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Informationen zur niederländischen Sprache und Kultur


Stand der Bearbeitung: 22.8.2007
Zuletzt bearbeitet: 20.5.2008

Sprachkurs / Spracherwerb


Sprachkurs / Spracherwerb in den Niederlanden oder Flandern?
Andere Möglichkeiten des Spracherwerbs
Über den Spracherwerb




Sprachkurs / Spracherwerb in den Niederlanden oder Flandern?

bas: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans. Der Tagesspiegel Nr. 19681, 28.9.2007, S. 28
Wer eine Fremdsprache lernen will, der sollte so früh wie möglich damit anfangen. Nicht erst als Erwachsener, sondern schon in der Grundschule - nein, nicht erst in der Grundschule, sondern bereits im Kindergarten. Oder besser noch früher. "Aber stimmt das auch?" Diese Frage versuchte Wolfgang Klein vom Max-Planck-Institut für Psycholinguistik in Nijmegen am Mittwochabend [26.9.2007] in der Berliner Heilig-Geist-Kapelle zu beantworten...
Stimmt es also, das Dogma "Was Hänschen nicht lernt, das lernt Hans nimmermehr"? "Die Antwort ist ein klares Jein", sagte Klein und führte Forschungsergebnisse an, die darauf hindeuten, dass die meisten von uns auch als 20-jährige noch alle Facetten einer Sprache - Aussprache, Grammatik, Wortschatz - wie ein Muttersprachler erlernen können.
Das Problem sei nur: Wir tun es nicht. Der entscheidende Grund für den Unterschied sei nicht, dass das Kinderhirn so viel flexibler sei, sondern dass Kinder, viel mehr als Erwachsene, "Teil einer Gesellschaft werden möchten. Wir Erwachsenen sind ja schon Teil der Gesellschaft." Kinder wollen dazugehören und kopieren deshalb das, was sie hören, aufs Genaueste. Damit ignorierte Klein zwar die Ergebnisse der Hirnforschung, die zeigen, dass Kinder ein viel "knetbareres" Gehirn haben als Erwachsene, ergänzte diese Diskussion mit einigen interessanten Argumenten.
...

Hallo, kannst Du helfen?
Weißt Du für jemanden eine preiswerte, gute Sprachschule in den Niederlanden / Flandern?

Überlegungen zu dieser Frage von P. Hobma, Niederlande:
Hallo,
ich kann Deiner/Deinem Bekannten in Sachen Sprachunterricht nicht so einfach einen Rat geben. Vieles hängt von der Beantwortung folgender Fragen ab:
1. Handelt es sich um Unterricht an eine(n) Erwachsene(n) oder etwa als Ergänzung zum Gymnasialunterricht an eine(n) Jugendliche(n)?
2. Was ist das Ziel des Sprachunterrichts: nur Verstehen und etwas Konversation oder Beherrschung nur der Umgangssprache oder das Schreiben von Briefen und Zeitungsartikeln oder die Fähigheit, auf Niederländisch komplizierte Themen auf wissenschaftlicher Ebene behandeln zu können, oder die Befassung mit Sprachforschung und Literatur?
3. Hat die Person, die Niederländisch lernen möchte, nur Grundschulunterricht genossen oder z.B. an der Universität eine Doktorarbeit gemacht?
4. Soll der Unterricht hauptsächlich schriftlich sein (Fernkurs), oder soll er aus einer von einem Lehrer in einer Unterrichtsanstalt gegebenen Stunden bestehen oder aus Material, das per Computer vermittelt wird?

Wenn der/die Lernende diese Fragen beantwortet hat, kann erst bestimmt werden, was für Sprachkurs benötigt ist. Eine gute Möglichkeit ist, mal einen kurzen Urlaub im grenznahen westfälischen Münsterland zu machen, und bei der Münsteraner Universität eine Beratung zu beantragen. Sofern ich weiß, besteht auch die Möglichkeit, an einem Gymnasium in dieser Stadt einen Kurs zu machen. Vielleicht besteht auch die Möglichkeit, sich dort über die Qualität deutscher Lehrbücher für Niederländisch beraten zu lassen. Auch in Bochum und Düsseldorf gibt es Möglichkeiten. Siehe z.B.
http://www.ruhr-uni-bochum.de/niederlandist/links_onderwijs.htm (NL) und
http://www.uni-muenster.de/HausDerNiederlande/Zentrum/Projekte/NiederlandeNet/NRW-BeNeLux/90/interview_roenneper.html (DE).
Beide mit vielen weiteren Links.
Wenn der Unterricht von einer Universität veranstaltet, überwacht oder kontrolliert wird, ist die Chance größer, dass der Lehrstoff wissenschaftlich korrekt ist. Da das Niederländische, wie das Deutsche, vor kurzem Änderungen in der Rechtschreibung durchgeführt hat (sogar zweimal: 1995 und 2005!*s.u.), ist es von Bedeutung, zu überprüfen, ob Lehrbücher, Wörterbücher usw. nicht älter sind als 2005. Sonst lernt man Niederländisch gleich mit Fehlern. Lernmaterial aus den Jahren 1995-2004 soll mit Ergänzungsblättern über die Änderungen des Jahres 2005 versehen sein. Älteres Material ist für guten, modernen Unterricht zurückzuweisen!

