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Nederlands
Informationen zur niederländischen Sprache und Kultur
Stand der Bearbeitung: 14.9.2007
Zuletzt bearbeitet: 24.9.2007
Zur Farbe Orange - oranje, von P. Hobma, Niederlande:
Der Name der Farbe kommt aus dem Persischen: narang = Apfelsine. Über Arabien und Spanien gelang die Frucht und der Name derer Farbe (Spanisch: Naranja) ins Französische (orange).
Zufälligerweise gibt es in Südfrankreich an der Rhône eine Stadt, die ebenfalls Orange heißt. Die Kelten hatten dort um 100 v. Chr. eine Siedlung namens Arausio. Diese war einer Wassergottheit der Kelten geweiht. Dann kam Julius Caesar, sah Gallien und besiegte die Kelten (venit, vidit, vicit). Arausio war nun 400 Jahre eine römische Stadt. Später wurde der Name von Sarazenen, Germanen und Franzosen in Orange umgewandelt.
Orange war im Mittelalter die Hauptstadt eines kleinen Fürstentums. Im 16. Jahrhundert gehörte es dem Haus Châlon an. Als der Stammvater des niederländischen Königshauses, Wilhelm von Nassau (geboren 1533), ein elf Jahre alter Junge war, erbte er das Fürstentum, und den Titel Prinz von Orange (Oranien). Er hat dort auch wirklich Einfluss ausgeübt, u.a. förderte er den protestantischen Glauben in Orange. Erst im 17. Jahrhundert unter Ludwig XIV. und Kardinal Richelieu wurde der Protestantismus dort verboten. (Hugenotten!). Das Fürstentum wurde Frankreich einverleibt.
Da Wilhelm von Oranien (Willem de Zwijger = Wilhelm der Verschwiegene) die herausragendste Figur unserer Geschichte gewesen ist, und das Französische in den Adelskreisen die allgemeine Konversations- und Korrespondenzsprache war, liegt es auf der Hand, dass die Farbe, die Frucht und das Fürstentum "Orange" (wo die Früchte gezüchtet werden) zu EINEM Ganzen wurden, einem Begriffsfeld. Orange wurde zur Farbe des niederländischen Freiheitskampfes (1568-1648). Lange Zeit war die Fahne Hollands nicht rot-weiß-blau, sondern orange-weiß-blau: auf Französisch: orange-blanche-bleu. Ein holländisches Kampfwort war damals: Oranje boven (Orange oben)! Die Flagge der Kriegsmarine, die auf den Kriegsschiffen gehisst wurde, war die sogenannte Prinzenflagge: 12 Segmente um einen Mittelpunkt, jeweils orange-weiß-blau.
Im späten 18. Jahrhundert wurde die Republik der Vereinigten Niederlande konservativ und korrupt. Die Statthalter Wilhelm IV. und V., Nachfahren Wilhelms des Verschwiegenen, brachten durch ihre Politik dem Volk gegenüber das Haus Oranien in Verruf. Gegenüber diese "Prinzengesinnten" entstand eine Gegenbewegung, die Patriotten. Diese wurde 1787 noch einmal durch preußische Intervention unterdrückt, aber die Französische Revolution (mit der Trikolore rot-weiß-blau quergestreift) brachte die Prinzengesinnten 1795 endgültig zu Fall.
In allen holländischen Fahnen, Flaggen usw. wurde das Orange nun durch das revolutionäre Rot ersetzt - bis auf den heutigen Tag. Ein Versuch im 20. Jahrhundert, das Orange die Stelle der Farbe Rot wieder einnehmen zu lassen, scheiterte, denn diese Idee kam gerade von der nationalsozialistischen (in den ersten Jahren jedoch noch königsgetreuen) NSB. Und vor allem im 2. Weltkrieg machte die hitlerfreundliche NSB sich alles andere als beliebt... Die Idee einer "oranje-blanje-bleu-vlag" ist heute nur noch in kleinen, rechtsextremen Gruppen beliebt. Darunter eine Splittergruppe, die ein Groß-Niederländisches Reich einschließlich Flandern anstrebt. Nur für Weiße, das ist klar. Nur für Weiße (slechts voor blanken) ist auf Afrikaans:
Slegs vir blankes. Ein Ausdruck des Rassismus der "Apartheid" in Südafrika im 20. Jahrhundert. Und die damaligen Hauptfarben der südafrikanischen Fahne waren: rate mal: ja, orange-weiß-blau längsgestreift(!).
Deswegen bleibt Orange zwar die symbolische Farbe des Königshauses, wird aber aus der Fahne verbannt. Im Sport ist Orange seit etwa 1890-1910 allmählich die Nationalfarbe der Niederlande geworden. Rot war ja schon bei Spanien und später auch Stalin-Russland in Gebrauch, Rot-Weiß-Blau bei Frankreich. (Auch die Deutschen sind im Sport noch wie unter Kaiser Wilhelm gekleidet: Schwarz-Weiß-Rot [früher für die Socken] ist ja die alte Reichsfahne des Kaiserreichs!)
