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Stand der Bearbeitung: 28.12.2005
Zuletzt bearbeitet: 27.9.2007

Rembrandt


Rembrandts Nachtwache
Rembrandt-jaar 2006 - Rembrandtjahr 2006
Veranstaltungen im Rembrandtjahr 2006
Kritiek




Rembrandts Nachtwache
Rolf Brockschmidt: Mit Rembrandt auf Nachtwache. Niederländische Künstler malen ein berühmtes Bild nach. Ihr öffentliches Atelier: der Amsterdamer Flughafen. Der Tagesspiegel Nr. 18725, 23.1.2005, S. R2
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Weil Albert Mantje und Jan Maris seit dem 20. Dezember (2005) ... an einer neuen "Nachtwache" arbeiten, die die weltbekannte Situation zwei Minuten später erzählt. Sie malen im erweiterten Westflügel des Amsterdamer Flughafens, der von der Ankunftshalle 4 und der Schiphol Plaza öffentlich zugänglich ist. So kann der Flughafen, der schon immer mehr sein wollte als "nur" ein Flughafen, diesen Raum für ein spektakuläres Kunstprojekt nutzen.
Schon die Dimensionen des Gemäldes verlangten nach einem riesigen Atelier. 3,66 mal 4,22 Meter mißt die originale "Nachtwache". Genauso groß wird die neue, ach was, werden drei neue "Nachtwachen" entstehen. Und das kam so.
Als das Amsterdamer Rijksmuseum wegen anstehender Renovierungsarbeiten seinen Umzug plante, mußte natürlich auch Rembrandts "Nachtwache" ihren angestammten Raum verlassen. Um den Umzug besser planen zu können, hatten die Museumsmitarbeiter eine Leinwand in Originalgröße bespannt. Mit einem Dummy probten sie den Umzug. The Gallery Donkersloot in Amsterdam bekam Wind von der unbemalten Leinwand, die nun nicht mehr benötigt wurde, und schlug vor, darauf eine neue "Nachtwache" zu malen. Denn schließlich feiern die Niederlande 2006 ihr größtes Rembrandtjahr zum 400. Geburtstag des Meisters. Albert Mantje und Jan Voss sollten das Projekt ausführen. Es stellte sich aber bald heraus, daß Voss nicht den Untergrund gemalt hatte, sondern bereits mit einer eigenen "Nachtwache" begonnen hatte.
So entstand die Idee, daß Albert Mantje mit Jan Maris eine zweite "Nachtwache" malen wird, die den Schauplatz aber ein wenig später darstellt. "Das war spannend. Wie wird die Situation zwei Minuten später aussehen? Wir haben viel gelernt und auch einige Fehler entdeckt. Zum Beispiel kann man ein Gewehr nicht locker mit einer Hand packen und laden, dafür waren die viel zu schwer. Auch in dieser Hinsicht haben wir die Haltung von Lanzen und Fahnen korrigiert. Wir verändern die Komposition, aber nicht die Architektur des Bildes. Auch taucht Rembrandt jetzt nicht mehr nur als Porträt, sondern als ganze Figur in dem Bild auf."
Albert Mantje von der Künstlergruppe The Winston Group bezeichnet sich als realistischer Maler. Seinen Kollegen Jan Maris hat er aus 15 Interviews mit Künstlern ausgewählt. "Maris hat ausgehend von Rembrandt-Radierungen farbige Porträts im Stile Rembrandts gemalt..."
Rembrandt benötigte etwa eineinhalb Jahre für sein Meisterwerk, Mantje und Maris wollen es in sechs Monaten schaffen...
90 Prozent der Grundzeichnung von "NachtwacheII" sind fertig. Im März (2005) wird Jan Voss seine "NachtwacheI" auf Schiphol während eines Monats zu Ende malen. Damit nicht genug, eine Gruppe von Künstlerinnen wird den Frauen Gerechtigkeit widerfahren lassen und eine dritte "Nachtwache" im Stil Rembrandts malen, allerdings nur mit weiblichen Schützen. Dieses Amazonenbild wird dann "Nachtwache III". Alle Bilder werden Ende Mai (2005) ins Rembrandthaus umziehen, wo sie - ebenfalls öffentlich - den Feinschliff bekommen. Dort hatte auch Rembrandt sein Meisterwerk gemalt, allerdings nicht in seinem - heute rekonstruierten - Atelier unter dem Dach, sondern im Innenhof...
Dem Publikum auf dem Flughafen Schiphol gefällt diese öffentliche Malaktion. "Manche kommen zweimal in der Woche vorbei, um uns zuzuschauen", erzählt Mantje. Die Aktion läßt sich per Webcam im Internet unter der Adresse http://www.denieuwenachtwacht.nl/ verfolgen.
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Rolf Brockschmidt: Rembrandt und der Wunderheiler. Dick Walda erzählt in einem spannenden Roman von Rembrandts Faktotum. Der Tagesspiegel Nr. 19348, 22.10.2006, S. 28
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Dick Walda nimmt die Entstehung der "Nachtwache" zum Anlass, ein farbenfrohes, intensives Porträt Amsterdams im "Goldenen Jahrhundert" zu schreiben, keine gelehrte Geschichte, sondern eine geschickte Kombination aus Lokalkolorit und spannender Handlung.
Im Mittelpunkt steht der clevere Wiggert, dessen Intelligenz einerseits dem Wunderheiler Kolhak auffällt und andererseits Rembrandt. Beide wollen den Jungen zu ihrem Gehilfen machen, doch aus Rücksicht auf seine Familie nimmt Wiggert das Angebot Kolhaks nicht an. Dennoch bleiben beide in Kontakt.
Wiggert wird das Faktotum Rembrandts, arbeitet in seinem Haus in der (heutigen) Jodenbreestraat. Wer das Rembrandthaus heute besucht, bekommt eine plastische Vorstellung von Wiggerts und Rembrandts Arbeitsplatz. So erfahren wir durch die Augen Wiggerts, wie Rembrandt mit seinen Kunden spricht, wie ungeduldig und aufgeblasen diese oft sind und wie wichtig sich die Kloveniere [de kloveniers, NL: die Schützen] nehmen. Dank Wiggerts Kontakt zu Commelyn kann Rembrandt seine "Nachtwache" in Commelyns Haus an der Vecjht malen. Der Aufstieg im Hause Rembrandt wird Wiggert allerdings von Rembrandts Sekretär Koppenol geneidet, der ein finsteres Komplott gegen ihn schmiedet.
Walda jongliert geschickt mit der Historie, beschreibt eindrucksvoll die Entstehungsgeschichte der "Nachtwache", die Intrigen, die gesponnen werden. Aber er vermittelt auch einen lebendigen Eindruck jener Zeit, die selbst nach 400 Jahren noch immer fasziniert. Dick Waldas Roman ist eine lohnende, anspruchsvolle Lektüre im ausgehenden Rembrandtjahr und darüber hinaus.
Dick Walda: Das Geheimnis der Nachtwache. Aus dem Niederländischen von Andrea Marenzeller. Jungbrunnen. Wien 2006. 182 Seiten. 14,90 Euro. Ab zwölf Jahren.


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Rembrandt-jaar 2006 - Rembrandtjahr 2006



Rolf Brockschmidt: Das Rätsel Rembrandt. Die Niederlande feiern den 400. Geburtstag des Meisters mit einer Fülle von Ausstellungen - und einem neuen Musical. Der Tagesspiegel Nr. 19049, 18.12.2005, S. R2
Rembrandt, der Künstler, dessen Vorname zum Markenzeichen wurde, ist und bleibt aller Forschung zum Trotz eine schillernde, nicht in allen Facetten erklärbare Gestalt. Die Niederlande werden das Rembrandtjahr aufwendig feiern, und vielleicht bekommt die Nationalikone Tulpe dieses Mal ernsthafte Konkurrenz von Rembrandt.
Gerade hat Königin Beatrix das Rembrandtjahr als Schirmherrin in Leiden mit der Ausstellung "
Rembrandts Mutter, Mythos und Wirklichkeit" eröffnet und von 2006 an werden etwa 20 Veranstaltungen über das ganze Jahr hinweg den bekanntesten Niederländer aus Anlaß seines 400. Geburtstages feiern....
Rembrandt Harmensz van Rijn wurde am 15. Juli 1606 in Leiden als neuntes Kind eines vermögenden Müllers und Immobilienbesitzers geboren. Das Geburtshaus im Weddesteeg wurde in den siebziger Jahren abgerissen, nur der Gedenkstein von 1906 erinnert noch an den berühmten Sohn der Stadt. Nach dem Besuch der Lateinschule schickt ihn sein Vater auf die Universität, die er allerdings nie besucht hat. Lieber geht er im gleichen Jahr beim Leidener Maler Jacob van Swanenburgh in die Lehre. Mit 18 Jahren gründet er mit seinem Freund Jan Lievens ein Atelier in Leiden.
In seiner Leidener Zeit haben er und seine Freunde immer wieder eine alte Frau gemalt und gezeichnet, von der man lange gesagt hat, daß es sich um Rembrandts Mutter handelt. Allerdings ist sie nie als Mutter, sondern als Verkörperung des tugendhaften Alters gemalt worden. Die Ausstellung "Rembrandts Mutter, Mythos und Wirklichkeit" im Städtischen Museum De Lakenhal widmet sich vornehmlich dem Alter, aber auch dem Mythos um die anderen Familienmitglieder. Das Rembrandt-Besucherzentrum soll auch nach dem Rembrandtjahr geöffnet bleiben. Vom 13. April (2006) an wird ebenfalls in Lakenhal die qualitativ herausragende Sammlung Frits Lugt von Kupferstichen Rembrandts erstmals vollständig unter dem Titel "Rembrandt, der Erzähler" zu sehen sein. Porträts und biblische Szenen dominieren das Werk. So bietet die geschlossene Präsentation von "Rembrandts Landschaften" mit allen Gemälden und Kupferstichen vom 6. Oktober 2006 an im selben Museum vielleicht eine Überraschung.
Leiden hat wie Amsterdam den Vorteil, daß viele historische Gebäude, die im Leben des Künstlers von Bedeutung waren, den Lauf der Jahrhunderte überlebt haben. Beschriebene und geführte Spaziergänge für beide Städte im Angebot.
Zentraler Ort der umfangreichen Jubiläumsaktivitäten ist natürlich Amsterdam, wo Rembrandt 1625 eine Lehre beginnt, das Radieren lernt und sich 1631 entdgültig niederläßt. Er knüpft Kontakte zum Hof des Statthalters Frederik Hendrik und zu einflußreichen Kaufleuten, die er porträtiert.
Einen Höhepunkt des Rembrandtjahres bietet am 24. Februar (2006) die Ausstellung "Rembrandt und Caravaggio" im Van-Gogh-Museum. 25 Werke beider Künstler sollen Ähnlichkeiten und Verwandtschaften im Werk Rembrandts und des von ihm bewunderten Caravaggio aufzeigen (s. auch Glaube, Liebe, Licht). Den Anfang des Rembrandt-Reigens in Amsterdam macht das Rijksmuseum bereits am 26. Januar (2006). Einen Monat lang zeigt es die komplette Sammlung seiner Gemälde.
Was es bedeutet, einen echten Rembrandt zu verlieren, hat Berlin mit seinem "Mann mit dem Goldhelm" erfahren müssen - zurzeit ist er in Leiden zu sehen. Aber ist er deswegen weniger bedeutend, nur weil er kein Rembrandt ist? "Really Rembrandt?" zeigt vom 9. März (2006) an die "enttarnten" Arbeiten, die man heute anderen Künstlern zuschreibt... Der Filmemacher Peter Greenaway hat sich von Rembrandts berühmtesten Gemälde inspirieren lassen und zeigt vom 2. Juni bis zum 6. August (2006) eine "theatrale Installation mit Bild und Ton" zum Thema "Nightwatching".
...Rembrandt und weitere Größen wie Vermeer, van Ruisdael und Stehen werden in der Dauerausstellung des Rijksmuseums gezeigt.
Den zweiten Amsterdamer Schwerpunkt bildet das Museum Het Rembrandthuis mit seinem restaurierten und wieder eingerichteten Wohnhaus in der Jodenbreestraat, das er 1639 für 13.000 Gulden gekauft hatte. Hier hat er im gleichen Jahr den Auftrag für die "Nachtwache" bekommen, die er 1642 vollendet hatte.
Nach diesem Erfolg und dem Tod seiner Frau Saskia im gleichen Jahr stürzt Rembrandt in eine tiefe Krise. Wie er sich aus diesem Tief befreit hat, beschreibt die zentrale Ausstellung "Rembrandt - Ein Genie auf der Suche" vom 1. April bis zum 2. Juli (2006), die dann in erweiterter Form in der Gemäldegalerie in Berlin zu sehen sein wird. Im Rembrandthaus ist auch heute noch eine Kupfertiefdruckpresse in Aktion zu bewundern und so paßt es, an diesem Ort auch Rembrandt vom 8. Juli (2006) an als Kupferstecher vorzustellen.
Wem das alles zu zweidimensional und nicht sinnlich genug ist, der lasse sicha auf "Rembrandt - Das Musical" ein, das vom 15. Juli (2006) an im Königlichen Theater Carré auf dem Programm steht und verspricht, Neues zu Rembrandts Leben zu zeigen...

Auskünfte:
Stiftung "Rembrandt 400"
Postfach 458
NL-2260 Leidschendam
http://www.rembrandt400.com

Niederländisches Büro für Touristik
Postfach 275080
50511 Köln
Tel.: 01805 / 34 33 22, Fax: 01805 / 34 33 20
http://www.niederlande.de

Pauschalangebote:
Institut für Bildungsreisen, Konstanz
Tel.: 07531 / 580 20
http://www.ifbarts.com