Auch ist zu beachten, dass es - zwar kleine - Unterschiede gibt zwischen dem Niederländischen in Holland und in Belgien. Vor allem Namen von Behörden, Institutionen, gesetzliche Regelungen usw. sind ganz unterschiedlich. Dazu kommt, dass sich in beiden Ländern in vielen Berufen ein für Außenstehe nicht leicht zu verstehender Fachjargon entwickelt hat. Wer also z.B. einen Job in einem Amsterdamer Handelshaus sucht, muss andere Begriffe erlernen als einer, der Professor an der Universität von Leuven (Löwen) werden möchte! Man kann all dies vergleichen mit dem Englischen Englands und dem der Vereinigten Staaten.

Anmerkung
*Mehr Informationen zu Änderungen in der Rechtschreibung finden Sie unter:
Rechtschreibreform - spellingshervorming


Stefan May: Wörter wie Stiere. Spanisch lernen auf Mallorca: Morgens zur Schule, nachmittags die Insel erkunden. Ein Erfahrungsbericht. Der Tagesspiegel Nr. 19906, 18.5.2008, S. R4
... ... ...
TIPPS FÜR SPRACHSCHULEN
Ganz gleich, welche Sprache man neu lernen oder auffrischen möchte: Entscheidend ist neben der entsprechenden Motivation die Wahl der Sprachschule. Hier Empfehlungen auszusprechen, ist jedoch eine heikle Angelegenheit. Schließlich lässt sich nie voraussehen, welchen Lehrer man bekommt und wie sich die persönliche Chemie zwischen Schüler und Lehrer entwickelt. Im Internet findet man eine Fülle von Anbietern. Auch Reisebüros sollten einen beraten können. VERANSTALTER
... ... [nur spanische angegeben]