Die Beliebtheit des Hauses von Oranien war nicht immer so groß wie heute. Sie war in Holland groß unter dem "Kaufmannkönig" Wilhelm I. (1815-1830), und dann erst wieder unter Wilhelmina (1898-1948), die sich im 2. Weltkrieg wie eine "Mutter des Vaterlandes" benahm. Ihre liebenswürdige Tochter Juliana war die erste, die mehrmals Fußballspiele besuchte. Es gibt Fotos, auf welchen zu sehen ist, wie die Königin um 1973 ganz begeistert ein Europa-Pokalendspiel mit Feyenoord Rotterdam verfolgte. Große Leistungen im Sport, und Feiertage mit der königlichen Familie: immer wieder: Oranje boven!
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S. auch:
Willem van Oranje
und: Nederlands-Duitse rivaliteit op het voetbalveld - Niederländisch-deutsche Rivalität auf dem Fußballfeld / Und Geschichtliches zu "Orange"
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Noch mehr "orange"
Kolja Reichert: Die orangene Evolution. Eine Farbe wird beliebter und beliebter. Jetzt bekommt sie eine eigene Ausstellung in Steglitz. Der Tagesspiegel Nr. 19289, 23.9.2007, S. 10
Berlin ist ja schon lange eine sehr orangene Stadt, dank der mehr als 20 000 Mülleimer der Stadtreinigung. Aber so orange wie jetzt war sie noch nie. An jedem dritten Laternenmast prangt die Signalfarbe, mit der sich anscheinend jeder identifizieren kann: CDU-Spitzenkandidat Friedbert Pflüger mit dem Hundeblick genauso wie die gut gelaunte WASG-Kämpferin Lucy Redler. Orange tut keinem weh, es ist die Farbe, die am besten geeignet ist, um allen aufzufallen und zugleich nichts zu sagen.
Jeder macht mit ihr, was er will, hat Sabine Weißler vom Kulturamt Steglitz festgestellt. "Orange transportiert immer nur das, was man ihr zuschreibt." Unzählige Geschichten kann die Farbe erzählen, und Weißler hat Bände von Zeitungen und Zeitschriften gewälzt und Keller durchstöbert, um sie zu sammeln. Ab heute sind die Ergebnisse in der Ausstellung "Mein Orange" in der Schwartzschen Villa in Steglitz zu sehen.
Orange kehrt immer wieder. Schon in der Weimarer Republik, die man sich als Spätgeborener ausschließlich schwarz- weiß vorstellt, war Orange eine Modefarbe. Heute erinnert Orange vor allem an die siebziger Jahre, die Zeit der Autobomben, Flugzeugentführungen und Pril-Blumen. Aus dieser Zeit stammt auch das erste farbige Telefon: Es war orange. Die Mode war bunt und kindlich-unbefangen, ganz im Widerspruch zur inneren Unsicherheit. Um den Kontrast zu zeigen, hat Weißler in der Schwartzschen Villa ein Foto der entführten Lufthansa-Maschine "Landshut" direkt neben eines der legendären Hamburger "Spiegel"-Kantine gehängt, die von den Lampen über die Wände bis zu den Stühlen psychedelische Orangetöne trägt. "Wenn man die sieht, versteht man deren Schreibstil besser", scherzt Weißler. In anderen Ländern ist die Farbe noch politischer, auch wenn sich wahrscheinlich nie ein internationaler Farbcode durchsetzen wird: In Holland steht sie für die Monarchie und damit für Beständigkeit, in der Ukraine für das Volk und seinen Widerstand. In einer Truhe ist "Revolutions-Merchandising" ausgestellt: Orangene Schals, orangene Tassen, orangene Kalender...
Viele Gegenstände der Ausstellung zeugen von der "Retro-Problematik", der ewigen Wiederkehr der Modetrends. Seit einigen Jahren ist orange wieder in, die "Creme 21" kehrte zurück, das ZDF wurde orange, und selbst die schwarze CDU rückte Richtung rot. Kurz nach der Wende machte auch der Verfassungsschutz mit einer Image-Kampagne auf harmlos. Ein Beispielstück findet sich in der Ausstellung: Ein Büroklammermagnet in orange.
Die Ausstellung ist ab heute bis 15. Oktober [2006] in der Grunewaldstraße 55 in [Berlin-]Steglitz zu sehen. Dienstag - Freitag 10 bis 18 Uhr, Sonnabend 14 bis 18 Uhr. Infos unter 030 / 902 99 23 02.
Aus dem Ausstellungskatalog:
Thomas Rogalla: Orange sieht man besser. In: Mein Orange, mehr als eine Generationenfarbe. Jonas Verlag 2006, S. 25-29
Warum entscheidet man sich heute für Orange? Im politischen Raum hatte sich die CDU dafür entschieden, weil die Farbe bei der Jugend erstens "total in" sei, zweitens Zuversicht und Reformwillen signalisiere. Die neue Farbe der Konservativen? Franz Müntefering läuft gleichzeitig listig mit alten orangefarbenen Anstecknadeln aus den "Willy wählen"-Wahlkämpfen von 1972 herum. Klar, Orange, nah am Rot, ist eigentlich eher die Farbe der Sozialdemokraten. Da sich aber alle heute in der (neuen) Mitte drängeln, verschwimmen dort auch die Farbunterschiede. In Österreich hat sogar der eher bräunliche Rechte Jörg Haider von Blau auf Orange umgesattelt, bei gleichen Inhalten.