Rembrandt. Het beeld van Rembrandt in 2006
Gisteren werd het Rembrandt-jaar 2006 officieel geopend. Met alleen al in Nederland 22 tentoonstellingen wordt de 400ste geboortedag van de schilder herdacht. Waar moeten we heen? Kunnen we er iets nieuws verwachten? En wat vinden kenners de mooiste Rembrandt?
Wieteke van Zeil: HET MYSTERIE REMBRANDT BLIJFT INTACT. de Volkskrant, donderdag 15 december 2005, blz. 13-14, bijlage
Kan het publiek - na alle tentoonstellingn die er door de jaren heen zijn geweest - in het Rembrandt-jaar nog iets nieuws zien? Jazeker, de houding van de Nederlandse musea ten opzichte van de grote meester is veranderd. Ze zijn onzekerder én moediger geworden.
... In 2006 is de schilder 400 jaar geleden geboren...
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Aan geen andere kunstenaar van de Gouden Eeuw werden zoveel tentoonstellingen gewijd. Dat is op zichzelf niet vreemd: er is geen kunstenaar wiens oeuvre zo groot is - de teller staat na 35 jaar inspectie van het RRP nog altijd op ruim driehonderd schilderijen - én zo divers. Zou Vermeer in één jaar 22 keer geë,erd worden, dan was er per museum 1,5 schilderij te zien. Was het Jan van Goyen geweest, dan hingen er 22 keer zalen vol met hoofdzakelijk bruinige landschappen.
De populariteit en de zichtbaarheid van Rembrandts werk is dus explosief gestegen, ook al is het oeuvre van het toegeschreven schilderijen gehalveerd. Maar krijgt het publiek in de 22 tentoonstellingen ook iets nieuws te zien? Kunnen we in zijn werk nu andere dingen zien dan in de vorige eeuw?
Ja. Ondanks de vele eerdere tentoonstellingen over Rembrandt, worden er in 2006 wel degelijk nieuwigheden gepresenteerd. Natuurlijk, een deel van de tentoonstellingen die zijn aangekondigd bestaat uit klassieke overzichten - braaf gepresenteerde tekeningen en prenten uit de eigen collectie van de musea, zoals de hele tekeningencollectie van het Rijksmuseum en van museum Boijmans Van Beuningen. Maar het programma belooft ook experimenten, en daarmee lijkt een nieuwe houding van de musea ten opzichte van Rembrandt werkelijkheid te worden.
Rembrandtschilderijen worden bijvoorbeeld naast werken van Michelangelo en Caravaggio gehangen. Twee kunstenaars bij elkaar, dat lijkt geen nieuws. Rembrandt hing eerder naast Ferdinand Bol, Govert Finck en andere leerlingen en tijdgenoten. Maar terwijl in het verleden schilderijen naast de meester hingen om daarmee Rembrandts status als enige echte topschilder te bevestigen, kiest het Rijksmuseum nu voor een strijd tussen giganten. Caravaggio heeft een heldenstatus die zich met die van Rembrandt kan meten. Beide schilders waren de beste in hun tijd, absolute grootmeesters in het schilderen van licht - Caravaggio een generatie vroeger dan Rembrandt, en drieduizend kilometer zuidelijker, in Italië. Voor het eerst wordt Rembrandt uitgedaagd door een gelijke: een voorzichtige ontheiliging van zijn heerschappij.
Een tweede museumsprimeur is Nightwatching. Kunstenaar en regisseur Peter Greenaway, bekend van experimentele films als The Cook, the Thief, his Wife and her Lover en de experimentele opera Writing to Vermeer, krijgt op uitnodiging van het Rijksmuseum vrij baan om de Nachtwacht het middelpunt te maken van een theatrale en multimediale setting. Licht, geluid, figuranten en een tribune rondom het schilderij dat geen prijs kent. Het heilige der heiligen van het oeuvre wordt onderworpen aan een presentatie die niets met historische feiten te maken heeft. Dat is niet alleen een ontheiliging van Rembrandt, maar ook een nauwelijks voorzichtig te noemen ontheiliging van het museum als institut van historische en wetenschappelijke presentaties.
... De Lakenhal in Leiden ontmaskert de mythe over Rembrandts oudere modellen, die vaak terugkeren en daardoor vroeger prompt als zijn vader en moeder werden geïdentificeerd. Het Joods Historisch Museum rekent af met de vroegere vermoedens dat de schilder misschien wel joods zou kunnen zijn - hij schilderde immers vele oudtestamentische (joodse) figuren, en woonde in het joodse kwartier. Het Teylersmuseum, het Mauritshuis en - opnieuw - het Rijkdsmuseum besteden aandacht aan het restauratie en authenticiteitsonderzoek. En opmerkelijk: ruiterlijk wordt in de tentoonstellingen toegegeven dat de schilderijen in het verleden verkeerd werden begrepen en geïnterpreteerd - ook soms door de musea zelf.
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... Ondanks de vele inzichten die decennia onderzoek hebben opgeleverd, en ondanks de enorme stiumlans die dit had voor zijn populariteit, is hij er niet door ontraadseld. Rembrandt...
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Al in de jaren tachtig besloten auteurs en wetenschappers om Rembrandt los te weken van zijn gedocumenteerde wortels. De historische Rembrandt was niet voor iedereen interessant. Zijn werk werd scherpgesteld vanuit literair perspectief (Rembrandt als visueel verteller), semiotisch perspectief (Rembrandts schilderijen als systeem van tekens en symbolen), psycho-analytisch en cinematografisch perspectief (Rembrandt als schilder van onderdrukte seksuele verlangens en Rembrandt als proto-cineast). ... ...
In de tentoonstelling Uylenburgh & zoon: kunst en commercie in Rembrandts tijd in het Rembrandthuis wordt volgend jaar de commerciële en economische kant van Rembrandts productie belicht. Een ontheiligde Rembrandt, die voor een deel ook maar gewoon een speelbal bleek te zijn van de wensen van zijn kunsthandelaar. Díe koos zijn klantenkring grotendeels uit, en bepaalde veel van de onderwerpen die Rembrandt schilderde.
Maar de tentoonstelling Nightwatching gaat een stap verder. Met de keuze van een cineast laat het Rijksmuseum de absolute fictie hat bolwerk binnen. Rembrandt is definitief verworden tot entertainment.
Hij is, in 2006, eindelijk van iedereen. Een Rembrandt die van alle kanten en alle niveaus gewaardeerd kan worden. Zijn we daarmee de oude Rembrandt kwijt? Sneeuwen de schilderijen onder door de verhalen die over de schilder worden verteld?
Dat moet blijken in 2006. Rembrandt tot op het bot uitgeplozen, ontmaskerd, aangekleed en ontheiligd. We hebben alles bekeken en alle twijfel krijgen we erbij cadeau. Die twijfel is een zegen. Want het feit dat niet alle verhalen die volgend jaar worden verteld een sluitend Rembrandtbeeld presenteren, is vooral reden om opgelucht te zijn. Temidden van alle microscopische aandacht voor zijn persoon en zijn werk, wordt daarmee duidelijk dat het mysterie Rembrandt de tijd heeft overleefd. Zolang we zoeken, kunnen we ons blijven verbazen.

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Rembrandt. Het beeld van Rembrandt in 2006
DE ALLERMOOISTE. de Volkskrant, donderdag 15 december 2005, blz. 16-17, bijlage
Van de staatssecretaris van Cultuur tot de suppoost van museum Boijmans - tien personen kozen hun favoriete Rembrandt en vertellen wat de schilder voor hen betekent. Van 'Ik vind het kitsch' tpt 'Dit is nooit beter gedaan'.
... ... ...
RG: ERNST VAN DE WETERING, leider Rembrandt Research Project:
... 'Ik kies voor De eenheid van 't lang. Deze grisaille hangt in Boijmans Van Beuningen...
'De voorstelling is allegorisch. Ik hou daar niet eens zo van. Het wordt gedateerd op 1640, maar het is waarschijnlijk van 1638. De aanzet kwam vermoedelijk uit het Oranje-kamp. Amsterdam zou destijds al vrede met de Spanjaarden hebben willen sluiten, puur uit handelsbelang. Oranje en de overige steden wilden gezamenlijk optrekken. Het kluitje ruiters stelt de zich afzijdige houdende Amsterdammers voor, terwijl op de achtergrond de Verenigde Nederlanden achter de stadhouder ten strijde trekken. Je ziet ook nog de getekende Nederlandse leeuw, omringd door wapenschilden van de steden, verbonden door handjes; het is een soort rebus die je moet zijn op te lossen.
'Het bijzondere is dat je door het schilderij heen Rembrandt ziet. Zijn hand en zijn geest. Het is bedoeld als een model voor een uiteindelijk niet uitgevoerde politieke prent. Het is dus een soort werkdocument. De schilder is daardoor ongekend vrij en onbevangen geweest. Je ziet het schilderij groeien. Eerst een vluchtige opzet in donkere en witte lijntjes op de bruinige ondergrond, en dan met driftige toetsen en vegen de eerste verdeling tussen licht en donker. De ruwe fase. Bruine plekken, gele plekken. Vervolgens zwarte en witte accenten. De verfijningen zijn later aangebracht. Let ook op de suggestie van ruimte door contrasten van door- naar midden- naar achtergrond te laten verflauwen. Dat vergt grote controle. Het is de geniale mengeling van beheersing en vrijheid die dit schilderij tot een feest maakt.'
... ...
WvZ: MIEKE BAL, hoogleraar Algemene Literatuurwetenschap en auteut van onder meer 'Reading Rembrandt' (1991):
Ik vind Rembrandt relevant als een onderdeel van de populaire cultuur. Hij hoeft niet per se worden bekeken in het kader van de Gouden Eeuw. De manier waarop hij 'visueel vertelt' is fascinerend, haast als cinema. Zo schilderde hij de belangrijkste dingen vaak in de schaduw. Hij dwingt je blik, je moet blijven staan en beter kijken...

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Christina Tilmann: Mit den Händen sieht man besser. 2006 ist Rembrandt-Jahr. Eine Vorschau zum 400. Geburtstag des niederländischen Meisters. Der Tagesspiegel Nr. 19056, 27.12.2005, S. 28
Der Alte ist siech, von Schwäche gebeugt, die segnende Hand tastet nach dem Enkel. Liebevoll stützt ihn der Sohn, die Gesichter sind zärtlich nah beieinander. Die Kinder, ans Bett geschmiegt, neigen sich der Hand des Alten entgegen. Etwas entfernt, dunkel gekleidet, blickt die Mutter auf die Familie.
Eine zärtliche Szene, voll inniger Nähe und geduldiger Ergebung ins Schicksal - und eine spektakuläre Umdeutung der biblischen Vorgabe. "Jakobs Segen", eines der bekanntesten Gemälde Rembrandts aus der Kasseler Gemäldegalerie, erzählt von einem Skandal. Nicht den Erstgeborenen, Manasse, segnet der greise Jakob vor seinem Tod, sondern den zweiten Enkel Ephraim. Und wiederholt damit ein Unrecht seiner Jugend: Auf Rat seiner Mutter Rebeka hatte Jakob den blinden Vater Isaak betrogen, hatte sich selbst, in ein Fell gehüllt, in dessen tastenden Segen geschlichen, der eigentlich dem Erstgeborenen Essau gelten sollte.
... Versöhnung und Intimität ein mildes Alterswerk, 1656 gemalt. Da war Rembrandt 50 Jahre alt, hatte noch 13 Jahre zu leben, steckte in größten Geldnöten, hatte den großen Schmerz seines Lebens, den Tod der geliebten Frau Saskia und die folgende Schaffenskrise, schon hinter sich.
Hinter ihm lagen auch die Zeiten der offenen, dramatischen, ja gewalttätigen Bilder: die "Blendung Salomons" aus dem Frankfurter Städel etwa. In Kassel, zum Auftakt des Jubiläumsjahrs, ist das Gemälde in einer Kabinettsausstellung dem "Segen Jakobs" pointiert gegenübergestellt, es zeigt die ganze Drastik des Geschehens. Brutal bohrt sich der Dolch des Soldaten in das linke Auge des hilflos am Boden gefesselten Kraftprotzes Simson, der sich vor Schmerzen windet. Halb triumphierend, halb entsetzt, enteilt Delila im Hintergrund, in der Hand noch ein Bündel Haare, das sie ihrem Mann abgeschnitten hat, um ihm seine Kraft zu rauben.
Innigkeit und Drama, Theatralik und feine Psychologie, Zärtlichkeit und Grausamkeit: Diesen Extremen gilt die Rembrandt-Begeisterung seit Jahrhunderten. Auch 2006, zum 400. Geburtstag des Malers aus dem niederländischen Leiden, wird die Kunstwelt wieder über diese Themen diskutieren. Man wird die Echtheit vieler Gemälde anzweifeln, etwa in der Ausstellung "Really Rembrandt?" im Amsterdamer Rijksmuseum, und doch den typischen Rembrandt-Touch suchen. Man wird das Laben eines Aufsteigers schildern, mit allem dazugehörigem Ehrgeiz, der Geldgier, der Hartherzigkeit und doch den einzigartigen Psychologen erkennen, den großen Maler des Alters und der Hinfälligkeit - in der Ausstellung "Rembrandts Mutter" in Leiden. Man wird das Spätwerk würdigen, in der von den Staatlichen Museen in Berlin geplanten Ausstellung "Rembrandt - Ein Genie auf der Suche". Rembrandt als Landschaftsmaler will entdeckt sein (Gemäldegalerie Kassel, danach Leiden: Rembrandts landschappen), und das Amsterdamer Van-Gogh-Museum stellt ihm den Antipoden Caravaggio gegenüber.
Trifft Rembrandt wirklich den Nerv der Zeit? Sind es nicht eher die stillen Meister, die genauen Beobachter, die Zauberer des Lichts wie Vermeer, die heute geschätzt werden? Der große Duktus, die Pranke des Künstlers, der sich in die Farbe wühlt, das Genie, als welches das 19. Jahrhundert Rembrandt feierte, ist es uns nicht suspekt? Ist Rembrandt nicht wie Schiller, dessen Jubiläumsjahr gerade zu Ende geht? Ähnlich dramatisch ihr Werk, ähnlich schwärmerisch wurde es verehrt, ähnlich mißbraucht auch durch völkische Ideologie, die im "Rembrandtdeutschen", von Julius Langbehn 1890 als Begriff geprägt, das Deutschtum an sich entdeckte.
Der "Mann mit dem Goldhelm", einst als Inbegriff dieses Rembrandtbilds gefeiert, ist längst schon abgeschrieben - es stammt nicht von ihm. Auch bei vielen anderen einst als typisch geschätzten Werken hat das seit 1969 tätige "Rembrandt Research Project" die Eigenhändigkeit bestritten und die Bilder Schülern von Rembrandt zugeschrieben. So gelten etwa von den ursprünglich 150 Rembrandt-Blättern des Dresdner Kupferstichkabinetts inzwischen nur noch 20 als vom Künstler selbst gefertigt.
Und doch ist Rembrandt immer noch der Inbegriff des individuellen, originellen, sich den Maßgaben der Zeit nicht beugenden Malers. Als einer, der Porträts malt, auf denen sich die Auftraggeber nicht wiederfinden, der unverheiratet mit seiner Magd zusammenlebt, sich den Fürstenhöfen verweigert und seine Modelle auf der Straße sucht. Ein Maler, der in den prächtigen Gewändern eines Belsazzar, einer Esther, einer Rebekka immer verkleidete Zeitgenossen malt...
Von diesem Geniekult der Eigenhändigkeit hat sich die Kunstgeschichte längst entfernt. Hat den Künstler als Unternehmer entdeckt, wie Svetlana Alpers in ihrem richtungsweisenden Buch, hat, wie Simon Schama, die Mechanismen des damaligen Markts analysiert. Und hat gerade das Schrumpfen des Rembrandt'chen Oeuvre als besondere Qualität gedeutet: Der Künstler drückte seiner Zeit seinen persönlichen Stempel so nachdrücklich auf, daß seine Schüler gar nicht anders konnten, als "rembrandtdesk" zu malen.
Und doch bleibt die Eigenhändigkeit Rembrandts ein Thema. Etwa in der Art, wie der Maler die Hände in Szene setzt. In dem Amsterdamer Bild der "Mutter bei der Lektüre" scheint diese die Buchstaben der Bibel nur zu ertasten. Die Hand des Freiers auf dem Gemälde "Die Judenbraut" ist besitzergreifend auf die Brust der jungen Frau gelegt; beim Dresdner Bild "Rembrandt und Saskia" umfaßt der Maler die Taille seiner Frau. Immer sind es die Hände, die Werkzeuge des Künstlers, die er ins Zentrum rückt: die Hände des Vaters, schützend auf die Schultern des verlorenen Sohns gelegt, beim grandiosen Spätwerk "Die Rückkehr des verlorenen Sohnes" in der Petersburger Eremitage. Und die Hände Jakobs, segnend auf das Haupt des Ephraims gelegt, im eingangs beschriebenen Kasseler Bild.
Hände - und Augen. "Rembrandts Augen" hat Simon Schama seine voluminöse, spannende Monografie genannt. Rembrandt, der Maler, sieht uns, sieht sich selbst immer wieder an: auf unzähligen Selbstportäts, von frühester Jugend bis in die letzten Tage, mit einem unverwechselbar kritischen, fast feindlichen Blick. Eine Folge der Selbstbeobachtung im Spiegel, Distanz zum eigenen, nicht gerade hübschen Antlitz oder doch mehr: Inbegriff des Malens, Akt des Sehens? Jakob und Isaak, die segnenden Väters auf Rembrandts Bildern, sind blind. Simson, der Kraftmensch, wird geblendet. Rembrandt, der Augen-Maler, setzt sie ins Licht.