Andere Möglichkeiten des Spracherwerbs

tkl/cwe: Sprachschule Fernsehen. EU-Politiker wollen öffentlich-rechtlichen Medien grundsätzlich Untertitel vorschreiben. Was bringt das? Der Tagesspiegel Nr. 19871, 11.4.2008, S. 32
Was für Filmfans vielfach ein Qualitätssprung wäre und was in den Niederlanden, Skandinavien, Italien und der Schweiz ganz selbstverständlich ist, sorgt in Deutschland für Aufregung: Das Europaparlament hat die EU-Kommission beauftragt, einen Gesetzesvorschlag zu erarbeiten, der allen öffentlich-rechtlichen Sendern in der EU vorschreiben könnte, künftig ihr gesamtes Programm mit schriftlichen Untertiteln zu versehen. Damit soll nicht ausdrücklich verboten werden, Filme zu synchronisieren – diese weitergehende Forderung lehnte der Kulturausschuss des Europaparlaments ab. Allerdings könnte eine vollständige Untertitelung des Programms immer mehr Synchronisationen nach und nach verdrängen und überflüssig machen – wie schon in den genannten Ländern. Vorreiter in Sachen Untertitel ist zur Zeit die britische BBC: Seit Anfang dieses Monats wird deren vollständiges Programm untertitelt, um "tauben und schwerhörigen Zuschauern zu helfen", wie auch der EU-Vorschlag begründet wird. Doch auch beim Erlernen von Sprachen wären weniger Synchronisationen hilfreich – vom Kulturgenuss ganz zu schweigen.
Bart Funnekotter: VORBILD HOLLAND: MEHR SPASS AN FILMEN, STIMMEN UND SPRACHEN
Wenn Niederländer Englisch reden, reden sie Amerikanisch – das verdanken sie den holländischen Fernsehsendern. Seit den fünfziger Jahren werden in den Niederlanden ausländische Programme untertitelt statt synchronisiert, und weil die meisten Filme, Serien und Cartoons aus den USA kommen, hören die Holländer fast den ganzen Tag Schauspieler mit dem schönen Akzent der Prärie deklamieren... Kinder sprechen schon ziemlich gut Englisch, wenn sie in die Schule kommen. Sie zitieren natürlich eher Donald Duck als Shakespeare – aber auf diesem Fundament können die Lehrer gut aufbauen: Holländische Teenager haben, zusammen mit den Skandinaviern, den weitaus größten englischen Wortschatz im europäischen Vergleich.
...
Ein Bedürfnis nach synchronisierten Filmen entsteht so gar nicht: Auch die Kinos spielen – auch ohne politischen Zwang – selbstverständlich alle Filme mit Originalton...
Maike Westphal: DER LERNEFFEKT: KINO UND TV ALS SPRACHSCHULE
Wolfgang Mackiewicz, Leiter des Sprachenzentrums der Freien Universität Berlin, würde Untertitel als Alternative zur Synchronisation begrüßen: "Wie man nicht nur in Holland feststellen kann, können die Medien auf eine Weise zum Sprachenlernen motivieren, die der formalen Bildung nicht zugänglich ist", sagte er dem Tagesspiegel. Mackiewicz ist Mitglied einer Expertengruppe der Europäischen Kommission, die Vorschläge zur Förderung und Bewahrung der Mehrsprachigkeit in Europa machen soll. Fernsehprogramme mit Untertiteln weckten und verstärkten auch das Interesse an anderen Kulturen, ist sich der Wissenschaftler sicher: Nicht nur junge Menschen würde dadurch die Scheu vor fremden Sprachen genommen – auch wenn sie nicht auf Anhieb zu verstehen sind. So könne das Interesse, weitere Sprachen zu erlernen oder früher erworbene Sprachkenntnisse wieder aufzufrischen, verstärkt werden.
Tim Klimes: ZAGHAFT: DIE REAKTION VON ARD UND ZDF
... Einen Verzicht auf die Synchronisation von Spielfilmen sehen die Verantwortlichen von ARD und ZDF kritisch...