Orange macht alles mit. Es ist einerseits die Trendfarbe für die nächsten Jahre, meldet das Lackunternehmen BASF Coatings: "Orange ist angesagter denn je", weiß die Firma, es werde im Automobillackbereich auch Varianten wie Kupfer (zwischen Rot und Orange) erleben. Merkwürdig. Denn nach Auskunft der Filmakademie Baden-Württemberg ist Orange nach Braun "die unbeliebteste Farbe der Deutschen". Sie stehe für das Laute und Billige. Ole von Beust (CDU) hingegen hat es für seinen Landtagswahlkampf in Hamburg genommen, weil seine Werbeleute auf die werte und edle Anmutung von Orange setzten. Das kam auch an. Die Hanseaten haben ihn zum Hamburger Bürgermeister gewählt. Während die CDU das Erfrischende an Orange schätzt, hat sich das ZDF für Orange auch wegen der glutwarmen Ausstrahlung entschieden, die das kalte Nachrichtenblau des Senders kontrastieren soll. Gibt zusammen lauwarm. Mit Orange geht alles.
Warum wollen alle Orange? Die besten Erklärungen über die widersprüchliche Konjunktur von Orange stammen aus Berlin. Eine ist die von Thomas Macho, Inhaber des Lehrstuhls für Kulturgeschichte an der Humboldt-Universität. Dass sich in der Politik alle auf "Ignorange" werfen, habe schlicht damit zu tun, dass die Farbe auch "frei" war, meint der Forscher. Rot, Schwarz, Grün und Kombinationen wie Blau-Gelb: Alles war schon an Parteien vergeben. Zwar könne der Mensch 250.000 Farbnuancen optisch unterscheiden, aber die Zahl der einschlägigen Farbwörter sei sehr begrenzt. Mit "Magenta" hatte die Telekom sich einen der letzten freien Farbbegriffe geschnappt. Also nimmt die CDU Orange und nicht ein konservatives Resedametallicblau. In Berlin regiert Rot-Rot, und Zinnoberrot und Erdbeerrot.
Was immer die Werbeleute von Parteien, Radiosendern oder Fluglinien uns mit ihrem jeweiligen Orange sagen wollen: In Berlin landen sie mit ihren Interpretationen und Konnotationen stets auf Platz 2. Auf Platz 1 liegt: die BSR. Fragt man die Hauptstädter, was sie mit der Farbe Orange assoziieren, dann sagen über 90 Prozent: die Berliner Stadtreinigung. Dort betrachtet man gelassen den modischen Orange-Hype. "Wir sind das Original", sagt Unternehmenssprecherin Sabine Thümler. "Alle anderen sind nur Nachahmer." Orange ist die Traditionsfarbe der BSR. In West-Berlin wurde der damalige Eigenbetrieb vor etwa 35 Jahren orange eingefärbt, vorher waren die Müllautos meist grau-braun. Das war einerseits unempfindlich gegen die grau-braun staubenden Aschereste aus den Kachelöfen, die beim Entleeren der Mülltonnen ("Keine heiße Asche einfüllen!") aufstiegen. Im bis zur Wende braunkohlebeheizten Ostteil trugen die DDR-Müllwerker winters deshalb noch bis in die achtziger Jahre aschgraue Arbeitskleidung. Andererseits waren die BSR-Autos und die Müllkutscher im damals anschwellenden Autoverkeht auf den Straßen im Westen nur schlecht zu erkennen: Ein einleuchtender Grund für die neue, auffällige Lackierung.
Die BSR braucht für ihre Traditionsfarbe also keine geschraubten Erklärungen: "Orange sieht man einfach besser", konstatiert Thümler. Orange wurde damals überhaupt zur "Kommunalfarbe". Müllabfuhr, Straßenreinigung, Wasserversorgung wurden noch ausschließlich von den Kommunen wahrgenommen. Wer auf öffentlichem Straßenrand arbeitete, griff aus Sicherheitsgründen zu Orange. Doch gesehen werden ist nicht alles. Modernes Orange garantiert noch keine Wahrnehmung als moderner Betrieb. Die BSR im Westen litt schon in den achtziger Jahren zunehmend darunter, dass ihre Leistungen vom Berliner Publikum nicht ausreichend gewürdigt wurden, wohl aber ihre Fehlleistungen. Von erstarkenden privaten Konkurrenten wie Alba unter Druck gesetzt, musste sich der Eigenbetrieb immer häufiger dafür rechtfertigen, dass Schnee nicht rasch geräumt, Papierkörbe nicht geleert und die vom Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen persönlich ausgemachten "Schandflecken" in der Stadt nicht entrümpelt waren. Mit der Fusion von Ost- und West-BSR im Jahr 1992 ergab sich die Notwendigkeit, den vereinigten Stadtreinigungsbetrieb völlig umzustrukturieren, vom Image des angestaubten, überbesetzten, von der Gewerkschaft ÖTV geknebelten Verwaltungsapparates zu befreien und effizienter zu gestalten. Seit 1992 sank der Personalbestand der BSR von 11.500 auf rund 5.400 Beschäftigte, also um rund 50 Prozent. Umso wichtiger wurden Leistungsbereitschaft und Motivation jedes einzelen Mitarbeiters. Aber wer arbeitet schon gern, wenn die ganze Stadt über die eigene Firma nörgelt? Eine Forsa-Umfrage ergab Ende der neunziger Jahre, dass die Berliner die Stadt als dreckig empfanden, die BSR dafür verantwortlich machten und ein negatives Bild des Unternehmens hatten.
