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Stand der Bearbeitung: 28.2.2004
Zuletzt bearbeitet: 15.7.2007

Schlösser und Beginenhöfe (begijnhoftjes) in den Niederlanden und Flandern


Schlösser und Beginenhöfe (Begijnhoftjes)
Beginen




Schlösser und Beginenhöfe (Begijnhoftjes), vorgestellt von Pieter Hobma, Niederlande

Heute haben wir einen Ausflug nach Breda gemacht. Das sind 2 Stunden mit dem Zug, glücklicherweise ohne umsteigen zu müssen. Breda liegt im Südwesten der Niederlande zwischen Utrecht und Antwerpen. In der Provinz Brabant hat es - wie in Belgien - in den letzten Tagen stark geschneit. Heute nacht: in Deventer minus 3°, in Breda durch die größere Schneemenge sogar minus 10 Grad! Das meldete das KNMI in De Bilt bei Utrecht. (KNMI= Koninklijk Nederlands Meteorologisch Instituut. Es ist der niederländische Wetterdienst.)
In Belgien hat es am Mittwoch und Donnerstag große Verkehrsprobleme gegeben Von Breda nach Antwerpen (35 km) mußte man 5 Stunden im Stau stehen..... Auch in Holland gab es Schwierigkeiten, vor allem um Amsterdam herum.
Breda ist eine Stadt, die ein Stadtschloß hat. Es befindet sich nahe dem Bahnhof in einer schönen Parkanlage. Vorfahren unserer Königin haben es im 17. Jahrhundert erbauen lassen, und sie haben dort gelebt. Seit 150 Jahren ist dieses Anwesen militärisches Sperrgebiet, denn die KMA, die Königliche Militärakademie, wo höhere Offiziere ausgebildet werden, hat dort ihren Sitz. Weiterhin hat Breda (100.000 Einwohner) eine schöne alte Kirche und einen "Begijnhof", eine in sich geschlossene Häusergruppe mit Kapelle wo sogenannte "begijnen", Beginerinnen, lebten. Das waren katholische, unverheiratete Frauen die zwar nicht offiziell in ein Kloster gingen, jedoch genau so fromm, keusch und bescheiden leben wollten wie die Nonnen.
Solche "begijnhoven" gibt es außerdem in Amsterdam und vor allem in Flandern. Später werde ich Ihnen noch von anderen "hofjes" berichten.
Das Wort "hof" ist im Niederländischen sächlich - anders als im Deutschen; ebenso u.a.: het scherm (der Schirm), het oord (der Ort), het appel (der Appell): daher HET CDA!, het landschap (die Landschaft), het schild (der Schild), het verdrag (der Vertrag zwischen Nationen), het geweld (die Gewalt mit Waffen usw.), het lijk (die Leiche), het gebaar (die Gebärde), het bezoek (der Besuch).
Der schönste Beginenhof liegt in Brügge. Aber auch in Gent, Antwerpen, Mecheln (Mechelen), Löwen (Leuven) und den Kleinstädten Lier und Diest gibt es sie. Letztere beide habe ich selbst besucht; sie sind alt und malerisch. Viele werden als Wohngemeinschaften von Studenten, Krankenschwestern oder älteren Leuten genutzt.
Die Adresse Slangenburg in Deventer ist nach einem Schloß benannt. Es steht 5 km östlich von Doetinchem (das wiederum 25 km östlich von Arnheim liegt) und ist jetzt ein Kloster. Es kann nicht besichtigt werden, steht aber in einem Wald, in dem man spazierengehen darf.