Ernst van de Wetering, aufgezeichnet von Nicola Kuhn: Das Prinzip der Kennerschaft. Bis heute wird den Museumsdirektoren mulmig, wenn das "Rembrandt Research Project" seinen Besuch ankündigt. Trotz aller Abschreibungen aber hat das berühmte Forschungsteam unser Wissen über den Maler bereichert. Der Tagesspiegel Nr. 19087, 28.1.2006, Beilage Rembrandt 400, Sonderbeilage zum Rembrandt-Jahr in den Niederlanden, S. B6
... ... ...
Zunächst sind wir rund fünf Jahre lang etwa fünf Monate jährlich gereist. Dann fingen wir an zu schreiben. Dabei wurde zunehmend deutlich, daß meine älteren Kollegen unter Rembrandts Gemälden eine Vielzahl Fälschungen und alter Imitationen vermuteten. Erst viel später habe ich verstanden, daß diese Sorge stark geprägt war von Bob Haaks Erfahrungen als junger Assistent jenes Kunsthändlers, der in den 30er Jahren eine Vermeer-Fälschung van Meegerens vermittelt hatte. Die Aufdeckung dieses Skandals in der Nachkriegszeit hat in Holland ein regelrechtes Trauma ausgelöst. Man hatte damals das Gefühl, daß es in den Museen und Sammlungen noch viel mehr Fälschungen geben müsste. Außerdem war Bob Haak, der spätere Gründer des "Rembrandt Research Project", 1956 an der großen Rembrandt-Ausstellung im Amsterdamer Rijksmuseum mit über 80 Gemälden beteiligt. Er erkannte sogleich, daß all die Bilder durch ihre Stil- und Qualitätsschwankungen unmöglich von einem einzigen Maler stammen konnten.
Das Besondere an unserem Projekt war die Teamarbeit, das interdisziplinäre Zusammenwirken. Von Anfang an haben wir mit Dendrologen vom Holzbiologischen Institut der Universität Hamburg zusammengearbeitet. Wir verfügen heute über eine riesige dendrochronologische Datenbank von all den Eichenholzbrettern, auf denen Rembrandt gemalt hat; erst später schwenkte er auf Leinwand um. Nach zehn Jahren Forschungsarbeit stellte sich jedoch heraus, daß es gar keine Fälschungen gab. Sämtliche Bretter stammten von Bäumen, die zum historisch korrekten Zeitpunkt gefällt waren; manch angezweifeltes Bild stammte sogar vom selben Baum wie einwandfreie Rembrandts.
Uns war damit klar: Der gesamte Forschungsansatz mußte sich ändern. Die ursprüngliche Suche nach echt und unecht ging in die falsche Richtung. Denn selbst in Stil und Qualität voneinander abweichende Werke, die fälschlich als Rembrandts galten, waren zumindest in seiner Werkstatt produziert worden. Mittlerweile hat sich unsere Vorstellung von Rembrandts Werkstatt stark geändert. Noch der große deutsche Rembrandt-Kenner Sumowski hatte geglaubt, daß Rembrandt seine Schüler auf sehr moderne Weise unterrichten würde, indem er jeden seiner eigenen Neigung nachgehen ließ. Heute wissen wir, daß dies nicht stimmt. Lernen bedeutete damals Imitieren. Die Schüler kopierten und variierten ihren Meister.
Das bedeutete für uns, daß wir uns stärker auf die Werkstatt und die Ausbildung konzentrieren mußten. Als klar war, daß uns die Naturwissenschaft nicht mehr weiterhelfen würde, die durch chemische Untersuchung der Pigmente, der Grundierung, der Leinwand letztlich nur Fälschungen entlarven kann, kehrten wir zu den alten Prinzipien der Kennerschaft zurück, der Untersuchung nach stilistischen Kriterien. Aber auch dabei spielen bestimmte Vorgaben eine große Rolle. Für meine älteren Kollegen, die noch von der Wölfflinschen Schule geprägt waren, fielen Stil und Person des Malers zusammen. Für sie hatte der Stil eine fast ethische Qualität; er war für sie gleichbedeutend mit der Identität eines Menschen. Dabei stellte sich das im 17. Jahrhundert ganz anders dar: Damals wählte man sich frei einen Stil, man war nicht selbst sein Stil. Auch der Entwicklungsgedanke, die Vorstellung, daß sich ein Künstler in einem fließenden, natürlichen Prozess entwickelte, hat sich heute als falsch erwiesen. Im 17. Jahrhundert war die künstlerische Entwicklung sehr viel sprunghafter. Ein Künstler konnte parallel in drei Stilen malen.
In den ersten 25 Jahren des "Rembrandt Research Project" gab es durch den hohen wissenschaftlichen Anspruch eine besonders strenge Stilauffassung. Das führte dazu, daß bestimmte Bilder, die durch eindeutige Dokumente eigentlich als echt bewiesen waren, trotzdem abgeschrieben wurden... Merkwürdigerweise führte diese Legitimation einzig auf der Grundlage von Stil und der damit zusammenhängenden Entwicklung zu übertriebener Strenge. Abgesehen davon neigen die Oeuvres großer Künstler ohnehin durch die Interessen des Handels dazu, über die Maßen zu wachsen. Unser erster Ansatz war es also, jene Schicht an Bildern abzutragen, die oft aus finanziellen Gründen Rembrandt zugeschrieben worden waren.
Dabei gibt es ein großes Problem: Wenn man sein Leben lang in den Museen echte und nicht echte Rembrandts nebeneinander hängen gesehen hat, dann ist das Auge in gewisser Weise verschmutzt. Es ist schließlich konditioniert durch bestimmte Bilder, wie zum Beispiel den "Mann mit dem Goldhelm". Wir waren damals ganz aufgeregt, als wir in Berlin dieses berühmte Werk sehen durften und wären nie auf die Idee gekommen, das Bild in Frage zu stellen. Auch für uns war es ein fester Bestandteil im allgemeinen Rembrandt-Bild. Als das Gemälde dann in der Restaurierungswerkstatt aus dem Rahmen genommen wurde, fielen uns fast die Augen aus dem Kopf. Wir hielten eine Abschreibung zunächst für völlig unmöglich und haben jahrelang geschwiegen, denn bis zur Niederschrift in den Forschungsbänden waren unsere Erkenntnisse nur vorläufige Urteile. Schließlich wuchs im Museum selbst die Unsicherheit über die Richtigkeit der Zuschreibung auf, und mittlerweile hatten sich auch unsere Zweifel herumgesprochen.
Solche Abschreibungen waren natürlich höchst unangenehm. Aber das passiert täglich in der Kunstgeschichte: Objekte werden bestimmt, datiert, als spätere Imitationen demaskiert. Jeder Oeuvre- Katalog mit Werken aus der Zeit vor dem 19. Jahrhundert enthält solche Zuschreibungsprobleme. Das "Rembrandt Research Project" aber macht für Außenstehende den Eindruck, etwas Besonderes zu sein. Wenn bei Raffael, Michelangelo, Tizian solche Echtheitsfragen diskutiert werden, gibt es merkwürdigerweise nicht solche überhitzten Reaktionen. Bei uns aber hieß es lange Zeit: Ihr stehlt, ihr vernichtet das Kapital der Besitzer...Bislang waren Bilder viel zu optimistisch Rembrandt zugeschrieben worden. Seit den Anfängen des "Rembrandt Research Project" hat sich das Oeuvre zwar verkleinert, aber das Einmalige von Rembrandts Kunst wissen wir heute dafür umso mehr zu schätzen.



Matthias Thibaut: Suche nach dem authentischen Werk. Im 19. Jahrhundert bekam ein Sammler in Holland noch einen Rembrandt geschenkt. Inzwischen zahlt man Millionenbeträge. Doch viele Bilder stammen gar nicht aus der Hand des Meisters. Der Tagesspiegel Nr. 19087, 28.1.2006, Beilage Rembrandt 400, Sonderbeilage zum Rembrandt-Jahr in den Niederlanden, S. B8
Der Maastrichter Altmeisterhändler Robert Noortman sitzt nicht mehr auf seinen Platz, als Los 52 zum Aufruf kommt. Dezember 2000. Christie’s versteigert in London Rembrandts Ovalbildnis einer "Alten Frau von 62 Jahren", gemalt 1632, als die Karriere des Leidener Malers ihren großen Aufschwung nahm. Der vergilbte Firnis ist abgenommen worden. Sammler und Händler bekommen bei der Vorbesichtigung vor Begierde feuchte Augen. Ein so guter Rembrandt war seit Jahrzehnten nicht mehr auf dem Markt.
"Fangen wir mit zwei Millionen an", ruft Auktionator Lord Hindlip. Als der Preis an neun Millionen Pfund vorbeizieht, steigt der Händler Johnny van Haeften ein, umringt von den Koryphäen des Londoner Altmeisterhandels. Dann bietet Alfred Bader aus Milwaukee, ein Chemiker, der Kunsthändler wurde und mehr Rembrandts durch seine Hände gehen ließ als jeder andere. Aber es ist der steinreiche Noortman, der das Gemälde mit verstohlenen Winkzeichen aus dem Nebenraum ersteigert. Für 19,8 Millionen Pfund – 64 Millionen DM. Nie ist Rembrandt so teuer gewesen.
Der Londoner Händler George Barker kam noch günstiger an seinen Rembrandt. Irgendwann zu Anfang des 19. Jahrhunderts, geht die Legende, verpasste er in Holland das Boot zurück nach England und mußte bei einem Bauern übernachten. Morgens sah er in der Kammer das Bild eines Kindes, prüfte es und fand, daß es sich um einen Rembrandt handle. Ob er das Bild noch brauche, fragte er den Bauern beim Frühstück – und bekam es geschenkt.
"Titus, Rembrandts Sohn als Kind", wie das Bild heute heißt, landete später in der Sammlung des Lord Spencer. Rembrandt erlebte damals seine erste Hochpreisphase. In England hatte sich ein schwungvoller Handel mit der Kunst durch Revolution und Krieg verarmter europäischer Aristokraten entwickelt. 1807 verkaufte ein Händler namens Lafontaine die biblische Szene "Christus und die Ehebrecherin", die er aus der Amsterdamer Six-Sammlung durch die Kontinentalsperre nach England geschmuggelt hatte, für 4000 Guineen oder 4200 Pfund an den Banker Angerstein. Es war ein absoluter Markthöhepunkt. Als Angersteins Sammlung 1824 zum Gründungsfundus der Nationalgalerie wurde, kostete das Bild immer noch 4000 Pfund. Doch die Talfahrt hatte begonnen.
"Bis 1860", schrieb der Kunstmarkthistoriker Gerald Reitlinger in seiner "Ökonomie des Geschmacks", "konnte man Rembrandts für unter 700 Pfund haben." Bayerns König Maximilian zum Beispiel hatte das Glück. Er bezahlte für das "Brustbild eines Orientalen" (heute in der Alten Pinakothek in München) 375 Pfund.
Erst in der Gründerzeit ging es aufwärts. In Deutschland wurde Rembrandt zum Inbegriff germanischen Kunstschaffens verklärt, Engländer dagegen kauften ihre viktorianischen Zeitgenossen und ließen die Altmeister ziehen. So konnten der Kaiser und sein Berater Wilhelm Bode zwischen 1880 und 1910 nicht weniger als 15 Rembrandts kaufen – darunter 1897 bei Colnaghi in London auch den "Mann mit dem Goldhelm", der gar kein Rembrandt war.
Wirklich teuer wurde es, als sich die Amerikaner einschalteten. 1909 verkaufte Lord Duveen den ersten Rembrandt für über 50 000 Pfund. Auch der einst Barker geschenkte Titus tauchte nun wieder auf. Lord Spencer reichte ihn 1915 für 60 000 Pfund an den Textilfabrikanten Francis Cook weiter. Doch Kriege und Wirtschaftskrisen lähmten den Markt. Erst in den sechziger Jahren kam wieder Schwung in die Preise. Das Startsignal gab das Metropolitan Museum, das 1961 dem Cleveland Museum 821 400 Pfund (2,4 Millionen Dollar) für "Aristoteles, die Büste Homers betrachtend" bezahlte. Tage später standen in New York die Menschen in langen Schlangen vor dem Museum, um das teuerste Gemälde der Geschichte zu sehen. Natürlich war auch "Titus" wieder dabei. Die Versteigerung 1965 endete in einem Krawall, weil der Auktionator die Bietsignale des Sammlers Simon Norton missverstanden hatte. Norton setzte sich durch – mit einem Gebot von 798 000 Pfund (2,3 Millionen Dollar).
Wieder war "Titus" ein Schlusspunkt. Denn nun begann die große Periode des Zweifels. Eines der ersten Gemälde, das mit neuesten technologischen Mitteln unter die Lupe genommen wurde, war das "Selbstporträt mit rotem Barett". Die Staatsgalerie Stuttgart hatte es im Überschwang des Rembrandt-Rekordjahres 1961 für 321 500 Pfund bei Colnaghi in London erworben. Bis heute kämpft das Bild um seine Anerkennung. Der Markt war verunsichert, nachdem 1968 das "Rembrandt Research Projekt" gestartet war. Zwischen 1971 und 1986 kam kein großer Rembrandt auf den Markt...
Doch das "Rembrandt Research Projekt" hat den Markt nicht untergraben, sondern stabilisiert. 1986 hatte das Ovalbildnis "Mädchen mit goldverbrämtem Kleid", einst im Besitz der Fürsten von Liechtenstein, mit 7,26 Millionen Pfund (über 20 Millionen DM) einen neuen Rekord gebracht. 1992 bezahlte Alfred Bader 4,18 Millionen Pfund für das Porträt des Predigers Johannes Uyittenbogaert. 1998 ließ sich der amerikanische Händler das Ovalbildnis eines "Bärtigen im roten Mantel" für 5,5 Millionen Pfund zuschlagen und platzierte es im Kasinomuseum des Las-Vegas-Spekulanten Steve Wynn. Als der es 2002 verkaufte, kostete es 11,5 Millionen Dollar.
Die Suche nach Rembrandts ist in vollem Gange. Steve Wynn ersteigerte 2003 das unter einer späteren Übermalung hervorgekratzte "Selbstporträt mit verschatteten Augen" für sieben Millionen Pfund. Der Erfolg machte Schule. Im Januar 2006 konnte Sotheby’s in New York ein Frauenporträt anbieten, bei dem ein mondäner Pelzkragen abgenommen wurde. In Maastricht wird im März Rembrandts Porträt der "Anne Wÿmer" aus der Sammlung Six gezeigt – ein authentisches Werk, das durch eine ähnliche Restauration eines als Schülerarbeit kategorisierten Werkes hervorging.
Gibt es noch viele solcher unentdeckter Rembrandts? Niemand weiß das. Rembrandt malte über 40 Jahre, und doch sind weniger als 300 Werke anerkannt. Malte er wirklich nur sechs oder sieben Gemälde im Jahr?...