Die Wende für die BSR kam im Frühjahr 1999. Mit einer vielfach ausgezeichneten Werbekampagne gelang es der Berliner Agentur Heymann Schnell, in den Köpfen der Berliner ein völlig neues, positives Bild der BSR zu etablieren und gleichzeitig das Selbstbild der BSR-Beschäftigten zum Besseren zu wenden. Die wichtigsten Zutaten der Kampagne, die in mehreren Stufen bis heute fortgesetzt wird: genialische, zeitgeistvolle Slogans ("We kehr for you"), das Foto eines kleinen, dicken Straßenkehrers mit Brille und Brötchen, der Sympathie für das Unternehmen weckte, und: die Farbe Orange. Die Werbeleute schafften es, mit tausenden leuchtendorangefarbenen Plakaten, Prospekten, Spots und Postkarten aus der "Kommunalfarbe" der BSR eine Kultfarbe zu machen. Geschickt machte man sich an die seinerzeit grassierende Love-Parade- und Dance-Club-Jugendbewegung heran, in der Orange als Modefarbe gerade wieder im Kommen war. Heymann Schnell ließen ihren dicken Straßenkehrer in der BSR-Kluft als "Saturday Night Feger" auftreten, "Dreck No beim Techno", stand auf den Kehrmaschinen, die den Tiergarten nach den Müllorgien der Love Parade wieder in Ordnung brachten. Mit "Save the Rave" waren die T-Shirts der BSR-Mitarbeiter bedruckt, die den Partyabfall tonnenweise auf die Müllautos schaufelten, bewundert und angefeuert von starkbusigen, tätowierten Raverinnen. Die Modezeitschrift "Elle" erklärte die BSR-Shirts für trendy. Die Kampagne schaffte es, eine kommunale Dienstleistung zum Kult zu pushen... Den Berlinern wurde insbesondere nach Großereignissen wie der Love Parade oder den Silvesterfeiern am Brandenburger Tor klar, welchen unverzichtbaren Beitrag zur Großstadthygiene ihre toughen "Men in Orange - M.I.O.", (benannt nach dem Kinotitel "Men in black") leisteten...
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Paul Stoop: Du bist Holland. Farbnachrichten aus der Bananenmonarchie. In: Mein Orange, mehr als eine Generationenfarbe. Jonas Verlag 2006, S. 30-43
Die Deutschen sind schuld. Wenn man jene, die vom 11. Jahrhundert das Sagen in der Grafschaft Laurenburg hatten, als Deutsche bezeichnen kann. Die Herren waren wohl eher West-Hessen, klingt aber längst nicht so gut wie "die Deutschen". Die Adligen, um die es hier geht, hatten jedenfalls schöne deutsche Namen wie Ruprecht, Dudo, Arnold und Walram. Sie waren Grafen von Laurenburg, benannt nach ihrem an der Lahn gelegenen Domizil. Im Jahr 1124, also noch vor Einführung der Eigenheimzulage, begannen diese Herrscher mit dem Bau einer weiteren Burg, der Burg Nassau, unweit der Laurenburg gelegen. Der erste, der sich Graf von Laurenburg und Nassau nennen konnte (1160), war Walram I., der Stammvater des Geschlechts Nassau. Wie damals üblich, heirateten die Grafen und übernahmen die Herrschaft über andere, ferne Regionen. Sie brachten einige ihrer Kinder in anerkannten Jobs unter: Nonne, Erzbischof oder auch deutscher König - von 1292 an regierte Adolf von Nassau, bis er 1298 abgesetzt in der Schlacht bei Göllheim getötet wurde. Da war die Grafschaft übrigens schon brüderlich geteilt worden: Während Walram II. den südlichen Teil, Idstein und Weilburg, sein eigen nannte, begründete Graf Otto I. mit Übernahme der Amtsgeschäfte in den nördlichen Gebieten Dilenburg, Siegen und Herborn die ottonische Linie der Nassauer. Deren Amtssitz war die Dillenburg, gelegen an der Dill.