Über den Spracherwerb
Christine Dimroth und Wolfgang Klein: LERNEN. Vom Spracherwerb bis zur Geschichte des Wissens und Lernens. Den Erwachsenen überlegen. Der Tagesspiegel Nr. 19737, 24.11.2007, S. B6
Kinder entwickeln beim Sprachenlernen besondere Techniken und sind erfolgreicher als ältere Menschen.
... Das Erlernen einer neuen Sprache scheint ein Paradebeispiel zu sein. Während es Kindern anscheinend spielerisch gelingt, nicht nur ihre Muttersprache, sondern mehrere Sprachen perfekt zu erlernen, ist dies bei Erwachsenen eine seltene Ausnahme – wenn es denn überhaupt möglich ist.
Wie man dies einschätzt, hängt in erster Linie davon ab, wie hoch man die Latte hängt. Was Hänschen lernt, ist ... in seinem Sprachgebrauch nicht von seiner sprachlichen Umgebung zu unterscheiden, das heißt im Deutschen Artikel mit dem richtigen Genus zu verwenden und keinen "ausländischen Akzent" zu haben. Das können in Ausnahmefällen auch Erwachsene erreichen. Es schließt aber nicht aus, dass Wissenschaftler bei detaillierteren Analysen im Labor auch bei solchen Lernern Unterschiede finden, die von der sie umgebenen Sprachgemeinschaft nicht wahrgenommen werden.
Die Frage, warum dies so ist, treibt Sprachwissenschaftler und Psychologen seit langem um. Sie bildet ein wichtigstes Forschungsthema am Max-Planck-Institut für Psycholinguistik. Dort werden im Arbeitsbereich "Spracherwerb" unter Leitung von Wolfgang Klein verschiedene Formen des Spracherwerbs erforscht und verglichen. Nun handelt es sich beim Spracherwerb ... um eine weitgehend geistige Angelegenheit... Sicher, ein mit dem Alter abnehmendes Gehör mag ... beim Spracherwerb hinderlich sein, und auch die Muskulatur in Mund- und Rachenraum wird mit der Zeit weniger beweglich. Solche körperlichen Veränderungen kommen durchaus als Mit-Ursachen für den beobachteten Altersunterschied in Betracht. Viele der Schwierigkeiten, die späte Lerner des Deutschen mit Wortstellung oder Flexion haben, haben jedoch Ursachen kognitiver Natur. Nur: Wer verliert bei einer so gearteten Aufgabe schon gern gegen einen Vierjährigen?
Nun verläuft das Sprachenlernen in der freien Natur in vieler Hinsicht anders als im Klassenzimmer. Es geht hier nicht um das Lernen anhand von aufbereitetem Sprachmaterial, das, einer bestimmten Progression folgend, in kleinen Dosen verabreicht wird, angereichert mit expliziten Anweisungen zum Extrahieren von "Regeln". Interessanterweise finden wir im schulischen Fremdsprachenunterricht auch keinen vergleichbaren Vorteil der jüngeren Lerner. Beim Sprachenlernen ohne solche steuernden Eingriffe ist vieles anders. Der Lerner ist von Beginn an mit der vollen Komplexität der neuen Umgebungssprache konfrontiert. Es mag sein, dass wir in der Kommunikation mit Kleinkindern oder ausländischen Sprechern versuchen, die Dinge einfach auszudrücken, aber keine noch so gutwillige Mutter wird es fertigbringen, das Perfekt im dritten und das Präteritum erst im vierten Lebensjahr einzuführen.
Außerhalb des Sprachunterrichts müssen Lerner ohne Hilfe herausfinden, welche Laute in der neuen Sprache vorkommen, wo Wörter anfangen und aufhören, was sie bedeuten, wie man mehrere Wörter zu komplexeren Ausdrücken zusammensetzen kann und ob sich die Form mancher Wörter dabei verändert. Kinder, die ausreichend Zugang zu ihrer Umgebungssprache haben, lernen diese Dinge meist problemlos. Sie fangen klein an, ahmen vieles nach und beginnen langsam, selbst Äußerungen aufzubauen. Bis sie von ihrer sprachlichen Umgebung ununterscheidbar sind, vergehen viele Jahre. Wie genau sie dabei vorgehen, welche sprachlichen und außersprachlichen Eigenschaften sie bei dieser schwierigen Aufgabe nutzen, und wann dieser Prozess als abgeschlossen gelten kann, ist Gegenstand der Forschung. Warum aber können Erwachsene das alles viel schlechter?
Man hat diese Altersunterschiede mit anderen Fällen verglichen, in denen die Entwicklung junger Lebewesen zeitlich so strukturiert ist, dass ein bestimmter Reiz aus der Umgebung nur dann optimal verarbeitet werden kann, wenn er innerhalb eines begrenzten Zeitfensters, einer sogenannten Kritischen Periode, auftritt. Bekannt sind Konrad Lorenz' Gänseküken, die hinter dem ersten sich bewegenden Objekt, sei es Gänsemutter oder Wissenschaftler, herlaufen, das sie während dieses Zeitfensters zu Gesicht bekommen. Kommt dieser Reiz zu spät, so ruft er nicht mehr dieselbe Reaktion hervor. In Analogie zu solchen Entwicklungszeiträumen hat man in der Forschung über eine Kritische Periode für den Spracherwerb gesprochen, die mit der Pubertät zu Ende gehe.
Gegen eine solche biologisch determinierte kritische Periode gibt es eine Reihe gewichtiger Einwände. So sollte es keine Ausnahmen zulassen; die gibt es aber. Weiterhin hinterlassen innerhalb des Kindesalters sehr kleine Altersunterschiede Spuren. Noch im Erwachsenenalter ist nachweisbar, ob jemand mit vier oder acht Jahren mit einer neuen Umgebungssprache in Kontakt getreten ist. Das Abnehmen des Spracherwerberfolgs ist somit viel gradueller als beim Gänseküken. Es hält nach der Pubertät an und betrifft verschiedene sprachliche Eigenschaften in unterschiedlichem Maße.