Michael Zajonz: Käufer seiner selbst. Rembrandt sammelte genauso manisch wie er malte. Vor dem Bankrott hat ihn das nicht bewahrt. Der Tagesspiegel Nr. 19087, 28.1.2006, Beilage Rembrandt 400, Sonderbeilage zum Rembrandt-Jahr in den Niederlanden, S. B9
Auch als Kunstsammler sprengt Rembrandt das zeittypische Maß. Bemerkenswert ist nicht nur, was er gesammelt hat, sondern wie und wozu...
... Rembrandts Sammelleidenschaft. Offenbar ging es ihm nie allein um den Besitz, sondern auch um das Prestige der Kunst, das sich im merkantilen Holland zunehmend über den Marktpreis definierte. In dieser genuin kapitalistischen Logik mußten vor allem eigene Werke Spitzenpreise erzielen.
Kunstsammeln war während des 17. Jahrhundert in den Niederlanden zu einer Art Volkssport geworden. Die einheimischen Maler waren so produktiv, daß einfache Gemälde auf Jahrmärkten schon für zehn Gulden zu haben waren - ein Betrag, von dem man etwa eine Woche sparsam leben konnte. Solche Gemälde schmückten, was ausländische Besucher immer wieder verwunderte, selbst bessere Bauernhäuser.
Erstmals direkt mit dem Kunsthandel in Berührung kam Rembrandt im Amsterdamer Haushalt von Hendrick Uylenburgh, dessen Nichte Saskia er 1634 heiratete. Uylenburgh führte neben seinem Maleratelier eine Kunsthandlung, wo er die Arbeiten mehrerer Künstler vertrieb, restaurierte oder als Druckgrafiken produzieren ließ. Rembrandt arbeitete ab 1631 nicht nur als Werkstattleiter, sondern hat auch 1000 Gulden in Uylenburghs Geschäft investiert.
Seite Mitte der 1630er Jahre besuchte Rembrandt regelmäßig Auktionen und begann, eine Sammlung von druckgrafischen Reproduktionen älterer Kunstwerke aufzubauen. Ihr Studium bestärkte Rembrandt darin, so überliefert es sein früherer Förderer Constantijn Huygens, die Kunst Italiens anhand der Drucke zu studieren und auf eine Italienreise zu verzichten. Aus der Rembrandt-Werkstatt allerdings sind so gut wie keine Schüler-Zeichnungen nach Reproduktionen älterer Meister bekannt. Lediglich die Harnische, Helme und kostbaren Stoffe, die Rembrandt sammelte, tauchen als Requisiten auch auf den Gemälden seiner Schüler wieder auf.
...
Rembrandts Schätze gelangten als Folge seiner offiziellen Bankrotterklärung ab 1652 zur Versteigerung: Dazu gehörten über 70 Gemälde anderer Künstler, 90 Mappen voller Zeichnungen und Drucke, Skulpturen, Rüstungen, Waffen, sogar eine Muschelkollektion. Die Forderungen seiner Gläubiger ließen sich damit nicht befriedigen. Rembrandts Sammeleifer überdauerte seinen finanziellen Ruin: Noch dem alten Mann gelang es, ein Bild seines zeitlebens verehrten Lehrers Pieter Lastman zu erwerben.



Rolf Brockschmidt: Rembrandt zu Fuß. Wo ist Rembrandt zur Schule gegangen? Wo hat er gearbeitet und gelebt? Spazierwege durch Leiden und Amsterdam. Der Tagesspiegel Nr. 19087, 28.1.2006, Beilage Rembrandt 400, Sonderbeilage zum Rembrandt-Jahr in den Niederlanden, S. B10-B11
Denkt man an Rembrandt, fällt einem sofort Amsterdam ein, die reiche Kaufmannsstadt, in der der Maler zu Ruhm und Ehre gekommen ist, in der er die Patrizier der Stadt und sein berühmtestes Bild, die so genannte „Nachtwache“, gemalt hat. Sein Haus in der Jodenbreestraat, das er 1639 für die ungeheure Summe von 13 000 Gulden gekauft hatte, demonstriert heute nach seiner originalgetreuen Wiedereinrichtung im Jahre 1999 den anfänglichen Wohlstand dieser großen Künstlerpersönlichkeit.
Seine Geburtsstadt Leiden, in der er am 15. Juli 1606 als Sohn eines reichen Müllers und Immobilienbesitzers am Rande der Stadtmauer am Galgewater (wie man den Rhein hier nennt) im Weddesteeg das Licht der Welt erblickte, stand bisher im Schatten Amsterdams. "Rembrandt gehört zu Amsterdam, aber gewiss auch zu Leiden. Er heißt schließlich nicht Rembrandt van Amstel, sondern Rembrandt van Rijn. In Leiden kann man durch die Straßen von Rembrandts Jugend laufen",...
Den Rundgang auf den Spuren Rembrandts beginnt man am besten im neuen Besucherzentrum am Marktsteeg, um sich dann nebenan im Städtischen Museum De Lakenhal, dem zentralen Ausstellungsort des Leidener Rembrandtjahres, die Ausstellungen anzuschauen. Diese ehemalige Tuchhalle, die 1640 erbaut wurde, hat Rembrandt selbst nicht mehr zu Gesicht bekommen, da er 1631 der Stadt endgültig den Rücken kehrte. Aber sie vermittelt mit ihrem mächtigen Portal, auf dem steinerne Tuchballen links und rechts liegen, einen Eindruck von der damals zweitgrößten Stadt der Republik der Sieben Vereinigten Niederlande, eine Stadt, die von 1580 bis 1620 ihre Einwohnerzahl verdoppelte.
Als Rembrandt Harmenszoon van Rijn geboren wurde, war von einer Stadterweiterung Leidens noch nichts zu spüren. Die begann erst 1611 am gegenüberliegenden Ufer des Rheins...
... wo Rembrandt geboren wurde.
Aber die Enttäuschung ist groß. Auf den größten Sohn der Stadt deutet nur eine Gedenktafel hin, die vor 100 Jahren einst am Geburtshaus angebracht war, das aber dann Anfang der 70er Jahre im Rahmen der Stadtsanierung der Abrissbirne zum Opfer fiel...
Es gehört etwas Fantasie dazu, sich das Leben in diesen schmalen Gassen vorzustellen, in der es durch die Einwanderung von Religionsflüchtlingen aus dem Süden immer enger wurde.
Vater Rembrandt war ein wohlhabender Mann, und so war er auch Mitglied der Schützengilde, die dieses Stadtviertel zu schützen hatte. Den Eingang zu diesem militärischen Übungsgelände mit Arsenal markiert ein prächtiges Tor aus dem Jahre 1645. Unweit der "Doelen", wie dieses Gelände überall in den Niederlanden genannt wird, befindet sich Rapenburg, die prächtigste Gracht Leidens, die vom Reichtum der Tuchfabrikanten zeugt. Die Häuser Nr. 35, 37 und 39 wurden in Rembrandts Jugend erbaut. An dieser Gracht liegt das Academiegebouw, ein ehemaliges Kloster, das seit 1581 der ersten Universität der unabhängigen Republik als Hauptgebäude dient.
Wir wissen, daß Rembrandts ambitionierte Eltern ihn mit 14 Jahren zum Studium an der Universität einschrieben. Aber in den Studentenlisten der folgenden Jahre taucht er nicht mehr auf. Wahrscheinlich hat er die Universität niemals besucht und stattdessen lieber eine Lehre bei einem Maler angefangen hat.
... In Sichtweite des Gravensteens befindet sich auf der Ecke Lokhorststraat, Schoolsteeg die Lateinische Schule, die Rembrandt von 1615–1619 besucht hat. Unterrichtssprache war Latein, und um die Sprachfähigkeit zu fördern, wurde auch viel über lateinische Literatur diskutiert. Hier soll Rembrandt auch seinen ersten Zeichenunterricht bekommen haben. Die Lateinische Schule war sicherlich nicht ohne Einfluss auf Rembrandts spätere Wahl antiker und biblischer Themen.
... nahe der Gasse Gekroonde Liefdepoort ein schmales Haus, in dem heute unten eine Galerie untergebracht ist. Oben im ersten Stock hatte Rembrandts erster Lehrmeister Jacob Isaaczoon van Swanenburgh sein Atelier. Hier lernte Rembrandt sein Fach, Farben anrühren, zeichnen, malen und kopieren.
Ganz in der Nähe befindet sich das prächtige Rathaus aus dem Jahre 1597. Allerdings ist nur noch die Fassade authentisch, das übrige Gebäude wurde 1929 durch ein Feuer zerstört. Der mächtige lang gestreckte Bau unterstreicht Leidens Bedeutung und Größe zu Zeiten der Republik.
Den besten überblick über Leidens Altstadt bildet "De Burght", eine runde mittelalterliche Befestigung auf einem Hügel, den auch Rembrandt gekannt haben muß. Von den dicken Wällen der Trutzburg hat man einen wunderbaren Blick über die Dächer der Stadt mit ihren 3000 Baudenkmälern, von denen viele noch aus der Zeit Rembrandts stammen.
... Tatsache ist, daß er sich 1631 endgültig in Amsterdam niederlässt, zunächst bei dem Kunsthändler Hendryck Uylenburgh auf der Ecke der heutigen Jodenbreestraat unweit der Anthonieschleuse, wo sich heute das Rembrandt-Haus befindet, jenes berühmte Gebäude, das seinen Ruhm, aber auch sein Scheitern symbolisiert.
Das Rembrandt-Haus ist derzeit vielleicht der authentischste Ort, um ein wenig Rembrandt-Feeling zu verspüren. Die komplette Rekonstruktion der Räume im Jahre 1999 versetzt uns in Rembrandts Zeit. Und neben all den Möbeln und Bildern, die es in dem Gebäude zu bewundern gibt, interessiert vielleicht die Demonstration der Tiefdruckpresse. Es riecht nach Druckerfarbe und man sieht, wie von der schwarz eingefärbten Platte die Radierung abgezogen wird. Auch das Atelier bietet Einblick in die Arbeitsweise Rembrandts. Hier beeindrucken vor allem die aus Pulver angerührten Farben und die kleine Palette... Nieuwmarkt, der von „De Waag“, dem ehemaligen mittelalterlichen Stadttor und späteren Waagegebäude, dominiert wird. In den wuchtigen Ecktürmen hatten verschiedene Gilden ihren Sitz, darunter auch die Sankt-Lucas-Gilde der Maler. Hier befand sich auch das Anatomische Theater, in dem Leichen von Straftätern seziert wurden und somit den Medizinstudenten zur Anschauung dienten. Gegen ein entsprechendes Eintrittsgeld durften normale Bürger Dr. Tulp oder seinem Nachfolger, Dr. Dijmans, zuschauen, wie Toten der Schädel im Dienste der Wissenschaft geöffnet wurde. Rembrandt hat in zwei Gemälden diese Anatomiestunden festgehalten...
Vom Nieuwmarkt folgt man dem Kloveniersburgwal – schon der Name deutet auf die Schützenkompanie (Klovenier = Schütze), an dem auch das prächtige Trippenhaus liegt. Trip war ein erfolgreicher Waffenhändler, und Rembrandt hat seine Tochter zur Unterstützung der Eheschließung recht vorteilhaft gemalt. An der Breite des Trippenhauses – die Breite des Hauses bestimmte die Höhe der Steuer – kann man den Reichtum der Bürger ermessen.
Der Kloveniersburgwal mündet in die Nieuwe Doelenstraat, wo heute noch das Luxushotel "NH Doelen" zum Teil in den Mauern des alten Doelen, des Schützen- und übungshauses der Kloveniergilde, Gäste beherbergt. Hier, in der Nummer 24 hing auch von 1642 bis 1715 Rembrandts "Nachtwache", die heute offiziell "Schützenaufmarsch der Kompanie des Frans Banning Cocq" heißt, da der nächtliche Eindruck nur dem dunklen Firnis zu verdanken ist. An der Rezeption des Hotels kann man sich melden, um zu dem Ort im mittlerweile ersten Stock geführt zu werden, wo einst das Original hing. Eine Reproduktion ragt nun aus dem Hotelflur, und eine rohe Mauerkante vermittelt noch einen Hauch von Authentizität. Als das Gemälde ins Rathaus 1715 umziehen mußte, wurde es passend geschnitten, die Seitenstreifen sind nicht mehr vorhanden.
...
Rembrandts letzte Wohnstätte befindet sich außerhalb des alten Amsterdamer Kernes, in der Rozengracht 184, im Kleine-LeuteViertel Jordaan, wo sein Sohn einen Kunsthandel betrieb. Rembrandt wurde in einem Armengrab in der Westerkerk bestattet.
S. auch: Weitere Informationen



Nicola Kuhn: Glaube, Liebe, Licht. Rembrandt und Caravaggio: Amsterdam schickt die beiden Barockmeister in den Ring. Der Tagesspiegel Nr. 19114, 24.2.2006, S. 25
Auf solche Kombinationen können nur Kunsthistoriker und Verkaufsstrategen kommen, denn begegnet sind sich Rembrandt (1606 – 1669) und Caravaggio (1571 – 1610) nie. Ja, nicht einmal Bilder haben sie je voneinander gesehen. Als der italienische Maestro des Chiaroscuro starb, der Erfinder der Hell–Dunkel-Malerei, war sein Pendant in den Niederlanden gerade einmal vier Jahre alt. Nach Italien wie seine Malerkollegen, die Utrechter Caravaggisten Gerard van Honthorst, Hendrick ter Brugghen und Dirk van Baburen, deren Werke er gleichwohl kannte, zog es ihn nie. Stattdessen blieb er in der holländischen Heimat und tüftelte an seinen eigenen Licht-und-Schatten-Effekten.
... denn in den großen Sammlungen blieben die beiden Maler weiterhin sorgfältig getrennt: der eine stets bei den italienischen Meistern rubriziert, der andere nur ins Umfeld der niederländischen Malerei einsortiert.
Dieses starre Reglement hat bislang noch niemand zu durchbrechen gewagt. Nun erst, Jahrhunderte später, traut sich das Amsterdamer Rijksmuseum daran. Denn der Superstar ihrer Kollektion begeht in diesem Jahr seinen 400. Geburtstag. Grund genug, ihn zu feiern, doch nicht mit irgendeiner Ausstellung: Davon hat das größte Museum des Landes und Hüter der berühmten „Nachtwache“ in den vergangenen hundert Jahren mehr als genug gezeigt. Sondern mit einem Knüller: im Verein mit Caravaggio, einem anderen Megaseller der Malerei, der erstaunlicherweise in den Niederlanden seit 1952 nicht mehr zu sehen war. Damit reichen sich die beiden Topkünstler des Barock erstmals über die Alpen die Hand. Ein Spitzentreffen der Kunst im Land des perfektionierten Kulturmarketings und doch ein gewagtes Unternehmen, denn diese Begegnung kann auch gründlich daneben gehen.
Genau das passiert in den Sälen des Van Gogh Museums, das dem durch Restaurierung raumlos gewordenen Rijksmuseum vorübergehend Gastrecht gewährt. Doch dieser Reinfall ist grandios. In zwölf Kapiteln mit knapp vierzig Bildern, großartigen Leihgaben aus der ganzen Welt, werden die beiden Maler einander gegenübergestellt. Mit jedem weiteren Vergleichsbeispiel aber geht die Rechnung weniger auf; stattdessen vertiefen sich die Unterschiede nur, was schließlich auch eine Erkenntnis ist.
Beide Künstler, das gilt für sämtliche Maler der Zeit, beschäftigten sich mit biblischen und mythologischen Themen, beiden ging es um den Gefühlsgehalt, die emotionale Komponente, das Drama von Sex, Liebe, Tod und Gewalt. Beide holten sich ihre Modelle von der Straße, transferierten sie aus dem Alltag in die höheren Sphären der Allegorie und sorgten damit für Skandal. Damit enden freilich schon die Gemeinsamkeiten. Wo Rembrandt mit warmen pastosen Tönen auch menschliche Wärme zu verbreiten sucht, setzt Caravaggio eiskalt und glatt die Lichtreflexe, komponiert er gestochen scharf die Helldunkel-Zonen und offenbart damit umso brutaler die Abgründe, die Schwächen menschlichen Seins.
...
So findet unfreiwillig ein Wettkampf der Giganten statt, bei dem ausgerechnet der Jubilar, der Sensiblere von beiden, den Kürzeren zieht. Psychologen von Gnaden sind beide, mit jedem Bild tarieren sie neu die entscheidenden Momente aus, die Essenz einer Story, in der sich ein innerer Wandel vollzieht, das Geschehen eine überraschende Wende nimmt. Doch wo sich beim einen subtil der Stimmungswechsel nicht nur in den Gesichtern, sondern auch im sanft aufglimmenden Licht vollzieht, zückt der andere die Laterne und leuchtet die Szene drastisch aus zwecks besserer Sicht.
Caravaggio hat das tatsächlich getan in seinem Werk "Der Verrat des Judas" (1602). In der linken Hälfte des Bildes nähert sich Judas dem ergeben nach unten blickenden Christus an, um ihm den verräterischen Kuss auf die Wange zu drücken. Fast scheint er zu zögern und wird doch schon vom Offizier der heranstürmenden Soldaten zur Tat gedrängt. In seinem Gefolge befindet sich ein junger Mann, der von hinten über das Geschehen einen Lampion hebt, ein Selbstbildnis des Malers, der sich hier kokett als Illuminator porträtiert. Direkt daneben befindet sich Rembrandts "Leugnung des Heiligen Petrus" (1660) – aha, auch hier geht es um Verrat, auch hier eine Nachtszene mit Soldaten im martialisch blitzenden Ornat. Doch das mit weichem, breitem Pinsel gemalte Tableau ist ungleich stiller, von fast tragischer Dimension. Kein Reißen, Rufen, Rasen wie bei Caravaggio, sondern nur ein alter bärtiger Mann im Lichtschein einer Kerze, die ein Mädchen vor ihn hält. Im Hintergrund wendet sich der abgeführte Jesus ein letztes Mal zu ihm um. Hier wird deutlicher denn je: Während Caravaggio das Chiaroscuro zur Betonung des Dramatischen, zur Vermittlung von Inhalten einsetzt, erzählt Rembrandt die Geschichte über die Textur seines Bildes, bedient er sich des Helldunkel für das Atmosphärische.
Darin bleibt der Niederländer in der Kunstgeschichte unschlagbar, das belegt die Ausstellung trotz allem eindrucksvoll. Seiner "Jüdischen Braut" (1665), dem zweiten berühmten Werk des Rijksmuseums, ist eben nichts Ebenbürtiges an die Seite zu stellen. Dieses rätselhafte Bild, von dem man bis heute nicht weiß, ob es ein konkretes Paar oder Isaak und Rebecca aus der Bibel darstellt, verkörpert durch die zärtliche Geste des Mannes, die Zugewandtheit des Paares, den pyramidalen Aufbau und die warm leuchtenden Rot- und Goldtöne der Kleidung den Inbegriff häuslicher Liebe. Bei Caravaggio fand sich dazu kein Gegenstück..