Auch bei Apeldoorn steht ein Schloß, besser gesagt: ein Palais. Bis 1962, als die Großmutter der heutigen Königin Beatrix, Wilhelmina, dort starb und aufgebahrt lag, lebten dort Mitglieder des Königlichen Hauses. Der 1689 erbaute Palast "Het Loo" ist jetzt ein interessantes Museum, das der Geschichte unseres Königshauses gewidmet ist. Ein Tonband auf deutsch mit Kopfhörer ist erhältlich. Auch die Gärten, entworfen von einem Pariser Designer, der auch den "Sonnenkönig" Ludwig XIV. zu seinen Kunden rechnen durfte und die in den 1980er Jahren wieder hergestellt wurden, sind einen Besuch wert. Montags sowie meistens zu Weihnachten und Neujahr sind sie allerdings geschlossen.
Das Schloß Loevestein, zwischen Dordrecht und Breda, ist äußerlich noch eine mittelalterliche Ritterburg. Im 17. Jahrhundert hatte der berühmte Schriftsteller Hugo de Groot (Grotius) Ärger mit den Behörden und wurde dort eingesperrt. Er soll, mit Hilfe einer Magd, sich eine Kiste Bücher verschafft haben. Später wurden die Bücher zurückgegeben, wenigstens das, dachten die Wächter, aber De Groot war selber in der Bücherkiste und konnte so aus der Gefangenschaft fliehen. Mehrere Museen in Holland behaupten, das Original der "boekenkist van Hugo de Groot" zu besitzen.....
Das Muiderslot, 15 km östlich von Amsterdam, nahe des IJsselmeers und eines Jachthafens, ist ebenfalls ein mittelalterliches Schloß. Als mein Vater und ich es besuchten, wurden wir von einer netten Dame durch die Gemächer geführt. Sie erklärte viele Sachen anhand der niederländischen Sprichwörter. Ob die Schloßführung immer noch in dieser recht angenehmen und lehrreichen Weise vor sich geht, weiß ich leider nicht. Es ist reich mit Antiquitäten aus dem 17. Jahrhundert ausgestattet.
Diese drei Schlösser, also das Paleis in Apeldoorn, Schloß Loevestein und das Muiderslot, sind für mich die "top drie", die sich auch ausländische Touristen, die an Hollands Kultur interessiert sind, merken sollten. Aber es gibt natürlich noch andere: Doorn zwischen Utrecht und Ede, wo der letzte deutsche Kaiser im Exil lebte und 1947 starb, Bentheim, gerade noch in Deutschland, aber fast auf der Grenze, Haarzuilens bei Utrecht, nur 110 Jahre alt, aber reich von einem gewissen (!) Rothschild (!!) ausgestattet, Cannenburgh in Vaassen, 5 km nördlich von Apeldoorn mit einem kleinen Weihnachtsmarkt im Dezember, Doorwerth bei Arnheim mit einem Jagdmuseum und noch so einige.
Wohl sind Schlösser im kleinen Holland meistens auch nur klein; der Vergleich zu den prunkvollen Schlössern in Deutschland und österreich wie Belvedere, Sanssouci oder Schwetzingen geht nicht auf.
Nur sehr wenige Schlösser und Landsitze werden heute noch bewohnt, obwohl die hohen Kosten, die sich jeder Eigentümer eines solchen Anwesens zumutet, durch Steuerbegünstigungen und Staatssubventionen zum Teil ausgeglichen werden. In letzter Zeit haben die "Neureichen" oder "nouveaux riches", oft Leute aus dem Westen des Landes, die im Handel mit Software usw. reich wurden, wieder Interesse an solchen Landsitzen (landgoederen), lassen die Häuser restaurieren und bewohnen sie. Ein kleines Schloß nahe Deventer wurde sogar in vier Apartments aufgeteilt, die für je etwa 1.000.000 Euro verkauft wurden.