Man könnte auch sagen: Adelheid ist schuld. Denn sie war maßgeblich daran beteiligt, dass die Dillenburg-Nassauer eine bleibende Verbindung mit den Niederlanden eingingen, die es damals als Staatswesen genauso wenig gab wie Deutschland. Also: Ein Enkel des Grafen Otto I., Otto II. von Dillenburg-Nassau (1305-1350), heiratete die reiche Erbtochter Adelheid van Vianden, die unter anderem Gebiete in den Ardennen und Brabant ihr eigen nannte. Der Enkel des Paares, Engelbert I. (ca. 1370-1442), vermehrte Besitz und Ansehen des Geschlechts erheblich durch seine Heirat mit der zwölfjährigen Johanna van Polanen, Herrin weiter Landstriche in Holland, Brabant, Utrecht, Seeland und Hennegau.
Vielleicht ist letztlich aber Claudia schuld. Denn Claudia von Chalon heiratete Heinrich von Nassau (1483-1538), der auch eine Visitenkarte mit dem Aufdruck Baron von Breda besaß. Claudia war unter anderem Prinzessin des souveränen Stadtstaates Orange an der Rh&ocire;ne. So kam der Titel "Oranje" in die Niederlande und verlieh seinen Trägern von Beginn an einen besonderen Glanz. Einerseits war der Kaiser für die Nassauer oberster Lehnherr, genau wie für die anderen Adligen in den Niederen Landen, andererseits befand sich der Nassauer als souveräner Prinz von Orange auf gleicher Augenhöhe mit dem Kaiser. Aus der Masse der edlen Herren, die in den Niederen Landen damals das Sagen hatten, hoben sich die Nassauer damit ab. Heinrich und Claudias Sohn René erbte beim Tod des Vaters den Titel eines Prinzen von Orange. René hinterließ keine ehelichen Kinder und vererbte seinen Besitz seinem Neffen Wilhelm. Und dieser Wilhelm von Oranien, geboren am 24. April 1533 auf Schloss Dillenburg, wurde der Vater des Vaterlandes, und deshalb darf über Prinzessinnen und Fürsten nicht schweigen, wer über die Niederlande und Oranje spricht.
Das niederländische Orange ist mehr als eine Farbe unter vielen. Farben geraten aus der Mode, werden von derselben nach Jahrzehnten wieder entdeckt. Rote Trikots für die Fußballnationalmannschaft? Es ist offenbar kein Problem, sich hin und wieder vom klassischen Weiß zu verabschieden. Das Rot der Sozialisten, Sozialdemokraten, demokratischen Sozialisten, Kommunisten in allen Formen, Ausprägungen und Internationale-Nummerierungen hatte eine starke Bindungskraft, eignete sich aber nie als umfassende Symbolfarbe. Das Grün des Islan wird manchmal zur Mobilisierung eingesetzt, aber auch diese Farbe zielt auf Spaltung, Zuspitzung, auf Konfrontation und Ausgrenzung ab. Orange hält auch nicht immer, was es verspricht. Das irische Orange polarisiert. Das Orange des demokratischen Aufstandes der Ukraine erlebte nur eine kurze Blütezeit. Die ganze demokratische Welt heftete sich 2005 die Signalfarbe für einen Moment ans Revers. Aber schon im Wahlkampf 2006 trat die Ober-Orangistin Tatjana Timuschenko mit ihrer neuen Parteifarbe Weiß an, weil sie sich mit ihrem orangenen Verbündeten Juschtschenko zerstritten hatte. Das niederländische Orange ist das Gegenteil zu diesen Oranges: über Jahrhunderte präsent und gegen Widerstand durchsetzungsfähig, am Ende praktisch unabhängig von der Staatsform akzeptiert, einnehmend, Gegensätze überdeckend und auch durch so manchen Skandal nicht wirklich zu erschüttern.
Dass Wilhelm von Oranien-Nassau Vater des Vaterlandes wurde, kam so: Er war Statthalter in den Provinzen Holland, Utrecht und Seeland, eine Art militärischer Gouverneur, dem Habsburger Kaiser Karl V. verantwortlich. Denn der Kaiser selbst kümmerte sich nicht so intensiv um die Details in den Niederen Landen, schließlich ging die Sonne in seinem Reich nicht unter; Spanien und die Kolonien hatte er ja auch noch in seinem Portfolio. Als Karls Sohn Philipp II. eine Politik zunehmender Zentralisierung seiner spanisch-niederländischen Herrschaft betrieb, führte Wilhelm von Oranien eine Gruppe niederländischer Adliger an, die sich dagegen auflehnten. Es ging um Privilegien und Einfluss, keineswegs um Unabhängigkeit. Der Konflikt eskalierte in den 1560er Jahren. Sozialer Unfriede der Unterschichten trug ebenso dazu bei wie die Ablehnung überzogener Steuerforderungen und die Abwehr gegen den kämpferischen Katholizismus des spanischen Königs. Wilhelm selbst spielte eine zentrale Rolle zu Anfang der Entwicklung, die dann aber eine eigene Dynamik annahm, angetrieben von radikalen "edlen Herrren". Unsterblich wurde aber der Oranier durch seinen gewaltsamen Tod: 1584 wurde er in Delft vom religiösen Fundamentalisten Balthasar Gerards ermordet. Dieser fühlte sich berufen, den Bannfluch Philipps II. gegen Wilhelm von Oranien und dessen Mordaufruf in die Tat umzusetzen - ein politischer Mord als Erfüllung einer monarchisch-katholischen Fatwa. Der Ruhm des tödlich getroffenen Oraniers wird in Delft bis heute stolz dargestellt.