mj: Gute Reise, alter Meister. Die Gemäldegalerie verleiht elf Bilder aus ihrer Rembrandt-Sammlung. Erst im Sommer kehren sie wieder. Der Tagesspiegel Nr. 19115, 25.2.2006, S. 9
Die Rembrandtwerke sind in den verwinkelten Räumen der Gemäldegalerie an diesem Abend nicht schwer zu finden. Immer dem Hörsinn nach, in Richtung des Stimmengewirrs. Zur "Abschiedsparty" für elf Gemälde, die bald für eine Ausstellung entliehen werden, sind am Donnerstag zahlreiche geladene Gäste und Kunstinteressierte gekommen, die auch der freie Eintritt angelockt hat.
Museumsführer Thomas Hoffmann muß seine Stimmbänder sehr strapazieren, um den großen Halbkreis aus Menschen, der sich um ihn gebildet hat, vollständig zu erreichen. "Es sind zu viele Leute", findet eine Studentin, der die Erklärungen der Führer ansonsten gefallen. Vor einem Bild erklärt Claudia Laurenze-Landberg die Neutronenautoradiografie, mit deren Hilfe Gemälde Schicht für Schicht analysiert werden können, an einem anderen gibt Kopist Knut Helms Einblicke in Rembrandts Malweise.
In Saal 16 zeigt ein grauhaariger Besucher auf ein Foto des "Mannes mit dem Goldhelm" und befindet: "Das ist der schönste Rembrandt!" Doch hier irrt er, dieses Werk hat Rembrandt nicht gemalt, wie vor einigen Jahren definitiv geklärt wurde Das Bild ist bereits auf Reisen gegangen und hängt derzeit im „Stedelijk Museum de Lakenhal“ in Leiden. Damit ist es das erste der elf Gemälde, die von der Gemäldegalerie bis zum Sommer abgegeben werden. Die übrigen zehn – alles echte Rembrandts – werden ab dem 20. März auf die Reise geschickt, unter den wachsamen Blicken von Sicherheitskräften und eingepackt in einen Klimasafe, der 24 Stunden lang 50 bis 55 Prozent Luftfeuchtigkeit und 20 Grad Temperatur halten kann. Adressat ist das Rembrandthuis in Amsterdam, das von 1. April bis 2. Juli die Ausstellung: "Rembrandt. Genie auf der Suche" zeigt.
Im Sommer sind die Werke dann wieder hier zu sehen: Vom 4. August bis 5. November wird die Amsterdamer Ausstellung in der Gemäldegalerie gezeigt.



Claudia Herstatt: Der Flächenrembrandt. Der Markt feiert den holländischen Meister – von Berlin bis Maastricht. Der Tagesspiegel Nr. 19122, 4.3.2006, S. 26
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Und natürlich hat Rembrandts Jubeljahr auch den Markt längst erreicht. Schon lange war das Angebot vor allem in der Grafik nicht so groß. Helmuth Rumbler, Kunsthändler in Frankfurt und seit 35 Jahren Rembrandt-Experte, ist überzeugt: "Eine ganze Anzahl von Sammlern ist in diesem Jahr aufgewacht – solche, die kaufen, und solche, die verkaufen wollen." Für die international führende Kunst- und Antiquitätenmesse Tefaf in Maastricht (10. bis 19. März 2006) hat er vorgesorgt und kann zum Preis von 15 000 bis 500.000 Euro rund 30 marktfrische Blätter anbieten, von denen die im Katalog abgebildete "Heilige Familie" bereits verkauft ist.
Neben Rumbler werden auch Gebr. Douwes Fine Art (Amsterdam) und David Tunick (New York) Druckgrafik des Niederländers mit nach Maastricht bringen. Zum Blickfang der Tefaf dürften allerdings die drei Rembrandt-Gemälde werden – von Bodyguards streng bewacht. Salander-O’Reilly Galleries (New York) bieten das "Portrait des Apostels Jakobus des älteren" aus dem Jahr 1661 für rund 45 Millionen Dollar an. Bei Noortmann (Maastricht) ist das "Portrait eines bärtigen Mannes mit rotem Wams" von 1663 für 27 Millionen Euro zu haben. Unverkäuflich, aber wissenschaftlich interessant ist das "Portrait der Anna Six-Wymer", nach jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnissen ein Werk von Rembrandt und seinen Schülern.
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... Eine Ansicht von Amsterdam von Nordwesten um 1640 ist auf 12 000 bis 18 000 Euro geschätzt. Ein solches Blatt bringt bis zu 120 000 Euro, wenn es sich um eine prägnantere, frühere Druckqualität handelt.
Das große Preisgefälle von ein paar tausend Euro bis zu einer halben Million für Rembrandts Druckgrafik erklärt sich aus dem Umstand, daß manche Platten noch Jahre nach seinem Tod in Umlauf waren. Während von einigen Druckplatten nur vier oder fünf Abzüge existieren, sind andere hundertfach bis ins 20. Jahrhundert nachgedruckt worden.
Dem Meister der theatralischen in Licht und Schatten getauchten Porträts, Landschaften und Szenen zollt auch die London Original Print Fair (22. bis 26. März) in der Royal Academy ihren Tribut. CG Boerner (Düsseldorf) reist mit einer Auswahl von Rembrandt-Grafiken an, darunter eine um 1652 entstandene Darstellung von Faust in seiner Klause (62.000 Euro)...
Ob in London, Maastricht oder bei dem Salon du Dessin in Paris(21. bis 27. März), die starke Präsenz Rembrandts in Ausstellungen und auf dem Kunstmarkt erlaubt es wie kaum zuvor, sein Werk neu zu entdecken sowie Preis- und Qualitätsvergleiche anzustellen – abgesehen von dem überwältigenden Kunstgenuß.
Christie’s Berlin, Giesebrechtstraße 10, 9. / 10. März (2006), 10–18 / 17 Uhr.
Weitere Informationen unter http://www.rembrandt400.com



Christina Tilmann: Quarz oder gar nicht. Eine Frage des Grundes: Im Rembrandtjahr schwelt der Streit um echte und falsche Rembrandts. Der Tagesspiegel Nr. 19164, 16./17.4.2006, S. 28
Über das Porträt der Elisabeth Bas, das das Amsterdamer Rijksmuseum 1880 erwarb, kam es 1911 zur regelrechten Expertenschlacht. Der Rembrandtforscher und Direktor des Mauritshuis Abraham Bredius und sein Kollege Cornelis Hofstede de Groot stritten sich um so ziemlich jeden Punkt des Gemäldes. Die Hände: "einzigartig, meisterhaft ausgeführt" (Hofstede) oder „kleinlich“ (Bredius). Der Kragen: "delikat" oder "zweitklassig". Oder das Taschentuch, das die Dame in der Hand hält: "typisch für Rembrandt, gut ausgearbeitet, aber frei" (Hofstede) oder "exakt ausgearbeitet, absolut untypisch für Rembrandt" (Bredius).
Rembrandt oder nicht, das ist die alte Frage, auch und gerade im Rembrandtjahr. Nun gibt es neue Erkenntnisse. Seit den siebziger Jahren beschäftigt sich das "Rembrandt Research Project" in den Niederlanden mit Echtheitsfragen – und trat dabei häufig als Wertvernichter auf. Bestürzt sahen Museen in aller Welt im Zuge der Forschungen ihre Rembrandt-Bestände dahinschmelzen – neben dem ideellen auch ein erheblicher pekuniärer Verlust. Das Dresdner Kupferstichkabinett zum Beispiel stellte seine Rembrandt-Zeichnungen 2004 erneut vor: Von den einst 150 Blättern waren 21 "echte" Rembrandts geblieben. Berlin betrauert noch immer den Verlust seines Prunkstücks, des "Mannes mit dem Goldhelm". Dafür gewinnen Rembrandt-Schüler wie Govert Flinck, Carel Fabricius oder Ferdinand Bol in den letzten Jahren neues Ansehen und werden mit Einzelausstellungen geehrt.
Die Zu- und Abschreibungsdebatte gleicht nicht selten einem Kunstkrimi. Eine erhellende Kabinettausstellung im Amsterdamer Rijksmuseum zäumt das Pferd im Rembrandtjahr nun einmal von hinten auf und präsentiert mit "Really Rembrandt" 13 Werke, die einmal als Rembrandt galten und inzwischen abgeschrieben sind (bis 24. Mai). Die Gründe waren vielfältig: Kopien, Fälschungen oder Arbeiten von Schülern... Das schöne Porträt der Elisabeth Bas zum Beispiel hielt der Rembrandt-Spezialist Albert Blankert plötzlich wieder für echt.
Bredius und Hofstede hatten sich noch auf ihr kennerschaftliches Urteil verlassen. Hatten Bildvergleiche mit anderen Rembrandts oder Schülerarbeiten angestellt, Farbstriche und Pinselstrukturen analysiert und letztlich nach Augenschein geurteilt: "Sehen Sie selbst!" Inzwischen nutzt man längst technische Hilfsmittel...
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Werner Busch: Wirklich Rembrandt?. 400 Jahre nach seiner Geburt gibt der Maler der Forschung noch immer Rätsel auf. Der Tagesspiegel Nr. 19229, 24.6.2006, S. B8
Gary Schwartz ist ein umtriebiger Mann. Der seit langem in Holland lebende Amerikaner ist nicht nur Kunsthistoriker, sondern auch Verleger. Und vor allem besitzt er eine erstaunliche Medienpräsenz. Gary Schwartz publiziert nicht nur in holländischen und englischsprachigen Organen und in seiner eigenen Internetkolumne (von inzwischen über 250 Nummern), sondern zunehmend auch in den großen deutschen Zeitungen. Sein Erfolg erklärt sich aus seiner Gegnerschaft zur Rembrandtforschung. Sein Hauptgegner, auf den er seit Jahren eindrischt, ist das Rembrandt Research Project (RRP), vor allem in Gestalt seines Leiters Ernst van der Wetering. Gary Schwartz verfolgt die Geschichte dieses seit 1970 existierenden, einerseits hoch angesehenen, andererseits umstrittenen Forschungsunternehmens in all seinen Wendungen, die es seither genommen hat.
Ziel des RRP ist es, mit einem Team von Spezialisten weltweit alle Rembrandt zugeschriebenen Gemälde in persönlichen Augenschein zu nehmen, gemäldetechnologisch zu untersuchen – van der Wetering, der heute auch einen Lehrstuhl für Kunstgeschichte an der Amsterdamer Universität bekleidet, ist gelernter Restaurator –, die Ergebnisse im Team zu diskutieren und Kriterien für Authentizität zu entwickeln. Letztendlich soll so ein mehr oder weniger definitiver Katalog der eigenhändigen Werke Rembrandts erstellt werden. Schon über das Vorhaben als solches mokiert sich Gary Schwartz seit langem. Er weist darauf hin, daß einst über 700 Werke Rembrandts für eigenhändig gehalten wurden. Als das Research Project begann, waren es 420; inzwischen zeichnet sich ab – das Projekt ist bei weitem noch nicht vollendet –, daß wir uns mit etwas über 200 begnügen sollen...
Man hatte es sich beim RRP so schön ausgedacht und drei Kategorien entwickelt: A) für die eigenhändigen Werke, B) für die zweifelhaften, C) für die definitiv ausgeschiedenen. Nun exisitert ein solches Unternehmen nicht im luftleeren Raum, das heißt aber auch, es wird nie – technologischer Fortschritt hin, technologischer Fortschritt her – eine überhistorische Objektivität geben. Und auch das beste Auge, jahrelang an der Materie trainiert, ist nicht frei von Bedingtheiten. Vor allem aber: Kriterien sind Setzungen, die, so einleuchtend sie erscheinen mögen, manchmal verblüffend einfach "umzupusten" sind.
1988 erschien Svetlana Alpers’ provokante Studie "Rembrandt’s Enterprise". Sie versuchte zu zeigen, daß Rembrandt ein auf dem Markt unmittelbar als solches zu identifizierendes Rembrandt-Idiom, einen unverkennbaren Rembrandt-Stil als Markenzeichen entwickelt hat, den er mit seiner zeitweise verblüffend großen Schülerzahl eingeübt hat. Wir dürfen uns in der Tat vorstellen, daß er mit seinen Schülern so etwas wie körpermotorische übungen gemacht hat, um den richtigen Rembrandt-Schwung herauszubekommen. Zugleich, in seinen Zeichnungen wird es deutlich, hat er eine Art von Kürzelsystem der Bezeichnung entwickelt. Zudem ist zu bedenken, daß nach den Statuten der Meister das Recht hatte, alles in seinem Atelier Gefertigte unter seinem Namen zu verkaufen. So kann es nicht verwundern, daß wir Werke mit Rembrandts originaler Signatur haben, an die er sonst gar nicht oder so gut wie gar nicht Hand angelegt hatte. Um es anders auszudrücken: Es gibt Rembrandt-Bilder, die sind rembrandtischer als Rembrandt selbst – wie der "Mann mit dem Goldhelm" in Berlin. Sein dickes Impasto, das potenzierten Glanz produziert, treibt ein rembrandtsches Prinzip über sich selbst hinaus. Eben deswegen konnte das Bild so berühmt werden, es war für eine bestimmte Zeit der Inbegriff von Rembrandt, ohne von Rembrandt zu sein.
Es gibt viele andere Gründe, warum die Kriterien ins Wanken gerieten...
Wir Deutschen verfuhren "globaler". Ich verwickelte van der Wetering in eine heftige Diskussion darüber, ob es nicht produktiver sei, Rembrandts extrem malerischen Spätstil als einen Modus zu betrachten, als eine in bestimmter Absicht gewählte Ausdrucksform. Zudem äußerte ich die Meinung, Rembrandt folge in diesem Modus Tizian und vor allem der Bewertung, den dieser Modus in der Kunsttheorie gefunden habe. Zum einen diene die skizzenhafte Malweise der Verlebendigung, zum anderen ermögliche sie durch die bloße Andeutung unsere Projektion, beteilige uns quasi an der Vollendung des Werkes. Van der Wetering wies dies vehement zurück, um wenige Jahre später im großen Rembrandt-Ausstellungskatalog (Berlin, Amsterdam, London 1991/1992) den Gedanken aufzugreifen.
Inzwischen hat weitere Forschung zum Modus der, wie die Holländer das schon im 17. Jahrhundert nannten, "rauhen Manier" stattgefunden, vor allem in seiner Bedeutung für das Werk von Frans Hals. Für die Kriterien hat das seine Konsequenzen. Man kann noch so sehr versuchen, das individuell Handschriftliche in der Verwendung der rauhen Manier herauszukristallisieren, verstanden als Modus ist dieser Stil eine gewählte Option. Diesem Stil ist nicht nur eine historisch gewachsene Bedeutung zuzurechnen, sondern auch eine historisch gewachsene Verfahrensweise in der Verwendung. Und wie das Kürzelverfahren, so ist auch der Modus lehr- und lernbar.
Versucht man all dieses – und noch viel mehr wäre zu nennen – mit dem Kategoriensystem in Einklang zu bringen, so kann es passieren, wie im letzten Band des RRP nicht selten geschehen, daß Bilder aus der Kategorie C der definitiv ausgeschiedenen Werke in die Kategorie A der eigenhändigen Werke zurückwandern. Andererseits, und dies spießt Gary Schwartz besonders auf, vermehrt sich die Kategorie B der unsicheren Zuschreibungen geradezu erschreckend. Und dennoch: Die Ergebnisse des Rembrandt Research Projects sind im Detail bewundernswert. Wir haben durch eine internationale Zusammenarbeit der Spezialisten inzwischen über weite Strecken zuverlässige Kataloge der Zeichnungsbestände der großen Rembrandt-Sammlungen...
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Der Autor ist Professor am Kunsthistorischen Institut der Freien Universität Berlin.