Hg.: J. Vercruysse, Generalverwalter a.I. Tourismus Zentrale Flandern: Flanderns schöne Seiten. Magazin 2007.
Die vollständige Broschüre finden Sie unter http://www.flandern.com/download/pdf/TFB_Brosch07.pdf
Ulrich Traub: Auf den Spuren der frommen Frauen, S. 4-8
1998 nahm die UNESCO 13 flämische Beginenhöfe in die Liste des Weltkulturerbes auf. Sie würdigt damit nicht nur den Wert dieser architektonischen Kleinode, sondern ruft auch die Verdienste der Beginen, einer vom Papst unabhängigen, laienreligiösen Vereinigung, der ausschließlich Frauen – begüterte wie arme – angehörten, in Erinnerung.
Brügge – "Ten Wijngaarde" (zum Weingarten)
Verhaltenen Schrittes bummelt man über den baumbestandenen Hof in Brügge, wo die Glocken des Kirchleins heute Benediktinerinnen zur Messe rufen. Gleich neben dem Eingang befindet sich ein kleines, als Museum eingerichtetes "Begijnhuisje". Kein anderer Beginenhof wurde so oft beschrieben. In Georges Rodenbachs bekannter Brügge-Erzählung steht er als Beispiel für die einst "tote Stadt". Auch andere Dichter konnten sich der Magie des Stiftes nicht entziehen, wie etwa Rainer Maria Rilke oder Charles Baudelaire. Öffnungszeiten: April – September, täglich 10 – 12 und 13.45 – 17 Uhr, Eintritt frei
Beginenhof von Löwen – Eine Stadt in der Stadt
Im weitläufigen Beginenhof von Löwen, wo einst 1 500 Beginen an den Ufern der Dijle ihr gottgefälliges Werk verrichteten, leben heute Dozenten und Studenten Tür an Tür. Im Sommer werden Tische und Stühle auf die Wiesen vor den Häusern oder in die Vorgärten gestellt und man kommt bei einem Gläschen schnell ins Gespräch. Die Anonymität, die das Leben in unseren Städten charakterisiert, ist in den Beginenhöfen unbekannt. Und manch einer der Besucher würde sich wohl gerne hierhin zurückziehen.
Beginenhof von Lier – der malerischste von Flandern
Der "Mandelbaum von Lier", wie der flämisches Volksdichter Timmermans das von Straßen und Gassen durchzogene Stift beschrieben hat, zählt zu den schönsten Flanderns. Der Beginenhof, das sind Häuser aus rotem Ziegelstein, weiß ausgefugt, mit halbrunden Pforten, an denen Namen stehen wie "Paradieske", "Zum lieben Jesu" oder "Zum unbefleckten Herzen". Andere Gebäude tragen so poetische Namen wie "Stall von Bethlehem", "Weinberg des Herrn". Davor Hausgärtchen mit Geranien, Samtkissen von Dahlien, Malven, Rosen in Rosa und Rot und viel Grün. Spät am Nachmittag, wenn Farben und Stimmung besonders gut mit dem Leben in alten Gemäuern harmonieren, leuchtet alles in einem besonderen Licht. Nicht ohne Grund pilgern Besucher aus aller Welt durch die Gassen, deren lauschige Winkel bereits Victor Hugo beschrieb, denn: "Hier glaubt man an Gott mit einem Stück Speck im Mund."