Während die nördlichen Niederlande schon mitten im Konflikt selbstständig handeln konnten und sich in den ersten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts zu einer kommerziellen und militärischen Weltmacht entwickelten, wurde die volle Souveränität erst 1648 im Frieden von Münster besiegelt und international anerkannt. Einen Kaiser oder König brauchten die Vereinigten Provinzen nicht, sie organisierten sich als Republik: locker strukturiert, ein Gebilde zwischen einem Staatenbund und einem Bundesstaat. Die Oranier, die seit Wilhelms Sohn Frederik-Hendrik die Bezeichnung "Oranien-Nassau" trugen, nahmen dabei eine wichtige Stellung ein. Sie wurden immer wieder von den Provinzen zum Statthalter ernannt; in fünf Provinzen war das Amt von 1672 an erblich. Es war also eine Republik mit dynastischen Elementen. Der Schweizer Mediziner und Naturforscher Albrecht von Haller, der 1725 bis 1727 in den Niederlanden lebte, beschrieb dies treffend: "Die Regierung ist ziemlich verworren, und denen meisten Holländern selbst unbekannt." Das Duo der "einflussreichsten Männer des Staates " bildeten der "Ratspensionär", der oberste Beamte der Vereinigten Provinzen, und der Statthalter und Feldherr, "der aus dem Hause Oranien bisher genommen worden und einen großen Einfluss auf alle Staatssachen hat".
Ohne Spannungen verlief das Ganze nicht. Es gab Phasen ohne Statthalter, als die Vertreter der mächtigen Händler- und Bürgerschicht, die Regenten, die Geschicke des Landes selbst in die Hand nahm. Aber wenn es mal wieder so richtig kriselte, erklang der Ruf nach dem Oranier, der gerade reif war für die Aufgabe. Und der übernahm dann wieder die Statthalterschaft, wie 1747, als Frankreich zur Bedrohung wurde. Mit dem Aufkommen der Demokratisierungsbewegung, die sich von der Aufklärung inspiriert fühlte, war es dann vorbei mit diesem Modell. Es gab aufreibende Auseinandersetzungen zwischen den Orangisten und den Modernisierern, die sich das Etikett "Patrioten" angeheftet hatten. Diese wollten die Befugnisse des Statthalters einschränken, die Verwaltung erneuern, aber auch die Macht der Regentenschicht zurückdrängen. Die Patrioten setzten sich 1780 zunächst durch; die Macht der Oranier konnte 1787 nur mit Hilfe der preußischen Armee wiederhergestellt werden.
Die napoleonische Eroberung 1795 brachte die Revolution von außen - die Niederlande wurden als "Batavische Republik" eine Tochterrepublik Frankreichs. Unter heftigen Spannungen, aber überwiegend friedlich, wurde das Land zu einem Einheitsstaat umgewandelt: Wahlrecht, Verwaltung, Rechtswesen, Bildungs- und Steuersystem wurden modernisiert. Auch wurde das metrische System eingeführt - was bedauerlicherweise die Ära des Biermaßes "stoop" beendete, das 2,4250000001212 Litern entspricht. 1806 wurde dieser Staat unter Napoleons Bruder Louis Königreich, das 1810 annektiert wurde. Napoleons Niederlage brachte die Republik nicht zurück. Eine Clique einflussreicher Haager Männer installierte 1813 kurzerhand die Fürstenherrschaft mit den Oraniern als erbliche Monarchen. Das auf dem Wiener Kongress 1815 international anerkannte Königreich der Niederlande umfasste unter König Wilhelm I. fünfzehn Jahre lang auch Belgien, das sich 1830 aber selbständig machte.
Und die Oranier herrschen noch heute: im 19. Jahrhundert Männer. Sie heirateten regelmäßig Deutsche: Wilhelmina von Preußen (Willem I.) und Sophie von Württemberg (Willem III.). Seit 1890 habe die Frauen das Sagen. Den Anfang machte, als Regentin der noch minderjährigen Wilhelmina, Emma... Nach Emma gab es ... die Königinnen Wilhelmina, Juliana und Beatrix. Lange dürfte es nicht mehr dauern, bis wieder ein Mann regiert, der jetzige Prinz Willem-Alexander.