Klaus Brath: Das Gesicht als Spiegel von Emotionen und Entwicklung. Vor 400 Jahren wurde Rembrandt Harmensz van Rijn geboren / Die Medizin war ein großes Thema im Werk des niederländischen Künstlers. Ärzte-Zeitung Nr. 129, 14./15. Juli 2006, S. 13
Rembrandt Harmensz van Rijn - der Name steht für das glanzvollste Kapitel im goldenen Zeitalter der holländischen Malerei, für meisterliche Bildkompositionen und Lichtinszenierungen, für Kunstwerke von einzigartiger Tiefe des seelischen Ausdrucks. Am 15. Juli jährt sich der Geburtstag des Ausnahmekünstlers zum 400. Mal.
Rembrandts Oeuvre, das das "Rembrandt Research Project" seit 1968 kunstwissenschaftlich und röntgenologisch einer strengen Authentizitätsprüfung unterzieht, umfaßt Historienbilder, Landschaften, Porträts.
Zu seinen berühmtesten Werken zählen die Gemälde "Die Nachtwache" (1642), "Die Staalmeesters" (1662), "Die Judenbraut" (1667) und ein frühes Gruppenporträt, das er 1632 für die Amsterdamer Chirurgengilde schuf: "Die Anatomie des Dr. Nicolaes Tulp" zeigt den Arzt und späteren Amsterdamer Bürgermeister Dr. Tulp, wie er vor staunenden Standeskollegen die Sehnen im Arm demonstriert. 24 Jahre später schuf Rembrandt mit der "Anatomie des Dr. Johan Deijman" ein weiteres beeindruckendes Anatomiedokument, auf dem er den Blick auf die geöffnete Bauchdecke und das freigelegte Gehirn der Leiche eines zum Tode verurteilten Diebes lenkt.
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Mit Krankheit und Tod mußte sich Rembrandt ein Leben lang auseinandersetzen. Seine erste Frau starb an Tuberkulose, seine zweite an der Pest, ebenso sein Sohn Titus, der zunächst als viertes und einziges Kind aus seiner ersten Ehe überlebte und dennoch ebenfalls vor ihm starb.
Vielleicht führte auch diese Tragik dazu, daß sich Rembrandt so intensiv wie kaum ein anderer Künstler den Wandlungen seines Gesichts widmete, in dem sich die Emotionen spiegelten. Seine unerreichte Serie von Selbstporträts, von den frühen Mimikstudien über die selbstbewußten Inszenierungen der mittleren Jahre bis hin zu den reifen Altersbildnissen, fasziniert bis heute.



Christina Tilman: Maler ohne Maske. Heute vor 400 Jahren wurde Rembrandt geboren. Über seine Bilder rätselt man bis heute. Der Tagesspiegel Nr. 19250, 15.72006, S. 22
Ein weiter, dunkler Mantel, eine helle Kappe, das Haar silberlockig, in den Händen, wie so oft, ein Buch. Das ganze Gesicht ein Zeichen milden Zweifels: Die Augenbrauen hochgezogen, der Mund zusammengepreßt, der Blick müde, aber forschend. Das Gegenüber wird gemessen - und für zu klein befunden.
Allein: Das Gegenüber ist er selbst, auf diesem späten Selbstporträt. Ein Gegenüber, dem Rembrandt van Rijn immer und immer wieder ins Gesicht geblickt hat, und immer gleich kritisch. Sein Landsmann, der Schriftsteller Cees Nooteboom, stellt in einem "Zeit"-Essay Überlegungen über die Natur des Selbstporträts an: "Ich weiß genauso gut wie jeder, der dies liest, was ein Selbstporträt ist. Allerdings war mir, so blödsinnig sich das auch anhört, die volle Tragweite dessen, was das bedeutet, nie richtig bewußt geworden. Ein Maler malt sich selbst, aber wie macht er das? Die Vorstellung hat etwas Unheimliches. Die ganze Zeit muß er sich ansehen, bis auf der Leinwand vor ihm ein aus Farbe bestehender Doppelgänger entstanden ist, der er nicht nur ist, sondern dem er zugleich noch etwas hinzufügt, nämlich das, was er von sich denkt."
Was hat er von sich selbst gedacht? Nicht viel, so scheint's. Schonungslos ehrlich, entlarvend offen sind seine Bilder. Das Bild von 1661 aus dem Amsterdamer Rijksmuseum ist dabei nicht einmal das drastischste. Nicht eines jener Spätwerke, auf denen Rembrandt mit Knollennase und senilem Grinsen mehr einem verwahrlosten alten Weib als einem verdienten Künstler gleicht. Auch keins der hochfahrenden, eitlen Selbstdarstellungen der früheren Jahre, in prächtigen orientalischen Kostümen, fetten goldnen Ehrenketten, mit einem Samtbarett auf dem Kopf und in der Pose eines venezianischen Edelmanns. Und auch keins der ganz frühen Selbsterforschungen, mit Augen, die schwarz und unergründlich ins Leere blicken, schwarze Löcher, die alle Energie aufzusaugen scheinen.
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Rembrandt als Opportunist also, einer, der den Reichen und Mächtigen in Amsterdam den kultivierten Edelmann gibt, den Bauern einen Bauern, den Juden einen Juden, den Bettlern einen Bettler, und den Intellektuellen einen gebildeten, literarisch und historisch interessierten Sammler. Ein Chamäleon, in dem jede Zeit sich selbst wiedererkennen kann: "Im religiösen Zeitalter war er der große religiöse Maler, eine andere Epoche entdeckte in ihm einen tiefsinnigen Psychologen, wieder eine andere den Dichter und nochmals eine andere einen meisterhaften Handwerker.
"Dies beweist, daß die Leute den Bildern mehr geben, als sie nehmen", hat Marcel Duchamp gesagt. Das setzt sich bis heute fort. Der literarische Provokateur Jean Genet feierte den ungehobelten Bauer Rembrandt, unter dessen prächtiger Kleidung der ungewaschene Körper stinkt. Und der Filmregisseur Peter Greenaway, der an einem Rembrandt-Film für 2007 arbeitet und derzeit Rembrandts berühmtestes Bild, die "Nachtwache", im Rijksmuseum mit einer Lichtinstallation als theatralische Show über Mord, Totschlag und Intrige inszeniert, sieht in dem Maler einen Theatermann, einen Regisseur, ja eigentlich den ersten Cineasten.
Wahr ist: Aufsteigerelemente finden sich zuhauf in Rembrandts Biographie, in dieser so oft erzählten Mär vom Müllerssohn aus Leiden, der in Amsterdam zu einem der Reichsten seiner Zeit aufsteigt und dann im Alter tragisch alles verliert, Geld, Ansehen, Liebe, Familie. Das ganze Drama dieses Lebens, mit seinen Höhen und Tiefen, seiner Angepaßtheit und dem lebenslangen Außenseitertum, reizt auch zum 400. Geburtstag immer noch die Geister. Weil man in dem Autodidakten , der quasi aus dem Nichts die für die Jahrhunderte wirksamste Künstlerfigur schafft, die Selbsterfindung des modernen Menschen zu erkennen meint - ähnlich wie bei Goya, ähnlich wie bei Caravaggio, um nur zwei derzeit besonders beliebte Künstler-Außenseiter zu nennen.
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Vor allem das in Amsterdam angesiedelte "Rembrandt Research Project" hatte sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten als Bilderstürmer betätigt und viele liebgewonnene Rembrandts als nicht authentisch abgeschrieben. Nun sieht man die Dinge milder. Im vierten Band des Werkverzeichnisses, den Projektleiter Ernst van de Wetering gerade vorgelegt hat und in dem es um die Selbstporträts geht (Springer Verlag, 1000 Euro), wird zurückgerudert. "Die in diesem Band und in den bislang veröffentlichten Bänden I-III ausgedrückten Meinungen sollten als Meinungen verstanden werden, die ausschließlich für den akademischen Gebrauch gedacht sind", heißt es im Vorwort. Aufgegeben wurde die strenge Chronologie, abgeschwächt auch die Hierarchisierung in A (eigenhändig), B (zweifelhaft), C (ausgeschieden). In den Vordergrund der Rembrandt-Forschung schieben sich Untersuchungen zu Markt und Gesellschaft, Kleidung, Theater, Politik. Man kennt die Werkstatt inzwischen besser, feiert einzelne Schüler wie Carel Fabricius oder Ferdinand Bol - und bemerkt erstaunt, daß all dieses Wissen über Rembrandts Werkstatt dem Oeuvre nicht geschadet hat.
Ein Chamäleon-Künstler, der alle Wünsche bedient und dennoch in jedem Werk etwas Eigenes, Unverwechselbares schafft - das ist das eigentliche Rätsel Rembrandts. Gelöst hat es bis heute keiner.



REMBRANDT FÜR ALLE. Am Freitag (5. August 2006) eröffnet die große Jubiläumsausstellung in Berlin
N.N.: Geist und Gefühl. Rembrandt und Raffael / Eine Lobrede von Max Liebermann. Der Tagesspiegel Nr. 19267, 1.8.2006, S. 21
Rembrandt oder Caravaggio hieß eine der spannensten Gegenüberstellungen in diesem Jahr. Für frühere Generationen hieß es: Rembrandt oder Raffael? Keine Frage, daß Max Liebermann den Realisten Rembrandt dem Idealisten Raffael vorzieht. Wir zitieren aus der Eröffnungsrede, die der damalige Akademiepräsident 1930 zur Berliner Rembrandt-Ausstellung hielt. Am Donnerstag eröffnen die Staatlichen Museen zu Berlin, im 400. Geburtsjahr des Niederländers, erneut eine Rembrandt-Ausstellung: Zu sehen sind 277 Gemälde, Zeichnungen und Grafiken.
Seine Bilder galten als roh, zu schwarz und zu sehr geschmiert. Ludwig der XIV. ließ "ces magots-là" diese scheußlichen Fratzen, aus seinen Schlössern entfernen, und auch Friedrich der Große scheint die Greuze, Watteau, den Lancret und die Pater mehr geliebt zu haben. Aber in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts fingen die kleinen deutschen Fürsten, die Landgraften von Hessen, die Oldenburger und Braunschweiger Herzöge, denen, angeregt durch Reynolds und Gainsborough, die englische Aristokratie folgte, Rembrandt zu kaufen an, und von da an setzt der Umschwung in der öffentlichen Meinung über Rembrandt ein, der ihn heute, wenigstens dem Preise nach, den seine Bilder erreichen, über Raffael triumphieren läßt.
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Die Kunstgeschichte hat Rembrandt unter die Realisten einrangiert, wahrscheinlich, weil er unmittelbar die Natur zum Bilde gestaltet, während die sogenannten Idealisten ihre Bilder aus Stücken der Natur zusammensetzen, komponieren. Rembrandt ist das Gegenteil eines Realisten, er ist vielmehr Visionär. Er ist das subjektivste Genie und zugleich das objektivste. So persönlich seine Vision von der Natur ist, bleibt sie ein Porträt der Natur, und zwar so ähnlich, daß man heut noch nachweisen kann - wie er Frits Lugt in seinem Buche "Mit Rembrandt in Amsterdam" getan hat -, wo und von wo aus der Meister seine landschaftlichen Zeichnungen gemacht hat. Sein Genie, obgleich es die Natur so eigentümlich wie möglich sieht, zieht uns so mächtig in seinen Bann, daß wir sie mit seinen Augen zu sehen vermeinen. (...)
Wie Cervantes in "Don Quichote" den modernen Roman, Shakespeare in seinen Dramen das moderne Theater, so erschuf Rembrandt das moderne Bild, das trotz aller Änderungen der Zeiten und Schulen das herrschende geblieben ist und bleiben wird, solange es eine Kunst der Malerei gibt - was heutzutage allerdings ungewiß erscheint. Nicht etwa, daß unser Meister wie ein Meteor vom Himmel gefallen wäre und uns das neue Bild geschenkt hätte. Nein! Auch Rembrandt steht auf den Schultern seiner Vorgänger, und zwar so sehr, daß seine frühen Bilder denen seines Lehrers Lastman gleichen und wahrscheinlich manches Mal unter dessen Namen gehen. Aber in der Kunst kommt es nicht darauf an, wer eine bestimmte Form erfunden hat, was sich überhaupt in der Regel nicht nachweisen läßt, sondern auf die Persönlichkeit, die die Form mit ihrem Ausdruck erfüllt. Und es unterliegt keinem Zweifel, daß es vor oder nach Rembrandt keinen Maler gegeben hat, der seinen Gestalten einen stärkeren lyrischen, dramatischen, kurzweg: größeren dichterischen Ausdruck einzuflößen vermocht hat als er. Es ist nicht mehr die schöne Linie, nicht mehr die Komposition, die das Bild erzeugt, sondern der Ausdruck, das innere Leben in seinen Figuren erschafft die Einheit und den Zusammenhang des Werks. Je älter Rembrandt wird, desto mehr schwindet das Materielle in seinem Werk: Alles wird Geist und Gefühl, und indem er - nach Schillers schönem Wort - durch die Form den Stoff vertilgt, dringt er zum Höchsten vor, was dem Künstler erreichbar, zur völligen ästhetischen Freiheit.
Aus: Max Liebermann, Die Phantasie in der Malerei. Schriften und Reden. © S. Fischer Verlag, Frankfurt/Main 1978