Darüber hinaus sind Menschen, die auf diese Weise eine zweite Sprache lernen, im Ergebnis meistens zweisprachig, das heißt, sie vergessen ihre Muttersprache nicht, sondern nutzen sie neben der neuen Sprache weiter. Es hat sich vielfach gezeigt, dass ein solches Nebeneinander zweier Sprachen, auch wenn sie nur selten "gemischt" werden, dazu führt, dass Eigenschaften der einen Sprache auf die andere abfärben. Es ist somit ausgeschlossen, dass jemand in einer zweiten Sprache vollkommen einem muttersprachlichen Sprecher gleicht, solange damit einsprachige Muttersprachler gemeint sind. Außerdem ist noch keine sprachliche Eigenschaft gefunden worden, die nicht von einigen erwachsenen Lernern perfekt beherrscht wurde. Was Hänschen nicht lernt, kann Hans also durchaus noch lernen – warum tut er es bloß nicht?
Hier muss man die Größe der Unterschiede in verschiedenen Bereichen vergleichen. Sind ältere Lerner überall schlechter? Während unsere Fähigkeit, neue Wörter zu lernen, lange erhalten bleibt, sind die Unterschiede in zwei Bereichen typischerweise besonders groß: Aussprache und "Grammatik", wobei hier die Flexion (Konjugation, Deklination) stärker betroffen zu sein scheint als die Wortstellung.
Was die Aussprache betrifft, so können Babys bis zum Alter von etwa sieben Monaten alle in menschlichen Sprachen vorkommenden Laute voneinander unterscheiden. Danach passt sich der Verarbeitungsapparat allmählich an solche lautlichen Unterschiede an, mit denen die Muttersprache Bedeutungsunterschiede signalisiert. Andere, objektiv ebenso kleine oder große Unterschiede werden nur noch schlecht wahrgenommen. Das ist sinnvoll, weil wir genau wie in anderen Bereichen die Feinabstimmung unserer Wahrnehmung auf das einstellen, was wir täglich brauchen. Zugleich erschweren solche Festlegungen das spätere Lernen von Lautmerkmalen, die in der Muttersprache keine Rolle spielen.
Wie aber steht es mit "der Grammatik"? Warum tun sich Erwachsene so schwer damit, die Flexion des deutschen Artikels in Abhängigkeit von Genus, Numerus und Kasus zu lernen? Erwachsene unterscheiden sich noch in einer Reihe anderer, für das Sprachenlernen wichtigen Eigenschaften von kleinen Kindern. Sie haben ausgewachsene kommunikative Bedürfnisse und werden sich nicht wie Kleinkinder damit zufrieden geben, monatelang Silben nachzuahmen ("ba-ba-ba"), bevor sie die Einwortphase erreichen ("Auto!") und dann endlich, in kontextabhängiger Weise zwei Wörter zu kombinieren ("auch Kekse!"). Eine solche kleinschrittige Lernstrategie führt die Kinder offensichtlich zum Ziel, sie ist aber keine Option, wenn man den Alltag in einer neuen sprachlichen Umgebung meistern muss.
Erwachsene sind erfahrene Sprachbenutzer. Sie haben diese und ähnliche Prozesse im Verlauf ihres Erstspracherwerbs hinter sich gebracht, und bringen ihr Sprachwissen mit, wenn sie eine neue Sprache lernen. Dieses Wissen umfasst nicht nur die formalen Eigenschaften ihrer Muttersprache, sondern auch Wissen über Konzepte, die typischerweise durch Sprache ausgedrückt werden, wie zum Beispiel komplexe zeitliche Relationen. Dieses Wissen mag sie im Detail manchmal fehlleiten, es hilft ihnen aber, zu Beginn sogar schneller als Kinder ein neues Kommunikationssystem aufzubauen. Solche "Lernersprachen" beruhen in den frühen Entwicklungsphasen auf sehr allgemeinen Prinzipien, beispielsweise zur Wortstellung. Feinheiten der Umgebungssprache, etwa die Flexion, werden zunächst weitestgehend ignoriert. Nur langsam passen sich solche einfachen Kommunikationssysteme im weiteren Verlauf der neuen Sprache an.
Anders als Kinder übernehmen Erwachsene dabei aber meist nicht alle Eigenschaften dieser Sprache. Sie haben vielmehr ein feines Gespür dafür, was von kommunikativer Bedeutung ist, und was nicht, d.h. die Auswahl, die sie treffen, ist keinesfalls zufällig. So ist der Informationsgehalt von "Gestern er gehte das Schule" nicht entscheidend geringer als der von "Gestern ging er in die Schule", allerdings gibt sich der Sprecher sofort als einer zu erkennen, der nicht immer zu der entsprechenden Sprachgemeinschaft gehörte. Lerner im fortgeschrittenen Kindesalter befinden sich an einer günstigen Schnittstelle: Sie scheinen sowohl von den form-orientierten Lernstrategien der Kleinkinder als auch von der Spracherwerbserfahrung älterer Lerner zu profitieren und kommen deshalb oft schnell und weit voran.
Zie ook Cees Nooteboom: Vertalers zijn alchemisten die goud maken uit goud. de Volkskrant 19 mei 2008, blz. 9
S. auch Sprachfertigkeit / Idiome


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