Der Siegeszug der Farbe Orange war nicht mehr aufzuhalten. Schon früh im 20. Jahrhundert entwickelte sich eine Souvenir-Industrie, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit Memorabilia auf den Markt brachte: Teelöffel, Wimpel, Kacheln, Aufnäher und Blechdosen mit Fotoaufdruck und möglichst viel Orange erinenrn an Geburten, Taufen, Hochzeiten und Jubiläen. Am Nationalfeiertag, dem "Königinnentag" am 30. April, ist das Land orange geschmückt. In den Fußballstadien und Eisschnelllauf-Arenen dominieren die orangen Farbblöcke. Es wird rot-weiß-blau mit schmalen orangen Flatterband geflaggt, wenn die Prinzen heiraten, wenn ein neues Prinzenkind geboren wird, wenn Thronjubiläen zu feiern sind. Was in der Praxis republikanisch funktioniert und besonders Deutschen erfreulich zivil und unprätentiös anmutet, kommt in der Verkleidung der Monarchie daher. Wenn die Regierung zu Beginn des parlamentarischen Jahres ihr Programm vorlegt (Sparen, Solidität, Werte und Normen), ist die Monarchin die Vorleserin, und sie erreicht den Haager Rittersaal, in die die Generalstaaten sich aus diesem Anlass versammelt haben, in ihrer goldenen Kutsche, bejubelt und begrüßt von tausenden Untertanen. (Siehe auch: Prinsjesdag in den Niederlanden)
Wenn ich meine ernsten, deutschen Freunde erschrecken will, brauche ich nur in einer politischen Diskussion beiläufig zu sagen: Natürlich bin ich für Monarchie. Das deutsche Gegenüber stutzt, fragt nach, schüttelt den Kopf. Monarchie? Königshaus? Fahnen? Einheitsfarbe? Oranje-Vereine, deren Vorbereitungen auf die großen Momente länger dauern als die eines jeden Karnevalsvereins? Natürlich, in der niederländischen Variante ist das alles gut zu verkraften. Man kann vom niederländischen Königshaus nicht sagen, es habe die Zeichen der Zeit verschlafen. Mehr noch: Es hat sich immer wieder als politisch korrekt erwiesen. Schon vor Einführung des Frauenwahlrechts übernahmen Damen die Führung. Wieviele Länder wurden schon mehr als ein Jahrhundert lang von Frauen regiert, über ein halbes Jahrhundert, bevor Sirimavo Ratwatte Dias Bandaranaike die Weltbühne betrat?
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Und so ähnlich sehen es offenbar doch sehr viele Holländer, die die Oranier und die Monarchie erstmal als gegeben betrachten. Nicht aus Prinzip, sondern weil es in den Niederlanden so gewachsen ist. Was Verfassung und politische Struktur angeht, ist das Land ja ein Sonderfall: Es gab keinen voll ausgebildeten Feudalismus, keine absolute Monarchie, es gab keine wirkliche Revolution. Eine vollendete Republik war es aber genauso wenig wie ein freier Staaten-Bund. Es war - und ist bis heute - eine eigenwillige Mischform mit Elementen aus Demokratie, Oligarchie, Monarchie, Anarchie und Apathie. Der Essayist Henk Hofland hat in den 1980er Jahren die Niederlande mit dem Begriff "Bananenrepublik" charakterisiert. Die Kritik richtete sich dabei nicht gegen die Monarchie, sondern gegen die verrohende Zivilgesellschaft.
Angesichts der säkularisierten Zersplitterung der Gesellschaft, deren Volksparteien heute bestenfalls auf 20 Prozent der Stimmen kommen, eignen sich das Königshaus und Oranje besonders als relativ harmloses Medium der Einheit. Die Monarchie der Oranjes wird von der überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung akzeptiert - in allen Abstufungen von tiefer, kindlicher Ehrfurcht bis entspannt-räsonierender Gleichgültigkeit. Der Historiker Henk de Velde beschreibt die chamäleonhaften Züge der Monarchie, der Staatsrechtler D.J. Elzinga die Eigenart der "neutralen Macht" (pouvoir neutre) der Monarchie. Beide Beschreibungen erklären, warum das Königshaus so umfassend Bestand haben kann: Es ist schwer zu fassen, sein Charakter hybrid.
In einer Phase, da das relative Gewicht der Niederlande in einem wachsenden Europa ebenso abnimmt wie die Souveränität der nationalen Regierungen und Volksvertretungen, bietet sich das diffus-fröhliche Orange bestens als persönliche und kollektive Einkleidung an: Du bist Oranje. In Deutschland soll mit einer millionenschweren "Du-bis-"Kampagne künstlich erzeugt werden, was in Holland historisch gewachsen ist. Selbst wenn der niederländische Protestantismus seit jeher die Einheit von "Gott, Niederlande und Oranje" besonders inbrünstig beschworen hat und die anderen Konfessionen etwas mehr Distanz wahrten, hat sich das Orange weit über die ursprüngliche Calvinistenschar hinaus durchgesetzt. Das Land ist nun mal so eingekleidet. Oranje verleiht ein über Klassen, Parteien und Konfessionen reichendes Wir-Gefühl; Oranje ist so etwas wie die Raufaser der Volksseele. Die Einfärbung schreitet fort. Die niederländische Post hat Anfang 2006 begonnen, die roten Briefkästen im ganzen Land abzumontieren und durch orangene zu ersetzen. Bis 2010 sollen alle niederländischen Briefkästen orange sein.
Da das Orange nicht mehr einer Partei, kaum noch mit einer Konfession, nicht mit weltpolitischen Ambitionen verbunden ist, kann es als Zeichen der Nation herhalten. Der niederländische Nationalismus ist heutzutage milde und in der Regel nicht aggressiv. Der unangenehmste Zug ist noch die Arroganz der Besserwissenden und Bessertuende, aber sogar dieser Zug hat sich durch die Säkularisierung vermindert: Gott-Niederlande-Oranje hat keine so starke Wirkkraft mehr.