Beginen

Quelle:
Ulrich Traub: Bei Gottes Haushälterinnen. Beginen waren fromme und zugleich emanzipierte Frauen. So schmuck sind ihre Häuser und Höfe in Flandern, daß sie (seit 1998) zum Weltkulturerbe gehören. Der Tagesspiegel Nr. 18518, 27.6.2004, S. R6
Hinter schützenden Mauern, oft umflosen von stillen Grachten, lehnen sich die Häuser der Beginenhöfe im Schatten der Kirchtürme aneinander. Diese Miniaturstädtchen in Flandern sind idyllische architektonische Ensembles von seltener Geschlossenheit, Zeugnisse einer nicht mehr existierenden laienreligiösen Bewegung, deren Anfänge im ausgehenden 12. Jahrhundert in den blühenden Städten Flanderns zu suchen sind.
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1998 hat die Unesco 13 von 26 Beginenhöfen zum Weltkulturerbe erhoben und damit ihren Rang als kulturhistorisch einzigartig unterstrichen. Sie würdigt damit nicht nur den Wert dieser architektonischen Kleinode, sondern ruft auch die Verdienste der Begingen, einer vom Papst unabhängigen Vereinigung, der ausschließlich Frauen - Begüterte wie Arme - angehörten, in Erinnerung.
Das Wirken als Begine bot eine Alternative zu der Endgültigkeit der Entscheidung für das Leben als Nonne. Die Frauen gelobten zwar Keuschheit und verpflichteten sich, die Regeln, die von der demokratisch gewählten Vorsteherin festgelegt wurden, zu befolgen. Die Beginen hatten jedoch jederzeit die Möglichkeit, ihr Gelübde zu widerrufen, die Gemeinschaft zu verlassen und zu heiraten. Jeder Beginenhof war souverän, wählte seine Oberin selbst: die "Grande Dame". Alle Bewohnerinnen waren in Rechten und Pflichten jedoch gleichgestellt, und sie mußten für ihren Lebensunterhalt selbst aufkommen. Sie klöppelten Spitze, zogen Kerzen und webten Leinen - so erfolgreich, daß sie nicht selten zur Konkurrenz für das örtliche Handwerk wurden. Unter dem Leitwort Ora et Labora lebten diese "Haushälterinnen Gottes" in solidarischer Bescheidenheit.
In einigen Beginenhäusern erzählen kleine Museen in den Häusern, die meistens aus dem 17. und 18. Jahrhundert stammen und auf Schenkungen zurückgehen, vom Leben der frommen Frauen, deren Wirken in sozialer und politischer Hinsicht revolutionäre Züge aufwies. Die einen flüchteten vor der üblichen Zwangsheirat, andere rettete die Gemeinschaft in den Höfen vor Mittellosigkeit und Verfolgung.
Die Beginen uznterrichteten Kinder, kümmerten sich um die Altenbetreuung oder pflegten Kranke. Manch ein Beginenhof hatte gar ein eigenes Krankenhaus. Die Beschlüsse, die in den Höfen getroffen wurden, erkannten die Magistrate der Städte an. Das war in jener Zeit alles andere als normal. Schnell fande die flämische Beginenbewegung auch in anderen Ländern Anhänger. So sollen etwa in Frankfurt am Main im 13. Jahrhundert 50 Beginengruppen existiert haben.
Der Erfolg schaffte Neider, und es blieb nicht bei mißgünstigen Blicken und ketzerischen Bemerkungen. Inquisition und Reformation, Aufklärung und Französische Revolution setzten den Beginen mächtig zu. Am längsten konnten sie sich in Flandern behaupten, wo noch fünf der frommen Frauen leben. Eine von ihnen, Marcella Pattyn aus Kortrijk, lädt in ihr Heim im verwinkelten Beginenhof von Kortrijk ein, dessen 41 weiß gekalkte Backsteinhäuser zwei Kirchen umstehen.
Schwester Hoogewijs, die im Sint-Amantsberger Hof bei Gent lebt, einer Anlage, deren neugotische Backsteinhäuser von 1872 bis 74 auf einem acht Hektar großen Areal errichtet wurden, beklagt: "Es ist ein Jammer, daß mit uns die Beginen für immer verschwinden."
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... Daß die jeweils eigene, ursprüngliche Atmosphäre der Anlagen wieder zur Geltung kommt, verdankt sich der vorbildlichen Restaurierung der meisten Höfe - wie das jüngste Beispiel in Hoogstraten zeigt. Dagegen ist man in Gent und Mechelen noch bei der Arbeit.
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Auskunft:
Tourismus Flandern, Büro Köln, Tel.: 0221 / 27 75 90
Im Internet:
http://www.flandern.com oder
http://www.belgien-tourismus.de

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