GEMÄLDE, ZEICHNUNG, GRAFIK. Wie Berlin den 400. Geburtstag des Malers feiert
Christina Tilmann: Der Rembrandt-Code. Die Gemäldegalerie huldigt der Aura des Künstlers - und die Forschung ist so uneins wie nie. Der Tagesspiegel Nr. 19270, 4.8.2006, S. 23
... "Das Licht war das Wichtigste", erklärt Ausstellungsarchitekt Hansjörg Hartung, der die beiden Geschosse in eine edle dunkelgrüne Arena verwandelt hat. Viel Licht für den Lichtmaler Rembrandt. Und vor allem: neutrales Licht.
Nichts mehr vom wohlig-warmen Schauer, vom berühmten Goldton, dem heimelig-freundlichen Galeriegefühl, das man jahrhundertelang mit Rembrandt verbunden hat. Der Goldmaler, der Braunmaler, der Warmmaler: vorbei. Blasser sehen die Bilder aus, klassischer, kühler... Der große Menschenfreund Rembrandt entpuppt sich als kalter Analytiker.
Die Beleuchter in Berlin arbeiten mit speziellen Filtern, um den sonst üblichen Gelbton zu verhindern, der bei den konservatorisch geforderten niedrigen Luxzahlen entsteht. Das Ergebnis: Man sieht sehr klar. Sieht auch, ungeschützt, die verschiedenen Konservierungszustände der aus aller Welt zusammengesuchten Meisterwerke, hier einen glänzend neuen Firnis, dort fleckige Altaufträge, hier der Versuch früherer Restauratoren, Hände und Gesicht besonders zum Leuchten zu bringen, dort Patina, die sich mit dunklem Schleier über das Bild gelegt hat. Manches Bild, auch aus dem reichen, 21 Rembrandts umfassenden Bestand der Berliner Gemäldegalerie, sieht im direkten Vergleich etwas ungünstig aus.
Technische Fragen? Gewiss. Aber genau die Fragen, mit denen sich die Forschung jahrzehntelang beschäftigt hat. Immer ging es um den Farbauftrag, um eine besondere Schraffur, um Grundierung oder Bildoberfläche, um Vorzeichnungen, Verbesserungen oder das Finish. Wie, wenn nicht an der Technik, wollte man die bei Rembrandt besonders schwierige Frage der Eigenhändigkeit entscheiden? Die berühmte "Kennerschaft", das in jahrelanger Beschäftigung mit dem Künstler erworbene "Bauchgefühl" der Forscher, auf das gerade bei Rembrandt immer als letzte Rettung zurückgegriffen wird, soll doch zumindest eine wissenschaftliche Grundlage haben.
Kaum ein Maler dürfte inzwischen so gut untersucht sein wie Rembrandt. Jetzt, wo in Berlin zum 400. Geburtstag die wichtigste, umfangreichste, glanzvollste Ausstellung des Jubiläumsjahrs zu sehen ist, zeigt sich: Es ist alles noch viel unklarer geworden. Gewiss sind, vor allem durch die Forschungsarbeit des "Rembrandt Research Project" um den niederländischen Kunsthistoriker und Ko-Kurator Ernst van de Wetering, Schüler wie Ferdinand Bol, Carel Fabricius, Nicolaes Maes und Govert Flinck inzwischen gut bekannt. Ihr Werk, das lange Zeit Rembrandt zugeschrieben wurde, ist von seinem nun klar geschieden – diesen Forschungsstand hatte schon die RembrandtAusstellung 1991 im Alten Museum belegt. Gewiß weiß man heute weit mehr über Werkstattorganisation und Schule. Hat Kriterien für die Eigenhändigkeit gefunden. Und meint nun stolz den neuesten Stand der Forschung zeigen zu können...
Und doch: Sieht man die 48 unbestritten eigenhändigen Rembrandts plus diverse anonyme Schülerarbeiten, darunter den berühmten "Mann mit dem Goldhelm", in Berlin nebeneinander, zeigt sich Rembrandt einmal mehr als Meister der großen Verunsicherung. Weder lässt sich ein dunkler, von Depressionen geprägter Spätstil ausmachen, wie es der Ausstellungstitel "Ein Genie auf der Suche" suggeriert. Noch kann man überhaupt so etwas wie eine klare stilistische Entwicklung erkennen. Abgesehen von den ganz frühen, in Leiden entstandenen, noch recht staffagehaften Historienbildern in der Tradition seines Lehrers Pieter Lastman gibt es aus allen Epochen: prächtige Historienbilder mit opulenten Kostümierungen wie die Prachtweiber Artemisia und Minerva. Eindringliche, realistische Porträts wie das wunderbar frische Mädchenbild aus Warschau und das Pendant, ein alter Mann. Freie, den Pinselstrich in Farbbrocken auflösende Studien wie ein Kinderbild seines Sohns Titus, der über seinem Schreibblock verträumt ins Weite blickt – der Block ist, geht man nah genug heran, nicht mehr als ein weißer Farbfetzen.
Und natürlich gibt es immer wieder die gnadenlos forschenden Selbstporträts, angefangen mit dem ganz frühen Jugendbild aus München, ein Lockenkopf mit bohrendem Blick, bis zu den prächtigen Spätbildern mit Samtkappe.
Das große Rätsel aber bleibt: Einen Rembrandt meint jeder zu erkennen. Und tappt damit gerade deshalb oft im Dunkeln. "Der Rembrandt-Code", so gewohnt ingeniös der Generaldirektor der Staatlichen Museen, Peter-Klaus Schuster, "ist noch lange nicht geknackt.".. Zumal die Lage nicht eindeutig ist: Nicht weniger als 14 der in Berlin gezeigten Werke waren schon einmal abgeschrieben und sind inzwischen wieder zugeschrieben:... Auch van de Wetering, der mit seinem "Rembrandt Research Project" lange zur Dezimierung des Oeuvres beitrug, rudert nun wieder zurück – und besteht zudem darauf, daß jenseits aller technischen Untersuchungen allein Qualität das entscheidende Kriterium sei. Nur: Wie will man die messen?
Klar zu erkennen sind Differenzen nur, wo sich Meister- und Schülerarbeit direkt gegenüberstehen. Berlin zeigt gleich in drei glücklichen Fällen, wie Schüler ein Bild Rembrandts kopierten und dabei nach Geschmack veränderten: Bei "Simson bedroht seinen Schwiegervater" kommen in der Kopie zwei kleine Mohren und ein Ziegenbock hinzu – die wuchtige Geste, mit der Simson den alten Mann mit der Faust bedroht, wirkt hingegen abgeschwächt, nur noch als Pose. ähnlich bei dem Berliner Meisterwerk "Die Verleumdung Josephs durch die Frau des Potiphar": In der Kopie steht Joseph brav neben dem Bett, statt hinter dem Vorhang zu lauschen – und Potiphar zieht seiner Frau züchtig das Gewand über die bloße Schulter....
Am Ende triumphiert, jenseits aller Debatten, der grandiose Porträtist. Weniger die Forschung, mehr die Aura des einzigartigen Künstlers wird in Berlin gefeiert. Schier endlos die Abfolge unvergleichlicher Werke, die jugendfrischen Mädchen und die weisen alten Männer, die Honoratioren und die intimen Bilder der geliebten Frauen Saskia und Hendrickje. Vieles davon ist seltene, kostbare Leihgabe. Und wie ein Heiligtum ist in die Mitte ein Raum-Kabinett gestellt, in dem vier Porträts von Rembrandts (ein Jahr vor ihm verstorbenen) Sohn Titus gegenüberhängen: der verträumte Knabe mit dem Schreibblock und der gereifte, ernste junge Mann, der lesende Schüler und Titus als Franziskanermönch. Dieser Titus war Zeuge von Rembrandts schwierigsten Jahren. Der Maler hat ihm dafür ein Denkmal gesetzt.
Michael Zajonz: Mit der Hand gedacht. Meister der schwarzen Kunst: Das Kupferstichkabinett zeigt Rembrandt als Zeichner und Graphiker. Der Tagesspiegel Nr. 19270, 4.8.2006, S. 23
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Das nur knapp 20 Zentimeter hohe "Bildnis Saskias als Braut" ist das berühmteste Rembrandt-Blatt des Berliner Kupferstichkabinetts. Neben dem British Museum in London besitzt Berlin das wohl bedeutendste Konvolut von Rembrandt-Zeichnungen weltweit. Ein weitgehend ungehobener Schatz allerdings: Zuletzt umfassend ausgestellt wurde er 1930. Die Aufarbeitung, die in Berlin im Jubiläumsjahr nun vorgestellt wird, ist eine wissenschaftliche Sensation.
... Gezeigt werden der Berliner Gesamtbestand eigenhändiger Zeichnungen sowie zwei Dutzend Schülerarbeiten, die vor wenigen Jahren noch als Werke des Meisters galten.
Rembrandt oder nicht? Die Frage, die beim "Mann mit dem Goldhelm" schon einmal Berliner Gemüter erhitzte, stellt sich nicht nur bei den Gemälden, sondern eben auch bei fast allen Zeichnungen. Von rund 1400 Blättern, die der Wiener Kunsthistoriker Otto Benesch in den Fünfzigerjahren Rembrandt zuschrieb, halten Kenner wie Bevers (Holm Bevers, Oberkustos des Kabinetts und Rembrandt-Zeichnungsspezialist von Graden) nur noch ein Drittel für authentisch. Von den 126 Berliner Rembrandt-Zeichnungen, die Benesch aufgeführt hat, hielten nur 55 Blätter Bevers’ kritischem Blick stand. So paradox es klingt: Auch damit beweist die Berliner Kollektion Klasse. In Dresden blieben von ehemals 125 Zeichnungen gerade einmal 21 übrig.
... Nicht immer fällt er so deutlich aus wie zwischen Rembrandts um 1635 entstandener "Beweinung Christi" und Gerbrand van den Eeckhouts wohl wenig später gezeichneter "Kreuzigung". Äußerste formale Verknappung und psychologische Zuspitzung von Trauer und Leid hier; anekdotische Gesprächigkeit und unstimmiger Figurenaufbau dort.
Rembrandt, der Zeichner, dachte mit der Hand. Selten nur zeichnete er Vorstudien zu Gemälden oder Radierungen, lieber entwickelte er deren Komposition direkt auf der Leinwand oder der Kupferplatte. Zeitlebens spielte Rembrandt jedoch zeichnend neue Themen und Figurenkonstellationen durch. Seine Zeichnungen waren nicht als Sammlerware gedacht, sondern dienten ihm und der Werkstatt als Vorlage und Ansporn.
Rembrandt, der Radierer, dem die dritte Ausstellung gilt,... Auch als Grafiker blieb Rembrandt ein Himmelsstürmer – mit klarem Blick für die Poesie des Augenblicks.


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Inhalt Lernmaterialien Vokabeln Medien Veranstaltungen, dt., aktuell --- vorbei Veranstaltungen, NL+B, aktuell --- vorbei Links Tandem Extras Anhang



Veranstaltungen im Rembrandtjahr 2006



Datum Ort Titel Veranstaltungsart
Bis 5. Februar 2006 Kassel, Staatliche Museen, Schloß Wilhelmshöhe, Gemäldegalerie Alte Meister, Tel.: 0561 / 316 800, http://www.museum-kassel.de Rembrandt im Kontrast, "Die Blendung Simons" und "Der Segen Jacobs" gegenübergestellt Ausstellung
1. Januar 2006 - 31. Dezember 2006 Amsterdam, Innenstadt Rembrandt in Amsterdam Beschriebener Stadtspaziergang / stadswandeling
10. Dezember 2005 - 26. Februar 2006 Rotterdam, Boijmans Van Beuningen Rembrandt en zijn kring Ausstellung / tentoonstelling
16. Dezember 2005 - 19. März 2006 Leiden, Museum de Lakenhal Rembrandts Mutter, Mythos und Wirklichkeit / Rembrandts Moeder: mythos en werkelijkheid Ausstellung / tentoonstelling
17. Dezember 2005 - 26. Februar 2006 Leiden, Groenoordhallen Rembrandt Eisskulpturenfestival / ijssculpturenfestival
17. Dezember 2005 - 12. März 2006 Amsterdam, Rembrandthuis, Jodenbreestraat 4-6 Rembrandt en de Engelse etskunst / Rembrandt und die englischen Malerradierer Ausstellung / tentoonstelling
22. Dezember 2005 - 31. Dezember 2006 Amsterdam, Rijksmuseum Alle Gemälde Rembrandts / All the Rembrandts in the Rijksmuseum Ausstellung / tentoonstelling
21. Januar 2006 - 17. April 2006 Haarlem, Teylers Museum Rembrandt ontmaskerd Ausstellung / tentoonstelling
21. Februar 2006 - 26. März 2006 München, Pinakothek der Moderne, Kunstareal München, Barer Str. 40, Tel.:089 / 23 80 53 60, http://www.pinakothek.de/pinakothek-der-moderne Rembrandt - Radierungen. Zum 400. Geburtstag des Künstlers Ausstellung
23. Februar 2006 von 19-22 Uhr Berlin, Gemäldegalerie, am Kulturforum Potsdamer Platz, Matthäikirchplatz 4/6, Tel.: 030 / 266 295 1 Das Entstehen einer Ausstellung - Die Gemäldegalerie sagt einigen Bildern aus der bedeutendsten Rembrandt-Sammlung außerhalb der Niederlande "Auf Wiedersehen" Vortrag und Abschiedslieder, gesungen vom Belcanto-Chor
24. Februar 2006 - 18. Juni 2006 Amsterdam, Van Gogh Museum Rembrandt & Caravaggio Ausstellung / tentoonstelling
9. März 2006 - 24. Mai 2006 Amsterdam, Rijksmuseum Really Rembrandt? Ausstellung / tentoonstelling
1. April 2006 - 2. Juli 2006 Amsterdam, Rembrandthaus, Jodenbreestraat 4-6 Rembrandt, ein Genie auf der Suche / Rembrandt: zoektocht van een genie Ausstellung / tentoonstelling
4. August 2006 - 5. November 2006 Berlin, Gemäldegalerie, am Kulturforum Potsdamer Platz, Matthäikirchplatz 4/6, Tel.: 030 / 266 295 1 Rembrandt, ein Genie auf der Suche Ausstellung
13. April 2006 - 3. September 2006 Leiden, Museum de Lakenhal Rembrandt, der Erzähler / Rembrandt de verteller: etsen uit de Lugt verzameling Ausstellung / tentoonstelling
28. April 2006 - 11. Juni 2006 Leiden, Universiteit Rembrandt in prent gebracht Ausstellung / tentoonstelling
12. Mai 2006 - 13. August 2006 Amsterdam, Historisch Museum, Nieuwezijds Voorburgwal 357 Rembrandt pur. Studien rund um die "Anatomiestunde des Dr. Deijman" Ausstellung / tentoonstelling
19. Mai 2006 - 20. August 2006 Kassel, Staatliche Museen, Schloß Wilhelmshöhe, Gemäldegalerie Alte Meister, Tel.: 0561 / 316 800, http://www.museum-kassel.de 34 Gemälde Rembrandts in Kassel Ausstellung
2. Juni 2006 - 6. August 2006 Amsterdam, Rijksmuseum Nightwatching von Peter Greenaway Theatrale Installation mit Bild und Ton
16. Juni 2006 - 18. September 2006 Den Haag, Mauritshuis, Korte Vijverberg 8 Een zomer met Rembrandt / Ein Sommer mit Rembrandt Ausstellung / tentoonstelling
8. Juli 2006 - 3. September 2006 Amsterdam, Rembrandthuis, Jodenbreestraat 4-6 Rembrandt de etser / Rembrandt, der Radierer Ausstellung / tentoonstelling
23. Juni 2006 - 17. September 2006 Kassel, Staatliche Museen, Schloß Wilhelmshöhe, Gemäldegalerie Alte Meister, Tel.: 0561 / 316 800, http://www.museum-kassel.de Rembrandts Landschaften Ausstellung
15. Juli 2006 - 2006 Amsterdam, Königliches Theater Carré, Amstel 115-125 Rembrandt - Das Musical Musical
4. August 2006 - 5. November 2006 Berlin, Kupferstichkabinett, Matthäikirchplatz 4/6, Tel.: 030 / 266 295 1 Rembrandt als Zeichner. Berliner Bestand Ausstellung
4. August 2006 - 5. November 2006 Berlin, Kupferstichkabinett, Matthäikirchplatz 4/6, Tel.: 030 / 266 295 1 Rembrandt - ein Virtuose der Druckgraphik Ausstellung
11. August 2006 - 11. Oktober 2006 Amsterdam, Rijksmuseum Alle Zeichnungen Rembrandts / Alle tekeningen van Rembrandt deel I: de verteller Ausstellung / tentoonstelling
15. September 2006 - 10. Dezember 2006 Amsterdam, Bijbels Museum, Herengracht 366-368 Rembrandt en de bijbel: alle etsen / Rembrandt und die Bibel. Alle Kupferstiche Ausstellung / tentoonstelling
16. September 2006 - 10. Dezember 2006 Amsterdam, Rembrandthuis, Jodenbreestraat 4-6 Uylenburgh en zoon: kunst en commercie in Rembrandts tijd / Kunst und Kommerz zu Zeiten Rembrandts Ausstellung / tentoonstelling
6. Oktober 2006 - 7. Januar 2007 Leiden, De Lakenhal Rembrandts landschappen Ausstellung / tentoonstelling
9. Oktober 2006 - 31. Dezember 2006 Amsterdam, Gemeentearchief (Stadtarchiv), Vijzelstraat 32 (ab Oktober 2006) De papieren van Rembrandt / Rembrandts Dokumente Ausstellung / tentoonstelling
14. Oktober 2006 - 31. Dezember 2006 Amsterdam, Rijksmuseum Alle tekeningen van Rembrandt deel II: de waarnemer Ausstellung / tentoonstelling
15. Oktober 2006 - 15. Januar 2007 Rotterdam, Boijmans Van Beuningen Rembrandts Passie (etsen van Nieuwe Testament) Ausstellung / tentoonstelling
19. Oktober 2006 - 14. Januar 2007 Amsterdam, Joods Historisch Museum, Nieuwe Amstelstaat 1 De 'joodse' Rembrandt / Der jüdische Rembrandt Ausstellung / tentoonstelling
Weitere Informationen:
Stiftung "Rembrandt 400", Postfach 458, NL-2260 Leidschendam, http://www.rembrandt400.com
Niederländisches Büro für Tourismus & Convention, Postfach 27 50 80, 50511 Köln, Tel.: 01805 / 34 33 32, Fax: 01805 / 34 33 20
http://www.niederlande.de, Mail: info@niederlande.de
N.N.: REMBRANDT IN LEIDEN. Tipps zu seiner Geburtsstadt. Der Tagesspiegel Nr. 19087, 28.1.2006, Beilage Rembrandt 400, Sonderbeilage zum Rembrandt-Jahr in den Niederlanden, S. B10
Die Broschüre "City Walk" gibt es für 2,95 Euro im Besucherzentrum Rembrandt Ontvangshal Scheltemacomplex, Marktsteeg 1, 2312 CS Leiden, http://www.Rembrandt400-Leiden.nl.
Wer Leiden und Amsterdam besucht, ist mit der gut bedient, denn sie umfaßt alle Museen in beiden Städten, die Rembrandt-Ausstellungen anbieten. Aufschläge sind für die großen Ausstellungen im Van Gogh Museum und im Rembrandthaus zu zahlen.
Auf die Bahnfahrt von Schiphol nach Amsterdam und von Amsterdam nach Leiden gibt es 25 Prozent Ermäßigung. 25 Stunden: 33 Euro, 48 Stunden: 45 Euro, 72 Stunden: 53 Euro.
N.N.: REMBRANDT IN AMSTERDAM. Auf den Spuren des Meisters. Der Tagesspiegel Nr. 19087, 28.1.2006, Beilage Rembrandt 400, Sonderbeilage zum Rembrandt-Jahr in den Niederlanden, S. B11
Die Broschüre "Entdecken Sie Rembrandts Amsterdam" gibt es für drei Euro an den Verkaufsstellen des Informationsbüros des Amsterdam Tourism & Convention Board:
Stationsplein (gegenüber Hauptbahnhof),
im Hauptbahnhof (Gleis 2),
Leidseplein 1 (Ecke Leidsestraat),
Amsterdam Airport Schiphol,
Holland Tourist Information (Auskunftshalle 2). Hier ist auch die "I amsterdam Card" erhältlich.
...