Anti-Oranje
Natürlich gibt es sie: Oranje-Gegner. Es sind sich selber ernstnehmende Intellektuelle, liberale Funktionäre und einsam-heroische Kommunisten, die bei Kommunalwahlen in manch nördlichem Dorf immer noch ein paar hundert Stimmen erkämpfen. Alle Jahre wieder wagt ein wahnsinnig mutiger Journalist oder Politiker einen Vorstoß zur Abschaffung der Monarchie. Da wird demokratietheoretischen Rigorismus demonstriert und der Monarchin potentiell entscheidendes politisches Gewicht angedichtet. Etwa mit Blick auf ihr Recht, nach den Parlamentswahlen zur Zweiten Kammer einen Politiker mit der Regierungsbildung zu beauftragen ("formateur"). Inzwischen ernennt das Staatsoberhaupt vor diesem Beauftragten zur Regierungsbildung sogar einen Politiker, der die Aufgabe hat, die Möglichkeiten einer Kabinettsbildung zu sondieren ("informateur"). Aber was bedeutet das schon in einem Land, in dem die Regierungsbildung schon mal ein gutes halbes Jahr in Anspruch nehmen kann? Und in dem immer Koalitionen aus mehr als zwei Parteien gebildet werden müssen, die programmatisch inzwischen nur noch wenig unterscheiden? Angesichts des extrem geringen Restrisikos des Machtmissbrauchs ist ein solches Königsprivileg wahrhaft ungefährlich. Ist eine Republik wirklich besser, in der ein enthemmter Wahlverlierer eigenmächtig zu bestimmen versucht, wer sich an die Regierungsbildung machen darf?
Geldverschwendung wird auch als Argument gegen die Oranje-Herrschaft benutzt. Aber so ein Königshaus ist gar nicht so teuer. Weniger als 90 Millionen Euro beträgt die Summe aller Kosten für das Königshaus. Das ist bescheiden, verglichen etwa mit den Mitteln, die der deutsche Steuerzahler für die parteinahen Stiftungen ausgibt. Allein die beiden großen, die Friedrich-Ebert-Stiftung und die Konrad-Adenauer-Stiftung, erhalten aus öffentlichen Mitteln zusammen rund 200 Millionen Euro pro Jahr.
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Die Aussichten von Orange stehen auf Wachstum. Bei jedem internationalen Fußballturnier mit niederländischer Beteiligung werden die Massen im Stadion, zu Hause und in der Kneipe noch oranjer, noch irrer geschmückt. Inzwischen werden die Oranje-Horden im Ausland freudig begrüßt. Deutsche Sportreporter geraten ins Schwärmen, wenn sie die Oranje-Blöcke sehen, die gut gelaunt die eigene Mannschaft anfeuern, und beim Eisschnelllauf auch schon mal Läufer anderer Nationen. Oranje hat sich verselbständigt, über das Königshaus hinaus. Wenn die Tendenz anhält, Nationalmannschaften von Niederländern trainieren zu lassen (bei der WM 2006 sind es schon vier Teams), wird die Fußball-WM irgendwann zu einer Oranje-internen Übung.
Und so muss dann auch mal eingeschritten werden, wenn die oranje Laune so gut wird, dass befreundete Nationen beleidigt sein könnten. So wie Vorsicht bei Witzen über das Königshaus geboten ist, darf das Oranje nach außen nicht aggressiv wirken oder als beleidigend aufgefasst werden können. So hat eine Firma für die Fußball-WM 2006 in Deutschland einen leichten Plastikhelm auf den Markt gebracht. Die Form ist dem deutschen Stahlhelm nachempfunden, die Farbe orange. Neben einer kleinen rot-weiß-blauen Fahne sind Sprüche zu lesen wie: "Aaanvalllluuuuh!" (deutsch: Attackkkkääääh") oder, im typisch holländischen Halbdeutsch: "Jetzt geht losss". Der Königlich Niederländische Fußballbund fand diese Art Humor nicht witzig und verbannte während der Freundschaftsspiele vor der WM das "Helmchen" aus den Stadien. Bei solchen Späßen gilt eben, wie bei Monarchie, Alkohol und Gummibärchen: Es kommt auf die Dosis an.
"Je maintiendrai" lautet der Wappenspruch der Oranien-Nassauer - ich werde standhalten. Werden sie? Mancher Orangist spricht voller Sorge über die Gefahren der Säkularisierung, Multikulturalisierung und Europäisierung. Aber angesichts der Oranje-Folklorisierung brauchen sie sich wohl keine Sorgen zu machen: Oranje wird Bestand haben - zum läppischen Preis einer irgendwann nur noch 63prozentigen Zustimmungsrate statt der heutigen 80 Prozent, und weitgehend von den alten Werten und Normen der calvinistischen Kultur losgelöst. Denn Oranje hat sich als außergewöhnlich wandlungs- und anpassungsfähig erwiesen.
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