Riesenwellen. Alle Bojen des Tsunamiwarnsystems vor Indonesien sind zurzeit außer Betrieb. Die Inselbewohner sind trotzdem sicher. Der Tagesspiegel Nr. 21149, 7.11.2011, S. 19
Ingenieure und Naturwissenschaftler wissen eines ganz genau: Bei großen technischen Vorhaben mit vielen Komponenten klappt selten alles wie geplant. Zu diesen Großprojekten gehört auch das Tsunamiwarnsystem GITEWS (German-Indonesian Tsunami Early Warning System) im Indischen Ozean, das unter deutscher Regie nach den verheerenden Riesenwellen von Weihnachten 2004 aufgebaut wurde. Ausgerechnet die acht Bojen, die für die direkte Messung der Wellenbewegungen zuständig sind, machen immer wieder Schwierigkeiten, keine von ihnen ist zurzeit in Betrieb. Und doch ist sich GITEWS-Projektkoordinator Jörn Lauterjung vom Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ in Potsdam sicher: "Bei der nächsten Riesenwelle kann das System sehr viele Menschenleben retten." Denn es funktioniert auch ohne die Messbojen auf dem Meer hervorragend.
Die Ursache einer Riesenwelle ist in vier von fünf Fällen ein Seebeben. Daher hat GITEWS zunächst eine Lücke geschlossen, die das weltweite Erdbebenmessnetz ausgerechnet im Indischen Ozean hatte: "Das GFZ hat auf Sumatra, Java und Kalimantan, sowie auf vorgelagerten Inseln 21 neue Messstationen gebaut", erklärt Lauterjung. Zusammen mit weiteren 140 Stationen in Indonesien, Japan und China sind die neuen Einrichtungen online und können innerhalb von zwei oder drei Minuten ein Erdbeben lokalisieren.
Allerdings löst nicht jedes Seebeben Riesenwellen aus, sondern nur Beben, bei denen sich der Meeresgrund ruckartig nach oben oder unten bewegt. Deshalb installierten die deutschen Wissenschaftler sieben Meter lange Bojen auf dem Meer, die mithilfe des Satellitenortungssystems GPS die Wellenbewegung direkt messen. Mit Funksignalen werden die Daten an die Tsunamiwarnzentrale in Jakarta übertragen. Zumindest in der Theorie. In der Praxis gab es eine Reihe von Problemen mit den Bojen. Diese wurden nämlich dort installiert, wo die Riesenwellen am steil abfallenden Kontinentalhang vor den Inseln Indonesiens entstehen. Dort aber schwimmen auch viele teure Speisefische, die auch einige Küstenbewohner anlocken. Verheddert sich dann eine Fangleine in der Verankerung der Boje, taucht ein Fischer schon einmal ins Meer, kappt die Haltetrossen und rettet so seine Ausrüstung, während die Boje davontreibt.
Natürlich sollen die teuren Bojen im Wert von mehr als hunderttausend Euro pro Stück wieder eingesammelt, repariert und neu verankert werden. Aus diversen Gründen aber funktioniert das bei der dafür zuständigen staatlichen Einrichtung in Indonesien eher selten. Und so ist eine Boje ganz verschwunden, vier weitere sind außer Betrieb und zu den letzten drei Bojen ist der Kontakt abgerissen: "Möglicherweise ist da nur die Energieversorgung ausgefallen", vermutet Lauterjung. Bisher hat das die staatliche Stelle in Indonesien nicht überprüft.
Während des Aufbaus des Tsunamiwarnsystems, das seit Frühjahr 2011 vollständig von Indonesien betrieben wird, zeigte sich aber, dass ein anderes System ebenfalls registrieren kann, ob ein Tsunami entstanden ist und wie stark er ausfällt: Entlang der Küste von Java und Sumatra gibt es alle 50 oder 60 Kilometer Stationen, an denen das Satellitenortungssystem GPS bei einem Beben misst, wie sich die Erdoberfläche verändert. Mit diesen Daten berechnet ein aufwändiges Computerprogramm dann, wie stark sich der Meeresboden vor der Küste deformiert hat. Je mehr GPS-Stationen an Land existieren, umso besser wird diese Kalkulation. Da seit der Startphase von GITEWS diese GPS-Messung obendrein immer weiterentwickelt und verbessert wurde, erfasst das Warnsystem diese Hebungen und Senkungen des Meeresbodens heute so genau, dass daraus die entstandenen Wellen zuverlässig abgeschätzt werden. Über die Tsunamiwarnzentrale können dann die Bewohner der nahen Küste Indonesiens alarmiert werden, die von den Riesenwellen bereits nach zwanzig Minuten gefährdet sind. Pegelmesser an den Küsten von Inseln messen dann die sich durch den Indischen Ozean weiterschiebenden Wellen auch noch direkt. Damit können die Bewohner der entfernter liegenden Küsten Indiens, Sri Lankas und Thailands ebenfalls zuverlässig gewarnt werden – auch ohne Bojen.
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