afi/hl: Keine lange Schlange bei Rembrandt wegen Karten mit fester Einlaßzeit. Der Tagesspiegel Nr. 19271, 5.8.2006, S. 10
Gleich am ersten Tag gab es gestern einen Ansturm auf die drei Rembrandt-Ausstellungen am Kulturforum: Bereits drei Stunden nach Eröffnung verzeichnete die Gemäldegalerie fast 1000 Besucher, insgesamt kamen am ersten Tag rund 4000. Dennoch gab es keine lange Schlange. Denn für die Ausstellung werden nur Tickest mit einer vorher festgelegten Eintrittszeit verkauft. Aus Sicherheitsgründen werden pro Stunde nur 300 Besucher eingelassen... Karten im Vorverkauf ... erwerben. Spontanbesucher müssen im ungünstigsten Fall damit rechnen, daß die Ausstellung am betreffenden Tag schon ausverkauft ist, und sie auch mehrere Stunden später nicht eingelassen werden.
Für die Sonnabende ab 18.15 Uhr werden für einen erhöhten Preis "VIP-Tickets" angeboten - zu dieser Zeit werden nur jeweils 150 Besucher pro Stunde eingelassen.
Kulturforum Potsdamer Platz... Kartenvorverkauf an der Museumskasse, an allen Vorverkaufsstellen, telefonisch unter 0180-580 57 40, im Internet unter http://www.smb.museum/rembrandt
Weitere Informationen


Annette Kögel: Darauf einen Rembrandt. Großer Andrang bei der Jubiläumsschau im Kulturforum: Schon mehr als 35.000 Besucher. Der Tagesspiegel Nr. 19280, 14.8.2006, S. 11
"Ist das voll! Naja, ist halt Rembrandt." Die Frau vorm Eingang am Kulturforum in Tiergarten bringt es auf den Punkt. Mit 70 Exponaten in der Gemäldegalerie, 110 Druckgrafiken sowie zahlreichen Zeichnungen und Radierungen im Kupferstichkabinett haben die Staatlichen Museen eine große wie reizvolle Schau anläßlich des 400. Geburtstages zusammengetragen...
... Am Eingang zeigt eine elektronische Tafel an, zu welchem Zeitfenster noch wie viele Tickets zu haben sind. Die Anzeige erinnert ein wenig an die Flughafentafeln. Klick, nur noch 98 Karten für den Einlaß zwischen 10 und 11 Uhr. Damit es nicht zu voll und damit die Luft zu schlecht wird, dürfen stündlich nur 300 Gäste hinein, sagt Alexander Spaak vom Ausstellungssekretariat.
... Den Römer (Kunsstudent Luca) auf Berlin-Visite interessiert vor allem die Maltechnik des Niederländers Rembrandt Harmensz van Rijn. "Ich will mal gucken, ob er wirklich in drei Lagen gemalt hat."
So bleiben viele Besucher vor den Schaukästen mit technischen Erläuterungen stehen: Wie Rembrandt mit der Sepia zeichnete, dieser aus dem Sekret des Tintenfischs gewonnenen Tinte. Oder wie er die Rötel führte, rote Kreide, auf Papier, das einst auch aus Lumpen gewonnen wurde. Die Gemälde sind mit Lichteffekten ausgeleuchtet - wer jetzt aber ein Fotohandy zücken wollte, um den Eindruck zu bewahren, wird von den Aufsichten schnellstens freundlich ermahnt, denn das ist verboten...
Bis Sonnabend schlenderten bereits 34.000 Besucher durch die Rembrandt-Trilogie, täglich kommen rund 2500. Kinder vergnügten sich am Wochenende im Museumskindergarten.
Nun wird nicht allein der legendäre "Mann mit dem Goldhelm" nicht mehr Rembrandt zugeschrieben. Auch die "Anbetung der Könige" stammt, anders als zunächst vermutet, von Gerbrand von den Eeckhout. Und es sind noch weitere Stiche und Zeichnungen in der Schau nicht vom Meister persönlich, sondern von Schülern geschaffen worden. Der Blick bleibt auch hängen bei der "Anbetung der Hirten bei Laternenschein" - einer der bedeutendsten Radierungen.
...
Noch bis 5. November (2006), Kulturforum am Matthäikirchplatz 4/6 in (Berlin-)Tiergarten.
Donnerstag 10 bis 22 Uhr, Montag geschlossen, alle übrigen Tage 10 bis 18 Uhr.
Tickets ab 6 Euro, VIP-Karten ohne Anstehen 30 Euro, Besucher unter 16 Jahren haben freien Eintritt.


N.N.: NOCH BIS 5.11.2006 BERLIN. Ausstellung REMBRANDT Ein Genie auf der Suche. Kulturkalender niederlande web.de kalender, September / Oktober 2006
Die Gemäldegalerie präsentiert Gemälde der eigenen Sammlung und eine hochkarätige Auswahl an internationalen Leihgaben. Die mit rund 70 ausgestellten Werken wohl größte Rembrandt-Schau des Jubiläumsjahrs berücksichtigt darüber hinaus Schwerpunkte der neueren Forschung, die sich vermehrt der Zeit nach der Entstehung der Nachtwache zugewandt hat.
Parallel zeigt das Kupferstichkabinett die beiden Ausstellungen "Rembrandt. Ein Virtuose der Druckgraphik" und "Rembrandt. Der Zeichner", in denen der weltberühmte Berliner Bestand an Zeichnungen und Radierungen Rembrandts gezeigt wird. In Zusammenarbeit mit dem Museum "Het Rembrandthuis".

Weitere Informationen:
http://www.smb.museum/rembrandt




Kritiek



Wieteke van Zeil: De overspannen aandacht voor Grote Namen. De oude meester is een popster. de Volkskrant, bijlage, donderdag 24 augustus 2006, blz. 14-15
Terwijl musea steeds vaker het publiek proberen te verlokken met Grote Namen - Rembrandt, Velasquez, Picasso - protesteert een deel van de kunstwereld met 'anonieme' kunst tegen deze naamsverheerlijking. Hebben musea te veel sterren gecreëerd?
What's in a name? Heel wat, als we de musea mogen geloven. Wanneer je de programmering van tentoonstellingen bekijkt, valt op dat het vooral om flinke namen draait. Picasso, Gauguin, Rembrandt...
Ook in Nederland laat het programma van komend seizoen toppers zien: er opent een tentoonstelling Rubens en Brueghel Samen in het Mauritshuis, een over René Magritte in Boijmans Van Beuningen, en over Henry Moore in de Rotterdamse Kunsthal.
Dat lijkt misschien vrij normaal. We zijn gewend aan grote overzichtstentoonstellingen van één kunstenaar. En de selectie van Grote Namen komt natuurlijk niet uit de lucht vallen. Van Michelangelo tot Rembrandt of Van Gogh - het zijn allemaal kunstenaars van wie de kwaliteit van het werk al decennia, zo niet eeuwen, buiten kijf staat.
Toch is er de laatste jaren wel degelijk iets veranderd. Kunstenaars worden vaak niet meer in de eerste plaats aangeprezen door te verwijzen naar (de kwaliteiten van) hun werk - de reden waarom de kunstenaar een Grote Naam is geworden. In plaats daarvan benadrukken musea zijn privé-omstandigheden. Neem de tentoonstelling van Hans Holbein in 2003 in het Mauritshuis: als een 'netwerker' werd de 16de eeuwse schilder neergezet, een 'pragmatisch man' die lands- en geloofsgrenzen overschreed om opdrachtgevers te strikken. Zo moeten zijn 'compromisloze realistische schilderijen' aan de man gebracht worden.
En in het Rembrandtjaar wordt de kunstenaar in tentoonstellingen, boeken en musicals weliswaar neergezet als een genie van wie je persoonlijke details zou willen weten. Rembrandt was 'een rebel', die smeet met geld, en zijn vrouw inruilde voor zijn huishoudster. Saskia en zelfs Hendrickje zijn inmiddels beroemder dan de portretten die Rembrandt van hen maakte.
Hoezeer het belang van Rembrandts werk in de schaduw wordt gesteld door diens reputatie is ook te zien op Rembrandt: All his paintings in de Amsterdamse Beurs van Berlage - een tentoonstelling waar geen enkel schilderij van Rembrandt is te zien, louter fotokopieën. Kennelijk is 'Rembrandt' zozeer een merk geworden, dat het vermelden van zijn naam alleen voldoende is om grote groepen te trekken. Wat er daadwerkelijk wordt getoond doet er minder toe.
De kunstenaar, ook degene die allang dood is, heeft de status van popster gekregen. De redenering is omgedraaid: niet meer is Leonardo da Vinci goed omdat hij zulk belangrijk werk maakte. Wat hij maakte, is goed omdat hij het maakte.
Er is een mechanisme ontstaan waarin klinkende namen de aandacht trekken. Musea lijken daar nog eens extra op in te spelen door - nu het eerste échelon beroemde kunstenaars in tentoonstellingen inmiddels de revue is gepasseerd - ook 'de mindere goden' als nieuwe helden te presenteren...
... ... ...
Toch wordt in de kunstwereld zelf langzamerhand een tegenbeweging zichtbaar. Zo organiseerde het Amsterdamse museum FOAM begin dit jaar een veiling van foto's, zonder daarbij te zeggen wie de fotografen waren. Bezoekers werden voor het blok gezet. Ze werden gedwongen zelf de foto's op waarde te schatten - en ze namen de uitdaging graag aan.
In de Frankfurter Schirn Kunsthalle opent op 2 november (2006) Anonymus: een tentoonstelling met kunstwerken waarvan de kunstenaarsnamen niet aan het publiek worden bekend gemaakt, samengesteld door een anonieme curator. 'No one will be famous in the future', staat op de aankondiging. Duidelijker kan niet: hier wordt de draak gestoken met de verering van grote namen.
En neem de jonge Britse kunstenaar Adam Neate. Wat is het meest heftige dat je kunt doen in het huidige kunstklimaat, vroeg hij zich af. Je kunstwerken gratis uitdelen, was zijn antwoord: En anoniem. Neate beschildert kartonnen borden die hij in Londen bij het vuilnis vindt en zet die iedere dag, 's ochtends vroeg, weer terug op straat. Op willekeurige plekken, te geef. Hij doet dat nog steeds, ook nu zijn werk in galeries te zien is.
...
De anoniemiserings-actie in de kunstwereld dient hetzelfde doel: hij dwingt ons naar de kunst zelf te blijven kijken. De kijker wordt teruggeworpen op het kunstwerk zelf. Gedwongen zich vragen te stellen .Uit welke tijd komt het? In welke stijl is het gemaakt? Wat betekent het of wil het zeggen? En, belangrijker, wat vind ik ervan? Deze kunst kan alleen op haar eigen merites worden beoordeeld.
Musea zouden de relatie tussen de kunstenaar en zijn kunst weer moeten herstellen. Dat is ook in hun eigen belang. Want ze worden steeds afhankelijker van hun grote namen.
Toen de Berlijnse Gemäldegalerie van Rembrandt-onderzoekers te horen kreeg dat haar topattractie, het schilderij Man met de Gouden Helm, geen echte Rembrandt was, kelderde de interesse van het publiek en daarmee de waarde van het museum. Aan het schilderij is intussen niets veranderd. De glimmende helm die eeuwen bewonderd werd, is nu voor het bezoek van inferieure waarde.
Louter vanwege het naamplaatje.


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